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(31.07.2016 – Depression – Schrei nach Leben)

Laura 1

Ich habe unzählige Male versucht, diesen Text zu schreiben. Es ist mir nie gelungen, weil ich nie das Gefühl hatte, die richtigen Worte zu finden. Dieser Text entsteht jetzt spontan und wird nicht weiter überdacht, denn das habe ich bereits genug getan….

Ich bin depressiv, rezidivierend mittel-bis schwergradig depressiv, um genau zu sein.

*Du hast schlechte Laune* – haben sie gesagt
*Das wird schon wieder* – haben sie gesagt
*reiss dich zusammen* – haben sie gesagt

und… *mach keinen Scheiss* …

den habe ich beinahe gemacht, den Scheiss…einige Male.. Es ist erst die Traurigkeit, dann die Leere, Dunkelheit, Gefühllosigkeit die mich an den Rand meiner Fensterbank trieb. Es geht mir aber vordergründig gut. Ich habe einen Job, eine Wohnung, tolle Freunde, genug zu essen und muss nicht jeden Euro zweimal umdrehen bevor ich ihn ausgebe. Also warum trifft es gerade mich und fegt mich mein leben lang immer wieder in die Dunkelheit. Eine Situation so beängstigend, erdrückend und unerträglich, das ich nur den einen Ausweg sehe? Völlig ferngesteuert und ohne Macht über mein Handeln.
Es raubt mir immer wieder den Schlaf und ich werde innerlich und äusserlich immer weniger. Ich bin innerlich sehr einsam und traurig, dies ist mit nichts materiellem zu ändern.
Der Tag an dem ich mich nicht erinnern konnte, wann ich das letzte Mal gelacht habe und mich die Verzweiflung meiner Freunde erreichte, rüttelte mich wach. Ich habe mich durch Arzttermine, Medikamente, Nebenwirkungen und den ganzen bürokratischen Mist gewühlt.. In meiner schlimmsten Phase der letzten Depression musste ich gleichzeitig den grössten Willen zu leben aufbringen. Alle Widrigkeiten und Rückschläge hinnehmen und einmal mehr aufstehen.
Ich war so müde, so unendlich müde. Ich hatte die Verbindung zwischen mir und meinem Umfeld nahezu komplett verloren und aufgegeben. Gerade dann musste ich gegen meine Dämonen rebellieren und um etwas kämpfen, was ich nahezu vergessen hatte. Um mein Leben, Wärme, Liebe, vor allem zu mir selbst.. Ich kann gut verstehen, wenn man nicht nachvollziehen kann, was Depressionen sind und was sie aus und mit einem Menschen machen können. Es ist eben nicht so visualisierbar wie ein gebrochener Arm, Schiene dran, Physiotherapie und dann ist man geheilt.
Depression ist viel komplexer und frisst unkontrolliert von innen die Seele auf. Das klingt sicherlich dramatisch, aber ich habe es selbst erlebt und es war für jeden sichtbar, das ich mehr und mehr nur zur lebendigen Hülle wurde…. Warum schreibe ich diese Zeilen? Es ist für mich ein Befreiungsschlag. Ich merkte zunehmend, dass ich der Umwelt zuliebe meine Krankheit zu einem Geheimnis machen musste und genau das will ich nicht mehr. Das ich streckenweise sehr dünn und krank aussah… hier ist der Grund! Ich bin depressiv! Mir ist es egal, wenn jetzt jemand über mich lacht und denkt, die ist doch irre.
Ich weiss, was ich bis heute alles geschafft habe.
Ich habe meine Medikamente, bin soweit gut eingestellt und ja, ich habe eine verdammt gute Therapeutin, die mich auf meinem Weg aus der Dunkelheit unterstützt. Ich gehe zwei Schritte vor und immer mal wieder einen zurück, aber ich gehe. Würde ich das nicht tun, wäre ich heute nicht mehr und es muss ihn geben, diesen Grund Freude am Leben zu haben und fühlen zu können, zu dürfen und damit umgehen zu können. Es ist mein Schrei nach Leben! Das für mich grösste Geschenk in der vergangenen Zeit ist die Liebe meiner Freunde, ohne euch wäre ich verloren gewesen!

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
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Text: Tante Anke
Model: Laura


(28.08.2016 – Die Peitsche in mir)

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Seit Stunden schon peitschten ihr unzählige Gedanken durch den Kopf und sie hatte Mühe ruhig zu atmen. Du musst schlafen, ermunterte sie sich. Du musst endlich schlafen. Ihr Atem wurde immer langsamer und eine unsichtbare Hand drückte ihr die Kehle zu. Sie rang nach Luft und versuchte ihren Rhythmus wieder zu finden. Doch da peitschte sie ein neuer Gedanke. Du musst, du musst, du musst.

Panisch rannte sie ins Bad, in der Hoffnung die unsichtbaren Geister abschütteln zu können. Sie stürzte zum Waschbecken und ließ den eiskalten Wasserstrahl über ihre Pulsadern laufen. Das Geräusch des Wassers beruhigte sie. Lange stand sie so da und hörte dem Rauschen zu. Doch dann war die Kälte des Wassers nicht mehr zu ertragen. Ruckartig zog sie die Hände an sich und starrte auf den plätschernden Strahl. Das Rauschen machte ihr Angst. Es wurde lauter und lauter in ihrem Kopf und sie rannte hinaus auf den Flur.

Sie hielt sich die Ohren zu und brach weinend zusammen. Lasst mich doch alle in Ruhe. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ihre Fäuste trommelten noch immer auf den Boden, als sich die Peitsche erneut in ihrem Kopf erhob.

Und auf einmal stand er vor ihr, ein rettender Engel. „Komm, mein Schatz. Die Sonne scheint. Hörst du die Vögel zwitschern?“ Er zog sie sanft nach oben und küsste ihr die Stirn. Ein Lächeln huschte über ihre Lippen. „Danke, dass du so stark für mich bist.“

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
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Text: Lisa M. Lenardi


(15.09.2016 – Schwäche zeigen bedeutet Stärke)

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Es ist schon eine längere Zeit her, da bekam ich – wie es nun mal so ist – im Bus ein ungewolltes Gespräch Zweier Frauen mit. Sie unterhielten sich über ihre Männer und eine der Zwei erzählte, dass ihr Mann gerade eine schwere Phase durchmacht, total fertig sei und sie es überhaupt nicht verstehen könnte. Sie war weiterhin der Meinung, dass sie es ja auch nicht immer leicht hätte und ihr Leben trotzdem gut gemeistert bekäme trotz mancher Tiefs. Kopfschüttelnd und genervt fragte sie ihre Freundin, ob es normal sei, dass Mann sich so kindisch in eine solche Situation reinsteigert, denn sie fände sein Verhalten total überzogen.

Haben wir Frauen generell das Recht so über Männer zu denken?

Wer heute noch behauptet, dass Männer nicht schwächeln dürfen, ist meiner Meinung nach, in der Zeit irgendwo stehen geblieben. Männer dürfen genau so Schwäche empfinden und Gefühle zeigen, wie eine Frau auch. Sie müssen nicht immer stark sein und aufopferungsvoll, sondern dürfen auch mal sensibel sein. Gerade in der heutigen Zeit wird es immer hektischer und stressiger und das Ding mit dem Leistungslevel steigt tendenziell immer weiter stark nach oben. Solche extremen Lebensumstände gehen natürlich auch nicht mehr so eben spurlos an den Männern vorbei und so stoßen auch sie immer schneller an ihre Grenzen.

Doch wer setzt fest, wie ein Mann zu denken und zu fühlen hat?

Getrieben von dem, was ihnen damals meist von den eigenen Eltern suggeriert worden ist, kommen sie heute nicht mehr zur Ruhe. Männer sollten doch zu damaligen Zeiten der Teil sein, die alles meistern und bewältigen können, stark und mutig sind und im Idealfall für fast alles im Leben eine Lösung zur Hand haben. Dieses Denken aus solchen Männern herauszubekommen ist sehr sehr schwer, denn sie haben es so sehr inne, das sie sich dessen schämen. Sie zeigen es ungern bis gar nicht vor anderen, wenn es dann doch mal zu einem Gefühlsausbruch kommt und sie weder gedanklich noch gefühlsmäßig nicht mehr können.

Wir modernen Frauen etwa, weil wir trotz allem noch dieses Denken von Mann innehaben, dass er uns beschützen können muss und weiterhin den Glauben inne haben, das ein Mann nicht nur körperlich, sondern auch im Charakter stärker, gefestigter und mutiger sein müsste, als wir es selber geworden sind? Seien wir doch mal ehrlich, keiner außer der betroffene Mann selber, hat in diesem Moment ganz für sich alleine das Recht zu bestimmen, wie schlecht es ihm wirklich geht. Kein anderer kann besser nachempfinden, wie es in ihm wirklich aussieht, als er zu diesem Zeitpunkt, da keiner so tief in seine Seele blicken kann.

Ja wir Frauen wollten die Emanzipation und die ist auch richtig und wichtig aber sie gibt uns nicht im negativen Sinne das Recht dazu einen Mann zu verurteilen, wenn er mal in der ein oder anderen Situation schwächer ist als wir. Nein, ein Mann hat dazu genauso das Recht wie wir Frauen da draußen auch. Wir Frauen wollen die starke Schulter eines Mannes zum Anlehnen, wenn es uns mal schlecht geht? Ja, aber dann sollten wir ebenso dazu bereit sein, den Männern unsere starke Schulter zu reichen und lernen ihnen auch mal genau zuzuhören, wenn sie mal unsere Hilfe und Unterstützung brauchen, anstatt es respektlos zu belächeln.

Wie verhält sich Mann in solchen extremen Situationen meist?

Sie vermeiden es lieber mit vertrauten Menschen über ihre Probleme zu reden und versuchen es mit sich selber auszumachen. Doch genau das finde ich ab einem gewissen Punkt fatal in einer Welt, wie der heutigen, wo immer mehr von einem gefordert wird und man dem Druck von außerhalb kaum noch Stand halten kann. So kommt es – was viele immer noch sehr unterschätzen – auch bei vielen Männern dazu, dass sie in ein Seelenchaos geraten aus dem sie alleine nicht mehr rauskommen. Sie fallen ebenfalls immer tiefer in diese Leere, weil sie denken, ihre Probleme werden gerade für einen Mann arg heruntergespielt und verharmlost.

Wie sollten wir in der heutigen Zeit wirklich reagieren?

In meinem Denken als Frau ist es ein Anvertrauen und Öffnen seitens des Mannes aber in keinem Fall ein rumjammern und ausheulen. Ich finde, wenn ein Mann den Mut dazu findet, sich uns gegenüber zu öffnen und von sich preis gibt, was wirklich in ihm vorgeht, zeigt dies sehr viel Stärke und das sollten wir wertschätzen.  Es zeigt, dass Schwäche zu zeigen und sich angreifbar zu machen eher Stärke beweist, gerade weil es vielen Männern aus oben genannten Gründen noch so sehr missfällt. Sie wollen in so einem schweren Moment ebenso angehört und ernst genommen werden, denn für sie bedeutet es Mut sich so zu zeigen.

Zu oft und zu gerne verschließen wir Menschen die Augen vor der Wahrheit und vor zu starker Veränderung, die aber zum Leben nun mal dazugehören. Es gibt leider ebenso viele Männer, die aus welchen Gründen auch immer ebenfalls in Depressionen oder Burnout geraten und davon betroffen sind. Wir sollten dies keinesfalls verharmlosen, nein ganz im Gegenteil, denn gerade bei Mann ist es oftmals schwerer erkennbar, da er im Alltag, als auch in einer Beziehung uns Frauen gegenüber und in seinem Job weiterhin versucht seinen Mann zu stehen und versucht sich zu behaupten.

Wir sollten von altmodischen Denkensweisen wirklich langsam einmal Abschied nehmen, gegenseitig gleich stark füreinander da sein und den Männern an unserer Seite dieselben Rechte einräumen, wie uns Frauen auch. Ihnen immer wieder zeigen, dass sie uns genauso ihr Vertrauen schenken dürfen.
Emanzipation bedeutet für uns Frauen die Gleichsetzung mit den Männern, also sollten wir sie ihnen auch endlich mal berechtigt einräumen. Wir leben doch schließlich im 20. Jahrhundert und wenn wir jetzt nicht ganz klar beginnen umzudenken und von alten Wegen bereit sind abzugehen, wann denn bitte dann?

Fotograf: Dirk Ludwig Fotografie
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Bildbearbeitung: Martin Loosli
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Text: Nadine Wagner
Model: Paint it black


(12.10.2016 – Wenn Erinnerungen aus der Kindheit, erwachsene Menschen krank machen)
(Eine weitere persönliche Analyse)

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“Depressionen sind oft eine Folge von Erinnerungen, die sich negativ im Patienten festgesetzt haben. Dinge die lange Jahre, sogar Jahrzehnte zurück liegen, können einen erwachsenen Menschen krank machen. So etwas nennt man „Posttraumatische Belastungsstörungen“, durch die sehr häufig Depressionen ausgelöst werden.

Oft werden diese einschneidenden Ereignisse im Kindesalter einfach verdrängt. Eine Art Selbstschutz wird ausgelöst, um im normalen Leben irgendwie wieder teilzunehmen. Diese Verdrängung ist aber eben nur eine Verdrängung, keine Aufarbeitung des Problems.

Bei manchen Menschen läuft dann in ihrem restlichen Leben alles „normal“ ab. Die Verdrängung ist so groß, das nichts und niemand sie wieder daran erinnern könnte. Es gibt aber auch die Fälle, in denen Jahrzehnte später, vielleicht durch eine spezielle Situation, diese Erinnerung wieder zum Vorschein kommen.

Das kann von einem Tag auf den anderen passieren. Nervenzusammenbrüche sind nicht selten in diesen Fällen festzustellen. Der komplette Inhalt der damaligen Situation wird wieder Realität mit allen seelischen Schmerzen. Diese neue Realität nimmt einem die Kraft am „normalen“ Leben teilzunehmen. Das äussere Umfeld nimmt natürlich diese Veränderung wahr, kann aber sehr oft nichts damit anfangen. Der Patient selber ist nicht in der Lage, seine Situation in der er steckt, zu erklären. Ein Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben ist die Folge. Je mehr man sich zurück zieht, um so stärker wird mit Unverständnis aus dem Umfeld darauf reagiert. Ein Teufelskreis beginnt!

Sich fachliche Hilfe zu holen, darin sehe ich den einzigen wirklichen Ausweg. Ein Problem ist sich selber einzugestehen, daß man mit seinem Leben nicht mehr klar kommt. Ein anderes Problem sind die oft langen Wartezeiten bei den Therapeuten und Fachkliniken. Manchmal hilft da nur eine Einweisung, über den Hausarzt, in eine Akutklinik.“

Fotograf und Bildbearbeitung: Holger Dankelmann
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Text: Holger Dankelmann


(15.10.2016 – Triggerwarnung)

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Ich leide unter Depressionen, seit mehr als 5 Jahren und habe 2 Suizidversuche hinter mir. Es kostet so viel Kraft, zurück ins Leben zu finden. Jeder Tag ist ein neuer Kampf, wenn man sich für den Weg entschieden hat zu leben. Ich habe mich sehr lange geschämt und zurück gezogen .

Die Krankheit verleugnet aus Angst abgewertet oder abgestempelt zu werden. Ich möchte der Kampagne gerne mein Gesicht geben, weil ich mich nicht mehr für das schäme und entschuldigene, was ich bin, für die Dinge die ich erlebt und die mich geprägt haben und dafür das unter Despressionen leide und sie mich mein Leben lang begleiten werden.

Es ist wichtig sich zeigen zu können, wie man ist. Geliebt, geschätzt und respektiert zu werden für das, was man ist. Ich habe auf dem schmalen Grad zwischen Leben und Tod gelebt, viele Jahre. Es lohnt sich, sich für das Leben zu entscheiden. Es hat so viele schöne Dinge zu bieten und man lernt diese Momente um so mehr zu schätzen. Seitdem ich dieses erkannt habe , sehe ich sie als mein Begleiter.

Ich kämpfe nicht mehr dagegen an, denn es ist ein Kampf gegen mich selbst gewesen. Ich habe Hoffnung. Dieses Gefühl wünsche ich jedem Betroffenen, denn sie ermutigt mich jeden morgen aufzustehen und weiter zu machn. Und durch sie habe ich nach der schweren Zeit innige Liebe, Glück und tiefe Freundschaft erleben dürfen, die mein Leben beständig machen, denn für diese Erfahrungen lohnt es sich zu kämpfen ♡

Fotograf: Ally VT
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Text: Ally VT
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(03.11.2016 – Mein schwarzer Schleier)

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Ich spürte den schwarzen Schleier … Er lastete auf meinen Schultern … Auf meinem Herz …

Er war so schwer, dass jede Bewegung unmöglich schien. Er war so dicht und stickig – er nahm mir die Luft zum Atmen. Das Lachen meiner Liebsten hörte ich nur noch dumpf und schwach. Ihr Lächeln wurde durch den schwarzen Schleier bis zur Unkenntlichkeit verzehrt.

An manchen Tagen war er leichter oder ich stärker aber an den meisten Tagen nahm er mir die Freude am Leben. Immer wieder versuchte ich, mich davon zu befreien. Vergeblich …
Er nahm mir das Sonnenlicht. Er kappte jegliche Energiequelle, zugleich er mir immer mehr Kraft entzog.

Niemand sah den Schleier. Manche nahmen ihn nicht wahr. Anderen versuchte ich ihn zu verheimlichen. Aus Scham, aus Angst schwach zu wirken. Ich funktionierte, solange ich konnte, bis ich nicht mehr konnte. Ich lag nun unter diesem stickigen schwarzen schweren Schleier und weinte, ich bettelte um Hilfe, ich flehte.

Ich entschied mich dazu nicht mich aufzugeben, sondern lediglich meinen falschen Stolz. Ich erfuhr Verständnis, Hilfe und Unterstützung.

Mit Zeit und Geduld wurde aus dem Schwarz ein mittleres Grau. Ich kann wieder atmen. Ich höre Euer Lachen und sehe Euer Lächeln. Viele bemerken es nicht … Manche erkennen … mich … die Frau unter dem Schleier. Ich beginne, die Freude am Leben wieder zu erlangen. Die lange leergefahrenen Energiespeicher fülle ich nun mit positiven Momenten und Emotionen.

Ich werde mich nie ganz von dem Schleier befreien können. Es wird auch wieder Tage geben an denen er schwarz und schwer sein wird. Ich arbeite weiter daran, ihn leichter und heller werden zu lassen.

Fotograf: Alfons P. Schwickert
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Bildbearbeitung: Alfons P. Schwickert
Text: Chrissi Walter
Model: Chrissi Walter


(05.11.2016 – Was ist Depression? Der amateurhafte Versuch einer Analyse – Teil 1)

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Mit diesem Text möchte ich meine Gedanke zum Thema Depressionen niederschreiben. Ich erhebe nicht den Anspruch auf eine fachliche Kompetenz. Was mir wichtig ist, dass diese Krankheit (ja es ist eine Krankheit!) nicht weiter ein Tabuthema bleibt! Deswegen versuche ich es auf diesem Wege andern Betroffenen zu sagen: „Versteckt euch nicht!“ Doch nun zum eigentliche Text.

Ich bin krank! Ich bin krank und habe nicht nur einen Stimmungsschwankung! Es ist mir nicht damit geholfen zu sagen: „Ich kenne das, ich war auch schon mal schlecht drauf.“ Es sind wohl die wenigsten die jemanden mit einer Krebserkrankung sagen, „Ich kenne das, ich hatte auch mal eine Entzündung.“

Depression ist eine heimtückische Krankheit. Sie bringt einen dazu sich selbst soweit in Frage zu stellen, ob sich das Leben noch lohnt. Die Gefahr eines Suizid schwingt immer mehr, oder weniger mit. Je nach Krankheitsgrad und Persönlichkeit, kann das für einen Patienten der letzte „Ausweg“ sein.

Das Gemeine an der Krankheit ist, man kann sie so wie herkömmliche Krankheiten nicht eindeutig bestimmen. Ein Knochenbruch kann man am Röntgengerät feststellen und mit einem Gipsverband Heilung verschaffen. Das ist klar zu sehen, gerade auch vom Umfeld des Patienten. Da ist ein Verband, da ist ein Gips, da ist ein Röntgenbild. Alles ist klar und verständlich.

Eine Depression kommt schleichend und ist sehr heimtückisch. Der Patient weiß am Anfang oft selber nicht das er daran erkrankt ist. Wenn er es bemerkt, ist die Depression meistens schon so weit vorgeschritten, dass man ohne fachliche Hilfe keine Chance hat, aus dieser Spirale einen Weg für sich zu finden.

Anfangs sind da die Schlafstörungen, … nur ab und zu. Da sind diese Tage, in der man antriebslos die Stunden an sich vorüber streichen lässt. „Ist halt heute nicht mein Tag“ versucht man sich das zu erklären. Doch aus ab und zu werden diese Schlafstörungen immer mehr und auch diese antriebslosen Tage tauchen häufiger auf.

„Jetzt reiß dich mal zusammen!“ sagt man sich selber und wird auch vom Umfeld einem an den Kopf geworfen. Doch das Loch in dem man steckt, hat keine Leiter die ans Licht führt. Man hat selber eine Schaufel in der Hand und gräbt sich weiter in diesem dunklen Loch nach unten.

Man nimmt sich Dinge vor für den neuen Tag und muss am Ende des Tages erkennen, man hat nichts davon geschafft. Man schaut nicht mehr in den Spiegel, denn das was einen da anschaut gefällt einem nicht. Die Depression übernimmt das Leben, alles um einen herum hat keinen Sinn mehr. Ziellos treibt man durch den Tag und ist Nachts wach und fragt sich: „Für was bin ich eigentlich noch gut, ausser den anderen Menschen den Sauerstoff zu rauben?“

Das Umfeld versteht nicht was mit dir los ist. Wie auch? Du verstehst dich ja selber nicht. Es gibt kein Röntgenbild von deiner kranken Seele, das man vorlegen kann, um die Krankheit zu erklären und zu bestätigen. Denn das ist oft das Problem, auf der einen Seite sich selber einzugestehen krank zu sein und auf der anderen Seite dieses dem persönlichen Umfeld zu erklären.

Depression ist keine Willensentscheidung! Es ist eine Krankheit die meinen freien Willen nicht mehr zulässt. Ich sitze zu Hause und habe noch einige Dinge zu erledigen. Nichts wichtiges, Müll runter bringen, ein Telefonat führen, vielleicht ein paar Sachen einkaufen. Doch die Depression hält mich fest an diesem Stuhl, auf dem ich gerade sitze. Ich schaffe es nicht auch nur eines dieser Dinge zu erledigen. Und am Abend werfe ich mir vor, „Na du, wieder mal nichts auf die Reihe gebracht?“

Man zieht sich immer weiter in das Schneckenhaus zurück und sitzt am hellen Tage in einer dunklen Wolke, oder einem dichten Nebel, der nichts an einen rankommen lässt. Selbst der Sex und die Liebe zu deinem Partner schwindet. Alles verliert seinen Reiz. Wann hat man zuletzt wirklich aus vollem Herzen gelacht und es nicht nur wegen den Freunden vorgespielt? Nichts interessiert einen noch. Gefühle wie Freude oder Glück verschwinden in der dunklen Wolke, die einen umgibt.

Fotograf und Bildbearbeitung: Holger Dankelmann
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Text: Holger Dankelmann


(18.11.2016 – Was ist Depression? Der amateurhafte Versuch einer Analyse – Teil 2)

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So schnell hätte ich selber nicht gedacht, dass der 2. Teil meiner „Analyse“ in Wort und Bild fertig würde. Irgendwie war der Antrieb so groß, das ich beide Teile an einem Tag geschrieben habe. In meinem ersten Teil versuchte ich meinen Standpunkt zu meiner Krankheit Depression in Worte zu fassen. In diesem 2. Teil möchte ich aufzeigen was mir geholfen hat, diese Krankheit besser in den Griff zu bekommen.

Grundlegend gleich zu Anfang, wer an Depressionen leidet, sollte sich fachliche Hilfe holen! Zu meinen, man bekommt es selber alleine in den Griff, ist meiner Meinung nach ein großer Irrtum, der einen nur noch weiter in die Arme dieser Krankheit treibt. Öffnet euch und lasst euch helfen!

Bei mir hat es relativ wenig Zeit gedauert, bis ich erkannt habe, dass mit mir etwas nicht stimmt. Ich hatte den „Vorteil“ das jemand im engsten Familienkreis seit über 10 Jahren an Depressionen leidet. Doch sich fachliche Hilfe zu holen ist deswegen nicht leichter. Man muss sich ja selber und anderen eingestehen, dass man mit seinem Leben nicht mehr klar kommt und wer macht das schon gerne?

Es ging noch einige Zeit ins Land bis nach dem Erkennen, auch der Wunsch nach Hilfe stärker wurde. Ich kam mit mir und meinem Leben überhaupt nicht mehr klar. Ich gab auf und wurde über meine Hausärztin zu ersten stationären Aufenthalt in einerPsychosomatischen Abteilung einer Klinik in unserer Nähe überwiesen. Aus der heutigen Sicht war dieser Aufenthalt dort suboptimal. Einige Dinge halfen mir, andere Dinge dagegen eher weniger. Aber ich habe mich auf den Weg gemacht etwas gegen diese Krankheit zu unternehmen. Ich war auf dem richtigen Weg, das war sicher!

Gegen Ende des stationären Aufenthaltes kam die Frage nach einer ambulanten Weiterführung der Therapie durch einen Psychotherapeuten. Ich bekam eine Liste von Fachleuten in meiner Nähe, die ich wegen einem ersten unverbindlichen Gespräch anrufen sollte. Doch ich machte das nicht. Ich war der Meinung, dass nun alles wieder gut ist und ich mein altes Leben wieder hätte. Ein fataler Irrtum!

Sicher, am Anfang funktionierte ich wieder. Ob bei der Arbeit, Freunden, oder zu Hause. Alles lief irgendwie wieder seinen Gang. Ich versuchte erst gar nicht mir weitere Hilfe im Anschluss an dem stationären Aufenthalt zu suchen. Der zweite große Fehler von mir war die Medikamente, die ich in der Klinik bekommen hatte, zu Hause auch weiter einzunehmen. Mir ging es ja wieder gut. Also alles wieder klar. Das brauche ich nicht mehr. So lebte ich meinen Alltag wieder und das ging fast 1,5 Jahre gut. Ich machte mir nicht mal mehr ansatzweise Gedanken zum Thema Depression.

Doch diese Rechnung ging leider nicht auf. Die Depressionen schlugen nicht nur wieder zu, sondern kamen in verschärfter Art und Weise das es mich in kürzester Zeit komplett aus diesem, doch sonst so gut funktionierenden, Leben warf. Ich konnte nicht mehr arbeiten. Ich war zu nichts mehr zu gebrauchen und ich hasste mich dafür. Ich steckte innerhalb von Wochen viel tiefer in der Erkrankung, wie noch vor meinem ersten stationären Aufenthalt.

Ein zweiter stationäre Aufenthalt wurde nötig. Dieses mal in einer anderen Klinik. Diese ist spezialisiert auf posttraumatische Belastungsstörungen mit mittelschweren Depressionen. So nennt sich mein Krankheitsbild. Da ging es richtig zur Sache, der Aufenthalt wurde sogar um zwei Wochen verlängert, so das ich fast vier Monate „weg vom Fenster“ war. Auch hier kam im Abschluss der Zettel mit Namen von Psychotherapeuten in meiner Nähe. Dieses Mal nahm ich das Telefon in die Hand. Das was mir da geschehen war, wollte ich mir und meiner Familie nicht noch mal antun.

Ich hatte das große Glück einen fachlich kompetenten Therapeuten zu finden, der mich auch kurzfristig in seine Liste von Patienten aufnahm. Dafür danke ich meiner Hausärztin noch heute dafür, die sich für mich stark gemacht hat. Denn einen Psychotherapeuten zu finden, der einen ohne Monate(!) lange Wartezeit aufnimmt, ist extrem selten. Zusätzlich kam noch ein Psychologe ins Spiel, der für meine Medikation zuständig ist.

Doch ich tat wieder den Fehler vom letzten Mal. Ich bin halt kein Freund von Medikamenten, war ich noch nie. Also lies ich mir diese Medikamente zwar verschreiben, nahm sie aber nicht ein. Ich fing schon an, diese im Alltagsmüll zu entsorgen, damit es nicht auffiel. Doch das ging nicht lange gut. Meine Schlafstörungen kamen wieder und ich lief nur noch mit halber Kraft am Tag, wenn es ein guter Tag war. Ich musste was ändern.

Ich fing an die Medikament zu nehmen, erst unregelmäßig, was aber nicht viel brachte. Erst nachdem ich regelmäßig meine Tabletten zu mir nahm, konnte ich wieder die Nacht durchschlafen und war wenigstens körperlich schon mal fit für den Alltag. Mir geht es relativ gut, was nicht heißt, ich bin geheilt. Denn das ist bis jetzt noch nicht möglich bei mir, will es aber auch nicht komplett verneinen. Zwischenzeitlich nach einem härteren Kampf (bin bis vor das Sozialgericht gegangen), habe ich eine befristete Erwerbsminderungsrente die im Frühjahr 2018 ausläuft. Was bis dahin ist, kann heute keiner sagen.

Vor zwei Wochen hat mich eine depressive Episode unerwartet ziemlich heftig getroffen. Wochenlang ging es mir eigentlich sehr gut. Dann kam sie und die Wirkungen spüre ich heute noch nach. doch ich habe gelernt! Ich habe einen Termin bei meinem Psychologen und werde das ansprechen. Mein Therapeut nannte es eine endogene depressive Episode und hat sie mir erklärt.

Grundlegend werde ich weiter daran arbeiten diese Krankheit für mich besser in den Griff zu bekommen und ich bin dankbar für die therapeutische Unterstützung und auch selbst für die Medikamente kann ich zwischenzeitlich dankbar sein. Ich möchte noch eines kurz zum Schluss zum Thema Medikament ansprechen.

Zu jedem Medikament und seiner Wirkung kann man zwischenzeitlich Informationen im Internet finden. Habt keine Angst, sie werden nicht eure Persönlichkeit verändern, das hat die Depression schon längst gemacht. Sie helfen euch wieder ein, mehr oder weniger, normales Leben führen zu können. Es ist sicher kein einfacher Weg, aber macht nicht die Fehler den ich gemacht habe! Lasst euch helfen! Ihr seit es uns wert!

Fotograf und Bildbearbeitung: Holger Dankelmann
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Text: Holger Dankelmann


(26.11.2016 – Gib Depressionen ein Gesicht)

fjara

Alleine dieser Satz lässt Dich oft an Deine Grezen stoßen. Wie solltest du es auch schaffen, etwas ein Gesicht geben, wo Du doch selbst oft nicht weißt, was dein Gesicht ist, wer DU überhaupt bist.
Ist die Depression Du? Oder bist Du die Depression?
Eine Depression ist nicht nur Schwarz. Nein, ganz im Gegenteil, sie hat so viele Schattierungen
Sie gibt dir das Gefühl, Du würdest vor dem Nichts stehen. Sie gibt dir das Gefühl, alleine zu sein.
Als würdest du dich in einem Raum voller Menschen befinden. Du schreist so laut du kannst, und doch nimmt dich niemand wahr.
Dann gibt es Tage, da glaubst Du, die ganze Welt liegt dir zu Füßen. Dann lässt sie dich eine endlose Leere spüren. Sie schafft es, dass deine Welt still steht, obwohl sich die Welt für alle anderen weiter dreht.
Du hast es nicht in der Hand, wann deine Welt sich wieder zu drehen beginnt.
Nein, Du hast gar nichts in der Hand.
Die Depression allein entscheidet, ob und wann deine Welt wieder zu routieren beginnt.
Und dann, ganz plötzlich, entscheidet sich die Depression, dass sich auch deine Welt nun wieder drehen soll. Du bist glücklich, Du freust dich, fühlst dich aufeinmal wie all die anderen vielen normalen Menschen auf dieser Welt.
Du schöpfst Hoffnung. Du beginnst mit großem Enthusiasmus dein normales Leben zu planen. Freust dich, wieder Freude an den kleinen Dingen haben zu können, die das Leben so lebenswert zu machen.
Du bist dankbar, wieder ein großes Stück an Normalität zurück gewonnen zu haben. Aber die Depression ist ein hinterhältiges Miststück.
Gerade hast Du begonnen, dich an dieses wundervolle Leben wieder zu gewöhnen. Und plötzlich ist sie wieder da: die Depression. Aus dem Nichts taucht sie auf. Du bist machtlos. Du bist ihr hilflos ausgeliefert. Sie hat dich in der Hand, dass weißt Du und es macht dich wütend. Traurig. Aggressiv.
Unwissende sagen dann: „Reiß dich zusammen“ „Kämpf dagegen an“
Es ist ja nicht so, als würdest Du nicht ständig dagegen ankämpfen.Du hasst dich selbst dafür, dass Du es nicht schaffst diesem Miststück die Stirn zu bieten. Aber das ist es nunmal, was eine Depression ist:
Sie ist dein Handeln, dein Denken und dein Sein.

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
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Text: Carina Wurzenberger
Model: La sognatrice


(27.11.2016 – Wenn selbst kleine Dinge nicht mehr machbar sind)

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Die Nacht ist vorbei. Durch Medikamente traumlos geschlafen. Gestern mir vorgenommen heute einige Dinge zu erledigen. Nichts großes. Müll runter bringen. Staubsaugen (ist dringend nötig!) und vielleicht noch etwas einkaufen (die weiße gähnende Leere starrt mich jeden Tag mehr an). Aber erst mal einen Kaffee. Danach gehe ich ans Werk.

Kaffee 2.0 und noch nichts gemacht. Aber ich will ja … irgendwie. Kaffee 3.0 und der Vormittag rauscht an mir vorbei. Nach dem Mittagessen gehe ich dran, verspreche ich mir selber und weiß eigentlich schon, dass ich dieses Versprechen nicht halten kann. Fühle mich wie gefesselt von meiner Depression, die mich zum Nichtstun zwingt. Die simplen Arbeiten erscheinen mir viel zu groß, als das ich sie schaffen könnte.

Gedanken der persönlichen Unzulänglichkeit kommen hoch. „Wieder einmal nichts geschafft. Wofür bin ich noch gut?“ Ich will mich zusammenreissen. Ein Spruch der einem als depressiv Erkrankten auch durchaus vom persönlichen Umfeld entgegen geworfen wird. Zusammenreissen soll ich mich! Ich versuche es und scheitere doch kläglich.

Hier geht es nicht um die Umsetzung meines freien Willens. Der ist nämlich nicht frei wie bei anderen Menschen. Er ist gefangen und kann sich sich nicht entfalten. „Wozu das alles?“ „Was bringt das noch?“ „Ich bin doch zu nichts fähig.“ „Ich bin nichts wert.“ Gedanken dieser Art verschlimmern diesen Tag, der doch so vielversprechend angefangen hat.

Ich gehe ins Bett und frage mich: „Wozu lebe ich eigentlich? Tauge ich zu nichts als anderen den Sauerstoff zum Leben zu rauben?“ Eine weitere traumlose Nacht folgt und ich denke noch vor dem Einschlafen: „Morgen, da will ich es wieder versuchen!“

Fotograf und Bildbearbeitung: Holger Dankelmann
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Text: Holger Dankelmann

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