Artikel

(27.10.2017 – Die Welt drehte sich weiter)

MZ-Art Model Beta Carotin

Als ich durch die Depression abgeschnitten von der Welt lebte, drehte diese sich unaufhaltsam weiter. Für mich blieb sie stehen. Ich hatte keine Verbindung mehr zu ihr.

Am intensivsten nahm ich dies wahr, wenn ich mit meinem Mann einkaufte, Kaffee trinken oder einfach durch die Fußgängerzone in der Stadt ging. Ich beobachtete die Menschen, sah ihre Rastlosigkeit und Hektik, aber auch entspannte Menschen, die vor den Cafés saßen und ihr Leben genossen. Ich sah, wie das Wetter sich änderte … langsam, aber stetig verwandelte sich die Natur von Sommer zu Herbst.

Meine Familie lebte den Alltag weiter. Besuchten Freunde und Bekannte mich oder telefonierte ich mit ihnen, erzählte sie mir von ihren Erlebnissen. Es waren Monologe. Das Einzige, was ich zu ihnen sagen konnte, war: „Ich kann nichts sprechen, da ich keine Gedanken im Kopf habe“. Ein Treffen mit Ihnen außerhalb unseres Hauses war für mich nicht möglich. Die Besuche und auch die Telefonate mit ihnen strengten mich unheimlich an. Auch für sie drehte die Welt sich einfach so weiter … Hätte ich irgendetwas fühlen können, wäre es mit Sicherheit Neid gewesen. Aber selbst das, egalisierte die Depression.
Unaufhaltsam lief ein Film vor meinen Augen ab. Er war die Realität, nur leider durfte ich als Einzige keine Rolle in dem Film spielen. Das Leben hatte mir gekündigt, mich als Schauspieler entlassen und herausgeworfen. Aus diesem Grund wollte ich mich nur noch verkriechen und nichts mehr sehen. Wenn ich die Augen schloss, musste ich mir den Film nicht weiter ansehen. Dennoch war mir sehr wohl bewusst, das alles Leben auf dieser Erde sich weiterentwickelt und die Welt sich einfach so weiterdreht.

Alles war da, nur nicht in mir.

Fotograf und Bildbearbeitung: MZ-Art
http://www.model-kartei.de/sedcards/fotograf/214198/mz-art/
Text: Sabine Schaub
Model: Beta Carotin
https://www.facebook.com/betacarotinmodelpage/


(28.10.2017 – Warum ich mich für das Projekt “Gib Depressionen ein Gesicht” engagiere?)

Bernd Schomer Model Lunas Licht

Der Tod von Linkin Parks Frontmann Chester Bennington hat eins mal wieder auf tragische Art gezeigt: Ein Mensch kann alles haben, Geld, Erfolg, Familie usw. und trotzdem kann er sein Leben als Qual empfinden und seinen Lebensmut verlieren.
Wenn wir einen Menschen sehen, dann sehen wir nie den ganzen Menschen. Wir sehen nur das, was der Mensch uns zeigt. Seine Gedanken, Gefühle, Ängste, seine Erfahrungen, seine Traumata, sprich sein Innerstes sehen wir nicht. Und wir sehen auch nicht seine Vergangenheit, seine Verluste und seine Kämpfe. Egal wie gut wir einen Menschen zu kennen glauben, wir sehen immer nur einen kleinen Teil.
Und genau das ist der Grund. Ein Mensch kann für unsere Augen ein tolles Leben haben, wir können sogar neidisch auf ihn sein. Dieser Mensch kann äußerlich glücklich wirken und vor Energie und Lebensfreude nur so sprühen. Vielleicht lässt er uns das aber auch nur glauben, vielleicht trägt er eine Maske. Vielleicht hat er schon fast seinen gesamten Lebensmut verloren.
Und deswegen mache ich bei diesem Projekt mit, deswegen schreibe ich Texte für dieses Projekt und deswegen teile ich die Beiträge. Niemand soll sich schämen, seine Maske abzulegen und niemand soll nur nach einem äußerlichen Schein darüber urteilen, wie es einem Menschen geht.
Depressionen sind nicht weit weg und sie sind auch nicht unsichtbar. Wir sind nur viel zu bequem, um auch mal den Menschen hinter der Maske anzusehen.
Depressionen sucht man sich nicht aus. Niemand, der unter Depressionen leidet, wünscht einem anderen dieses Los.
Aber wir alle haben die Möglichkeit, Depressionskranken wenigstens eine helfende Hand zu reichen, damit solche Tragödien wie die von Chester Bennington sich nicht wiederholen.
Sieh hinter die Maske!

Fotograf und Bildbearbeitung: Bernd Schomer
https://www.facebook.com/profile.php?id=100014576643244
Text: Britta Hohmann
Model: Lunas Licht


(03.11.2017 – Möchte nur eine kleine Geschichte erzählen)

Claudia Hapunkt

Ich war fast das ganze Jahr in der Klinik. Von Januar bis April stationär, direkt im Anschluss bis Mitte Juli in der Tagesklinik. Meine erste Psychiatrieerfahrung.
Ergotherapie war für mich ein rotes Tuch. Ich hatte so eine Vorstellung von stumpfsinniger Beschäftigungstherapie, wo man irgendwelche Sachen herstellt, die danach in irgendeinen Schrank versteckt werden. Aber man muss ja was tun. Ich bin nicht so die Kreative. Ich bau lieber Möbel auf, streich Wände usw. aber ich hab trotzdem mitgemacht. Teelichter, Schlüsselanhänger, Tassen und Stoffbeutel bemalen, Korb flechten und und und … Ich hab fast alles verschenkt. So wirklich Spaß hatte ich nicht daran.
Ich hab immer ganz neidisch zu den Patienten geguckt, die irgendwas aus Speckstein hergestellt haben. Aber selbst traute ich mich nie ran. Was soll ich denn da schnitzen und feilen? Aber irgendwann, kurz vor Entlassung, wagte ich es doch. Mir fiel auch nichts anderes mehr ein. Also hab ich einen von meinen (127) Elefanten mitgenommen als Vorlage. Ich liebe Elefanten! Und dann fing ich an. Und hatte so einen Spaß daran. War stolz. Hoch konzentriert bei der Arbeit. Lob von allen Seiten. Und ich wusste sogar schon, welche Aufgabe dieser Elefant bekommt.
Er ist wunderschön geworden. Und er begleitet mich überall hin. In einem kleinen schwarzen Seidentäschchen ist er immer in meiner Hosen- oder Handtasche. Er erinnert mich immer daran, dass ich auch etwas schaffen kann, woran ich mich nie rangetraut habe. Einfach mal machen. Neue Wege ausprobieren! Man ist überrascht, wie leicht es auch mal sein kann. Oder, welche Ideen währenddessen aufkommen, damit man an sein persönliches Ziel kommt.
Gleichzeitig ist er auch mein “Notfallkoffer”. In den Täschchen befinden sich auch 2 kleine Zettelchen. Eins mit Maßnahmen, die ich ergreifen kann, wenn ich mal wieder extrem z.B. verletzt bin und mich nicht von meinem emotionalen Schmerz distanzieren kann. Und das andere mit Hinweisen und Maßnahmen, falls ich mal wieder in alte Verhaltensmuster verfalle.

So, das war einfach mal eine kleine, sorry, doch lange, Geschichte von mir.
Traut euch manchmal einfach, was ausprobieren. Auch wenn ihr zweifelt. Viele von uns sind oft in einer Situation, wo man denkt, man hat nichts mehr zu verlieren. Genau! Das ist die beste Gelegenheit für Experimente. Man hat doch nichts zu verlieren. Man kann bestenfalls gewinnen.

Fotograf und Figur: Claudia Hapunkt
Bildbearbeitung: HeartMirror Photography
https://www.facebook.com/heartmirror.photography/
Text: Claudia Hapunkt


(07.11.2017 – Ein Auszug aus einem Gespräch mit meiner langjährigsten Freundin.)

Mandy K. Fotografie 2

Ich sehe im Grunde meine Probleme gar nicht so gern als Krankheit an. Ich habe Depressionen und eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung. Aber ist das nicht irgendwie ein Geschenk. Ich kann so unglaublich intensiv fühlen. Ich tauche ein in ein Meer aus Traurigkeit. Spüre jede reißende Welle der Verzweiflung und wenn ich auftauche, ist da das brennende Sonnenlicht der Freude. Freude, die alles blendet.
In gleißend weißes Licht taucht. Ich sehe Farben, die leuchten, als würde es niemals dunkel werden. Ich fühle den Wind wie samtweiche Tücher, die mich umgeben. Und trotzdem versucht die Welt mich in einen grauen kratzigen Anzug aus Konformität zu pressen, der mir nicht passt. Der mich krank macht, der mich um den Verstand bringt.

Fotograf und Bildbearbeitung: Mandy Krüger
https://www.facebook.com/mandy.kruger.351
Text: Sabine Engel


(12.11.2017 – Wer bin ich?)

RT Lichtbild Fotografie 1

Wer bin ich eigentlich? Bin ich die, die ich noch vor ein paar Jahren war? Oder bin ich jemand anderes? Bin ich die, die gegen ihre Depressionen kämpft? Oder bin ich die, die ihr Leben lebt?

Wenn ich meinen Freund frage, dann bin ich seine Paschaline. Frage ich meine Eltern, dann bin ich ihre Püppi. Frage ich meine restliche Familie, dann bin ich wohl ihr Sorgenkind. Aber bin ich das alles? Und vor allem: Will ich das alles sein?

Ja, ich will die Paschaline meines Freundes sein. Und ja, ich will auch die Püppi meiner Eltern sein. Aber will ich nur jemand von einem anderen sein? Was will ich für mich selbst sein? Wer bin ich?

Dinge, die mir vor ein paar Jahren noch sehr wichtig waren, sind die letzten zwei Jahre sehr in den Hintergrund getreten.
Ich habe viel erreicht in dieser Zeit. Mehr, als ich mir vorstellen konnte. Aber sind Teile meines Selbst für das Ziel, ein vollwertiger Teil der Gesellschaft zu sein, auf der Strecke geblieben? Habe ich mich selbst unterwegs verloren? Meine Freunde, mein Sport, meine Ernährung, mein Wohlfühlen in mir und mit mir, habe ich die letzten zwei Jahre vernachlässigt. Auf meine Ziele hinzuarbeiten hat so viel Kraft gekostet, dass für den Rest nichts mehr übrig war. Erst die letzte Zeit bekommen diese Dinge langsam wieder einen Platz in meinem Leben.Meine Freunde kennen eine Person von vor zwei Jahren. Aber wer bin ich heute?

Ich stehe an einem Wendepunkt. Meine Ziele habe ich erreicht, sogar übertroffen. Und jetzt? Was sind meine neuen Ziele? Man sagt mir, ich soll nur leben. Genießen, dass ich meine Ziele erreicht habe. Wie geht das, nur leben? Ist es nicht selbstverständlich, seine Ziele zu erreichen?
Wie soll es weitergehen?
Wer will ich sein? Wer bin ich?

Fotograf und Bildbearbeitung: RT Lichtbild Fotografie
https://www.facebook.com/rtlichtbild/
Text: Britta Hohmann


(14.11.2017 – Depression)

Dirk Ludwig Fotografie 112

Depression ist oft ein Rudeltier. Ich kenne viele die noch andere Diagnosen dazu haben, so wie ich. Jeder nennt seine Krankheit anders, schwarzer Hund, schwarze Wolke, schwarzer Schatten und und und. Für mich ist meine Depression ein kleiner Teufel, der in meinem Kopf sitzt und seine Knöpfe drückt, mich lenkt. So gesehen sind es bei mir mehrere kleine Teufelchen, eine kleine Teufelsfamilie. Da meine Teufelsfamilie wahrscheinlich nie wirklich aus meinem Kopf ausziehen wird, freunde ich mich mit ihnen an.
Da wäre zum ersten Egon, er drückt die Depressionsknöpfe. Zurzeit ist er aber außer Dienst. Er ist frech und freut sich besonders, wenn er mich willenlos machen kann und mich einfach nur auslaugt. Er sitzt auch gerne an der Tastatur und schiebt mir Gedanken rein, die ich so gar nicht gebrauchen kann.
Sein Zwillingsbruder ist Erwin, mein ADS-Teufelchen. Manchmal ein wirklich lustiger Geselle und ich glaube, mit ihm kann ich mich besser anfreunden als mit Egon. Er haut mir zwar alles durcheinander, aber mit seinem Chaos kann ich irgendwie leben. Gemein ist, wenn er mir ständig mein Hirn löscht. Flupp – mit dem Magneten über die Festplatte – und alles leer.
Gemein gemein aber deswegen sind es ja Teufelchen – ne!?
Joah und er will auch echt alles mitbekommen, egal was ich gerade mache, er lenkt meine Aufmerksamkeit auf echt alles. Da beschäftige ich mich mit einer Sache – wie dem Schreiben von diesem Text hier – dann fliegt irgendwo am Fenster ein Schatten vorbei – schwupp – Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelenkt. Ich will gar nicht erwähnen, wie lange dieser Text hier dauert. Danke Erwin – so entgeht mir einfach gar nichts.
Außer – irgendwie alles, schließlich bleibt ja kaum etwas in meinem Kopf vorhanden. Da wäre ja auch noch der Magnet an der Festplatte. Das heißt auch, dass ich oft nicht weiß, wo ich die Dinge hinlege. Viele Menschen befinden sich auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, ich hingegen suche so ziemlich alles, Ladekabel vom Laptop, Handy, Schlüssel, Fahrkarte, der Fidget Spinner meiner Tochter, den ich heute erst noch in der Hand hatte (zum Glück hat sie es selbst noch nicht gemerkt), einfach alles. Man kann das jetzt natürlich auf zwei Arten sehen. Nervig, dass ständig alles verschwindet und man sein Leben mit Suchen verbringt oder eben, ich bin einfach nicht wie alle anderen, also bin ich etwas Besonderes. Ich suche nicht, dass was alle anderen suchen.
Wozu brauche ich auch den Sinn des Lebens, wenn ich nicht mal mehr mein Ladekabel vom Laptop finde!? Inzwischen ist es dann doch wieder aufgefunden, sonst könnte ich diesen Text nicht schreiben.
Wenn Erwin nicht gerade mit dem Magneten an meiner Festplatte spielt, fabriziert er aus meinen Gedanken und Emotionen Spaghetti. Er schmeißt alles in einen Topf, rührt einmal ordentlich durch, haut lecker Soße drüber und schmeißt alles wirr auf einen Teller. Hat schon einmal jemand versucht Spaghetti zu sortieren? Ich zwar noch nicht aber was meine Gedanken und Emotionen angeht, ist es verdammt schwierig.
Um meine Familie komplett zu machen, sollte ich noch zwei Mitglieder vorstellen. Da wäre Egons Ehefrau Ronja und deren Kind Kevin. Ronja spielt gerne an den Panikknöpfen rum und denkt sich immer wieder Neues aus für Panikattacken. Ronja und Egon befinden sich allerdings zurzeit im Liebesurlaub. Wer weiß, ob Kevin nicht noch ein Geschwisterchen bekommt, wenn sie wieder kommen. Kevin nimmt alles, was er bekommen kann. Den letzten freien Rest an Knöpfen. Gerne hat er die bunten Selbstwertgefühls- und Vertrauensknöpfe, die blinken so schön. Er schläft zwar viel aber hin und wieder überkommt ihn die Langeweile und dann drückt er einfach mal irgendwo drauf.

Eine Depression ist vieles. Ein schwarzer Hund, schwarzer Schatten, schwarze Wolke, Seelenkrebs, Dämon, Teufelsfamilie, Rudeltier, whatever. Eine Depression ist da und sie kann immer wieder kommen oder auch nicht. Egal ob selbst Betroffener oder Angehöriger, damit zu leben und sich damit anzufreunden, ist eine gar nicht so verkehrte Taktik. Freunde dich mit deinem Feind an.

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/
http://dirk-ludwig.de/
Text: Berger Cynthia Cindy


(16.11.2017 – Hey Du)

Stefan Gesell Photography 9

Hey Du, lange nicht gesehen, lange nichts gehört von Dir? Was machst Du heute und geht es Dir gut? Schon eine Weile her, dass ich Dich besucht habe. Wie ich sehe, ist Dein Leben ein wenig bunter geworden. Du lächelst wieder und hast ein wenig Spaß und machst Pläne. Du musst nicht denken ich bin weg, nein mein Freund, ich beobachte Dich nur aus einiger Entfernung. Längst schon wollte ich Dich mal wieder besuchen. Verspüre ich doch diese Lust Dich wieder fallen zu sehen. Wollte dir mal wieder die Beine wegreißen. So wacklig, wie Du stehst, wäre es ein Leichtes. Ich muss Dir sagen, es ist im Moment keine Herausforderung.
Hab ich doch alle Zeit der Welt und komme vorbei, wenn Du es am wenigsten erwartest. Ich warte auf die Tage, die hell und schön sind. Besichtige mit Dir die schönsten Orte der Welt und begleite Dich ohne, dass Du weißt, dass ich da bin. Auf den größten Partys bin ich mit dabei und beobachte Dich. Tanzen werde ich mit Dir ohne, dass Du spürst, wie ich Dich führe. Im Auto sitze ich und warte darauf, dass Du losfährst. Am Strand bin ich mit auf Deiner Decke und Du siehst mich nicht. Beim Treffen mit Freunden werde ich das Wort sein, welches Dich zum Grübeln zwingt. Im hellsten Sonnenschein bin ich die Wolke, die es dunkel und kalt macht.
An den Orten, wo Du Entspannung suchst, bin ich der Lärm, der Dir die Ruhe nimmt. An windstillen Tagen bin ich die kalte Brise, die Dich frösteln lässt. Ich bin das Messer, was Dich schneidet und Du wirst denken, dass Du nur nicht aufgepasst hast. In Wirklichkeit sind es die Gedanken, die ich Dir in den Kopf setze. Gedanken, die Dich ablenken, die Dich verzweifeln lassen. Einen Moment abgelenkt und schon bin ich da. Immer. Ich bin Dein Bett, was Dich ruft, wenn Du Dich wieder ausklingst und Ruhe haben willst. Der Stein, über den Du stolperst, wenn Du beim Spaziergang versuchst, den Kopf freizubekommen. Der Mensch, der sich neben Dir setzt und nervt, bei Deinen kleinen Auszeiten am Strand.
Ich verführe Dich ohne, dass Du es merkst. Entführe Dich in die dunklere Welt, die ich für Dich erschaffen habe. Ich schalte für Dich das Licht aus, wenn Du es hell haben willst. Schalte die Musik ein, die Du heute nicht hören kannst. Du siehst, ich bin da, fütter mich selbst mit Deinen Empfindungen, mit Deinen Gedanken. Erhole Dich noch ein wenig von mir, ich werde Dich besuchen und fallen sehen. Ich habe die Dunkelheit mehr als einmal in Dein Leben gebracht und ich werde es immer und immer wieder machen. Wir sind füreinander geschaffen und egal was Du versuchst, ich bin da, liege auf der Lauer und stelle Dir ein Bein, wenn Du anfängst zu laufen.
Kämpfe und versuche stark zu werden, ich stehe auf Deinen Widerstand. Ein Gegner macht nur Spaß, wenn man jemanden besiegt der stärker zu sein scheint. Wenn Du so weit bist, werde ich kommen und Dich still und leise angreifen. Werde Dir den Schlaf in der Nacht rauben und am Tag die Müdigkeit sein. Alle Deine Gefühle nehme ich Dir und mache Dich leer und kalt. Ich werde eine Welt formen, die grau und dunkel ist. Ich kann die Fernbedienung für den Fernseher sein, der wieder nebenbei läuft. Das Spiegelbild sein, welches Dich traurig anschaut.
Ich werde der Text sein, rabenschwarz und melancholisch, welchen Du schreibst. Alles, was Du empfindest raube ich Dir, bis Du Dich nutzlos und überflüssig fühlst. Ich bin die Depression die Dich bestimmt, ich bin der Freund, der Dir die Lebensfreude nimmt. Warte nicht auf mich, ich selbst bestimme wann und wie ich Dich besuche. Roll den roten Teppich aus und mach Dich chic, ich bin auf dem Weg, wenn Du mich nicht erwartest.

Liebe Grüße aus der Dunkelheit
deine Depression

Fotograf und Bildbearbeitung: Stefan Gesell Photography
https://www.facebook.com/fotosym/
Text: Daniel Wagner
https://www.facebook.com/tagebuchdervergangenheitwenndasge…/
Model: KC


(22.11.2017 – Die Perle)

ML - Photo 1

Hallo, ich bin Pearl. Ich weiß, das ist nicht originell, viele heißen so. Aber ich bin stolz auf meinen Namen. Ich habe ihn mir verdient. Lange lebte ich friedlich auf dem Meeresboden. Warte, du wunderst dich? Verzeih, ich habe versäumt zu erwähnen: Ich bin eine Muschel. Wie gesagt, lange war mein Dasein leicht. Ich schlief eingekuschelt zwischen meiner Familie. Am Tag sog ich das Wasser in meine Muschelschale und holte mir so mein Essen und nachts schlief ich wieder beschützt, umgeben von den Muscheln die mich liebten. Eines Tages aber änderte sich alles. Ich holte mir wie immer mein Frühstück, aber dann spürte ich etwas hartes auf mir, in mir. Ein Fremdkörper fand den Weg zu mir. Ich versuchte verzweifelt, diesen Eindringling wieder los zu werden. Drückte ihn weg von mir, probierte ihn auszuspülen, aber nichts gelang. Er blieb einfach liegen. Es war ein kleines Schmutzkorn, schwarz und unansehnlich. Wie es auf mir lag, schien es mich zu verhöhnen, drückte spitz und schwer in mein weiches Fleisch. In dieser Nacht schlief ich sehr schlecht.
Am nächsten Tag erzählte ich meiner Familie davon, aber die sagten nur, ich sollte mich nicht so anstellen. Jeder hat mal ein Sandkorn und wenn ich mich richtig anstrengen würde, könnte ich es bestimmt entfernen. Also strengte ich mich an, aber es blieb. Ich erzählte meinen Freunden, wie schlecht es mir ging und wie weh es tat. Von ihnen hatte keiner jemals so eine Bürde getragen und sie konnten nicht glauben, wie sehr es mich belastete. Ich solle mich nicht so anstellen. So blieb ich ganz allein. Nur ich und das Schmutzteilchen. Durch sein Gewicht drückte es immer mehr in mein weiches Fleisch. An einigen Tagen weinte ich bitterlich in meiner Muschelschale aber niemand konnte oder wollte mir helfen. Sie behandelten mich, als hätte ich eine ansteckende Krankheit, als wäre ich ein fremdes Wesen. Die Tage wurden für mich immer dunkler, bis das Licht eine verblassende Erinnerung aus einem schöneren Leben war. Ich vergrub mich immer tiefer im Sand und entfernte mich von allen, die mir jemals gesagt hatten, sie würden mich lieben.
Eines Tages traf ich einen Fremden. Er fragte mich, was mir fehlte, warum ich so traurig war. Ich war froh, endlich wieder mit einer anderen Muschel reden zu können, aber ich hatte Angst, er würde mich auch verlassen, wenn ich ihm erzählte, was auf mir und meiner Seele lag. Also log ich. Der Fremde kam jeden Tag, sprach mit mir und eines Tages war er nicht mehr fremd und ich öffnete mich ihm. Ich erzählte ihm von dem Sandkorn und er hörte mir geduldig zu. Ich fürchtete, dass er mich wieder von sich stoßen würde, da ich so weinerlich war, doch statt dessen sagte er, er kenne das. Vor Jahren ging es ihm so wie mir. Auch ihn hatten alle verlassen, da keiner ihn verstehen wollte. Aber irgendwann kam jemand zu ihm und lehrte ihn, wie er Kraft in sich finden konnte und so lehrte er mich auch nach dieser Kraft zu suchen.
Jeden Tag übte ich gegen das Korn anzukämpfen, aber es war schwer. Nach einem solchen Tag lag ich müde und erschöpft auf dem Meeresgrund und sah missmutig meinen Feind an. Da wurde mir plötzlich klar: Ich würde ihn nie loswerden, er würde auf ewig ein Teil von mir sein. Dieses Sandkorn war ein Teil von mir geworden! An diesem Tag schloss ich Frieden mit ihm. Eine unbekannte Stärke zeigte sich in mir. Statt es zu bekämpfen, umarmte, akzeptierte ich es, hüllte ihn in dieser Kraft ein, überzog es mit einem weiß schimmernden Film und glättete seine spitzen Kanten. Es war immer noch da, aber es tat nicht mehr weh. Ich lernte mit meiner Last zu leben und es formte sich zu einer wunderschönen weißen Kugel. Wenn es dir das nächste Mal wieder schlecht geht und du siehst eine Perle, denke daran dass es manchmal etwas hässlichem Bedarf um etwas schönes hervorzubringen. Wie gestaltest du deine Perle?

Fotograf und Bildbearbeitung: ML – Photo
https://www.facebook.com/ml.photo.nrp/
Text: Arianna D. Pencraft
https://www.facebook.com/Autorin.AriannaD.Pencraft/


(23.11.2017 – “Depressionen? Die einfachste Art sich nen gelben zu holen…”)
(Suizid, Sarkamusbeitrag)

Fotografie Müllerinart Modelpage- Tatjana B.

Du hast keinen Bock mehr zu arbeiten? Dann mach beim Arzt deines Vertrauens auf “traurig” und lass dich für einige Monate krankschreiben. An jeder Ecke lauert doch ne kranke Seele. Die eine wünschte sich, sie wäre tot und die andere nimmt sich am nächsten Tag das Leben. So auch ein bekannter Sänger, um den nun die ganze Welt trauert. Er ist TOT, hat sich selbst dazu entschieden diese Welt zu verlassen genau wie Tausende von anderen Menschen jedes Jahr.

“Depressionen und Selbstmord? Ach hör mir endlich auf mit dieser gequirlten Scheiße und geh einfach sterben…”

Die Menschen denken, das Geld und Liebe ausreicht, um “Glücklich” zu sein. Depressionen oder der Drang, Selbstmord zu begehen, seien ein Hirngespinst… ein Luxusgut, von dem wir Gebrauch machen, wenn wir mal einen schlechten Tag haben. Meine Meinung dazu? Wer DAS denkt, dem haben die Leute ins Gehirn geschissen… Durchfall Deluxe!

Depressionen sind REAL. Depressionen sind ECHT und der Gedanke, sich SELBST ZU TÖTEN, das grausamste gegen das sich ein Mensch zur Wehr setzen muss.

Macht verdammt nochmal eure Augen auf und schaltet euren Verstand an…

– Verurteilt nicht die Menschen, die sich selbst verurteilen…
– Hasst nicht die Menschen, die sich selbst hassen…
– Wünscht nicht den Menschen das Schlimmste, die sich selbst den TOT wünschen…
– Redet nicht schlecht über die Menschen, die für sich selbst kein gutes Wort übrig haben…
– Schaut nicht weg, wenn Menschen sich selbst aus den Augen verlieren…

Menschen mit Despressionen oder Selbstmordgedanken werden oft nicht ernst genommen. Ihr Leiden wird abgetan und als irrwitzig bezeichnet. Was unsere Gesellschaft nicht sehen kann, das existiert nicht. Und ja, Menschen, die den härtesten Kampf gegen sich selbst führen müssen, tun dies meistens dann, wenn sie alleine sind! Sie schreien es nicht in die Welt hinaus und das ist VERDAMMT NOCHMAL auch nicht nötig.

Vor Kurzem ging eine “Krankmeldung” durch die Medien. Eine junge Frau meldete sich aufgrund von Depressionen krank und ihr Arbeitgeber verhielt sich vorbildlich. Wir alle sollten keine Angst haben müssen, mit anderen Menschen offen zu sein. Wir ALLE sollten keine Angst haben müssen, verurteilt zu werden. Unser Geist ist wertvoll und wir sollten keine Angst haben müssen, ihn zu schützen….

Unsere Seele ist kein Kinderspielplatz, wo nur gelacht wird und ab und an mal Tränen fließen. Unsere Seele ist eine zarte Pflanze, die schnell zugrunde gehen kann, wenn sie nicht richtig behandelt wird. Depressionen sind eine schwere Last, die auf unseren dünnen Blättern liegt. Statt unsere Blüten mit eurem Scheiß Gelaber zu zerstören, helft uns, diese Last zu mindern.

Auch DICH, deine Kinder oder deinen Partner können Depressionen und Selbstmordgedanken treffen also änder schleunigst deine BESCHEUERTE Meinung, um deinen lieben eine gute Stütze und nicht ihr ZERSTÖRER zu sein…

#seeleschützenstattvernichten

Helft mir, eine Lanze zu brechen und teilt, wenn ihr meiner Meinung seid.

Die Mutti

Fotograf und Bildbearbeitung: Fotografie Müllerinart
https://www.facebook.com/Muellerinfotografie/
Model: Modelpage- Tatjana B.
https://www.facebook.com/tatjanabaunmodelpage/
Text: Deine Rabenmutter
www.facebook.de/deinerabenmutter


(24.11.2017 – Regenbogenfee)

Carolyn Heat

In einem fernen Land, am Rande der sieben Ozeane, ganz oben in einem Gebirge, dort wohnt die Regenbogenfee. Wo kaum ein Mensch jemals war, verwandelt sie Gedanken in Träume. Die Gedanken kommen auf den Flügeln von Schmetterlingen. Es ist eine weite Reise über den Regenbogen der Zeit. Die Schmetterlinge transportieren düstere und schlechte Gedanken, aber auch sehr schöne und gute Gedanken. Sie kommen mit den Gedanken der Menschen und fliegen zu uns zurück, beladen mit unseren Träumen. Ab und zu passiert es, dass die Schmetterlinge Träume verlieren und so landen auf uns die “falschen” Träume.
Trotz guter Gedanken haben wir nachts Albträume und mit negativen Gedanken träumen wir wunderschöne Träume. Sind unsere Träume dunkel und versuchen uns in den Abgrund zu reißen, so werden auch die Tage danach dunkel und trist. Wenn die Regenbogenfee das sieht, sendet sie uns gute Träume und wir fangen wieder an, zu hoffen. Die Tage werden heller und die Welt erblüht um uns herum. Wenn Ihr also einen dunklen Tag habt, dann denkt daran, es werden auch wieder gute kommen.
Wenn Ihr einen Regenbogen seht, dann freut Euch und schickt positive Gedanken. Denn nichts auf der Welt ist schöner, als von einem guten Traum geweckt zu werden. Seht Ihr einen Regenbogen, so lächelt, denn über ihn werden unsere Träume geschickt.

Ich mag die Vorstellung, dass die Regenbogenfee uns unsere Träume sendet. Ich mag sie viel mehr als den Topf voll Gold, der am Ende des Regenbogens auf einen wartet. Denn Träume erreichen uns immer, manchmal sind sie schlecht, aber ganz oft auch sehr schön.

Bild, Idee und Bearbeitung: Carolyn Heat
https://www.facebook.com/carolyn.heat
Text: Daniel Wagner
https://www.facebook.com/tagebuchdervergangenheitwenndasge…/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.