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(03.02.2017 – 1. Jubiläum “Gib Depressionen ein Gesicht”)

Danksagung Dirk Ludwig

GDeG 1. Geb 11

DANKE, DANKE, DANKE allen Menschen, die das Projekt Gib Depressionen ein Gesicht aktiv oder auch passiv begleiten. Ihr seid großartig!!!
Stellvertretend für die vielen Unterstützer möchte ich einige fleissige Helfer namentlich erwähnen, ohne die die bisherige, atemberaubende Entwicklung des Projektes nicht möglich gewesen wäre. Alle engagieren sich für den guten Zweck ehrenamtlich.
Nadine Wagner ist die treibende Kraft des Projektes, ist Admin unserer Projektgruppe und unserer Internetseite www.gib-depressionen-ein-gesicht.de, schreibt Gedichte, macht Fotos und Videos und vertritt mich in allen Belangen. Danke an diese “gute Seele” des Projektes.
Danke auch an die Autorin Asmodina Tear, die zu meinen Fotos viele sehr berührende Gedichte verfasst hat.
Drittens geht ein Dank an das Model Anna Lena Engel, das die Idee zu dem Projekt hatte und mit der ich die erste Bildreihe zum Thema Depressionen verwirklicht habe.
Viertens bedanke ich mich bei dem Fotografen Thorben Karl Hofmann (TKH Photography) der sich ebenfalls sehr stark für das Projekt engagiert. Vor allem in der Eishocky- und in der Musikerszene ist er unterwegs.
Und dem Eishocky-Spieler der Hannover Scorpions Stefan Goller Official möchte ich danken, der sich als offizielle Botschafter unseres Projektes für die Krankheit Depressionen einsetzt und erreicht hat, das alle Eishockyspieler der Hannover Scorpions dank eines externen Sponsors Aufwaermtrikots zum Thema “Gib Depressionen ein Gesicht” vor jedem Spiel auf dem Eis tragen.
Mein Dank gilt auch Feli Dae
, die gemeinsam mit Nadine die facebook-Gruppe mit ganz viel Herzblut als Admin leitet.
Danke auch an die Admins der facebookgruppe Alex Breibach bzw. Kai Niehoff.
Herzlichen Dank auch an die Medien, die unser Projekt bisher unterstützen:
Das ist Klaus Thomas von Radio Depressione, der unserem Depressionsprojekt eine Sondersendung im Radio gewidmet hat.
Und Marcus Jäck , der unser Projekt in der Zeitschrift Miles – Das Magazin und Laura Adrian , die es in der Zeitschrift verrückt – eben anders, umfangreich vorgestellt haben.
Übrigens sind noch weitere öffentlichkeitswirksame Aktionen in Vorbereitung, die mit verschiedenen Partnern in unserem Netzwerk umgesetzt werden! Lasst Euch überraschen, was uns im 2. Jahr des Bestehens des Projektes erwartet.
Danke für Eure Glückwünsche zum heutigen 1. Geburtstag vom Projekt “Gib Depressionen ein Gesicht” im Namen des gesamten Teams.

Euer Dirk Ludwig


(12.02.2017 – Mein innerer Kampf)

Yvonne Tunger Fotografie Allyn Chen

Ich denke, alles funktioniert gerade einigermaßen.
Eine Situation, eine Erinnerung, ein Lied und alte Narben reißen wieder auf.
Ich fühle mich zerrissen, voller Trauer, kann nicht klar denken.
Ich ärgere mich, dass mich Erinnerungen so im Griff haben können.
Ich möchte frei entscheiden und doch bin ich gegen meine Gefühle machtlos.
Ich kann nichts anderes tun, als diese Trauer mit meinem eigenen Schmerz zu überdecken, diesen Druck los zu werden.
Wenigstens für diesen einen Moment. Ich komme mir vor, wie ein Wesen, nicht von dieser Welt.
Meine Gefühle, meine Gedanken sind nicht von dieser Welt.
Ich müsste glücklich sein, denn ich habe zwei wunderbare Kinder, die mir alles bedeuten,
ohne sie möchte ich nicht mehr leben. Sie lieben mich bedingungslos und ehrlich.
Und doch ist diese Trauer zu stark. Ich will gerade schreien und darf es nicht.
Also schreie ich in mir rein, so laut, das ich anfange zu zittern und sich alles in mir verkrampft …

Fotograf und Bildbearbeitung: Yvonne Tunger Fotografie
https://www.facebook.com/yvonnetungerfotografie/
Text: Allyn Chen
Model: Allyn Chen


(15.02.2017 – Depressionen)

Model NN 96

Depressionen, das ist nachts, um zwei wach liegen, aus Angst, einzuschlafen oder aus Angst, wieder aufzuwachen. Depressionen, das ist, in der Schule fehlen. Das ist keine Kraft, zum Essen haben. Das ist keine Kraft, zu gar nichts haben. Das ist im Bett liegen, den ganzen Tag, während alle anderen feiern – und wenn alle im Bett sind, bist du auf. Depressionen, das ist, wenn jedes Kompliment eine Lüge ist, jedes Lob ein Verrat. Depressionen, das sind auch Rückenschmerzen, Übelkeit oder Augenringe. Depressionen, das ist, wenn dein eigener Kopf zu deiner persönlichen Hölle wird, dein Körper zum Gefängnis. Das ist nicht zu wissen, was Realität ist. Depressionen, das ist auch oft sich einfach die Kante zu geben.

Das heißt andere anlügen, das heißt sich selber anlügen.Das heißt manchmal auch Besserung beobachten und plötzlich: Enttäuschung. Ein neues Tief. Rückfall. Depressionen, das ist oft viel zu viel essen und oft überhaupt nichts mehr. Depressionen, das kann auch heißen, dass dir auf einmal alles scheißegal ist. Depressionen, das heißt Verlustangst. Das ist Menschen wegstoßen, weil du sie brauchst. Depressionen, das ist einfach nur leer sein. Das heißt, sich unter Menschen alleine zu fühlen. Das ist geliebt zu werden, aber sich nie so zu fühlen. Das ist sich, als wertlos anzusehen. Das ist, keinen Ausweg sehen. Depressionen, das ist Blut, Therapie, Tränen, Klinik, Einsamkeit und so viel mehr.

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/?fref=ts
http://dirk-ludwig.de/
Text: Yahiko Okumura


(17.02.2017 – Die Seele)

Model NN 97

Sie brennt. Sie ist alleine. Sie blickt in einen langen finsteren Tunnel. Die Seele hat Angst, Angst vor der Zukunft, Angst vor dem, was kommen mag. Die Seele sehnt sich nach einem Ende, einem Ende der Schmerzen, der Angst und der Hoffnungslosigkeit.

Der Kampf scheint ein Kampf ohne Aussicht auf Erfolg zu sein.
Aufgeben? Vielleicht ist das der einfachste Weg, aber ist es auch der Richtige?

Die Seele ist blind. Sie ist blind, all die liebenden Menschen zu sehn, die sich sorgen, die sich kümmern wollen, die Hilfe sein können.
Die Seele ist stolz. Sie ist zu stolz, die Fassade fallen zu lassen. Die Fassade alles im Griff zu haben, selbstsicher und zuversichtlich zu sein. Sie ist zu stolz um Hilfe zu bitten, zu stolz um Hilfe anzunehmen, die Seele ist voller Scham.
Die Seele ist stark, sie kämpft, sie kämpft gegen die Macht des Aufgebens.
Die Seele ist nicht alleine. Sie kann nicht nur geben, sondern sie darf auch nehmen. Sie sucht kein Mitleid, sondern Fürsorge. Sie möchte niemanden etwas aufbürden. Sie möchte sich nur gewiss sein, dass andere an sie denken.
Die Seele kann sicher sein, den Kampf gegen die Dunkelheit zu gewinnen, denn sie ist nicht alleine.

Mach die Augen auf und blicke dich um, mach die Seele auf und lasse andere darauf blicken, steh auf und sei stark, um schwach zu sein. Geh auf andere zu und bemerke, dass du nicht alleine bist. Nimm dir Zeit, damit die Seele heilen kann.

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/?fref=ts
http://dirk-ludwig.de/
Text: Markus Ziegler


(01.03.2017 – Nachtgedanken)

Model NN 102

Die kleine Lampe auf dem Tisch taucht das Zimmer in leichtes und seichtes Licht. Draußen wurde es ruhig. Die Gelben altern Straßenlaternen haben die Altstadt hier in warmes Licht getaucht. Alles wurde ruhig, denn es liegt Schnee. Seit 2 1/2 Jahren fahre ich nun immer wieder beruflich hier her, habe viele neue Menschen, Eindrücke und auch ein wenig von mir selbst kennengelernt. Ein Ort, an dem mich niemand aus der Vergangenheit kennt, sondern nur aus der Gegenwart, aus dem JETZT, dem HIER, und nur das neu von mir erfährt, was ich zulasse.

Seit über zwei Jahren schreibe ich nun Gedanken, Gefühle, mein Leben in einen ellenlangen Text, der irgendwas um die 200 Seiten umfasst. Sprunghaft, manchmal ohne Zusammenhang aber mit Worten wie Waffen, meine Waffen, welche die schützen und beschützen können, die halten und Wärme verleihen und welche die bitterböse verletzen können. Wie oft schon bin ich abends alleine losgelaufen, habe Gedanken versucht zu sortieren, Wege zu finden, wo keine sind und waren. Habe bittere Tränen geweint, stand bei Minusgraden im Schneesturm und habe mir den eisigen Wind ins Gesicht peitschen lassen nur um mich zu fühlen, um morgens wach werden zu können und meinen Job zu erledigen.

Wie viele Menschen habe ich kennengelernt, die mich ein wenig erkannt haben, mir hier Halt gaben und mich aufgenommen haben.Zuvor war ich ein Mensch, der sein zu Hause liebte, dem das Herz höher schlug, wenn er das gelbe Ortsschild sah, da war meine Burg. Hier hadere ich mit mir, ob es der Untergang oder die Heilung werden könnte, doch auch nach so langer Zeit ist mir das immer noch nicht klar. Oft sitze ich wie heute hier, freue mich über meine Wirkung auf Menschen, denke mir “Du kannst es immer noch” aber mittlerweile ohne zu manipulieren. Ich nehme den Geruch des Hotels und des Zimmers war, würzig, warm, angenehm. Ich fühle mich sicher, blicke wieder nach draußen und wieder auf den Tisch.

Es ist aber ein Bewusstsein, das in mir gereift ist, das Bewusstsein, dass ich mit allen meinen Facetten die auch Borderline und die Depressionen so mit sich bringen, einfach nun so bin oder so wurde und ich mit jedem Jahr, das ich älter werde, mir auch klarer werde, wie anstrengend es ist dagegen anzugehen und ich will und werde mich nicht mehr rechtfertigen, ich knie vor keinem Gott, keinem Teufel und keinem Menschen nieder es sei denn er hält mir einen geladenen Lauf an die Schläfe. Ich bin haargenau so, wie ich bin, das muss man nicht mögen, vor allem die manipulativen Seiten, die extremen Gefühls- und Empfindungswechsel und die Sucht nach Aufmerksamkeit, die muss man nicht mögen aber ich lasse mich deshalb auch nicht mehr verurteilen. Kein grau.

Man liebt mich oder man hasst mich. Und viele die beginnen zu lieben tragen den Hass bereits im Rucksack mit sich ohne es zu wissen, er ist bereits ihr stiller Begleiter.
Aber egal wie viele Menschen man kennt, man in Facebook in einer Liste hat, man im Adressbuch stehen hat, die Einsamkeit in sich selbst können sie alle nicht nehmen. Die Frage ist, kann einem jemand das geben, was man sich selbst nicht zugesteht, was man anderen in riesen Mengen gibt, aber selbst nie erhält, oder setzt man die Messlatte so hoch, damit bewusst niemand dran kommt?

In mir liegt auch oft Schnee, in einer hügeligen Landschaft … und er bedeckt, was man nicht sehen sollte, doch manchmal tauen einige Stelle … und es kommt ein wenig zum Vorschein, was man sonst nicht gesehen hatte … und auch Tränen können Schnee schmelzen lassen.

Fotograf: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/?fref=ts
http://dirk-ludwig.de/
Bildbearbeitung: BexArtWorx – Photography & Digital Art
Text: Soulfuck


(06.03.2017 – Die auf´s und ab´s meiner Depression)

Hanna Retz Fotografie Claudia Diamond I Model

Morgens stehe ich direkt nach dem Weckerklingeln auf, gehe ins Bad, versorge die Katzen, mache mir mein Essen für den Tag fertig. Ich bin müde aber halbwegs gut drauf. Ich fahre zur Arbeit, erledige diese und fahre nach hause.

Dort angekommen ziehe ich mir bequeme Klamotten an, mache mir Tee, gehe aufs Sofa und sofort umfängt mich eine starke Trägheit und Antriebslosigkeit. Ich kann mich nicht zum aufräumen aufraffen, nicht zum einkaufen und nicht zum Sport. Mir fehlt plötzlich jede Motivation.

Obwohl mir mein Vormittag recht leicht gefallen ist spüre ich nun eine undurchdringbare Müdigkeit und Leere. Vielleicht schaffe ich noch ein wenig Handarbeit während ich Serien schaue und die Katzen auf mir liegen. Ist es dann Zeit zum schlafen gehen komme ich kaum ins Bett.

Diese Gegensätze machen einen fertig. Diese Schwankungen sind oft nur schwer zu ertragen und ich tadel mich jeden Abend dafür, dass ich wieder kaum etwas geschafft habe. Mit Freunden habe ich mich schon länger nicht mehr getroffen. Obwohl ich gerne würde, fehlt mir dazu die Motivation.

Das sind die Auf’s und Ab’s die mich immer begleiten, mehr oder weniger schlimm. Das ist es das kaum ein nicht Betroffener sehen kann, dass er nicht verstehen kann. Er versteht nicht wie es einem so schwer fallen kann das Leben zu leben…

Fotograf und Bildbearbeitung: Hanna Retz Fotografie
https://www.facebook.com/Hanna.Retz.Fotografie/
Text: Claudia Diamond I Model
Model: Claudia Diamond I Model
https://m.facebook.com/ClaudiaDiamondModel/


(07.03.2017 – Wieder voll im Griff)

Model NN 105

Zurzeit hat mich die Depression wieder voll im Griff. Wie ein Mantra spreche ich mir vor: Auch das geht vorbei. Am liebsten würde ich im Bett bleiben, da fühle ich mich in Embryonalstellung sicher und geborgen. Es ist kuschelig und warm und die Realität kommt nicht an mich ran. Es ist ruhig und angenehm. Ich muss nicht kommunizieren, keine Fragen beantworten, keine Entscheidungen treffen und keine Verantwortung übernehmen.

Hier geht es mir gut. Mein Verstand teilt mir mit, dass ich aufstehen muss, soll, darf. Nach einigem Hin und Her meiner Gedanken – meiner inneren Stimmen -, zwinge ich mich dazu aufstehen. Geschafft. Jetzt gibt es aber keinen Applaus, sondern die Depression teilt mir sofort mit, dass sie damit nicht einverstanden ist. Schwindel und Übelkeit machen sich breit. Ich nehme es zur Kenntnis aber lass mich davon nicht einschüchtern.

Sofort fährt sie ihre nächste Waffe auf. Der Schmerz in der Lendenwirbelsäule lässt mich zusammenzucken. Ein eindeutiges Zeichen, dass ich mich gegen sie auflehne. Ich beiße die Zähne zusammen und mach weiter. Duschen geht nicht aber Waschen und Zähne putzen. Anziehen – geschafft -, doch auch hier bleibt der Applaus aus. Mein Körper fängt an zu zittern, tief durchatmen – auch das geht vorbei – zur Beruhigung mach ich mir einen Kaffee und ich rauche erst mal eine.

Auch diesen Tag werde ich überleben, wie ich alle anderen auch überlebt habe. Vor der Krankheit habe ich gelernt, dass es einem nach Anstrengung und Erreichen des Ziels gut geht, Endorphine werden ausgeschüttet und man fühlt sich wohl, man ist stolz auf sich. Meine Endorphine sind entweder tot oder die Depression hat sie eingesperrt. Es gibt also nach Anstrengung für mich kein Glücksgefühl mehr, noch dazu ist jede Kleinigkeit anstrengend. Gerade in diesem Augenblick werden meine Rückenschmerzen deutlich schlechter.

Ich schreibe meine Gedanken auf und mein Körper wehrt sich. Die Depression wehrt sich. Jede Bewegung schmerzt, der Lebenswille ist nur noch eine kleine Flamme. DU wirst gebraucht, ich werde gebraucht. Nein, es ist keine Option aufzugeben und so reiht sich ein Tag an den anderen, ohne Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/?fref=ts
http://dirk-ludwig.de/
Text: Beate Schrader


(09.03.2017 – Nacht der Stimmen)

Model NN 106

Die Nacht bringt ihre Schatten und jeder Schritt hallt hinter mir. Ich bin allein, ganz alleine auf nächtlichen Straßen und achte auf alles. Hellwach und alle Sinne geschärft, höre ich Stimmen, sind das Schritte? Was, wenn ja, ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken. Meine Schritte werden schneller, noch schneller, das Gehen wird zum Laufen und das Laufen zum Rennen. Ich komme nicht vorwärts, ich renne auf der Stelle, die Schritte, die Stimmen sie kommen näher. Mein Herz rast, Seitenstiche und Atemnot, etwas schnürt mir die Kehle zu. Angst, die pure Angst vor dem was kommt, vor dem was dich verfolgt.

Es sind die Schritte aus der Vergangenheit, die Stimmen, die du kennst. Vorwurfsvoll und immer wieder reden sie auf mich ein. “Kennst Du deine Fehler, weißt Du, wo Du versagt hast?” “Du wirst es nie wieder ändern können.” Mein Mund öffnet sich und will widersprechen, kein Ton kommt raus. Er schweigt, wie in vergangenen Tagen. Wie früher, wenn ich was sagen wollte und es verboten wurde. Kleingeredet und keine Chance auf Entwicklung auf Entfaltung, klein und unscheinbar.

In der Dunkelheit greift eine Hand nach mir, sie zieht, sie zerrt, sie reißt mich von der Stelle. Aber nicht in die Richtung der Stimmen und Schritte. Nein in die andere Richtung, eine Stimme flüstert komm mit mir, ich bin für dich da, ich helfe Dir. Bin für dich da, folge mir, bleib nicht stehen. Schritt für Schritt folge ich, in der Dunkelheit falle ich und werde aufgefangen. Sie hilft mir hoch, wartet, bis ich wieder stehe, und nimmt mich weiter mit. Etliche Male stürze und falle ich, jedes Mal hilft sie mir und wartet auf mich. sie erwartet nichts, keine Gegenleistung, sie ist einfach da.

Sie lächelt im Dunkel der Nacht und ich kann ihr Gesicht nur als Umriss sehen. In ihren Augen funkeln die Sterne und ihre Zähne strahlen im Mondlicht. Mir fehlt das Gesicht, warum kann ich ihr Gesicht nicht sehen? Wer ist sie, wo ist sie, wann kommt sie, sie war doch so real und nun nicht da. Einfach weg, vorbei, verpufft mit dem ersten Licht der Sonne. Keine Erklärung und kein ich komm wieder, kein ich pass auf dich auf. Ich sehne mich nach ihr, wo ist sie?

Fotograf und Bildearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/?fref=ts
http://dirk-ludwig.de/
Text: Daniel Wagner
https://www.facebook.com/tagebuchdervergangenheitwenndasgestern/


(10.03.2017 – Ich halte dich)

Holger Dankelmann 13

“Ich halte dich” ist normalerweise ein Satz, mit dem man etwas Schönes verbindet. Geborgenheit, Schutz, Wärme. Jemand, der für einen da ist, wenn man sich nicht gut fühlt, aber auch jemand, der mit einem lacht. Man verbindet damit Zweisamkeit und Partnerschaft.

Doch was, wenn dieses Gefühl kippt? Wenn Festhalten zu einengen wird. Wenn es nicht mehr das Gefühl der Geborgenheit ist, sondern das Gefühl des Freiheitsverlustes. Wenn der Partner so sehr fixiert ist, dass er einen umklammert, dass einem die Luft wegbleibt.

Wie viele kennen die Verlustangst und das Gefühl, den Partner, der einem durch “Festhalten” Sicherheit gibt so sehr festzuhalten, dass ihm der Raum zum Leben bleibt?

Fotograf und Bildbearbeitung: Holger Dankelmann
https://www.facebook.com/holger.dankelmann
http://www.detailbilder.de/
Text: Anja Corinna Wegst


(13.03.2017 – Sehnsuchtsvolle Hoffnung)

Model NN 107

Langsam, Tag für Tag erkenne ich dich ein bisschen mehr wieder. Ich erkenne dich wieder, meinen Mann, den ich geheiratet habe, weil ich ihn unendlich liebe und ihm vertraue. Und das ich das so formuliere, muss dich nicht überfordern, du darfst es einfach so annehmen. Du darfst es als gegebenen Zustand und als Geschenk hinnehmen. Es soll dich nicht erdrücken oder überfordern. Es ist einfach nur von Herzen ehrlich gemeint.

Es ist so unglaublich schwer, die Geduld und die Hoffnung zu behalten. So unglaublich schwer ist es zwischendurch immer weiter an das „Wir“, das irgendwann wieder möglich sein wird, zu glauben. Wochenlang kein liebes Wort, keine Berührung, keine Vertrautheit, kein „Zusammen“. Der Verstand weiß, warum es so ist, dem Herzen tut es oft so unglaublich weh.

Auch wenn es sich für dich gerade nicht so anfühlt, zusammen können wir dein Leben wieder ein bisschen heller und bunter machen. Ich kann es dir nicht versprechen, aber ich werde versuchen mit dir zusammen dein Lachen und deine Fröhlichkeit wiederzufinden. Stückchen für Stückchen, in deinem Tempo, das du bewältigen kannst und willst.

Es ist in Ordnung für mich, wenn du die Distanz gerade brauchst, ich lasse sie dir. Du musst dich bei mir nicht verstellen, erst recht nicht in für dich schwierigen oder schlechten Zeiten. Du musst nichts leisten, ich erwarte nichts von dir, ich fordere nichts von dir. Du darfst immer du sein, genau der sein, der du bist. Genau so, wie du jetzt gerade bist, darfst du sein, genau mit dem, was grade Teil von dir ist. Denn das alles ändert nichts an der Person, die du bist – Du bist ein unglaublich wertvoller, wichtiger und toller Mensch. Wenn du all das nur wieder sehen, spüren, wahrnehmen könntest.

Ich werde deine Situation nie komplett verstehen und schon gar nicht nachspüren können. Ich weiß mittlerweile gut, was ich auf mich beziehen darf und was nicht. Ich habe bei allem was hier passiert gelernt mir selbst wieder wichtig zu sein und gut auf mich zu achten, mich dabei nicht selbst aufzugeben. Aber trotzdem kann ich da sein, wenn du das möchtest und wenn du mich brauchst. Ich kann dir zuhören, wenn du reden möchtest. Immerhin redest du jetzt wieder mit mir. Das ist ein großer Fortschritt in den letzten Wochen. Genauso kann ich aber auch mit dir zusammen schweigen, wenn du die Stille alleine doch nicht ertragen kannst.

So gerne würde ich dir Nähe und Geborgenheit geben, wenn du sie nur annehmen könntest. Wenn du sie zulassen könntest. Wenn du sie wollen würdest … Da sind Hände, die dich halten können. Aber sie halten dich nicht fest, wenn du es nicht willst. Sie berühren dich nicht, wenn du es nicht ertragen kannst. Trotzdem sollst du wissen, sie können dich auffangen und halten, wenn du es brauchst. Sie sind immer für dich da, wenn du es willst.

Deinen Weg kannst nur du alleine gehen, doch ich begleite dich gerne. So schwer es manchmal sein wird und so viel Kraft es uns beide oft kosten wird. Denn du bist mir wichtig – auch, und gerade weil ich dich liebe, werde ich für dich da sein, wenn du es zulässt. Manchmal habe ich jedoch keine Idee, wie ich zu dir durchdringen kann, wie ich dich erreichen kann.

Schließ bitte die Tür nicht zu und lasse mich wieder mit in dein Leben. Ich hoffe so sehr, dass du irgendwann wieder spürst, was ich dir einmal bedeutet habe. Ebenso hoffe ich, dass du wieder spüren kannst, was du mir bedeutest, ohne davon überfordert zu sein.

Ich habe solche Sehnsucht nach dem, wie es einmal war. Es kann uns jetzt in diesem Moment keiner Mal eben wiederbringen. Aber wann auch immer, wir werden die Vertrautheit wiederfinden, das hoffe ich von ganzem Herzen und ich glaube ganz fest daran.

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/?fref=ts
http://dirk-ludwig.de/
Text: Regina Regenbogen

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