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(03.12.2016 – Mein Weg – Triggerwarnung!!!)

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Es war ruhig auf der Strasse die ich ging. Keine Autos, keine anderen Menschen waren zu sehen, oder zu hören. Die Schritte fielen mir leicht, es ging bergab. Eine tolle Landschaft bot sich mir an, aber ich hatte keine Augen dafür. Ich ging weiter und hob nur noch selten meinen Blick vom Boden. Ich war in Gedanken versunken und achtete nicht mehr so genau wohin mich dieser Weg führen würde. Ich ging langsam und stetig weiter.

Der Weg war angenehm zu laufen. Keine Hindernisse und keine Fahrzeuge, oder Menschen auf die ich acht geben musste. Konnte mich ganz meinen Gedanken hingeben. Selbst der Wind war plötzlich still, keine Geräusche drangen an meine Ohren ausser die meiner leisen Schritte. Ich war immer tiefer in meinen Gedanken versunken.

Plötzlich bekam ich das Bedürfnis doch mal meinen Blick aufzurichten. Irgendetwas in meinem Inneren sagte mir, ich sollte aufpassen. Ich blickte auf und ich erschrak, was ich da sah. Mein Weg der für mich immer leichter wurde, endete plötzlich. Ich erkannte wenn ich jetzt weiter gehe, es keine Wiederkehr geben würde. Keine Möglichkeit den letzten Schritt einfach zurück zu gehen.

Ich schaute noch eine Weile auf das letzte Stück des Weges, den ich beschritten hatte und drehte mich dann um. Ich nahm der schwierigen Aufstieg, den ich vor mir liegen hatte, in Angriff. Ich erhob meinen Blick auf das Ziel was sich mir bot. Den Weg hinter mir, würdigte ich keines Blickes mehr.

Fotograf und Bildbearbeitung: Holger Dankelmann
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Text: Holger Dankelmann


(08.12.2016 – Mein Weg – Triggerwarnung!!!)

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Hallo mein Name ist Lizz, ich bin 21 und bei mir wurden im Juni 2015 Depressionen und Sozialphobie diagnostiziert. Von meinem jetzigen Wissen aus betrachtet, begleiten mich die Depressionen aber schon viel länger.
Wie es dazu kam, das ich als junger Mensch schon depressiv bin? Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Und ich fang am besten am Anfang an.
Ich bin ein halbseitiges Wunschkind und von der anderen Seite aus gesehen bin ich ein Betriebsunfall. Meine Mutter, sie bedeutet mir wirklich sehr viel, liebt mich über alles. Wie das eben bei Mutter und Tochter so ist. Doch mein Vater ließ mich mein Leben lang spüren, das ich für ihn nur ein Betriebsunfall war. Natürlich habe ich auch schöne Erinnerungen an ihn, doch der Großteil meiner Erinnerungen an meinen Vater sind negativ.
Soweit ich zurückdenken kann, trank mein Vater gerne Alkohol. Meistens soviel das er einfach stock besoffen war und sich selbst nicht mehr spürte. Ich war für ihn nur dann interessant, wenn er nüchtern war und wir zuhause waren. Ansonsten war das wichtigste in seinem Leben der Alkohol. Damals verstand ich noch nicht, dass die Ehe meiner Eltern einfach nicht mehr funktionierte. Ich war einfach noch zu jung. Doch schon als junges Mädchen musste ich um die Aufmerksamkeit und die Liebe meines Vaters kämpfen. Doch gegen den Alkohol gewann ich so gut wie nie.
Als ich neun Jahre alt war, verkündeten meine Eltern kurz vor Weihnachten, dass sie sich scheiden lassen würden. In diesem Moment brach für mich eine Welt zusammen. Als ob man einen großen Glasball nehmen und auf den Boden werfen würde, und in Zeitlupe mit ansehen kann, wie dieser in Tausende Scherben zerbricht.
Zu Hause nicht schon schwer genug stand ich auch in der Grundschule alleine da. Niemand mochte mich. Ich habe damals Spitznamen wie die Sterbebazille bekommen. Und fand einfach keine Freunde. Auch schon Kinder in der Grundschule können grausam sein. Sehr sogar. Es gab oft Tage, an denen ich am liebsten einfach nicht hingegangen wäre. Oder in der Schule gesessen bin und einfach geweint habe, weil ich nicht mehr wusste was ich machen sollte. Die anderen Kinder waren so gemein. Sie schlossen mich aus, und ich verstand einfach nicht warum. Was hatte ich falsch gemacht? Ich verstand es einfach nicht.
Das Mobbing ging in der Hauptschule weiter. Ich hatte es dort zwar geschafft mir eine Freundin zu finden, doch das Mobbing wurde schlimmer. Wieder wollte kaum jemand etwas mit mir zu tun haben. Heute weiß ich das man petzen lieber lassen sollte, damals wusste ich es nicht. Einmal ging die ganze Klasse auf mich los. Sie standen alle um mich herum und schrien mich an. Ich weiß heute nicht mehr was sie geschrien haben. Doch ich weiß noch genau, wie ich mich fühlte. Verängstigt, gehasst, ungeliebt. Ich wollte doch nur in eine Klasse, wo ich nicht das Opfer vom Dienst bin. Doch das änderte sich meine ganze Hauptschulzeit über nicht.
Die neunte Schulstufe machte ich an einer anderen Schule. Das einzige Schuljahr, indem ich in die Klassengemeinschaft integriert war. Somit passte schulisch endlich einmal alles. Aber wie man das Leben ja so kennt, sah es privat nicht allzu rosig aus.
Meinen Vater besuchte ich zwar jedes zweite Wochenende, doch er hatte sich eine neue Freundin gefunden. Und der Alkoholkonsum war mit ihr nicht weniger geworden. Im Gegenteil. Sie waren beide Alkoholiker. Und sie war wie ein Strudel mit einem gewaltigen Sog. Ich wurde für meinen Vater immer unwichtiger. Immer mehr zählte sie und immer mehr der Alkohol.
Aber immerhin ich hatte meinen ersten Freund gefunden. Meine erste große Liebe. So dachte ich jedenfalls, bis zu diesem Nachmittag.
Das, was ich jetzt schreibe, fällt mir nach wie vor wirklich schwer. Mich überflutet eine Welle der Traurigkeit, der Angst und der Verzweiflung, wenn ich nur daran denke. Mein Magen zieht sich zusammen und ich möchte mich einfach nur noch weinend in eine Ecke verziehen.
Ich war an diesem Nachmittag bei meinem ersten Freund und er sagte mir, dass er mit mir Sex haben wollte. Ich sagte Nein, doch er bittete und bettelte so lange, bis ich nachgab. Ich hatte damals einfach nicht das Selbstbewusstsein, um zu sagen das ich es nicht will. Somit wurde ich, dank meiner eigenen Dummheit, flachgelegt. Nicht zärtlich, wie man es sich vom ersten Mal erhofft. Er rammte sein bestes Stück mit voller Wucht in mich hinein. Immer und immer wieder. Ich war schon nach dem ersten Stoß ganz weit weg. Ich wollte nicht mehr in mir sein. Es fühlte sich einfach schrecklich an. Es schmerzte und brannte. Es tat einfach nur weh. Es dauerte danach einige Zeit, bis ich irgendwie wieder zu mir fand. Für mich fühlt sich das heute noch so an wie eine legale Vergewaltigung. Nur, weil ich zu schüchtern war, um wirklich NEIN zu sagen.
Ich war heilfroh, als er aus meinem Leben verschwand. Doch die Situation mit meinem Vater wurde schlimmer. Wir entfernten uns immer weiter voneinander. Er schritt von mir weg, und ich versuchte nach zu kommen. Ich habe gekämpft, mit allem, was ich wusste. Ich habe Nächte weinend im Bett verbracht, weil ich nicht verstand, wieso mein Vater mich nicht einfach lieb haben konnte, wie ein Vater seine Tochter eben lieb hat. Ich sah es doch bei anderen. Wieso konnte meiner das nicht?
Ich lernte dann mit der Zeit im privaten Kreis auch neue Freunde kennen, allerdings waren diese nicht der richtige Umgang für mich. In ihren Kreisen standen Drogen, Schlägereien und Einbrüche an der Tagesordnung. Ein junger Mann, der verdammt manipulativ war, hatte mich in seinen Bann gezogen. Ich hatte glücklicherweise immer zu viel Angst davor etwas Illegales zu tun. Damals hasste ich mich selbst dafür, dass ich so feige war. Diese falschen Freunde begleiteten mich eine sehr lange Zeit. In der Schule nach der neunten Schulstufe wechselte ich dann ins Gymnasium. Und vorbei war es mit der Integration in die Klassengemeinschaft. Ich war wieder das Mobbingopfer Nummer eins. Die Jenige, die nicht dazu gehörte, mit der niemand etwas zu tun haben wollte und und und. Das Ganze begann wieder von vorne.
Ich hatte ein paar Mädchen, mit denen ich mich so halbwegs verstand, eine von ihnen kam auch in meinen Freundeskreis. Und dieser junge, verdammt manipulative Mann hätte sie fast umgebracht. Denn die beiden gingen eines Nachmittags weg. Sie sagten uns, dass sie einen Joint rauchen wollten. Wir beschlossen, uns etwas später wo anders zu treffen. Doch sie tauchte nicht auf. Ich wartete auf sie, und als ich sie anrief, hob plötzlich die Intensivstation des Krankenhauses ab. Er hatte ihr kein Gras gegeben, sondern einer dieser Badesalz Mischungen. Sie wäre daran fast gestorben und lag 3 Wochen im Koma.
Das war der Zeitpunkt, an dem ich wirklich Angst bekam. Doch ich hing bereits so in seinem Sog, dass ich mich selbst daraus nicht mehr befreien konnte. Hier bin ich wieder um meine Mutter froh. Sie stellte mich vor die Wahl. Entweder sie oder dieser junge Mann. Da ich mir aber zu dem Zeitpunkt weder aus noch ein wusste, habe ich das Erste und bis jetzt das letzte Mal, zur Klinge gegriffen. Meinen linken Arm zierten gut 150 Schnitte. Vom Handgelenk hoch bis zur Schulter, zwar nicht tief und nicht gefährlich, aber es war ein Hilfeschrei. Dieser Tag war dann der Tag, als ich seinem Sog entkam. Ich sah diesen jungen Mann noch einmal wieder. Vor Gericht. Ich sagte gegen ihn aus. Danach zum Glück nie wieder.
Durch eine bekannte kam ich auf eine Online Seite. Dort gab es eine richtig tolle Community und ich fand dort auch schnell Freunde. Ich war zu dieser Zeit, ein Mensch, der sich selbst hasste, und das kompensierte ich damit, mit für Andere aufzuopfern. In diesem Onlinefreundeskreis war eine junge Frau dabei, die mich des Öfteren vor sich gewarnt hat. Sie würde mir nicht gut tun, sagte sie. Sie wäre schlecht für mich. Doch ich wollte es nicht glauben. Ich schaffte es ihre Schale zu knacken. Da war ich noch ganz stolz auf mich. Doch das, was dann zum Vorschein kam, überwältigte mich und das nicht im positiven Sinne. Sie war eine kaputte Frau. Nicht nur ein bisschen kaputt, sondern sehr kaputt. Genauer möchte ich darauf nicht eingehen. Doch sie hat mich Kraft gekostet, und zwar sehr viel. Bis mir meine Mutter den Kontakt zu ihr verboten hat. Was im Enddefekt auch richtig war. Sonst wäre ich wahrscheinlich heute nicht hier.
Zu dieser Zeit – ich war 15 – kämpfte ich immer noch um die Liebe, Aufmerksamkeit und Zuneigung meines Vaters doch ich verlor immer mehr den Bezug zu ihm. Für ihn zählte seine Freundin und der Alkohol. Ansonsten gab es keinen platz mehr in seiner kleinen Welt. Keinen Platz für die eigene Tochter. Doch das wollte und konnte ich nicht verstehen, oder akzeptieren.
Ich dachte mir so oft: „Ein Vater muss seine Tochter doch lieb haben, egal ob er eine neue Freundin hat. Ein Vater sollte doch ein Vater sein und kein Fremder.“
Ich habe mir die Frage oft gestellt, wieso er mich nicht lieb hatte. Heute weiß ich, dass er es zum einen nicht besser konnte und zum anderen seine Freundin ihn ganz für sich alleine haben wollte. Moment ich vergaß den Alkohol. Somit wurden die Besuche weniger, der telefonische Kontakt weniger und beschränkte sich auf das Nötigste. Anrufe zum Geburtstag, Weihnachten und Silvester. Wobei man da nicht normal mit ihm reden konnte, weil er einfach zu besoffen war.
Das zog sich über eine ganze Zeit lang so hin, bis ich zu Silvester 2013/14 einen Anruf von ihm bekam und ich werde diese Worte, die er da sagte, nie vergessen, denn es waren Worte, die keine Tochter auf der Welt jemals von ihrem Vater hören will. „Ich habe keine Tochter mehr und wünschte ich hätte Dich niemals in die Welt gesetzt.“ Es fühlte sich an, als ob er mir mit diesem Satz ein Messer ins Herz rammte, mit voller Wucht, ohne Rücksicht auf Verluste. Was die Situation für mich noch schlimmer machte, war das Lachen seiner Freundin im Hintergrund zu hören. Dieses glückliche, lustige Lachen. Während mein Vater mir gerade gesagt hat, dass er keine Tochter mehr hätte.
2014 sollte auch kein einfaches Jahr für mich werden. Rückblickend war ich zu diesem Zeitpunkt schon so kaputt und kraftlos. Doch ich überspielte es und belog mich selbst, dass es mir gut ging, dass das normal war.
Um Pfingsten herum lernte ich online Zwillinge kennen, mit denen ich mich auf Anhieb wunderbar verstand. Den jüngeren der beiden, er war für mich ein verdammt guter Freund, war stark depressiv. Doch das merkte ich am Anfang nicht. Ich baute eine gute Beziehung zu ihm auf und schaffte es auch ihn zu knacken. (Ich schaffte es immer Personen zu knacken, die eigentlich sagten das sie niemandem mehr vertrauen würden, aber irgendwie klappte das bei mir immer). Doch genau ab diesem Zeitpunkt ging es los. Er meinte immer wieder, das er nichts mehr im Leben hätte, was wichtig war, dass er am liebsten einfach gehen würde. Er hatte es mehrfach ernsthaft in Erwägung gezogen, sich umzubringen. Ich saß dann zu Hause vor meinem Laptop und redete per Skype Chat auf ihn ein, das er es nicht tun sollte, da er mir wichtig war. Ich verbrachte viele Nächte, weinend vor Verzweiflung und Hilflosigkeit auf dem Balkon. Ich wusste nicht mehr, was ich machen sollte. Aber ich hatte das Gefühl, das ich ihm irgendwie helfen musste. Doch wie sollte ich dass von 700 km weit weg machen. Dann kamen seine suizidalen Gedanken immer öfter. Ich konnte merken, wie sich sein Wesen immer mehr veränderte. Immer dunkler und lustloser wurde. Er wollte wirklich sterben. Ich war bereits seit der jungen Frau so ziemlich am Ende meiner Kräfte. Ich suchte dann im Internet nach Beratungsstellen in seiner Nähe und fand sogar eine die man online kontaktieren konnte, was ich dann auch tat. Es brauchte viel Überredungskunst, das er mit dieser stelle und meinem Account schrieb.
Doch auch in dieser Zeit waren seine Suizidgedanken präsent. Ich wusste wirklich nicht mehr vor und zurück. Ich war verzweifelt. Einfach nur noch verzweifelt. Er wollte sich umbringen und ich konnte nichts machen. Ich konnte nicht helfen.
Dann bekam ich eines Abends eine Mail von einem Polizisten, der mich bat ihn zu kontaktieren. Der jüngere der Zwillinge bekam Hilfe und wurde eingewiesen. Er lebt heute noch, hasst mich aber abgrundtief dafür, weil ich ihn in seinen Augen verraten habe. Sein Zwillingsbruder hasst mich ebenfalls, da ich in seinen Augen die ganze Familie zerstört habe.
Danach ging es bei mir privat endlich bergauf. Doch die nächste Hiobsbotschaft ließ nicht lange auf sich warten. Ich war gerade mit der Berufsschule auf einer Exkursion in Wien, da rief mich die Mutter meines Vaters komplett empört an, wieso ich meinen Vater noch nicht besuchen war, denn er läge seit gut 4 Monaten im Krankenhaus. Ich war schockiert. Niemand hatte mir bis zu diesem Zeitpunkt davon erzählt. Mein Vater war krank. Er hatte Krebs. Und ich wusste nichts davon. Natürlich begann ich, ihn im Krankenhaus zu besuchen, doch es war komisch. Dieser Mann, ich weiß, dass er mein Vater ist. Aber gefühlt war er zu diesem Zeitpunkt schon ein Fremder.
Am 25.01.2015 hatte mein Vater den Kampf gegen den Leberkrebs verloren. Er hatte bereits Metastasen im Körper. Ich war ihn am Abend, bevor er in den Himmel kam, noch besuchen und habe mich mit ihm ausgesöhnt. (Mehr oder weniger … es gäbe noch so vieles, was ich ihn gerne fragen würde …).
Als mein Vater tot war, war es als würde ein riesengroßes Päckchen das ich bereits mein Leben lang mit mir herum trug einfach weg war. Es war einfach weg. Und damit brach bei mir alles aus. Bei mir wurden offiziell Depressionen diagnostiziert. Ich hatte am Anfang regelmäßig mit Panikattacken zu kämpfen.
Heute bin ich gut eingestellt, ich nehme Antidepressiva und bin auch regelmäßig in Therapie. Mein Leben hat sich zum besseren gewendet.
Als Abschluss möchte ich Euch noch mein Lebensmotto mit auf den Weg geben: GIB NIEMALS AUF

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
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Text: Lizz


(15.12.2016 – Das tägliche Leben am Abgrund – Triggerwarnung!!!)

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Jeder Tag ist neu. Jeder Tag gibt einem die Möglichkeit zu leben. Doch oft ist dieses ein Leben am Abgrund. Wenn man durch die Augen der Depression sieht, erkennt man nicht die positiven Möglichkeiten des neuen Tages.

Die Depression leitet einen immer mehr an den Abgrund des Lebens. Es ist manchmal ein Drahtseilakt diesen Tag zu überstehen, ohne in diesen Abgrund zu stürzen. Jeder neue Tag ist auch ein neuer Kampf diesen Abgrund zu entgehen.

Doch noch sehe ich einen Chance. Ich gehe diesen Kampf an. Ich werde weiter versuchen diesen Abgrund zu umgehen. Jeder neue Tag ist eine Chance für mich und ich will diese Chance suchen und finden.

Fotograf und Bildbearbeitung: Holger Dankelmann
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Text: Holger Dankelmann


(23.12.2016 – “Lebe nicht in der Vergangenheit ! Schau nach vorne !”)

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Ein Satz den ich im Laufe meiner Erkrankung immer wieder gehört habe. Dem muss ich klar widersprechen! Ich lebe nicht in der Vergangenheit. Ich lebe im Hier und Jetzt! Doch Dinge aus der Vergangenheit haben einen maßgeblichen Einfluss auf meine Erkrankung und mein Leben heute. So schaut es aus !

Die Vergangenheit prägt uns, einen jeden von uns. Wenn dazu extreme Situationen in dieser Vergangenheit geschehen sind, können diese Dinge einen Menschen irgendwann aus der „normalen“ Bahn werfen. So wie bei mir geschehen ist. Dann gibt es auch die Menschen, die es irgendwie schaffen diese extremen Dingen aus der Vergangenheit so weit zu verdrängen (aus reinem Selbstschutz), dass sie nie wieder sich damit auseinander setzen müssen.

So wie alle Menschen unterschiedlich sind in ihrem Leben und ihrem Wesen, so unterschiedlich gehen sie mit solchen Situationen um. Eine Pauschalität gibt es auch dort nicht! Die Vergangenheit prägt uns für unser Leben in der Gegenwart! Was wir dann daraus für unsere Zukunft machen, werden wir später erkennen. Ich arbeite in der Gegenwart an meiner Zukunft, indem ich meine Vergangenheit verarbeite!

Das war mir wichtig es mal zu sagen/schreiben!

Fotograf und Bildbearbeitung: Holger Dankelmann
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Text: Holger Dankelmann


(24.12.2016 – Danksagung Dirk Ludwig Fotografie)

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Ich möchte noch einmal persönlich allen Menschen DANKE sagen, die das Projekt Gib Depressionen ein Gesicht aktiv oder auch passiv begleiten. Ihr seid großartig!

Stellvertretend für die vielen Unterstützer möchte ich einige fleissige Helfer namentlich erwähnen, ohne die die bisherige Entwicklung des Projektes nicht möglich gewesen wäre. Alle engagieren sich für den guten Zweck ehrenamtlich. Nadine Wagner ist die treibende Kraft des Projektes. Sie ist Admin unserer Projektgruppe und unserer Internetseite www.gib-depressionen-ein-gesicht.de, schreibt Gedichte, macht Fotos und Videos und vertritt mich in allen Belangen. Danke an diese “gute Seele” des Projektes. Danke auch an die Autorin Asmodina Tear, die zu vielen meiner Fotos sehr berührende Gedichte verfasst hat und auch als Admin unserer Projektgruppe tätig ist. Neben Nadine und Asmodina betreuen auch Feli Dae und Kai Niehoff die Projektgruppe “gib depressionen ein Gesicht”

Drittens geht ein Dank an das Model Anna I. Ahrens, das die Idee zu dem Projekt hatte und mit der ich die erste Bildreihe zum Thema Depressionen verwirklicht habe. Viertens bedanke ich mich bei dem Fotografen Thorben Karl Hoffmann TKH Photography, der sich ebenfalls sehr stark – vor allem in der Musik- und Eishocky-Szene, für das Projekt engagiert. Und last but not least möchte ich dem Eishocky-Spieler der Hannover Scorpions Stefan Goller Official danken, der sich als offizieller Botschafter unseres Projektes für die Krankheit Depressionen einsetzt. Seit wenigen Wochen trägt die gesamte Mannschaft der Hannover Scorpions dank eines externen Sponsors vor jedem Spiel ihre Aufwärm-Trikots mit der “Werbung” für das Depressionsprojekt.

Danke auch an die Medien, die unser Projekt bisher unterstützen: Allen voran Klaus Thomas von Radio Depressione, der unserem Depressionsprojekt eine Sondersendung im Radio gewidmet hat. Und Marcus Jäck, der unser Projekt in der Zeitschrift Miles – Das Magazin sowie Laura Adrian, die es in der Zeitschrift Verrückt – eben anders, umfangreich vorgestellt habe.

Ich wünsche euch von ganzem Herzen schöne Weihnachtstage mit euren Liebsten

Dirk Ludwig


(26.12.2016 – Die suchende Seele)

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Furcht zu lieben, weil man zu oft enttäuscht wurde.
Sich selbst zu lieben, weil da so viel Schatten ist, den man selbst hasst.
Zuzulassen, weil der Mensch, den man liebt, einfach wieder gehen könnte.
Es nicht ertragen zu können, die ständige Nähe und die Sehnsucht, wenn der Mensch, den man liebt, nicht da ist.
Zu verraten, was man immer lieben wird.
Den Schlüssel zu seiner eigenen Seele herzugeben und dann festzustellen, dass man nicht so angenommen wird, wie man ist.
Zu vertrauen,weil man nie verstanden wurde.
Sich mit seinen Gefühlen lächerlich zu machen, weil sich zu viele schon darüber lustig gemacht haben oder es nicht ernst genommen haben.
Sich zu öffnen, weil es dann kein zurück mehr gibt.
Zu fühlen, weil man zu oft verletzt wurde.
Sich selbst zu vertrauen, weil die Gedanken so oft kreisen und keine Lösungen finden.
Ungerecht zu sein, weil der eigene Schutzschild abblockt.
Worte auszusprechen, die man so nie sagen wollte, nur um keine weiteren Wunden davon zu tragen oder alte erneut aufzureißen.
Sich fallen zu lassen, weil man nie aufgefangen wurde.
Wertlos zu sein oder es nicht verdient zu haben einfach glücklich zu sein.
Hoffnung, dass es doch einen Menschen auf der Welt gibt, der Dich wirklich “sieht” und Dich genau deshalb liebt.

(03.01.2017 – “Siehst du denn nicht die schönen Dinge in deinem Leben ?”)

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Nein! Wenn der schwarze Hund mich wieder zu fassen bekommt und mich beißt, dringt sein Gift, das Depression heißt, in jede Faser meines Körpers. Gefühle werden ausgeschaltet, Farben verlieren ihren Glanz. Freude wandelt sich in Gleichgültigkeit um. Motivationen dringen nicht zu mir durch. Zusammen gesunken erwarte ich nichts. Alles um mich herum sehe ich nur noch durch die Augen der Depression. Kein Licht und keine Wärme ist zu spüren.

Ehefrau, Kinder und Freunde sind da, aber sie erreichen mich nicht. Was sie sagen klingt dumpf und leer. Die Fröhlichkeit ist vergiftet worden. Meine Gedanken, wenn überhaupt welche da sind, sagen mir immer wieder was ich nicht kann und was ich nie sein werde. Alles um mich herum erreicht mich nicht mehr. Ich lebe zwar, aber das Leben ist nicht da. Dunkle Träume führen mich aus dem diesem Tag in die kommende Nacht.

Ein neuer Morgen bricht an. Die Schatten der Nacht sind noch deutlich spürbar. Sie geben mich wieder ab an die dunklen Wolken der täglichen Depression. Ob das jemals enden wird? Ich weiß es nicht. Doch noch gebe ich die Hoffnung nicht auf! Noch hat mich der schwarze Hund nicht besiegt. Ich zeige es der Welt zu was er fähig ist. Ich schreie es heraus und schreibe es nieder. „Noch hast du mich nicht besiegt !“ Ich bringe dich an das Licht der Welt, auf das du dadurch deine Kraft verlierst.

Ein weiterer Text eines Mannes, der an der Krankheit Depression leidet.

Fotograf und Bildbearbeitung: Holger Dankelmann
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Text: Holger Dankelmann


(09.01.2017 – Aus dem Rahmen gefallen! Teil 1)

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So kam ich mir vor, als die Depression mich mit voller Wucht erwischte. Ich passte nicht mehr in meinen alten gesellschaftlichen Rahmen. Geschweige denn in den Beruflichen. Da ging gar nichts mehr. Ich versuchte irgendwie wieder hochzukommen, aber das gelang mir nicht. Alle Eckpunkte meines Lebens waren wie weggebrochen. Was lange positiv für mich erschien, bekam eine neue Sichtweise, da ich plötzlich ausserhalb der ehemaligen Rahmenbedingungen lebte. Ein Leben im Chaos!

Sehr lange habe ich versucht diese Rahmenbedingungen wieder zu erreichen und mich diesen unterzuordnen. Es ging ja Jahrzehnte lang gut bis, … bis die Depression kam. Ich musste aber lernen, dass ich diesen Weg wohl nie wieder gehen werde. Das Leben wie ich es vorher geführt habe, wird nie wieder so sein! Es brauchte eine lange Zeit um diese Erkenntnis zu bekommen und noch mehr Zeit, sie zu akzeptieren. Ich arbeite heute noch ein wenig an dieser Thematik. Aber nur noch selten. Die alten Rahmenbedingungen sind noch irgendwo da, aber sie sind es nicht mehr für mich!

P.S. Beim erstellen des Fotos ist viel Schweiß geflossen, da einige Dinge wieder hoch kamen. Aber es war mir wichtig diese Dinge euch mitzuteilen. Es wäre nett, wenn ihr diesen Beitrag teilen würdet. Vielen Dank dafür!

Fotograf und Bildbearbeitung: Holger Dankelmann
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Text: Holger Dankelmann


(11.01.2017 – Das Muster meiner Maske)

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Unsichtbare Tür zu meiner Seele und meinem Herzen, die ich mir selbst geschaffen hab. Verschlossen bis jemand den Schlüssel fand und begann, die Ketten zu lösen, doch immer wieder fällt sie zu und will sich ganz schließen.
Oft Schutz aus Angst vor Verletzlichkeit und Angreifbarkeit. Manchmal Barriere vor mir selbst.
Oft Fassade, um anderen Stärke, Unverwüstlichkeit und Fröhlichkeit vorzumachen. Manchmal Lösung, um dass, was ich fühle, nicht mehr zuzulassen und nicht mehr wahrzunehmen.
Oft so sehr perfektioniert, dass ich Angst bekomme, wenn ich sie für die Menschen, die ich sehr mag und den einen Menschen, den ich liebe, absetzen will. Ich versuche es, doch die Angst legt mich immer wieder in meine selbstgeschmiedeten Ketten. Die Maske versucht sich untrennbar mit mir zu verbinden. Manchmal gelingt es mir dennoch, ich öffne mich, ich vertraue.
Oft bekomme ich Angst dabei mein wahres Gesicht, meine Seele zu zeigen.
Manchmal denke ich einfach, derjenige ist es wert.
Oft und leider viel zu spät merke ich dann, dass ich den Menschen, die ich liebe, Angst damit mache. Manchmal schaffe ich es meine Gefühle in Worte zu kleiden.
Oft merke ich erst danach, dass sie, wenn ich meinen Gefühlen ihren Lauf lasse, so furchtbar klar und vollständig durchkommen, dass ich andere damit überfordere, verunsichere und sie immer noch nicht verständlich formuliert sind.
Manchmal stelle ich dabei fest, dass es daran liegt, dass ich es in vielen Jahren meines Lebens aus Selbstschutz und Angst unterdrückt habe, sie laut auszusprechen oder aufzuschreiben.
Oft hindert sie mich, mich einfach zu entschuldigen bei den Menschen, die ich liebe, weil ich Angst habe, es wird nicht angenommen und dass ich wieder verletzt werde. Manchmal will sie so sehr ein Teil von mir werden, dass ich die, die ich liebe, vor den Kopf stoße, ihre Grenzen übersehe, weil ich unbeabsichtigt von ihnen verletzt wurde.
Oft klebt sie, wie ein Schatten auf meinem Gesicht, so dass ich nicht mehr sehen kann, den Weg verliere, stolpere und den Schlüssel verliere in dieser einsamen Dunkelheit. Manchmal bekommt sie Risse und ich kämpfe so sehr, dass ich erst zu spät merke, dass es Zeit zum schweigen und besinnen gewesen wäre, weil ich das, was ich liebe, um nichts in der Welt verlieren will.
Oft bleibt da nur noch Angst, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Einsamkeit und Hilflosigkeit gleichzeitig
Gibt es da den einen Menschen, der den Schlüssel wieder finden kann und die Ketten lösen kann, die Maske endgültig zerbrechen würde, in meine Seele blicken kann, der mir helfen würde zu sehen, zu spüren und mich von diesem von mir geschaffenen Fluch erlösen kann, weil er mich wieder Liebe und Vertrauen fühlen lässt.

Fotograf und Bildbearbeitung: HeartMirror Photography
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Text: Nya von Die Regenbogenscherbenwelt
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(13.01.2017 – Aus dem Rahmen gefallen! Teil 2)

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Die Depression kam und ich fiel aus dem Rahmen in dem ich sich vorher bewegt hatte. Alles hatte vorher seine Ordnung und seinen Platz in meinem Leben. Das war nun weg. Nachdem ich zig mal probiert hatte aus eigener Kraft wieder so zu werden, wie ich vor der Krankheit war, sass ich nun dort in der Ecke. Alles um mich herum verschwand immer mehr in einer Dunkelheit aus Gleichgültigkeit. Soziale Bindungen selbst zur Familie, oder Freunden, wurden kaum bis gar nicht gepflegt. Ich fragte mich immer wieder: „Wozu das Ganze?“ “Das hat doch sowieso keinen Sinn!“ Aber das war nicht wirklich ich. Die Depression hatte mein Denken, Handeln und somit mich als Mensch, voll im Griff. Selbst die kleinsten Dingen wirkten wie die Besteigung des Mount Everest. Ohne künstlichen Sauerstoff!

Morgens aufstehen und sich selber zu belügen wurde zur Routine. „Heute werde ich dieses, oder jenes machen!“ Müll runter bringen, etwas die Wohnung auf Vordermann bringen. Simple Dinge also, die ich aber während des ganzen Tages nie geschafft habe. Ich sass da und konnte es nicht. Immer wieder kamen die Gedanken, dass ich zu nichts zu gebrauchen war. Immer weiter verkroch ich mich in meine Ecke und wartete, das der Tag an mir vorüber zog. Abends ging ich dann mit den Schuldgefühlen, wieder einmal verloren zu haben, ins Bett Motivationen von aussen durch die eigene Frau, oder Freunde wurden zwar wahrgenommen, aber gleich im Keim erstickt. Selbst das schönstes Wetter sah ich nur noch wie durch einen dunklen Nebelschleier. Die Freude am Leben wurde immer mehr mir durch diese Krankheit entzogen. Selbst der Sex war unwichtig und ich fühlte mich nicht mehr als Mann. Ich war eine dunkle Masse in einer Ecke, die immer mehr in der dunklen Umgebung verschwand.

Ich hatte aufgegeben! Das Leben wie es einmal war verschwand in den dunklen Gedanken, die sich in meinem Kopf immer mehr breit gemacht hatten. Diese Dunkelheit umhüllte mich immer mehr und irgendwann würde ich in dieser einfach verschwinden. Sollte so mein Leben gewesen sein, war das wirklich das Ende?

P.S. Auch dieses Foto von mir, mit diesem Text, haben viel Kraft gekostet. Ich hoffe, dass es mich dieses mal nicht so heftig nach hinten wirft. Ich möchte gerne bald Teil 3 hier veröffentlichen, damit ihr seht, wie/das es weiter ging/geht. In diesem Sinne passt auf euch auf und bleibt mir gewogen.

Fotograf und Bildbearbeitung: Holger Dankelmann
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Text: Holger Dankelmann

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