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(09.04.2017 – Kellergewölbe)

Wolfgang Honzejk ArtFotografie 6

Gib deine Hand und führe mich, nimm meine Hand und ich führe dich. Zeige mir den Weg durch das Dunkel und folge mir Schritt für Schritt. Komm ich nehme dich mit, während Du mich zu Treppe bringst. Langsam, es ist dunkel und schlecht ist die Treppe zu sehen mit einem Handlauf aufgequollen von der Feuchtigkeit. Feucht wie dieser Keller, feucht wie deine Wangen durch die Tränen der Vergangenheit. Lass uns gehen, lass uns die Treppe rauf gehen langsam und vorsichtig. Sie ist nicht steil, aber sie ist morsch und rutschig.
Nimm meine Hand und führe mich, während Du mir folgst. Vorsichtig, halte den Handlauf, halte mich, fang mich auf, wenn ich rutsche. Halte mich, wenn Du fällst, wenn die Stufe nachgibt und bricht, warte auf der Stufe darunter, wo ich schon stehe und dich auffange. Gemeinsam, einsam, Hand in Hand, die Treppe rauf. Du schaffst es auch, nimm meine Hand ich führe Dich, wenn Du mich mit Dir nimmst. Stufe für Stufe komm und folge mir, bis wir erreichen, die Kellertür.
Dreh den Knauf und mit meinem Gewicht, stoß sie auf komm mit ins Licht. Sonnenstrahlen allein in deinem Gesicht, trocknen deine Tränen nicht, nimm meine Hand und wisch sie fort. Fühle mich mit Dir befreit, es trocknen die Tränen der Vergangenheit.

Fotograf und Bildbearbeitung: Wolfgang Honzejk ArtFotografie
https://www.facebook.com/WHArtFotografie/
Text: Daniel Wagner
https://www.facebook.com/tagebuchdervergangenheitwenndasge…/


(10.04.2017 – “Ich sehe …)

Beate Köhler

Deine Zerrissenheit … Die Angst vor zu viel Nähe, vor dem Dich selbst verlieren und dem Vereinnahmen und doch die Angst vor dem Verlassen werden.

Deine Liebe zu mir … Gewaltig, wahrhaftig und rein in jeder Sekunde. Und doch distanzierst Du Dich und ignorierst mich, wenn die schmerzhafte Sehnsucht zu groß wird.

Deinen Willen mich in Dein Leben zu lassen … Ganz und gar zu allen Zeiten. Und doch versuchst Du alles Schlechte, Böse und alle Sorgen von mir fernzuhalten.

Deine Sicht über Dich … Ein „Monster“, das es nicht verdient hat zu leben, glücklich zu sein, sich immer wieder selbst dafür straft und doch die Hoffnung, dass jemand in Dein Leben tritt, der Dir zeigt, dass es nicht wahr ist.

Deine Einsamkeit … Selbst gewählt und doch unerträglich.

Deinen Wunsch … So geliebt zu werden, wie Du bist, gesehen und angenommen zu werden. Und doch stößt Du die, die Du liebst und die Dich lieben, manchmal unbeabsichtigt zurück.

Deine Angst … Erneut zu zweifeln, weil alles vielleicht doch nicht so ist, wie es zu sein scheint. Und doch möchtest Du so sehr vertrauen.

Deine Albträume … Unverarbeitetes und Ängste, die Dich quälen. Und doch denkst Du, es längst bekämpft zu haben.

Deine Furcht … Wenn man Dir tiefe Gefühle entgegen bringt oder sie äußert. Und doch tust und äußerst Du es ohne Vorbehalt mir gegenüber.

Deine Gedanken … Das nur Du wissen kannst, wie es Dir geht, nur Du weißt, wie Du Dich fühlst und empfindest. Und doch ist da die Hoffnung, dass Dich endlich jemand versteht.

Meine Hand … Ich strecke sie Dir entgegen, ergreifst Du sie, werde ich sie halten und nie mehr loslassen. Und doch werde ich Dich nie in Ketten legen.

Meine Arme … Sie bieten Dir Geborgenheit an. Und doch sollen sie Dich nie einengen.

Meine Augen … Die nur für Dich so strahlen und glitzern können. Und doch können sie Dir auch helfen wieder zu sehen.

Meine Ohren … Die Dir lauschen und zuhören. Und doch ist da manchmal der Stachel der Angst, nicht gehört zu werden.

Meine Lippen … Sie wollen Dich berühren, Dich fühlen. Und doch können sie Dich auch spüren lassen, wie ich fühle.

Meine Stimme … Die Dir liebevolle Worte flüstert. Und doch will sie auch eines Tages für Dich singen.

Mein Herz … Es schlägt nur für Dich, egal wie weit Du entfernt bist. Und doch fühlt es sich Dir immer nah.

Meine Seele … Die nach langer Suche, den einen Menschen erkannt hat, dessen Seele ihr Gegenstück und ihre Ergänzung ist, so wie sie es für ihn sein kann. Und doch wird sie Dich nie zu etwas zwingen, was Du nicht willst.

Meine Liebe zu Dir … Sie ist unendlich und wird sich niemals ändern. Und doch musst Du lernen, sie anzunehmen.

Mich … Die Ähnliches erlebt hat und es deshalb verstehen kann. Und für immer mit Dir gemeinsam durch das Leben gehen möchte.

Dich … Sehr sensibel, einfühlsam, wertvoll, liebevoll, liebenswert und, und, und … Und für immer von mir geliebt.”

Fotograf und Bildbearbeitung: Beate Köhler
Text: Die Regenbogenscherbenwelt (Nya)
https://www.facebook.com/Regenbogenscherbenwelt/
Model: Beate Köhler


(11.04.2017 – Der Steg)

Model NN 112

Schwimmend ziehe ich die Bahnen im See meines Lebens. Sie führen mich durch tiefe Stellen und seichte, ruhige und wilde. Kleine Inseln und Stege geben mir Halt und Zeit zu ruhen. Die meiste Zeit schwimme ich alleine, doch hin und wieder kreuzt jemand meine Bahn oder begleitet mich ein kleines Stück. Manchmal schwimme ich ruhig, manchmal mit Kraft, den Kopf über Wasser, aber hin und wieder auch darunter.

Es gibt aber Zeiten, da fallen mir die Bahnen schwer. Dann schwimme ich zu einem Steg und will das Wasser verlassen. Verlassen um zu ruhen, zu rasten und einen Überblick über mein Leben zu bekommen. Ich brauch Sicherheit und Halt.
Ich sehe den Steg schon ganz nahe und mobilisiere meine Kräfte. Der Steg ist vor mir, zum Greifen nahe. Meine Hand berührt den Steg, fühlt das Holz. Ich spüre seine Stabilität und hoffe auf Halt. Ich greife nach den Planken und zieh mich aus dem Wasser.
Plötzlich spüre ich eine Kraft. Eine Kraft wie eine Hand, die mein Bein umgreift. Die Hand hat mich mit festem Griff und will mich zurück ins Wasser ziehen. Immer wieder rutsche ich von den Planken ab. Wieder und wieder kämpfe ich mich zurück und fasse die Planken. Die Hand lässt nicht los. Mir schwindet die Kraft.

Ich hebe meinen Kopf und erkenne sie. Ich erkenne sie, die Hand eines guten Freundes, der mir sie reicht. Er hilft mir aus dem Wasser und einen Moment zu ruhen. Jetzt erst erkenne ich, dass ich nicht alleine bin im See meines Lebens. Ich habe die vielen lieben Menschen um mich herum nur nicht gesehn. Was bin ich froh sie zu haben und zu wissen, dass sie da sind. Das gibt mir Kraft, bald wieder den Steg zu verlassen und weiter meine Bahnen zu ziehen.

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/?fref=ts
http://dirk-ludwig.de/
Text: Markus Ziegler


(15.04.2017 – Dieser Tag im Nichts)

Andreas Wohlers Fotografie Chilly Kitty

Wenn ich an meinem Fenster sitze und die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings zu meinem Fenster hineinscheinen, verspüre ich große Traurigkeit. Statt Freude und Glücksgefühl habe ich zu große Angst vor dem, was mich dort draußen erwarten würde. Diese Traurigkeit besitze ich nicht, weil ich nicht die Zeit dazu hätte rauszugehen, um dieses schöne Wetter dort draußen zu genießen. Nein, ich spüre sie, weil ich es wieder mal nicht schaffen werde rauszugehen.
Ich kann mich nicht an der Sonne erfreuen, wie ihr und ich kann auch nicht die wärmenden Strahlen auf meiner Haut tanzen sehen. Die Ersten blühende Blumen, die ihr sofort entdeckt und euch denkt „Oh, wie wunderschön sie doch sind“, lösen diese Emotionen in mir nicht aus. All dieses Wissen löst heftige Enttäuschung in mir aus, da ich mir dann immer denke, dass ich mal wieder maßlos versagt habe und ich nichts von dem, was ich versuche, auf die Reihe bekomme.

Abgeschnitten von der Außenwelt und isoliert durch mich selbst bleibe ich alleine zurück, während meine Freunde sich draußen amüsieren, Spaß haben und miteinander lachen.Sie unternehmen schöne Dinge und ich sitze weiterhin alleine vor meinem Fenster und grüble über vieles nach. Gedanken und Gefühle kreisen in mir und ich halte mich selber klein, weil die Depression mir stetig aufzeigt, dass ich all dies nicht wert bin und kein Anrecht auf dieses Glück besitze.
Ich bin ein Mensch und ich weiß, dass auch ich dieses Anrecht auf Leben habe, doch die Depressionen rauben mir meine Kraft und das nicht nur seelisch, sondern auch körperlich. Zu schwer fällt mir das Aufstehen und Erledigungen sind sehr oft nur mühsam möglich, weil mir die Konzentration und der Wille dazu fehlen. Der starke Wille, den diese Erkrankung in mir erfolgreich gebrochen hat und der mir einst den Mut und die Energie gab für all das, was für euch normal ist zu kämpfen.

Doch auch ich habe gute Phasen und in diesen Momenten, wenn sie auch noch so kurz sein mögen, gewinnt die Depression, die dieses grässliche Monster in mir wohnen lässt, durch mich keine überhand. Es sind die Momente, die ich dann für die schönen Dinge des Lebens nutze und sie förmlich in mir aufsauge. Nie wissend, wie lange ich diese Kraft besitzen werde, die Krallen der Depression, die ewig nach mir greifen zurückhalten und sie im Zaum halten zu können.
Es ist ein ewiger Kampf, doch ganz wird mich dieses Monster nie bekommen, denn ich weiß, dass ich es schaffen kann, wenn ich für mich einen Weg finden werde, dieses Monster zu akzeptieren, anstatt es zu bekämpfen. Für mich zu merken, dass dieses Monster kein Monster ist und mir vielleicht mit seinem Verhalten versucht aufzuzeigen, dass es falsche Wege sind, die ich versuche zu begehen und mich umlenken lässt, weil es zu viel wird, was ich von mir selber fordere.

Irgendwann werde ich diesen Weg raus, aus diesem „Tag des Nichts“ finden und nicht mehr alleine hinter meinem Fenster sitzen und in Selbstmitleid versinken, weil ich etwas nicht erreichen kann. Dann werde auch ich wieder raus gehen, die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut tanzen sehen und mich wieder an frisch bunt erblühten Blumen, die gut duften erfreuen.
Ich werde mit meinen Freunden wieder in guten Phasen zusammen sein können und Spaß haben. All das wird mir dann, wie euch – ohne meine Maske, die ich sonst nach außen hin immer trug – ein ehrliches Lächeln ins Gesicht zaubern. Ich werde es aufrichtig genießen, weil ich es mir wert sein werde und ich mein Anrecht auf Leben einfordern werde. Es wird ein langer und steiniger Weg werden, doch ich kann es für mich schaffen.

Fotograf und Bildbearbeitung: Andreas Wohlers Fotografie
https://www.facebook.com/andreas.wohlers.fotografie/
Text: Nadine Wagner
Model: Chilli Kitty
https://www.facebook.com/Chillikittymeow/


(19.04.2017 – Wenn der Frühling erwacht)

Saskia Sophia Prodromidis

Wenn die Sonne uns wieder oft ihre schönen Strahlen zeigt und uns Wärme spüren lässt. Wenn die Natur uns wieder aus einem kahl und braun, eine grüne und bunte Welt zaubert. Genau dann ist die Zeit, wo der Frühling wieder in all seiner wunderbaren Pracht erwacht.

Der Winter, der vielen gesunden aber auch an Depressionen erkrankten Menschen, ein Gefühl von Enge, tristen und trüben Gedanken gab, verliert nun immer mehr seine Wirkung. Negative Stimmung wird erfolgreicher von unserem ach so herrlichen Frühling, nach dem wir uns doch so sehr sehnten, verdrängt und wir sind wieder neugieriger auf das, was kommen mag.

Er lockt uns wieder vermehrt raus, lässt uns wieder bessere Laune bekommen und beschenkt uns mit positiver Energie. Wir fühlen uns wieder freier, Straßen sowie auch die Parks werden wieder gerne und lange durch uns Menschen gefüllt. Wir gehen mit offeneren Augen und dem Blick für das Schöne durch diese Zeit, denn der Frühling gibt uns so vieles.

Stück für Stück wird alles bunter und auch der Duft wirkt schön belebend auf viele von uns. All unsere Sinne werden sensibler, Glücksgefühle erwachen endlich aus ihrem viel zu langen Winterschlaf und vieles wird nun durch uns wieder intensiver wahrgenommen. Genau dies ist Balsam für unsere Seelen und vermittelt uns auch ein gewisses Gefühl von Sicherheit.

Fotograf und Bildbearbeitung: Saskia Sophia Prodromidis
Text: Nadine Wagner


(22.04.2017 – Die Treppe der Vergangenheit)

Holger Dankelmann 14

Es ist dunkel, ich bin alleine und die Stille tut ihr Übriges. Meine Gedanken fangen wieder an zu kreisen und ich beginne – wie so oft – über meine Vergangenheit nachzudenken. In aller Ruhe gehe ich vorsichtig zur Treppe und setze mich hin. Oftmals hilft sie mir, denn sie ist für mich, wie der Weg zwischen Vergangenheit und Zukunft und ich sitze genau in der Mitte und muss mir über vieles klar werden.
Wenn ich in meine Vergangenheit blicke, müsste ich die Treppe eigentlich weiter runter gehen. Dort herrscht so viel an Dunkelheit, Schmerz, Traurigkeit, Wut, Demut und Angst. Es tut weh darüber nachzudenken und umso mehr ich diese Gedanken zulasse, desto mehr packen mich wieder meine Selbstzweifel. Zu viele Fragen, die noch unbeantwortet sind und auf die ich Antworten suche.

Hätte ich was anders machen können, um bestimmte Situationen ins Positive umkehren zu können? War es falsch, es unversucht zu lassen sie zu ändern? Ich weiß es nicht, denn ich habe sie damals so in diesen Momenten als gegeben hingenommen. Zu groß war meine Scham und meine Angst davor, wie es ausgehen könnte und so hielt ich lieber inne, sagte nichts und fraß lieber alles in mich hinein.
Wenn ich aber in meine Zukunft blicke, müsste ich die Treppe wieder stetig Schritt für Schritt hinaufgehen. Meine Vergangenheit prägte mich zwar und holt mich auch durch die Depressionen oftmals wieder ein, doch heißt es nicht, dass ich mich selbst aufgeben darf. Nein, ich sollte, so oft es mir möglich ist nach vorne schauen und für mich alleine versuchen das Beste daraus zu machen.

Jede einzelne Stufe, die ich hochgehe, sollte ein Ziel beinhalten. Zu erkennen, dass ich an Depressionen erkrankt bin. Sie für mich zu akzeptieren, anstatt nur weiterhin stur gegen sie anzukämpfen, denn das macht es eher schlimmer als besser. Mir fachliche Hilfe zu holen, umso vielleicht immer offener darüber – was mir nicht leicht fällt – reden zu können und meine Vergangenheit aufarbeiten zu können.
Ich möchte es schaffen, Freunden, Bekannten und Verwandten zu erzählen, wie und was in mir vorgeht. Ihnen meine Erkrankung nahe bringen, damit sie verstehen können und ich somit meine imaginäre Maske absetzen kann. Die Maske aufrechtzuerhalten, verlangt mir sehr viel Kraft ab, Kraft die mir diese Erkrankung nimmt, die ich kaum noch besitze und die ich doch so dringend für mich benötige.

Auf dieser Treppe wieder so hoch oben stehen zu können, damit ich meinem Leben erneut einen positiven Sinn geben und es phasenweise auch wieder lebenswert gestalten kann, das sollte mein Ziel sein. Denn die Augenblicke, in denen ich aufrichtig genießen kann, sind viel zu selten und zu oft die Momente, wo mich die Depressionen wieder in die Dunkelheit zerren und mich dort gefangen halten.
Die Vergangenheit gehört zu meinem Leben, das ist vollkommen klar. Sie hat mich sehr geprägt und zu dem gemacht, der ich heute bin. Vieles war nicht schön, nein oftmals sogar sehr schmerzhaft aber löschen oder gar umschreiben kann ich sie nicht mehr, denn sie ist ein Teil von mir. Doch was ich dort oben auf der Treppe sitzend versuchen kann, ist meine Zukunft wieder positiv für mich zu schreiben.

Fotograf und Bildbearbeitung: Holger Dankelmann
https://www.facebook.com/holger.dankelmann?fref=ts
https://www.detailbilder.de/
Text: Nadine Wagner


(27.04.2017 – Der Weg in der Dunkelheit)

HeartMirror Photography 16

In meinem Leben wurde ich immer wieder plötzlich von der Dunkelheit überrollt. Es wurde plötzlich so schwarz, dass ich den Weg, den ich gehen wollte, nicht mehr sehen konnte. Alles erschien mir ohne Sinn, die Pfeiler, die mein Leben stützten, brachen weg. Verzweifelt suchte ich nach einer Lösung, die sofort wieder Licht in die Dunkelheit bringt und den Weg für mich ausleuchtet, den ich weiter gehen konnte.

Ich hätte am liebsten jemanden gehabt, der mit einer Laterne in der Hand vorangeht und mich an die Hand nimmt. Mir den Weg vorgibt. Die Dunkelheit machte mir Angst und ich fühlte mich verloren. Doch dies geschah nicht und es wäre auch nicht MEIN Weg gewesen. Das, was ich vor allem lernen musste, war Geduld mit mir und dem Finden meines Weges und das Vertrauen, dass es wieder heller werden wird und ich eines Tages den Weg wieder finden werde. Und die Angst vor der Dunkelheit abzulegen. Denn so bedrohlich diese auch manchmal erscheinen mag, sie kann auch eine Chance sein sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, zur Ruhe zu kommen und den Weg zu verändern.

Der Weg ist lang und es gibt immer wieder dunkle Stellen, die wenig ausgeleuchtet sind, aber es gibt auch immer wieder kleine Lichter am Rande des Weges, die das Leben und meinen eigenen Weg heller machen.Ich muss sie nur finden für mich, für meinen Weg. Heute habe ich verstanden, dass die dunklen Etappen einen Sinn haben und dass es danach immer wieder Laternen gibt, die den Weg etwas aufhellen. Für mich geht es nicht mehr darum einen Weg direkt gerade und ausgeleuchtet bis zum Ende verfolgen zu können, vielmehr hangel ich mich von Laterne zu Laterne am Wegesrand und hangel mich voran auf meinem Weg durch die Dunkelheit …

Fotograf und Bildbearbeitung: HeartMirror Photography
https://www.facebook.com/heartmirror.photography/
Text: Alena


(02.05.2017 – Spiegelbild)

Bernd Schomer 1

Schau in den Spiegel, du wirst nicht entzücken, einen alten Mann wirst du erblicken. Was hat die Zeit aus dir gemacht, womit hast du nur die Jahre verbracht? Hast gewartet auf das große Glück, wolltest Liebe und Geborgenheit. Im Weg stand dir die Vergangenheit, unendlich viele Tränen sind gelaufen, endlos war es, zum Haare raufen. Wieso fiel es dir so schwer die Kinderzeit doch so lange her? Schau nun in das Gesicht voll Falten, graue Haare auf dem Kopf, in der Wohnung ist kein Leben, wo willst du denn jetzt nach streben? Denkst nach all den Jahren dir, wirst noch mal das Glück erfahren? Spürst du die Arme um die Hüfte, atme ein weibliche Düfte. Schau in den Spiegel noch mal rein, sieh hin du bist nicht allein. Zierlich steht sie hinter dir, deine Kraft sie kommt von ihr. Schau, wie liebend sie doch schaut, deine Vergangenheit ihr wohl vertraut. Blieb auch da, als andere gingen, hielt dich fest als du wolltest springen. Hielt zu Dir bedingungslos, ihre Liebe grenzenlos.

Fotograf und Bildbearbeitung: Bernd Schomer
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Text: Daniel Wagner
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Model: Bernd Schomer


(08.05.2017 – Am Fenster der Vergangenheit)

Wolfgang Honzejk ArtFotografie 9

Sehe dich dort am Fenster sitzen, will dich was fragen fang an zu schwitzen? Fragen, die auf meiner Seele brennen, hoffe auf Antworten um mein Gemüt zu erhellen. Trete auf dich zu und fang an zu fragen, Gewissensbisse mich jetzt auch plagen. Will doch nur wissen warum und wieso, war doch als Kind bei euch schon nicht froh. Sehe an dir vorbei zum Fenster raus, auch deine Welt sieht grau und trostlos aus. Ist es die Antwort auf all meine Fragen? Konntest selbst Du deine Kindheit kaum ertragen? Ist es der Grund für fehlende Liebe, ist es der Grund für eure Hiebe?
Ich schrecke zurück und will es nicht mehr wissen, ich werde immer ein Stück Kindheit vermissen. Auch die Jugend – komm gib es zu – mit deinen Worten und Taten nahmst diese auch du. Ist es eine Entschuldigung für alle deine Taten, ist deshalb meine Kindheit und Jugend missraten? Ich lass dich dort sitzen, beginne zu verstehen ich muss meine eigenen Wege jetzt gehen. Lass dich zurück, mich stört es nicht. Habe eine eigene Familie was für ein Glück. Ich drehe mich um und sehe mein Kind, was glücklich mich in die Arme nimmt …

Fotograf und Bildbearbeitung: Wolfgang Honzejk ArtFotografie
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Text: Daniel Wagner
https://www.facebook.com/tagebuchdervergangenheitwenndasgestern/?fref=ts


(10.05.2017 – Als der Wahnsinn gehen lernte)

Project blowball

Seit 23.09.2016 bin ich im Krankenstand. Diagnose: Posttraumatische Belastungsstörung bzw. schwere depressive Episode mit einer Dissoziativen Störung und einer Angststörung, sprich Burnout gemischt mit einem Trauma. Aber wie kam es dazu? Was löst das alles nach 4 Jahren aus? Der Anfang des Ganzen liegt 4 ½ Jahre zurück, ein Tag, der 26.04.2012, der alles veränderte. Dieser Tag war der Geburtstag meines Sohnes Richard.
Eine Geburt, die um Haares Breite das Leben meine Frau und meinen Sohn genommen hat. 4 Jahre lang kämpfte meine Frau Maria, einen Weg zurück ins Leben zu finden. Nach außen ließ sie sich jedoch nichts an kennen. Aber jeder Tag war begleitet mit Erinnerungen, Ängsten und „Triggern“. In dieser Zeit war ich für Maria und meine Kinder da. Versuchte Maria immer zu stärken, spürte jede Kleinigkeit, die sie gerade brauchte.

Selbst fernsehen am Abend eine gewagte Sache, denn ihr könnt euch nicht vorstellen, wie oft eine TV-Vorschau von einer Krankenhausserie oder eine Szene von einer Operation kommt und genau diese lösten bei Maria was aus. Ein Zustand, sie schloss die Augen, redete nichts mehr saß einfach nur da, schaute starr danach auf einen Punkt.
Dieser Zustand, auch als Dissoziation bekannt, dauerte oft bis am nächsten Tag. Letztes Jahr begann Maria eine neue Therapie bei Psychotherapeutin Dr. M. Diese half ihr mittels EMDR, das Erlebte so weit zu verarbeiten, dass Maria mit dem Erlebten lernte, um zu gehen. Maria kam wieder zurück ins „Leben“. Sie beendete heuer im Frühjahr erfolgreich ihre Therapie und wollte einfach wieder das Leben genießen.

Doch da begann es bei mir. Jede kleine Diskussion endet in einem Streit, ich verstand nicht, was auf einmal anders war. Es begann, das alles was ich Maria versuchte zu sagen, bei ihr anders ankam. Was sie mir sagte und erklärte, nahm ich, aus jetziger Sicht, oft falsch auf. Es bildeten sich zwei Welten in meinem Kopf. Die eine Welt, wo durch die entstandenen Verlustängste, eine Geschichte entstand, die nie real war, sich aber damals so anfühlte.
Immer mehr verspürte ich, dass ich sie verlieren könnte. Ich unterstellte Maria Sachen, die nie passiert sind oder niemals ihr Plan waren. Ich begann zu klammern. So war ich doch früher nicht!?! In klaren Momenten verstand ich, was gerade falsch lief – meine zweite Welt in meinem Kopf, doch das Switchen zwischen meinen Welten ging oft in Sekunden!

Ich vergrub mich in Arbeit und Ehrenamt. Immer mehr legte ich meine Hobbys zurück, schob die Arbeit vor, habe keine Zeit mehr dafür. Tausend Sachen, die ich alle erledigen will, immer mehr … Alles änderte sich, es gab immer weniger positive Sachen, konnte nur noch das Negative sehen. Selbst wenn Freunde zu Besuch kamen, „schimpfte“ ich nur noch über Gott und die Welt.
Maria machte mich des Öfteren aufmerksam, ich soll doch nicht nur schimpfen, aber was sollte ich dann, gab ja nichts Positives. Immer mehr zog ich mich zurück. Brach viele, beinahe alle sozialen Kontakte ab. Wollte keinen mehr sehen. Weiteres kam langsam das Gefühl, die Welt richtete sich gegen mich, alle sind gegen mich und es passieren Sachen hinter meinen Rücken! Ich verstand die Welt nicht mehr.

Maria und ich diskutierten immer wieder und stritten wegen der Situation. Sie sagte, sie kennt mich nicht mehr, ich hätte mich so verändert. Ich? Warum ich? Ich hatte ja eigentlich nur Angst um meine Familie! Würde es allen gerne recht machen, doch alles was ich tat, ging in eine falsche Richtung. Maria versuchte alles, dass es mir wieder besser ging. Sie verzichtete in dieser Zeit auf vieles, was sie damals gebraucht hätte.
Nur um mir zu helfen, aber das konnte ich nicht sehen. Meine Leistung ging zurück, in meinem Beruf, in meiner Firma, konnte ich immer weniger erledigen, jedoch das Gefühl des Druckes wuchs. Eine permanente Rufbereitschaft, die mich nie störte, belastete mich schlagartig. Ich konnte nicht mehr schlafen, ständig kreisten meine Gedanken. Ich verlor in dieser Zeit ca. 27 kg. Mir fiel es immer schwerer, Entscheidungen zu treffen, selbst Kleinigkeit.

Ich verstand auch immer weniger, selbst z. B. TV-Serien begriff ich nicht mehr, musste Maria über den Zusammenhang fragen. Das ging alles so weit, dass ich nichts selbstständig machen konnte, mir musste Maria was anschaffen, dass ich was erledigen konnte. Auch wenn ich alleine das Haus verließ, merkte ich ein Gefühl aus Angst und Sonstigem, was ich nicht zuordnen konnte.
21.09.2016 – Der Tag des Zusammenbruches. Maria schickte mir per WhatsApp einen Zeitungsartikel, den ich mir lesen sollte, aber als ich den kurzen Artikel gelesen hatte, wusste ich nicht mehr was oben stand, ich begriff ihn nicht mehr. Als ich zu Hause ankam, brach ich zusammen. Konnte keinen Gedanken mehr halten, mein Körper zitterte, Panik und Angst, war unvorstellbar groß. Ich dachte, alles geht gerade unter.

Maria konnte die Situation auch nicht einschätzen, was da gerade passiert. Aber sie setzte mir „das Messer“ an. Entweder sie bringt mich jetzt in ein Krankenhaus oder ich suche selbst Hilfe auf. Krankenhaus löste noch mehr Angst bei mir aus, so rief ich Dr. M. an, die Psychotherapeutin, die Maria half. Verzweifelt versuchte ich, ihr die Situation zu erklären. Dass ich nicht mehr weiter kann, dass ich nicht mehr kann. Dr. M. traf sich gleich am nächsten Tag mit mir, sie versuchte mir zu erklären, was da alles abging bei mir. Jedoch ich konnte es nicht verstehen.
Alles war ganz klar, was war klar??? Nichts war klar!!!
Ab diesem Tag hat sich vieles verändert. Meine Ängste und Verlustängste sind noch größer, eine Gedankenspirale dreht sich rund um die Uhr, wie ich da rauskomme, aber ich sehe keinen Weg. Auf meinen Beruf bezogene Sachen sind auf einmal nicht mehr in meinem Kopf, sind weg. Sachen von davor, fehlen mir die Erinnerungen, Bilder der Geburt, Szenen in meinem Kopf, schreckliche Erinnerungen sind plötzlich rund um die Uhr da. Verzweiflung. Bekomm Angstzustände, sobald ich mein Haus verlasse, Kontakt mit Menschen, Horror, selbst mit der eigenen Verwandtschaft.

Kann mir nichts mehr merken, der ganze Körper angespannt, zittert, vergesse während eines Satzes, was ich sagen wollte, oder wenn ich spreche, kommt eine Pause, wo nichts kommt, das Gefühl, mein Hirn bringt es nicht zum Mund. Kann nicht an eine Sache denken, selbst Kleinigkeit zu lesen, geht gerade nicht. Nach den ersten Sätzen ist es vorbei. Positive Sprüche, die mir Maria per WhatsApp schickt, verstehe ich großteils nicht oder brauche eine Weile, muss sie mehrmals lesen, bis ich diese begreife. Alles, was mit einer Arbeit zu tun hat, stellt es mich ab. Kann keine Mails mehr schreiben, nicht telefonieren, usw. Mir fehlen auf einmal emotionale Gefühle, wie Freude, Glück, Spaß, usw., kann nicht mehr lachen, nur noch Angst. Habe das Gefühl, ich bin eine leere Hülle.

Im Auftrag von Dr. M erstellt mir Maria einfache Tagesstrukturen, die ich erledigen sollte. Von einfachen Sachen rede ich von Dingen wie zwei bis drei Sachen, wie Geschirrspüler ausräumen oder Ähnliches, die ich am Vormittag erledigen sollte und mich so forderten, dass es fast unmöglich erschien. Aber andererseits sah ich mich auf einmal wie von außen selbst, sah, wie ich gerade bin, und konnte es nicht verstehen. Wie ein kleines Kind, hilflos. Immer wieder lösten Sachen Zustände aus, die ich nicht begriff. Ich flüchtete auf die Terrasse, lief im Kreis und rauchte.
Das Hirn zu 100 % leer, verstand nicht, was dies auslöste, was geschah, ich wusste nicht, was gerade passiert war. Trigger – auf einmal habe ich so was … Warum? Dr. M. erklärte mir, was da gerade in meinem Hirn abgeht. 4 Jahre hat es das Erlebte verdrängt, um für Maria und die Kinder da zu sein und als dieses realisiert, dass es Maria wieder gut ging, brach ich zusammen. Die Verlustängste und Ängste zurück zuführen auf das, was bei der Geburt vorgefallen ist und Burnout.

Ich versuchte ständig, einen Lösungsweg zu finden, wie ich da wieder rauskomme und das so schnell als möglich und ohne den üblichen Weg des Systems! Oft kam ich zu Maria, dachte ich habe die Lösung, doch Maria erklärte mir, dass das „keine Lösung“ ist, nur wirres Zeugs. Tage später nickte ich auf der Couch kurz ein, kurze Zeit später erwachte ich und hatte was vor Augen. Griff zu Stift und Papier und skizzierte es, machte einen Kreis nach dem anderen, Pfeile über Pfeile, füllte die Kreise mit Wörtern. Am Abend zeigte ich meine Idee Maria.
Die erste Reaktion, die kam, ich bin verrückt. Sie ist gerade dabei unsere Existenz zu sicher und ich komm mit einem Ding, wo ich einen Bus kaufen möchte. Mir ging der Plan nicht mehr aus dem Kopf, weil ich sah in diesem den Weg, wie ich da selbst mich wieder raushebeln kann. Am nächsten Morgen, als die Kinder außer Haus waren, setzte sich Maria zu mir.

Sie hatte eine Nacht über das Projekt nachgedacht, wollte mich und meinen Weg unterstützen, aber hatte auch noch Bedenken. Zum einen wollte sie unbedingt die Meinung der Psychotherapeutin abwarten, um sich nicht in ein Projekt zu stürzen, dass therapeutisch nicht funktionieren würde. Zum anderen dürfe das Projekt nicht das Haushaltseinkommen belasten. Sie gab mir die zusätzliche Aufgabe, zu überlegen, wie das Projekt finanzierbar sei. Aber bei allem was mir helfen würde, versicherte sie mir, mich voll und ganz zu unterstützen. Beim nächsten Termin mit Dr. M. zog ich meinen Zettel mit dem Plan aus meinem Buch und begann ihr den Weg zu erklären. Dr. M. sagte zu, dass sie mich auf diesem Weg psychologisch begleite, dass das alles auf dem richtigen Wege bleibe.
Somit war der Startschuss für das Project Blowball gegeben!

Fotograf und Bildbearbeitung: Project blowball
https://www.facebook.com/projectblowball/?fref=ts
www.project-blowball.at
Text: Project blowball

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