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(14.01.2017 – Depressions-Fakten-Check)

Lisa Invisible 4

Kein Mensch hat mich lieb.

Antwort:
hast Du Dich denn selbst lieb?
Es gibt die These, dass nur wer sich selbst liebt, auch andere Menschen lieben kann.
Depressive Menschen haben nicht nur Schwächen, sie haben vor allem Stärken: Sensibilität, Einfühlungsvermögen, Empathie. Eigenschaften also, die wir grundsätzlich an unseren Mitmenschen schätzen und lieben.

Es gibt keinen Menschen, mit dem ich reden kann.

Antwort:
gibt es keinen Menschen, weil Du nicht reden willst/kannst?
Weil Deine Annahme es Dir schon unmöglich macht, auf Menschen zuzugehen? Was würde geschehen, wenn Du es versuchst? Die Enttäuschung erwartest Du eh, aber umso grandioser kann die positive Erfahrung werden, gehört und angenommen zu werden.

Ich bin als Mensch minderwertig, weil …

Antwort:
das ist nicht Deine natürliche Einstellung zu Dir selbst, sondern Du hast sie durch das Leben erworben, sie wurde Dir anerzogen, sie wurde Dir antrainiert durch viele ungünstige Faktoren. Du bist als Wunder in dieses Leben getreten und eine verrückte Welt mit all ihren Zufällen hat Dir etwas suggeriert.

Ich steh mit all meinem Elend allein in der Welt, keinem geht es so schlecht wie mir.

Antwort:
in welchem Forum liest Du gerade diesen Text?
Schau mal hinter die Fassaden dieser sogenannten heilen Welt, und Du wirst sehen, wie es wirklich aussieht: viele Menschen haben fette Probleme, mit denen sie klar kommen müssen. Vielleicht schaffen sie es gerade so eben.

Hinterfrage die Grundannahmen, die Deine Depression Dir einzuflüstern versucht!

Fotograf: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/?fref=ts
http://dirk-ludwig.de/
Bildbearbeitung: RW Image Editing Artist
Text: Helmut Cillessen
Model: Lisa Invisible


(17.01.2017 – Aus dem Rahmen gefallen! Teil 3)

Holger Dankelmann 9

Wer Teil 1 und Teil 2 nicht gelesen hat, empfehle ich das kurz nachzuholen, bevor er/sie diesen Text weiter liest. Damit das Ganze hier vielleicht besser verstanden wird.

Mein derzeitiger Status ist …. schwer zu umschreiben. Irgendwie bin ich auf dem Weg. Auf welchem, weiß ich nicht. Ist es wirklich meiner? Ich gehe durch diese Welt und ziehe hinter mir den alten Rahmen. In diesem ich nicht mehr reinpasse und auch nicht rein will. Trotzdem kann ich mich nicht von ihm lösen.

Erinnerungen und Entscheidungen die dort geschehen sind, trage ich mit mir rum. Wenn ich draussen bin, stehe ich oft da und empfinde mich nicht als ein Teil dieser Welt. Immer wieder zieht mich der alte Rahmen nach unten in ein dunkles Loch. Sinnlosigkeit und Schwermut sind dabei seine Helfer. Ob und wann ich mich von diesen alten Rahmenbedingungen endlich komplett lösen kann, weiß ich nicht.

Hiermit endet erst mal diese Reihe zum Thema „Aus dem Rahmen gefallen“. Derzeit bin ich wieder am hochklettern aus einem depressiven Loch. Ich wünsche mir, dass ich für mich meinen Weg eines Tages erkenne. Vielleicht werde ich dann endlich dieses Chaos hinter mir lassen kann.

In diesem Sinne, bleibt mir gewogen.

Fotograf und Bildbearbeitung: Holger Dankelmann
https://www.facebook.com/holger.dankelmann
http://www.detailbilder.de/
Text: Holger Dankelmann


(25.01.2017 – Wenn die Hoffnung schwindet)

Holger Dankelmann 10

Es gibt diese Tage, wo ich mich frage: “Was soll der ganze Scheiß?” “Was bringt das alles, wenn die Depression von 0 auf 100 wieder plötzlich da ist?” “Warum kann ich nicht ein „normales“ Leben führen?” Alles wird in Frage gestellt, und wenn es ganz schlimm wird, nicht mal mehr das. Heute ist wieder ein solcher Tag. Ob es es nur bei diesem Tag bleibt, ist auch unsicher.

Es ist mir eigentlich egal, und zwar alles. Diese depressiven Schübe machen alles kaputt. Alles was ich in der Zeit, in denen es mir besser ging, aufgebaut habe. Selbstwertgefühl , was ist das? Was bringt mir das Fotografieren z.B.? Ein paar nette Bilder vielleicht, aber was macht das schon für einen Sinn? Warum schreib ich hier überhaupt? Wer wird das schon lesen?

Theoretisch weiß ich viel über meine Erkrankung. Theoretisch weiß ich das es auch wieder bessere Zeiten kommen werden. Aber eben nur theoretisch. In der Praxis kommt dieses theoretische Wissen nie zum Einsatz. Ich kann sie nicht abrufen, damit sie mir helfen. Ich kann nicht denken, ich kann nicht fühlen. Ich lebe zwar, aber ich lebe auch wieder nicht. Alles was den Menschen ausmacht, ist in dieser Zeit wie weggewischt. Ich bin auf einen Tripp der Selbstzerstörung, ohne aber gleich Suizid gefährdet zu sein.

Wenn es mich richtig erwischt hat, bin ich so weit alle Dinge die ich vorher in Wochen/Monaten aufgebaut habe zu zerstören. Dann hält mich nichts mehr auf. Bilder werden gelöscht, die Webseite wird gelöscht usw.. Sie werden so gelöscht das ich niemals wieder eine Chance bekomme an diese Dinge noch mal ran zu kommen. Lieber in der Dunkelheit leben, als irgendwo vielleicht erfolgreich zu sein. „Das geht nicht!” “Das darf nicht!” “Bleib lieber hier im Schatten, das kennst du!” “Du wirst nur wieder enttäuscht!“ usw..

Für mich ist es gerade sehr schwierig, nicht wieder alles hier nieder zu walzen. Noch bin ich nicht dazu bereit und ich versuche mich dagegen zu wehren. Ob ich es dieses Mal schaffe, bleibt abzuwarten.

Die Hoffnung schwindet.

Nachtrag: Es handelt sich hierbei um keine Schaffenskrise wie es schon vermutet wurde. Ich habe die Fotografie nur als Beispiel heran gezogen!

Fotograf und Bildbearbeitung: Holger Dankelmann
https://www.facebook.com/holger.dankelmann
http://www.detailbilder.de/
Text: Holger Dankelmann


(26.01.2017 – Der Weg)

Model NN 89

Es ist nicht der Regen, der vom Schirm tropft, es sind meine Tränen. Es sind die Tränen, vor denen ich mich schütze, bis die Sonne wieder hoch genug steht, um diese zu trocknen. Ich stehe im Tal, in einem Tal, welches dunkel ist und die Sonne ist nur leicht zu sehen. Sie hat noch nicht die Kraft um die Tränen zu trocknen, spendet noch nicht genügend Wärme.

Ich gehe dem Berg entgegen und mit jedem Schritt, den ich emporsteige, sehe ich die Sonne ein wenig mehr. Erst versteckt sie sich hinter einer Nebelwand, dann sehe ich das zarte Rot ihrer Strahlen. Hoffnung überkommt mein Gemüt und mit jedem Schritt gewinnt die Sonne an Kraft. Ich werde schneller, stolper und falle, es fällt schwer wieder aufzustehen, die Beine schmerzen und der Kopf brummt.

Ich rappel mich hoch, die Sonne ist über den Berg geklettert, es scheint, sie komme mir entgegen. Ich putze meine Knie ab und verschnaufe einen Moment. Ich stehe wieder, gehe wieder einen Schritt nach vorn und ich kann die Wärme spüren. Tränen laufen die Wangen runter und verschmieren den Schmutz in meinem Gesicht. Die Schritte werden fester, gemächlicher und ich habe Angst. Angst vor dem, was kommt, wenn ich noch höher klettere, werde ich abstürzen?

Jeder Schritt bringt mich höher und höher, es sagt mir aber auch, je höher Du kommst, desto tiefer kannst Du fallen. Ich krame in meinen Taschen, ein Seil, Sicherungshaken, Anker habe ich dabei. Ich muss mich sichern, alle paar Schritte treibe ich einen Anker in den Fels, hänge das Seil ein und steige weiter hoch. Ich rutsche, zwei, drei Schritte zurück dann greift die Sicherung.

Meine Hände schmerzen und doch versuche ich es wieder, suche Halt und suche einen festen Punkt wo ich den Fuß hinstellen kann. Ich finde ihn sichere mich erneut und genieße die Strahlen der Sonne in meinem Gesicht. Die Tränen haben eine Spur hinterlassen, auf schmutziger Haut gut sichtbar aber getrocknet.

Noch ein paar Schritte, dann stehe ich auf dem Berg, noch vier ich vergesse die Sicherung und gehe weiter. Ich habe es bis hier geschafft, was mich jetzt hinfallen lässt, hält mich nicht auf es erneut zu versuchen. Die Sonne und die Anstrengung treiben mir den Schweiß auf die Stirn, noch zwei Schritte und jetzt noch einer.

Ich bin oben, ich bin oben und schaue zurück in ein Tal aus Tränen, Verzweiflung, Wut, Hass und Versagen. Aber stehe über diesen Dingen, ich schaue in die Sonne und genieße. Die Wärme, das Licht es tut mir gut, es weckt weitere Kräfte in mir. Ich habe es geschafft und ich werde es wieder schaffen, egal wie oft ich falle.

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/?fref=ts
http://dirk-ludwig.de/
Text: Daniel Wagner


(28.01.2017 – Nachricht an mein anderes ich)

Model NN 90

Lange habe ich mich für dich geschämt, dich verleugnet und wollte dich loswerden.

Heute habe ich dich als Teil von mir akzeptiert. Ich halte dich an meiner Hand. Du gehst meinen Weg zusammen mit mir. Du sorgst dafür, dass ich auf mich achtgebe.

Es werden wieder Zeiten kommen, da wirst du mir den Weg versperren und mich umwerfen. Du wirst mir den Atem und den Mut rauben, mich an allem zweifeln und verzweifeln lassen, allem den Sinn nehmen. Du wirst mir sagen, dass ich unachtsam geworden bin, dass der Weg, den ich gehe, nicht mehr passt.

Eine Zeit lang werde ich am Boden liegen bleiben, mich vielleicht bemitleiden. Werde meine Kräfte sammeln und meinen neuen Weg planen. Irgendwann werde ich wieder aufstehen und dich aus meinem Weg kämpfen, bis du wieder an meiner Hand, an meiner Seite gehst.

Niemals werde ich hinnehmen, dass du vor mir stehen bleibst und mir den Weg versperrst. Immer wieder werde ich mir den Weg freikämpfen. Der Tag, an dem ich dich gewinnen lasse, der wird mein letzter Tag sein. Und dein Sieg wird ein wertloser, weil geschenkter Sieg sein.

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/?fref=ts
http://dirk-ludwig.de/
Text: Britta Hohmann


(29.01.2017 – Einsamkeit)

Chrissi Walter 2

Jeder hat sich in seinem Leben schon einmal einsam gefühlt. Wenn aber die Einsamkeit all deine Gefühle übermannt, sie sich wie ein tiefschwarzer Schatten über jede Zelle deines Körpers legt. Dir die Luft langsam aus den Lungen presst. Wenn sie dich vollends einnimmt. Dich im Innern zerreißt. Dann ist Einsamkeit eine Krankheit. Eine tödliche unheilbar wirkende Krankheit. Die jede Zelle in deinem Körper vernichtet. Die sich wie ein bösartiges Geschwür in dir ausbreitet und dich von innen heraus auf frisst.

Dann bist du an einem Punkt an dem Du dich vor liebe genauso sehr fürchtest wie du dich nach ihr verzerrst. Du hältst Feinde für Freunde. Opferst dich für fremde ohne dank. Du bist nicht allein jedoch einsam. Schreist ohne das dich jemand hört. Weinst ohne Trost. Existierst ohne wahr genommen zu werden. Und stirbst während du lebst.

Es könnte so einfach sein gerettet zu werden … eine Umarmung der rettende Ring im Meer aus Tränen. Schutz im Herzen eines liebevollen Menschen finden.

Doch da ist niemand. Denn du wirst nicht gesehen. Du schreist, du flehst und bettelst. Aber niemand ist bereit zu lieben wer du bist. Was du bist. Wie du bist.

In Einsamkeit wirst du leben und die Einsamkeit wird dein Tod.

Fotograf und Bildbearbeitung: Alfons P. Schwickert
https://www.facebook.com/profile.php?id=1485603994
Text: Chrissi Walter
Model: Chrissi Walter


(30.01.2017 – Akzeptanz)

Model NN 91

Ich habe gelernt zu akzeptieren.
Anzunehmen, wie meine Lebensbedingungen in meiner Kindheit und Jugend waren. Anzunehmen, welche Fähigkeiten meine Eltern hatten und welche nicht.
Ich nehme an, dass ich ein depressiv veranlagter Mensch bin, unabhängig davon, ob genetisch disponiert oder durch Erziehung.
Ich akzeptiere, dass die Depression ein Teil meines Lebens ist und zu mir gehört. Ich lehne mich nicht mehr auf gegen die Müdigkeit, gegen die Trostlosigkeit, gegen die Hoffnungslosigkeit, gegen die Antriebslosigkeit, gegen die Gefühlslosigkeit. All das ist ein Teil meines Lebens und ich nehme diese Zustände und Gefühle an. Ich gebe der Depression einen Anteil an meinem Leben, den ich selbst definiere. Ich mache die Depression zu dem Teil in mir, der schon immer da war.
Ich klage die Depression auch nicht mehr dafür an, was sie mir in der Vergangenheit angetan hat. Obwohl es so einfach wäre, eine Anklageschrift zu verfassen.
Ich will leben, und das kann ich nur mit der Depression und nicht gegen sie.
Ich will weiter in meinem Leben. Ich möchte Liebe, Geborgenheit, Zuneigung, Vertrauen und Beständigkeit erleben und erfahren. Ich will – und werde dies mit meiner Depression verhandeln.
Und ich habe Dankbarkeit gelernt. Ich bin meiner wiederkehrenden Depression dankbar, denn sie hat mich Demut, Empathie, Sensibilität und Erkenntnis gelehrt. Ohne die Depression wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin.
Ich bin ein Mensch mit Depression. Andere Menschen sind Menschen mit anderen Erfahrungen.
Das Leben des Menschen ist der Weg zu sich selbst (so oder so ähnlich sagt es Hermann Hesse).
Ich bin angekommen.

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