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(14.03.2017 – Nebelweg)

Daniel Wagner

Als Du aus meinem Leben wolltest, hast Du mich allein auf dem Weg gelassen. Ich ging alleine und wusste nicht, wohin es mich führt. Eine Weile konntest Du mich noch sehen, ich ging in den Nebel der Vergangenheit, erst langsam und war für dich noch gut zu sehen. Dann war ich nur noch ein Umriss und schemenhaft war ich nur noch zu sehen.
Nun trete ich aus deinem Leben, du hast es gewünscht, du alleine hättest mich halten können. Mich verstehen können und nicht nur Fehler bei mir suchen müssen. Deine Fehler wiegen genauso schwer. Deine Intrigen, dein Verstecken vor Verantwortung, deine angenommenen Ratschläge von manchen Freunden. Waren es Freunde? Waren es gute Ratschläge? War es das wert zu verlieren, was immer bei dir bleiben sollte?
Ich schaue zurück aus dem Nebel, Du hast dich verändert, es ist nur noch ein Umriss, der bleibt. Du bist nur noch ein Umriss im Nebel, eine Narbe in meinem Herzen. Eine kalte Wand aus feuchter Luft, warmer Boden und sinkenden Temperaturen. Ich gehe weiter und irgendwann kannst Du mich nicht mehr sehen.

Was ich jedoch vor mir sehe lässt mich Lächeln. Der Nebel lichtet sich, die Sonne treibt die Kälte weg und gibt die Sicht auf das frei was kommt. Gibt die Sicht auf die Schönheit der Sonnenstrahlen im Nebel frei.

Fotograf und Bildbearbeitung: Daniel Wagner
https://www.facebook.com/tagebuchdervergangenheitwenndasgestern/
Text: Daniel Wagner


(17.03.2017 – Schach)

Sugar Junky 6

Sie ist zurück, die Prinzessin der Dunkelheit.
Eingeladen auf ihr Schloss folgte ich ihrem Ruf und werde in meinem Zimmer einquartiert. Es ist dunkel, die Vorhänge sind geschlossen und nur wenig Licht fällt ins Zimmer. Stilvoll sieht es nicht aus meinem Zimmer, eher praktisch. Nichts wo man sich wohlfühlt, aber ausreichend für einen Fremden. Ich sehe mich um, es gibt nichts in diesem Zimmer, was mich erfreut.
Die Stimme in meinem Kopf sagt “setz Dich hin mein Freund” und ich setze mich auf den Stuhl und denke nach. Warum hat sie dich diesmal eingeladen, was hat sie diesmal mit dir vor. Wie lange wirst du bleiben und wer von den Menschen aus deiner Umgebung reist in der Zwischenzeit aus deinem anderem Leben ab?
Wen entfernt die Prinzessin der Dunkelheit diesmal vom Schachbrett des Lebens?

Ja das Schachbrett es steht auf dem Tisch vor mir, hier wo ich König bin. Ich wurde durch vieles beschützt, doch inzwischen ist kaum etwas da, was mich beschützt. Auf dem Schachbrett ist es leer geworden. Die Dame hat längst das Brett verlassen, viele Bauernopfer hat es gegeben. Ein Pferd, ein Läufer, ein Bauer und ein Turm sind nicht viel um einen König zu schützen.
Auf der Gegenseite ist das Bild nicht besser. Alle Figuren auf dem Brett reichen nicht für einen Sieg, weder für die Prinzessin noch für mich. Es sieht staubig aus und jeder Zug hinterlässt eine Spur im Staub. Die Prinzessin flüstert “Du bist dran, dein nächster Zug.” ich schiebe den König auf E7 und sie ihren Turm auf B7. “Du stehst im Schach” “ich weiß murmel ich mir aus dem Bart.”

Zögere und schließlich schiebe ich den König zurück auf E6. Ihr Zug folgt sofort Turm auf B6, Schach. Sie lacht, sie tanzt und sagt gib auf, wirf deinen König um. Du kannst nicht gewinnen. Ich nicke, ich weiß es, diesmal gebe ich auf. Wie beim letzten Mal und beim vorletzten Mal. Diesmal hat sie wieder gewonnen, wie immer gewinnt sie das Spiel. Gedankenverloren sitze ich da und schaue auf das Schachbrett, der König liegt und weit entfernt, steht ein Bauer, ein Turm, ein Läufer, ein Pferd.
Nicht viel, um zu schützen, nicht ausreichend gewesen, um den Sieg der Prinzessin zu verhindern. War es ein Sieg? Ich gehe die letzten Züge im Kopf durch. Dreimal der gleiche Zug, kein Sieg meine liebe Prinzessin, es ist ein klassisches Remis. Laut Frage ich in den Raum “Kennst Du die Regeln nicht?” Ein Lachen ist zu hören und das Poltern der Räder meiner Kutsche. Es war ein kurzer Besuch, ich sitze in meiner Kutsche und fahre zurück in meine Welt.

Bis bald Prinzessin der Dunkelheit, lade mich nicht mehr ein. Sie lacht und winkt mir zu “bis bald mein Freund.”…

Fotograf: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/?fref=ts
http://dirk-ludwig.de/
Bildbearbeitung: Tom’s Photography
https://www.facebook.com/Toms-Photography-465107376914301/
Text: Daniel Wagner
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Model: Sugar Junky
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(18.03.2017 – “Einfach” ICH…oder auch,
wer kann mich wirklich halten?
)

Anja Muskalla 1

Ein Leben nach Plan? Alles im Griff? Nicht für mich, ich beherrsche zuweilen mein ganz persönliches Chaos, den Orkan, den Wirbelsturm oder den Strudel, der sich mein Leben und meine Gefühlswelt nennt.

Den Rest der Zeit verbringe ich damit in den tosenden, meterhohen Wogen und Wellen dieses Ozeans ab und an mal nach oben zu kommen, um Luft zu holen für die nächste Berg-und Talfahrt. Drohe oft genug zu ertrinken und gleichzeitig an ungeweinten Tränen zu ersticken, starre in die Welt ohne sie noch zu sehen.

Ich fürchte diese Leere, wo nur noch Schmerz, die Frage nach dem Sinn des Ganzen und Einsamkeit Platz haben und ich mir das Fühlen verbiete. Ich fürchte auch diesen Zustand, in dem ich nur noch weine, wo alles herausbricht, ein zitterndes Häuflein Elend, zusammengekrümmt, nicht mehr sicher, dass es das nächste Mal immer noch aus dem Ozean herausschießen kann, um Luft zu holen.

Diese Dunkelheit ist genauso ein Teil von mir, wie mein Licht, das oft genug droht von ihr erstickt zu werden. Mein Licht, es ist vieles … warm, zärtlich, extrem, unverfälscht, ehrlich, loyal, respektvoll, mitfühlend, sinnlich, neugierig, hungrig und wild wie die einsame Wölfin in mir, weise wie die einzelgängerische Eule in mir, anschmiegsam, manchmal aggressiv und ungezähmt, wie die Wildkatze in mir.

So oft nur noch ein winziger Funken, den meine Hoffnung am Leben hält. In seiner Ganzheit betrachtet meine Seele, das, was ich BIN. Ich frage Dich Schicksal, gibt es denjenigen, der mich halten, dass mit mir aushalten, leben, erleben will und kann?

Zweifel und Hoffnung ringen ständig um die Oberhand.

Fotograf und Bildbearbeitung: Anja Muskalla AM DIGITALART
https://www.facebook.com/anjamuskalla
anjamuskalla.jimdo.com
Text: Die Regenbogenscherbenwelt (Nya)
https://www.facebook.com/Regenbogenscherbenwelt/


(20.03.2017 – Die reine Liebe ohne Erwartung)

Yvonne Tunger Fotografie Model Allyn Chen 1

Diese ständigen auf und ab´s, die mich mein Leben lang beherrschen, intensivieren sich noch stärker. Sie geschehen im Sekundentakt. Diese tiefe Trauer wandelt sich gerade in Wut um. Ich überlege, ob diese Trauer mir lieber gewesen wäre. Ich bin und werde nie ein Mensch sein, der Hass empfindet. Diese unsagbare Wut aber macht mich ängstlich, weil ich nicht weiß, wo sie hinführt und kaum auszuhalten ist.

Momentan versuch ich so viel Zeit, wie nur möglich, in der Natur zu verbringen und dieser Schönheit nahe zu sein. Meine Tiere helfen mir dabei auch sehr und die Liebe zu ihnen ist unsagbar groß. Sie sind für mich die treuesten Seelen, die man sich vorstellen kann. Auch wenn ich ihre Sprache nicht verstehe, weiß ich, dass sie mich mehr verstehen und das besser als alle anderen Lebewesen dieser Welt.

Fotograf und Bildbearbeitung: Yvonne Tunger Fotografie
https://www.facebook.com/yvonnetungerfotografie/
Text: Allyn Chen
https://www.facebook.com/HerzThemen/
Model: Allyn Chen


(22.03.2017 – Die vielen Masken des Lebens – Teil 1)

Plumvillage Photoart Rosa la Cadera

Mein Wecker klingelt, ein sonniger Freitag ist angebrochen und ich stehe gesund und munter auf. Mit meiner guten Laune singe ich das Lied mit, welches gerade noch laut im Radiowecker läuft. Tanzend hüpfe ich in die Küche, wo mich schon der frische Kaffeeduft begrüßt. Während ich in meiner Küche sitze und mir meinen ersten Kaffee des Tages gönne, geh ich in Gedanken schon ein Mal durch, was mich auf der Arbeit und danach noch vielleicht so an Erledigungen erwartet.
Oh, nun aber ganz schnell ins Badezimmer und für die Arbeit fertigmachen, denn das Kaffeetrinken dauerte mal wieder viel zu lange, wie so oft bei mir. Nachdem ich endlich fertig bin, schnappe ich mir meinen Schlüssel und gehe an die Garderobe, um mir noch fix die Jacke überzuwerfen. Als ich so vor meiner Garderobe stehe, schießt mir urplötzlich eine Frage durch den Kopf.

Welche Masken sollte ich mir denn für den heutigen Tag am besten einpacken?

Mein Gott, was für eine dumme Frage. Kopfschüttelnd schnappe ich mir schnell meine Jacke und verlasse die Wohnung, damit ich es noch pünktlich schaffe. Rechtzeitig dort angekommen begrüße ich erst mal freundlich meine ganzen Kollegen. Bevor ich zu meinem Arbeitsplatz gehe, werde ich mir noch einen Kaffee holen, denn mit einem weiteren Kaffee lässt es sich besser arbeiten. Im Aufenthaltsraum ankommen, wird mir auf einmal anders.
Oh weh, da steht Susanne. Susanne ist meine absolute Lieblingskollegin und ich frage mich fast jedes Mal, wenn ich sie sehe, warum sie nicht regelmäßig so richtig schön Mist bauen kann, damit sie die Kündigung bekommt? Ich setze also mein lächelndes Gesicht auf, gehe auf sie zu und begrüße sie recht freundlich, obwohl mir gerade bei ihr gar nicht danach ist, auf nett zu tun, da sie immer meint alles besser zu wissen. Egal, schnell den Kaffee einschenken und ab zu meinem Platz.

Während ich so in meine Arbeit vertieft bin, kommt mein Chef zu mir. Ich komme gut mit ihm klar und er ist auch sehr nett, aber er macht immer Späße, über die man nur ganz ganz selten lachen kann. Doch aus großem Respekt – denn schließlich ist es ja mein Chef – lache ich herzlich mit , da man ja froh sein kann einen Job zu haben und man will es sich ja nicht wegen so etwas verscherzen. Ich schaue auf die Uhr und bald ist Feierabend. Freudig arbeite ich also dem Ende entgegen.
Kurz vor Schluss kommt meine Kollegin Conny zu mir und erzählt, dass wir leider was fertig stellen müssen, damit es noch zeitig bei dem Kunden ankommt. Willkommen Überstunden und Ade Feierabend. Innerlich total sauer, mache ich eine Faust in der Tasche und sage freundlich zu ihr, „dann lass uns anfangen“, denn sie kann ja auch nichts dafür und hat darunter nun genauso zu leiden.

Zwei Stunden später kommen dann auch wir endlich aus dem Büro raus und ich freue mich auf meine vier Wände und ganz viel Ruhe. So, nun aber noch flott einkaufen, bevor es noch später wird. Beim Schlendern durch die Gänge treffe ich auf meine Freundin, die auch noch schnell ihren Einkauf erledigt. Während wir so reden, sagt sie auf einmal zu mir „aber hey, lass uns später bei dir weiter darüber reden“. Verdammt, das heutige Treffen habe ich ja total vergessen und nun?
Sie freut sich doch total auf den Abend und das sie sich nach langer Zeit noch mal in Ruhe mit mir bei einem Kaffee unterhalten kann. Doch heute steht mir gar nicht mehr der Kopf danach, auch wenn ich es zeitlich noch packen würde. In der Not sage ich traurig zu ihr, „oh je, ich muss spontan länger arbeiten und bin dort gerade nur schnell weg, um wenigstens den Einkauf noch zu schaffen und habe daher heute leider keine Zeit mehr“.

Mit den Gedanken bei meiner Freundin und mit einem schlechten Gewissen fahre ich nach Hause und denke mir, das sie die Wahrheit vielleicht noch mehr enttäuscht hätte. Zu Hause angekommen begegne ich meiner älteren Nachbarin im Treppenhaus und sie erzählt mir, dass ihre teure Lieblingsvase heute kaputt gegangen sei. Total entsetzt entgegne ich ihr „oh nein wirklich, das tut mir leid“, doch in Wahrheit interessiert es mich gar nicht. Ich mein es zwar wirklich nicht böse aber es war ja nun mal nicht meine teure Vase, die zu Bruch ging.
Total interessiert schauend höre ich ihr noch etwas zu, obwohl ich mich in meinen Gedanken schon auf der Couch liegen sehe. Nachdem sie fertig erzählt hatte und wir uns freundlich verabschiedet haben, war ich froh, als ich meine Wohnungstür erreicht habe. Nun aber kann mich auf dem letzten Stück Nichts und niemand mehr aufhalten. Ich schließe also die Tür auf, gehe rein und mache die Tür hinter mir zu.

Erst mal tief Luft holen, alles ablegen und in Ruhe ankommen. Ich lege meinen Schlüssel weg und gehe zur Garderobe, um meine Jacke aufzuhängen. Plötzlich sind meine Gedanken wieder bei heute Morgen, wo ich meine Jacke von der Garderobe wegnahm. Ist mir doch da, die bekloppte Frage durch den Kopf geschossen, welche Masken ich mir denn für heute am besten einpacken sollte.
Während ich mir noch schnell etwas zu essen mache, lasse ich meinen Tag noch mal komplett Revue geschehen, um dann zu bemerken, dass diese Frage, die ich mir innerlich stellte, gar nicht mal so dumm und unberechtigt war. Es ist ein Thema, welches ich für mich weiter vertiefen möchte, denn gerade dabei gibt es doch recht gravierende Unterschiede.

Fotograf und Bildearbeitung: Plumvillage Photoart
https://www.facebook.com/plumvillagephotoart/
Text: Nadine Wagner
Model: Rosa la Cadera
https://www.facebook.com/rosa.Monroe351


(24.03.2017 – Die vielen Masken des Lebens – Teil 2)

Wolfgang Honzejk ArtFotografie 3

Als ich so über meinen gestrigen Tag und über die Unterschiede der vielen Masken nachdenke, die wir uns in unserem Leben so aufsetzen, wird mir immer bewusster, wie kleinkariert, oberflächlich und feige sie doch oftmals sind. Zumindest dann, wenn man sich dieses ganze Thema mal als gesunder Mensch betrachtet. Wir sind so oft aus Feigheit oder aus falscher Rücksichtnahme anderen Menschen gegenüber hintenrum, statt einfach mal freundlich unseren Standpunkt zu äußern.
Warum sagen wir nicht in einem ruhigen freundlichen Ton, dass uns gerade ein Thema nicht interessiert, dass wir Späße anderer gar nicht witzig finden, keine Lust mehr auf ein Treffen haben oder das wir jemanden nicht leiden können? Genau, weil uns diese Masken im Alltag so vieles einfacher machen, denkt man zumindest sehr oft. Ehrlichkeit wird in unserer Gesellschaft immer kleiner geschrieben, was mehr als traurig ist.

Denn, wenn wir nun mal ehrlich zu uns selbst sind, ziehen wir uns Tag täglich mehrere Masken auf und dies tun wir häufig bewusst aber auch oftmals unbewusst. Wir ziehen sie kurzzeitig, wie auf Knopfdruck an, ohne es immer zu bemerken und legen sie ebenso schnell wieder je nach Situation ab. Darüber nachdenken, wann wir sie aufsetzen tun wir doch schon gar nicht mehr wirklich.
Sie kommt zum Einsatz, wenn wir keine schlechte Stimmung in unserem Umfeld erzeugen wollen und um so das harmonische Miteinander zu erhalten. Oft auch, um unsere Mitmenschen, die wir lieben nicht zu enttäuschen, sie nicht zu verletzen oder um peinliche Situationen zu vermeiden. Wir ziehen sie auf, um anderen zu gefallen und um es ihnen recht zu machen.

Sie verhindert, dass wir uns auf irgendeine Art und Weise ständig erklären müssen und um uns nicht immer zu unseren Gefühlen und Gedanken bekennen zu müssen, wenn uns mal nicht danach ist. Sie hilft uns aber auch sehr oft dabei, dass wir anderen gegenüber nicht unsere Ängste, Traurigkeit, Wut uvm. zeigen müssen. Wir setzen diese Maske wie oben schon erwähnt auf, weil sie uns vieles im Alltag einfacher machen und weil sie uns stark beschützen können, wenn wir es dann wollen.
Doch ist dies nicht alles, je nach Situation eher falsche Rücksichtnahme? Ich finde schon, denn Wahrheit ist leider oftmals nicht schön, egal für welche Seite, doch wenn man sich jemanden gegenüber für die ehrliche und aufrichtige Meinung entscheidet, kommt es eher immer auf das „Wie“, als auf das „Warum“ an. Warum müssen wir unser Gegenüber belügen, wenn es doch nur auf das „Wie“ ankommt, wenn man jemandem die Wahrheit sagt oder sich anvertraut.

Schlussendlich komme ich für mich zu dem Ergebnis, dass man so für sich immer weiterdenken könnte und man sehr schnell feststellt, wie sinnlos diese Masken doch oftmals als gesunder Mensch sind. Im Endeffekt wissen wir doch oft, dass es reine Bequemlichkeit ist, statt uns bestimmten Situationen des alltäglichen Lebens zu stellen.
Dass dies einem Menschen immer leicht fällt, möchte ich mit keinem Punkt behaupten, doch es ist in vielen Situationen machbar, wenn man sich überwinden und über seinen eigenen Schatten springen würde. Wir sollten mal lieber viel mehr unser wahres Gesicht zeigen, statt es uns ständig nur einfach machen zu wollen.

Diese ganzen Gedanken hege ich nicht grundlos, denn oftmals sind leider auch wir Menschen in der heutigen Zeit neben dem ganzen Stress die Schattenmonster, doch diese werde ich in einem letzten Teil erzählen.

Fotograf und Bildearbeitung: Wolfgang Honzejk ArtFotografie
https://www.facebook.com/WHArtFotografie/
Text: Nadine Wagner


(26.03.2017 – Die vielen Masken des Lebens – Teil 3)

Andreas Wohlers Fotografie Jay Rasgón

Warum vorher diese Geschichte und die tiefer gehenden Gedanken von mir?

Weil es nicht nur uns Gesunden gibt, sondern auch Menschen, die unter Depressionen, Burnout, Borderline und etlichen anderen seelischen Erkrankungen leiden und auf diese Menschen möchte ich nun näher eingehen.

Jeder Mensch, jede Charaktere ist einzigartig und individuell und genau so ist es auch bei der Verarbeitung von bestimmten Situationen, die sich im Laufe eines Lebens negativ ereignet haben. Dabei spielt Zeit und Intensität nur bedingt und nebensächlich eine Rolle, denn jeder verarbeitet Geschehenes für sich persönlich immer anders.

So gibt es auf der einen Seite uns, die es ihr Leben lang schaffen schlimme Tiefphasen positiv zu verarbeiten. Wir schaffen es selber wieder aus diesen Löchern heraus und überwinden diese Probleme und es wird auf unserem weiteren Lebensweg nie eine Spätfolge nach sich ziehen. Wir bleiben bis an unser Lebensende seelisch gesund und leben weitestgehend je nach Umstand normal weiter.
Doch es gibt auch 2 weitere charakteristische Menschen auf der anderen Seite. Sie brauchen entweder eine einzige aber sehr schlimme Erfahrung, die vollkommen ausreicht, um sie vollkommen aus der Bahn zu werfen. Oder die anderen, die viele negative Ereignisse über Jahre verdrängt bekommen haben, denken sie hätten es erfolgreich verarbeitet und plötzlich kommt eine einzige Situation, die sie dann, wie eine große negative Flutwelle aus Gefühlen und Gedanken überrollt.

Diese drei Charaktere haben alle auf dem ersten Blick etwas gemeinsam. Egal ob es Betroffene oder Nicht-Betroffene sind, jung oder alt, sensibel oder taff, mit oder ohne gefestigtes Umfeld, im Laufe unseres Lebens setzen wir alle mehrmals eine Maske auf. Dieses Glück, die Maske nur kurzzeitig zu tragen besitzen die Betroffenen jedoch leider nicht und täglich steigt die Zahl der Menschen, die von Depressionen und vielen weiteren seelischen Erkrankungen betroffen sind an.
Diese Betroffenen leben täglich mit dieser Maske. Sie setzen ihre Maske auf, sobald sie ihre Haustür öffnen, und legen sie erst dann wieder ab, wenn sie in ihren sicheren vier Wänden angekommen sind. Sie tragen im Gegensatz zu uns Nicht-Betroffenen diese Maske Tag ein und Tag aus, weil sie permanent bestimmten negativen Gefühlen und Gedanken ausgesetzt sind, mit denen sie permanent extrem zu kämpfen haben und die ihnen sehr vieles abverlangen.

Die dunklen Gedanken zwingen sie immer wieder in die Knie und diese Erkrankung suggeriert ihnen so viel Schlechtes. Sie glauben alles falsch zu machen, es keinem recht machen zu können und auf ganzer Linie zu versagen. Sie können für uns normale alltägliche Handlungen nicht mehr bewältigen, können sich bedingt nur noch schlecht auf etwas konzentrieren und sind sehr oft lustlos.
Oft kommen sie in einer schweren Phase nicht aus dem Bett, verkriechen sich tagelang und essen kaum noch etwas. Traurigkeit und oftmals die Wut über sich selbst kommen auch hoch, weil man weiß, dass man es nicht selber ist, der so fühlen möchte. Es ist, als stehe man selber neben sich und beobachtet sich, weil man weiß, dass man ja eigentlich anders denken will, aber es nicht wirklich schafft.

Sie sind also den ganzen Tag im Gegensatz zu uns Nicht-Betroffenen mehr damit beschäftigt, sich die Maske aufzusetzen, um sich selber zu schützen und nicht ihr Gegenüber. Höchsten dann ihr Umfeld, wenn es darum geht, sie nicht mit ihren Problemen, ihren Gedanken und Gefühlen zu belasten, die sie nicht verstehen würden, da sie dies alles oftmals selber nicht verstehen.
Wie sollen es andere verstehen, wenn ein Betroffener es oft selber nicht in Worte fassen kann, sodass es andere auch gut nachvollziehen und verstehen können? Jemanden zu erklären, dass man irgendwo gedanklich immer in Dunkelheit lebt und all das schöne, was man sonst immer sah, nicht mehr sehen kann?

Die ganze Lebensqualität, die man einst hatte, sie ist weg, weil man Gefangener seines eigenen Körpers und der Seele ist, aus denen man nicht mehr ausbrechen kann. Man kann mit der Erkrankung, so gut es geht leben lernen und für sich an diesen Erkrankungen arbeiten, statt dagegen anzukämpfen aber Betroffene schaffen dies oft erst nach Jahren oder gar nicht, je nach Schwere und Symptomatik. Allein das Erkennen dieser Erkrankung kann sehr langwierig sein.
Wir Nicht-Betroffenen sind es, die nicht verstehen wollen, das es Menschen unter uns gibt, denen es wirklich schlecht geht. Die nicht verstehen, dass diese Menschen jeden Tag für ein paar Minuten Glück hart kämpfen müssen. Solch ein Leben will keiner von uns führen und doch sind dies alles leider Erkrankungen, die auch irgendwann die stärksten Menschen unter uns erwischen können.

Man merkt also wirklich immer mehr, dass unsere alltäglichen Masken oftmals sinnfrei, kleinkariert, oberflächlich und hochgespielt sind. Klar haben wir Nicht-Betroffenen auch unsere Probleme, die uns herunterziehen können, aber vergesst nicht, dass wir aus diesen dunklen Löchern immer wieder rauskommen.
Vielmehr sollten wir uns wirklich mal überlegen, wie wir es den vielen Betroffenen einfacher machen können. Einfacher dahin gehend zu ihrer Erkrankung offen stehen zu können, und zwar ohne, dass sie von und Nicht-Betroffenen vorverurteilt und belächelt werden, denn genau dass darf auf keinen Fall sein, denn es gibt diese ganzen Erkrankungen wirklich, auch wenn man sie nicht sieht.

Stattdessen sollten wir gemeinsam mit den Betroffenen gegen das Stigma ankämpfen, welches diese Erkrankungen haben und viel mehr Akzeptanz und Toleranz ihnen gegenüber zeigen, damit die Betroffenen sich komplett auf sich konzentrieren können, ohne diese ständige Maske ertragen zu müssen.
Sie müssen sich nicht immer selber beschützen, denn wir können ihnen helfen und sie ebenfalls beschützen, indem wir Verständnis für sie aufbringen, statt uns von diesen Menschen abzuwenden, denn genau all diese Umstände machen es den Betroffenen Tag ein, Tag aus so wahnsinnig schwer.

Wir werden nie alles Nachempfinden können aber wir können es auf eine aufrichtige Art und Weise versuchen, denn damit wäre ihnen schon sehr geholfen. Genau dieses nicht Nachempfinden können ist es, was uns mal die Augen öffnen sollte und was uns mal dazu anregen sollte, über all das nachzudenken, denn wir sind alles Menschen, die eine Seele haben und die ein Anrecht darauf haben ernst genommen zu werden.

Wir Menschen stehen nicht über alles und genau deswegen sollten wir Nicht-Betroffenen unseren doch so oft an den Tag gelegten und krankhaften Egoismus ablegen und uns für die vielen Betroffenen einsetzen und viel mehr Vertrauen säen, damit sie sich uns gegenüber öffnen können, denn diese vielen Betroffenen sind ebenso gleichwertige Menschen wie du und ich.

Fotograf und Bildbearbeitung: Andreas Wohlers Fotografie
https://www.facebook.com/andreas.wohlers.fotografie/
Text: Nadine Wagner
Model: Jay Rasgón
https://www.facebook.com/Jay.Rasgon/


(28.03.2017 – Robinson Island)

Kerstin´s Fotokiste Daniel Wagner

Versunken geh ich am Strand spazieren, warum musste es mir passieren. Ich sehe das Meer und höre die Gischt, es ist der Ort, wo man das alles vergisst. Seh aufs Meer und schau traurig hinaus schalte die Vergangenheit aus. Die Einöde hier ist keinem bekannt ich bin gestrandet am Ostseestrand. Nicht weit von hier da liegt das Wrack, was der Sturm hat sich gepackt und auf die Sandbank dort gelegt. Mein ganzes Leben hinweg gefegt, ausgelöscht und nichts mehr da, es war doch schön, was einst mal war.
So trotte ich am Strand entlang, nehm viele Steine in die Hand, Einige die nehme ich mit, lass auch viele fallen, weil sie mir nicht recht gefallen. Während ich so weitergehe, glaube ich kaum, was ich sehe. Die Hütte am Strand, sie stand so da, einfach hübsch wie wunderbar. Ich hab sie gesehen und war entzückt, steht am Strand mit Meeresblick. Fern der Heimat und es ist verrückt, hab sie gesehen und war verliebt. Betrete die Hütte, der Geist ist am taumeln, ich schaue hinaus und lass meine Seele baumeln.
Es reicht der Blick zum Fenster raus, sehe das Meer und weiß ich bin zu Haus. So verweile ich einen Augenblick, sehne mir die Zeit zurück. In welcher ich doch glücklich war, doch diese ist nun nicht mehr da. Sehe die Sonne rot wie Glut, sammel Gedanken und fasse Mut. Schmiede Pläne, sie werden gut, beginne aufzustehen, um neue Wege jetzt zu gehen. Verlasse die Hütte, schaue zurück und denke an das vergangene Glück.

Fotograf: Kerstin’s Fotokiste
https://www.facebook.com/Kerstins-Fotokiste-12146312152992…/
Bildbearbeitung: Kerstin´s Fotokiste
Text: Daniel Wagner
https://www.facebook.com/tagebuchdervergangenheitwenndasge…/


(29.03.2017 – Guten Tag.)

Andreas Wohlers Fotografie Moira

Ich möchte mich kurz bei dir vorstellen.

Ich heiße “Borderline”. Ich trage kein Alter mit mir und keinen Ausweis. Ich wurde nie geboren und dennoch bin ich da.

Ich sag zu dir “Hallo” und oft kurz auch mal “Auf Wiedersehen”

Ich möchte dein Freund und auch dein Feind sein dürfen, möchte dich begleiten in den schönsten Momenten, die ich dir zerstöre und dir dafür das Geschenk der Depression hübsch verpackt überreichen. Du weißt ja, Geschenke gibt man nicht zurück und auch nicht weiter.

Ich freue mich sehr, dich endlich kenne lernen zu dürfen und hoffe wir werden viele Tage und Jahre miteinander verbringen.
Sorge dich nicht, ich bin selbst dann da, wenn du schläfst oder träumst. Ich werde dich nicht verlassen, selbst wenn du mich noch so sehr darum bitten solltest.

Eigentlich trage ich viele Namen, aber was sind schon “Namen”?

Wichtig ist doch, dass ich nun endlich wieder jemanden gefunden habe, in dem ich aufblühen kann. Ich nehme dir die Sonne, die dich blendet, und tauche dein Leben in sanfte Dunkelheit. Ich nehme dir diese innere Ruhe um dich auf Trab zu bringen.

Freust du dich denn gar nicht?

Das musst du auch gar nicht, denn all das, all diese Gefühle werde ich künftig für dich übernehmen, dich steuern, leiten und dich wieder und wieder brechen, wenn du dich gegen mich stellst, denn das ist meine Aufgabe.

Ich weiß, du magst mich nicht, du möchtest viel lieber wieder selbst entscheiden, wie du fühlen möchtest und leben willst, aber ich komme ja nun nicht freiwillig zu dir, ich wurde ja auch nur geschickt und mein Vater, das Schicksal, er meinte, es sei an der Zeit einen starken Menschen auf diese Lebensprüfung zu stellen.

Fotograf und Bildbearbeitung: Andreas Wohlers Fotografie
https://www.facebook.com/andreas.wohlers.fotografie/
Text: Soulfuck
Model: Moira
https://www.facebook.com/xxmoira/


(05.04.2017 – Dunkel ohne Licht)

Headlight Pictures Lady of Sunshine 1

Man findet sich in einem dunklen, völlig im Schwarz daliegenden Raum wieder. Die Hand fährt automatisch zur Seite, tastet nach einem Lichtschalter – einem Schalter, der nicht da ist. Es kommt oft vor, dass man sich in der Finsternis seines Selbst wiederfindet, nichts erkennt und nicht die Kraft hat, nach etwas zu suchen, das Licht ins Dunkel bringt. Warum auch? Tagtäglich kämpft man sich durch das Leben, gibt mehr als man eigentlich geben kann, trägt ein Fake-Lächeln auf den Lippen, obwohl man nur noch heulend in die Knie brechen will, weil alles zu viel ist.

Depressionen sind nicht nur der Wunsch sich die Arme aufzuschlitzen. Depressionen sind nicht nur der Wunsch nach Schlaftabletten. Viele sehen Depressionen nur im Kontext mit Selbstmord. Nicht jeder leidet an Selbstmordgedanken, nicht jeder hat schon den Abschiedsbrief geschrieben und überlegt nur noch, wie er am besten unbemerkt von anderen abtreten kann. Depressionen sind vielseitig, sie treten in verschiedenen Formen auf, sind nicht nur schwarz-weiß. Sie sind grau, manchmal auch bunt. Aber sie sind keine Fantasie, keine Einbildung – keine Trendkrankheit, die man breittreten oder lustig machen sollte. Es gibt sie.

Man sieht es den Menschen nicht an. Man sieht ihnen ins Gesicht und weiß nicht, was in ihnen vorgeht. Vielleicht ist es das, was den anderen die Akzeptanz so schwer macht. Man sieht Depressionen nicht, wie man vielleicht eine Grippe sieht. Man sieht nicht an jedem depressiven Menschen tiefe, lange Narben an den Armen oder Augenringe von schlaflosen Nächten. Depressionen sind komplex, individuell und keineswegs immer sichtbar. Antriebslosigkeit macht das Leben schwer. Dinge, die man vorher gern getan hatte, machen keinen Spaß. Der Sinn hinter dem täglichen Aufstehen fehlt, der Appetit fehlt, zum Sport zwingt man sich inzwischen schon.

„Es wird besser“, sagen sie. „Du stellst dich nur an“, sagen sie. „Aufmerksamkeit bekommst’e so auch nicht mehr“, sagen sie.

Es ist nicht ein „Anstellen“, es ist kein „Betteln nach Aufmerksamkeit.“ Man redet schon gar nicht mehr darüber. Man spricht nicht aus, was einen durch den Kopf geht. Gedanken laut äußern – ein No-Go. Die Frage “Wie geht’s dir” beantwortet man mit einem gut eingeübten, falschen Lächeln und einem „Alles bestens. Und dir?“. Es ist jeden Tag dasselbe. Funktionieren. Lächeln. Bloß nichts anmerken lassen. Dieser Kampf ist es, der einem so viel Kraft raubt, die man ohnehin nicht mehr hat. Das Funktionieren, das „Etwas-leisten-müssen“ treibt einen doch im Endeffekt nur noch tiefer in diese Abwärtsspirale der Depression, gebt der Krankheit das Messer in die Hand und sagt „Stich zu!“.

Dieses Funktionieren ist es, dass uns dazu bringt, Angst vor der Zukunft zu entwickeln. Es färbt die Zukunft so tiefschwarz. Denn, funktioniert man nicht, wird man ausgetauscht. Zukunftsangst ist ebenso keine Erfindung. Immer besser sein zu müssen, als alle anderen, lädt einen enormen Druck auf uns, zwingt uns zu mehr. Zwingt uns auch zu durchgearbeiteten Nächten, zwingt uns mit Kopfschmerzen zur Arbeit oder zur Uni zu fahren. Man zweifelt; man hat Angst, nicht gut genug zu sein; man fragt sich, ob es reicht. Aber reicht es wirklich? Was hat man hinterher von all der Arbeit, die man investiert?

Von all der Kraft, all der Zeit, die man trotz allem opfert, weil da ein Funken Hoffnung ist. Ein Funke, der mit jedem Tag mehr, an dem keine Antwort auf all die Fragen kommt, von der Angst erdrückt wird. Aber mit wem soll man darüber sprechen? Die wenigsten sind bereit, sich solche Dinge anzuhören. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das Handy schnell interessanter wird, als das, was man seinem potenziellen Gesprächspartner zu sagen hat.
Also bleibt man in seinem kleinen, dunklen Raum voller unausgesprochener Gedanken, Probleme und Ängste, weil der Lichtschalter nicht in Reichweite ist.

Fotograf und Bildbearbeitung: Headlight Pictures
https://www.facebook.com/headlightpictures/
https://headlightpictures.de/ein-kleiner-hoffnungsschimmer-…
Text: Eleanor Nowak
https://www.facebook.com/eleanor.nowak.official/
Model: Lady of Sunshine

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