Artikel

(29.11.2017 – Ruhige Gewässer)
(TRIGGERWARNUNG Tod, Trauer, Verlust)

Anita Paukner 4

Jahre ist es nun schon her. Jahre, in denen sich meine Welt plötzlich ohne dich weiter gedreht hat. Jahre, in denen die Zeit gerast ist. Jahre, in denen ich mich oft gefragt habe, wie es sein würde, wenn du noch an meiner Seite wärst. Jahre, in denen ich dir so vieles gerne berichtet und deine Meinung zu den Dingen gehört hätte. Jahre, in denen ich das Leben gerne mit dir geteilt hätte. Jahre, die stürmisch und still zugleich waren.
Die stürmischen Wellen sind abgeklungen.
Das Meer der Tränen ist ein still ruhender See geworden. Die Angst dich zu vergessen, die verschwimmenden Erinnerungen nicht aufrechterhalten zu können, wurde von der unendlich großen Menge an Wasser verschluckt und besänftigt. Die Stille und Ruhe bietet mir die Chance, das Ganze klarer zu sehen. Und so ist mein See voll von Wassertropfen der Erinnerung, voll von vielen kleinen tropfenartigen Facetten, wie du warst, wie das Leben mit dir war.
Jeder dieser Tropfen ist kostbar. Doch es ist der Kreislauf der Natur, dass Wassertropfen mit der Zeit verdunsten, dass der ein oder andere Tropfen aus dem Gewässer entweicht. Doch der Regen spült auch immer wieder neue Tropfen ins Gewässer. Sie kommen aus den Wolken am Himmel. Dort wo du nun bist. Die verdunstenden Tropfen erreichen dich vielleicht. Vielleicht erreicht dich auch die ein oder andere, heimlich meine Wange herunter laufende Träne, wenn sie verdunstet. Es besteht immer noch eine Verbindung.
Die Tropfen fügen sich zu einem großen Ganzen. Und wenn ich dich sehr vermisse, deine Nähe brauche, tauche ich eine Weile ab und lasse mich von all diesen Tropfen umspülen. Ich spüre die Ruhe und den Frieden, gleite durch das Wasser und dabei wird mir klar, dass es nicht auf jeden einzelnen Tropfen ankommt, sondern auf die Nähe, auf das Zusammenspiel all der Tropfen die noch da sind oder wieder hinzukommen. Auf das Gefühl der Verbundenheit. Letztendlich summieren sie sich zu dem, was dich ausgemacht hat. Und vermitteln mir das Gefühl von dir an meiner Seite. Das Gefühl mit dir noch immer in gewisser Weise verbunden zu sein.

Fotograf und Bildbearbeitung: Anita Paukner
Text: Alena


(30.11.2017 – Warum werden wir geboren … ?)

Carolyn Heat 1

Warum …
alles ist so schön warm, man bekommt viel Liebe, Geborgenheit Wärme, jeden Tag unzählige Streicheleinheiten
und es gibt soooo viele Menschen, die uns lieben.
Und die Welt um uns herum ist bunt, voller Energie und Wachstum. Es scheint jeden Tag die Sonne und Tränen gibt es nicht.
Was für ein Leben wäre da nicht die Geburt!?

Von da an ist alles anders Baby – Kind – Teenager – Erwachsener und in jedem Stadium, dass wir durchlaufen, kämpfen wir um all das, was wir sonst auch so
hatten und vieles mehr …
Die Welt wird Zunehmens grauer und tränenreicher, das Schaffen und Mühen strengt uns an, macht uns müde um Liebe und Wärme kämpfen zu müssen!

Wo sind all, die lieben Menschen hin …
ist das Gemeinsame hin …
auf einmal sind wir nur noch allein und fühlen nichts mehr die Leere macht sich breit in uns ein großes schwarzes Loch, was immer näherkommt, uns packt
und uns nichtmehr loszulassen scheint, weil wir allein sind.

Innerlich weinen wir, schreien wir, hoffen das uns jemand hört aber nichts, alles ist still … stiller denn je.

Und nun noch mal die Frage warum werden wir geboren …?

Idee und Bildbearbeitung: Carolyn Heat
Text: MK


(03.12.2017 – Kleine Schäfchenwolken)

Stefan Temme 1

Ausgerechnet heute schleichst du dich wieder an. Ganz leise und von hinten, ich habe dich nicht kommen hören. Erst als ich es gespürt habe, dieses grausame Gefühl im Bauch, da wusste ich, du bist wieder bei mir.

Du kommst sehr gerne unverhofft, sicherlich liebst du die Überraschung. Einen besonderen Anlass für deinen Besuch den brauchst du anscheinend nicht.

Du machst aus kleinen weißen Schäfchenwolken dunkelgraue Ungeheuer, und aus Sonnenschein machst du kalten Dauerregen. Aus Windstille machst du einen Sturm, und aus schönen geraden Wegen machst du fiese, steile Berge. Aus Lachen machst du Trauer und aus Freude machst du Angst.

Warum ausgerechnet heute? Gestern war doch noch alles gut.

Fotograf und Bildbearbeitung: Stefan Temme
Text: Stefan Temme


 (07.12.2017 – Hallo, Hallo Du … Ihr … Sie … Er … Alle da draußen …)

Jette von Stürmer

Wie oft ging es dir so … wie mir … oder ihr … oder den anderen?
Dass man tagsüber aus dem Fenster schaut, die Sonne scheinen sieht, die Vögel ihre Kreise ziehen sieht, Menschen laufen fröhlich lachend die Straße entlang und man selbst fühlt sich, trotz Familie und guten Freunden so einsam.
So verlassen, so nichtssagend, uninteressant … Ja sogar einfach fehl am Platz in der Welt?
So sinnlos, irgendwie so unwichtig für dich Menschheit?

In solchen Momenten ist es schwer, die negativen und traurigen Gedanken und Gefühle zu kontrollieren.
Sich nicht in ihnen zu verlieren und sich ihnen nicht hinzugeben.

Aber seid euch gewiss, man kann lernen sie zu verändern.
Ich habe es gelernt, in dem ich angefangen habe mir und meinem Leben positive Gedanken zu erzählen.
Ich habe angefangen mit positiven Affirmationen.
Über Meditationen von YouTube und in meinen Gedanken.

Und jeder Tag führt sich schöner an, genussvoller, interessanter und das Leben beginnt schön zu sein.

Du … Ihr … Sie … Er … WIR alle sind wichtig, sind schön, sind einzigartig und vor allem sind wir wichtig.
Nicht für die gesamte Welt, aber für jeden einzelnen Menschen in unserem Leben, für den wir seine kleine Welt sind.

Maler und Bildbearbeitung: Jette von Stürmer
Text: Jette von Stürmer


(10.12.2017 – Die Tür zu deinen Träumen)

SilentHarmony Photography 7

Du bleibst so lange auf, bis dein Körper sagt, geh ins Bett, es reicht. Du hast den ganzen Abend versucht dich mit allem Möglichen abzulenken nur, um nicht wieder im Bett zu liegen und nicht schlafen zu können, denn du weißt ganz genau, wenn du die Augen zu machst, kommen wieder die Monster. Die Monster in deinem Kopf, man nennt sie Gedanken. Sie sorgen dafür, dass du dich von einer Seite auf die andere drehst und wenn du dann endlich eingeschlafen bist, nennt man sie Träume. Das sind die Monster die dich fallen lassen, fallen lassen ins bodenlose.
Das sind die Monster die dich rennen lassen vor Verfolgern, die du oft nicht siehst. Das sind die Monster, die dich Menschen begraben lassen, die du von Herzen liebst. Und dann wirst du wieder wach, alles klebt an dir und dein Herz klopft dir bis zum Hals. Sie haben es wieder geschafft,du bist wieder wach, total fertig, fühlst dich wie durch den Wolf gedreht, und nachdem du dann ein paar Mal durchgeatmet hast, merkst du, wie du wieder langsam einschläfst und du siehst auch wieder die Monster wie sie aus allen Ecken kommen und dann tauchst du ein, in ein Land voller Schatten.

Fotograf und Bildbearbeitung: SilentHarmony Photography
https://www.facebook.com/SilentHarmonyPhotography/
Text: Toxische Liebe
https://www.facebook.com/Toxische-Liebe-345071589246634/


(12.12.2017 – Zu sagen “Nur die Depression ist schuld” ist zu einfach)

Carolyn Heat 2

Zu sagen “Nur die Depression ist schuld” ist zu einfach, aber sie ist auch nicht unschuldig. Manchmal hasse ich sie.
Wäre es anders gelaufen, wenn wir anders wären? Wahrscheinlich liegt ja in der Natur der Sache. Ich bin als Borderlinerin schneller emotional als die meisten, schneller verletzt, gleichzeitig mit unendlich viel Angst in mir, alleine zu sein. Bei ihm vermutet der Therapeut, bei dem er einmal probeweise war, eine depressive Episode, ich selber finde seinen Erzählungen nach Dysthymie (schwächere aber oft jahrelange Depressionsart) auch nicht unwahrscheinlich. Letztendlich ist das aber auch egal, wir sind halt, wie wir sind. Vielleicht nicht gut genug, zumindest nicht ausreichend füreinander derzeit. Wenn es uns beiden besser geht und wir beide dann noch mögen, wollen wir es noch mal neu versuchen. Ein Freund von mir findet das nicht gut, er sorgt sich um mich und dass mich das Warten zerfrisst. Ein anderer findet es toll, dass wir unsere Beziehung nicht einfach aufgeben.
Ich kann beides verstehen, empfinde ja selber beides. Vielleicht halte ich auch nur an dem “vielleicht” fest, weil ein klares “Nein” zu sehr wehtun würde. Vielleicht wäre es besser, klarer Schnitt und so, ich denke, jeder hat das alles schon einmal gehört … aber es war halt auch eine wundervolle Beziehung, meine beste und stabilste und meiner Meinung nach zukunftsfähige bisher und ich glaube, viel besser geht nicht. Daher will ich nicht einfach aufgeben. Ich weiß nicht, ob das Selbsttäuschung ist oder Stärke. Tags fühle ich mich ein wenig taub, aber okay, nachts sitze ich da, weine und fühle mich wie ein Stein, den man über die Wasseroberfläche hüpfen lässt. Nur dass unter der Wasseroberfläche all die Verzweiflung, die Angst und der Schmerz sind, die ich mit dem “vielleicht” versuche zu meiden. Hinauszuschieben? Jedenfalls hüpfe und hüpfe ich, bei jedem Aufprall kommen Tränen, während der Sprünge sitze ich vor allem da und versuche mich abzulenken und die Berührungen mit dem Meer machen mir blanke Panik vor dem Eintauchen, das wahrscheinlich irgendwann kommt. Irgendwann werde ich realisieren, nun alleine zu sein.
Ich werde nicht daran zerbrechen, das weiß ich, so stark ist die menschliche Psyche (und ein Teil von mir sagt “Leider”), aber es wird wehtun, als würde ich in Säure ertrinken, brennen von außen und innen.Und all das vielleicht nur, weil diese verfickte Krankheit ihm, mir, uns beiden, Kraft nahm, die wir füreinander gebraucht hätten. Wäre die Depression bei ihm, mir oder auch uns schwächer, hätte es vielleicht gereicht. So … waren wir nicht genug. So warten wir, jeder auf seinem Meer oder darin, hoffen aufzutauchen, an den Strand zu kommen und wieder richtig atmen zu können und die Kraft zu finden, es erneut zu versuchen und dass der andere sie auch findet und wenn er sie hat, sich nicht weggedreht hat weil ihm auffällt, dass es ja andere, einfachere Menschen gibt.

Idee und Bildbearbeitung: Carolyn Heat
Text: Anna-Lena Perner


(14.12.2017 – Es gibt Tage)

KO Fotografie

Es gibt gute Tage, Tage, an denen alles schön ist und sauber. Wie die Seiten in einem neuen Buch. In meiner Welt überwiegen jedoch die anderen, die bösen, die zerstörenden, die traurigen, die tränenreichen Tage. Das sind Tage an denen ich das Gefühl habe mich selbst aufzulösen. So wie die Seiten in diesem Buch. Langsam aber sicher zerfallen sie zu Staub … Auch meine Seele zerfällt zu Staub, ich bin nicht fähig etwas zu tun, mich zu freuen. Ich liege im Staub, alles zieht an mir vorbei und wenn mich der Wind erwischt trägt er mich fort. Weit fort von mir und zerstreut mich in allen Richtungen des Himmels.

Fotograf und Bildbearbeitung: KO Fotografie
https://www.facebook.com/KOFotografie8/
Text: KO Fotografie


(20.12.2017 – Unsichtbare Krankheit)

Anki Gräfin von Moltke

Für Fremde wirkt man gesund und munter. Ist man doch noch jung, macht keinen blassen oder abgemagerten Eindruck. Lächelt zur Begrüßung und lacht mit anderen.
Keine offensichtlichen Wunden, Narben oder Begleiterscheinungen, die auf eine Krankheit hinweisen.
Es liegt im Verborgenen, das Medikamente diesen Menschen am Leben erhalten. Man jeden Tag mit den Nebenwirkungen zu kämpfen hat. Auf sich achtgeben muss in jeder Sekunde.
Es liegt im Verborgenen welche Gedanken, Ängste und Hoffnungen einen umher treiben.
Schlaflose Nächte … Tage, an denen man sich verstecken möchte … Es liegt im Verborgenen, wie sehr man für ein normales Leben kämpft. Einen Alltag, den gesunde Menschen haben.
Es liegt im Verborgenen, wie man es durch Schauspielkunst schafft, dass sie nicht auffällt. Das einen keiner anspricht. Dass man froh ist, andere Themen zu besprechen. Abgelenkt zu werden anstatt darauf hingewiesen.
Denn man selbst muss mit dieser Krankheit leben.

Unsichtbar … für Fremde

Fotograf und Bildbearbeitung: Anki Gräfin von Moltke
Text: Anki Gräfin von Moltke


(23.12.2017 – Metamorphose)

ML-Photo 3

Es ist ein Morgen, der wie immer mit vielen Gedanken beginnt.
Trotz meiner Müdigkeit, ist mein Kopf hellwach und spinnt schon wieder Geschichten, Ideen, analysiert und reflektiert. Sobald ich aufstehe, spüre ich meine psychosomatischen Schmerzen, meinen lahmen Antrieb und das Bedürfnis wieder ins Bett zu wollen.
Mein Über-Ich sagt, wo es lang geht und so hole ich mir Papier und Kuli und setzte mich in die Küche, um neben meinem Frühstück, meine Gedanken aufzuschreiben, bevor ich sie wieder vergesse. Das ist auch eins der Symptome, das ich habe. Vergesslichkeit und mangelnde Konzentration. Ich richte mir den Tag ein, so gut, wie es geht, um einigermaßen stabil durch den Tag zu kommen. Es klappt nicht immer und ich fange wieder an zu leiden.

Und wenn ich meine, es nicht mehr aushalten zu können, dann legt sich des Nachts behutsam der Schlaf der Heilung über mich. So beginnt meine Geschichte.
Während sich mein Körper heilt, sich so von Schmerzen und Qualen befreit, werde ich in eine andere Welt getragen, in der es wunderschön, friedlich und ruhig ist. Wunderbare Landschaften, Gärten voll atemberaubender Farben und Schönheit sind zu sehen. Singen, Summen und Stimmen von anderen Tieren sind zu vernehmen. Der Duft der Blüten und Blumen ist so berauschend und benebelt meine Sinne.

Der Heilungsprozess ist vollzogen und ich durchlebe die nächste Phase. Um wieder in meine Welt zurückkehren zu wollen, werde ich alles vergessen, was ich erlebt habe. Es ummantelt mich für eine kurze Zeit eine tiefe Schwärze.
Nun beginnt die Metamorphose. Das ist der letzte Schritt. Ich trenne mich von meinem alten Körper, indem ich ihm entsteige.
Ich habe schlafwandelnd den alten Körper verlassen und lege mich neben diesen hin und schlafe weiter. Bis ich am Morgen frisch, gesund und munter erwache, hat sich der alte Körper aufgelöst.
Von alldem, was in der Nacht passierte, weiß ich nichts mehr.
Die Natur legt einen Schleier der Vergesslichkeit über mich, damit ich nicht in Versuchung kommen kann, wieder zurückkehren zu wollen.

Ich liebe den Schlaf.
Du vergisst die Schmerzen,
die Probleme, den Stress,
alles für einen Moment.

Fotograf und Bildbearbeitung: ML – Photo
https://www.facebook.com/ml.photo.nrp/
Text: Astrid Dino


(24.12.2017 – Seelenschmerz)

André Krenz Photography

Es gibt so viele Formen von Schmerzen, die erklärt werden können, wie sie sich anfühlen.
Schmerzen können picken, ziehen, brennend oder bohrend sein, um hier ein paar Beispiele zu nennen.
Aber wie erkläre ich meinem Gegenüber, wie sich mein Seelenschmerz anfühlt, wenn diese Qualen von ihm noch nie erlebt wurden? Wie fühlt es sich an? Für meinen Seelenschmerz finde ich keine passenden Worte, keine Erklärung. Ich kann aber begreiflich machen, wie ich mich fühle, wenn dieser Schmerz in meinem Innersten wütet.

Ich möchte mich zurückziehen. Das Beste wäre, in einen erholsamen Schlaf zu fallen und erst wieder aufzuwachen, bis diese Schmerzen vorbei sind. Das geht aber leider im wirklichen Leben nicht.

Eigentlich sind es ja keine Schmerzen, wenn ich es genau nehme, finde ich. Was ich fühle im Innern meines Körpers, ist ein quälendes Gefühl, das mich absolut handlungsunfähig und antriebslos macht.
Das sind die zwei stärksten Symptome, mit denen ich immer wieder zu kämpfen habe.

Wie einem Tier, dass in seiner Fortbewegung gehindert wird, leidend und ängstlich am Boden liegt und nicht weiß, wann dieser Albtraum endlich ein Ende hat, so fühle ich mich gefangen mit meinem Leid.
So schnell, wie diese Seelenqualen kommen, können sie auch wieder gehen. Sie lauern in mir und warten nur darauf, dass sie mich wieder okkupieren können. Ein falscher Gedanke, ein falscher Satz von mir, dass meine Psyche nicht erträgt, lassen mich dann wieder für unbestimmte Zeit Leiden.

Fotograf und Bildbearbeitung: André Krenz Photography
https://www.facebook.com/der.Andre.aus.Berlin/
Text: Astrid Dino

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.