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(15.05.2017 – Die menschliche Psyche – ein Phänomen)

Project blowball 1

Die menschliche Psyche – ein Phänomen … ein Tag, ein Auslöser und ein Mensch ist nicht mehr wieder zu erkennen. Seither stelle ich mir öfter Fragen, wenn ich schmerzhaft zusehen muss, wie mein Bruder mit dem größten Gegner, den er je hatte kämpft – sich selbst!
Waren Anzeichen seiner Überforderung schon damals erkennbar?
Wenn ich so darüber nachdenke, ja!
Dominik war schon lange nicht mehr der Alte. Das erste Anzeichen seines Wandels fällt mir erst im Nachhinein auf, als er nicht mehr der alte kindisch gebliebene Erwachsene war, dessen größte Freude es war auch noch mit 28 Jahren T- Shirts mit Aufdrucken wie dem faulen Willi, den kleinen Maulwurf, den Barbabas, etc. zu tragen. Dessen Wunschzettel für Weihnachten immer dem eines achtjährigen Buben entsprachen, der mit ferngesteuerten Booten, Hubschraubern, Autos, Drohnen oder anderen Spielzeugen, die ihm ein Lächeln ins Gesicht zauberten, vollgepackt waren.
Egal, ob im Garten, beim Baden am See, im Pool, egal, in welcher Situation Dominik war nicht verlegen irgendetwas anzustellen. Doch eines Tages wich die kindliche Facette vollständig aus seinem Leben. Das faule Willi T-Shirt musste schwarzen oder violetten Polos weichen. Sein Fuhrpark aus Dutzenden Fahrzeugen jeglicher Art verschwanden völlig aus seinem Sinn und wurden unter der Laube, in einem Eck abgestellt, wo sie vor sich hinvegetierten und keines Blickes gewürdigt wurden.

Hatte er schon die ganze Zeit solch ein Ausmaß der Gefühlslosigkeit?
Nein, seit diesem Tag lachte er zwar nicht mehr wie früher und war todernst, aber er konnte wenigstens noch Gefühle wie Hass, Trauer, Liebe und Eifersucht zeigen. Es gab sogar Momente, wo es nach außen schien, als würde er all seine Sorgen fallen lassen können und einfach den Moment genoss und vom Herzen lachen konnte.

Das beste Beispiel war unser gemeinsamer Urlaub auf Kreta in einer winzigen Ortschaft namens Lentas.
Wir entschieden uns nach kurzem durchstöbern des Reiseführers für einen idyllischen Badestrand, wo ein Süßwasserfluss den Strand teilte und in das Meer floss. Um diesen wirklich wunderbaren Fleck erreichen zu können, war im Reiseführer die Rede, von einem 10-15 minütigen Abstieg – auch festes Schuhwerk wurde empfohlen. Wir Peltiers unterliegen ja in dem alten Irrglauben, mit Flip Flops jegliches Terrain egal wie steil, steinig, … bezwingen zu können.
Na gut – gesagt getan! Wir begaben uns bei 35 Grad Celsius auf den Weg bergab. Nach guten fünf Minuten gab einer meiner 5 € „Qualität“ Flip Flops vom Supermarkt, den heißen Temperaturen und dem starken Gefälle nach und ich stand mit nur mehr einem Flip Flop da.
Der Abstieg entpuppte sich als wahrer „Lauf über heiße Kohlen“, denn der Weg war voll von spitzen Steinen, welche sich in der prallen Sonne unglaublich erhitzten. Unten angekommen blieb ich nicht vom Spott meines Bruders verschont, auch die zahlreichen Brandblasen trugen zu seinem Vergnügen bei. Nun stellte sich das Problem, wie wir den Heimweg bestreiten sollten. Die Lösung war einfach und genial. Ich bekam für den Anstieg zum Auto, die Flip Flops von meiner Schwägerin Maria. Maria, Eva, Beatrice und Richard fuhren mit einem Touristenboot in die nächste Ortschaft, wo Dominik und ich sie dann mit dem Auto wieder abholten. Der Weg zum Auto und die Fahrt in den nächsten Hafen, wo wir dann den Rest der Familie abholten, waren auch unbeschreiblich tolle Minuten vollgepackt mit Lachkrämpfen und Blödeleien. Ich hatte Dominik schon lange nicht mehr so lachen gesehen, wie an diesem Tag.

Der Super-GAU – vor etwa einem halben Jahr.
Für mich war es trotzdem unbegreiflich, wie entscheidend die menschliche Psyche ist – mit ihr steht oder fällt ein Mensch! Auch, wenn Dominik in den letzten Jahren nicht mehr so viel lachte und sich eine Arbeit nach der anderen auf seinen Lastenberg schaufelte, führte er doch ein „normales Leben“, mit keinen Anzeichen einer Depression, Traumatisierung oder einem Burnout. Andererseits war es nur eine Frage der Zeit, bis sein Körper nachgibt. Es ist unglaublich, wie stark Dominik ist und wie lange er diesen Lasten standgehalten hat, die auf seinen Schultern lagen.
Ich denke, ich wäre daran in kürzester Zeit zerbrochen. Neben einer normalen Anstellung baute er noch seine eigene Firma zu einem lukrativen Nebenverdienst auf, wo er täglich bis spät in die Nacht arbeitete, verbrachte Zeit mit seinen Kindern, half zu Hause im Haushalt mit, kümmerte sich um die Instandhaltung des Eigenheims, setzte sich in der Gemeindepolitik ein und setzte sich zudem noch mit vollem Einsatz für die Flüchtlingsbetreuung ein. Wie er das so lange unter einen Hut brachte, ist mir bis jetzt ein Rätsel. Dies zeigt mir nur wieder, was für ein starker Mensch Dominik ist!

Diagnose: Depression, Posttraumatische Belastungsstörung & Burnout.
Ich kann mich noch an das Telefonat erinnern, als Dominik mir am Telefon erzählte: „Mich hat es auch erwischt, Bötzi ich bin Krank! Ich gehöre auch zu ihnen!“
Alleine von der Gefühllosigkeit der Stimme erkannte ich meinen Bruder nicht wieder. Mir kam es so vor, als hätte es mit erfahren der Diagnose, in seinem Kopf einen Schalter umgelegt und der Berg an Lasten brach über ihn ein und machte aus dem starken Mann, einen kleinen verängstigten Jungen.
Er war ab diesem Tag, nach dem Gespräch mit der Psychologin ein vollkommen anderer Mensch. Eine Person ohne jegliche Art von Emotionen, normalen Gedankengängen oder imstande einen normalen Tagesablauf zu planen und zu bestreiten.
Ja an schlechten Tagen gehen die Auswirkungen so weit, dass sich sein psychischer Zustand sogar auf seine Motorik auswirkt – sodass seine rechte Hand unkontrollierbaren Zuckungen ausgesetzt ist. Für mich gibt es keinen schlimmeren Anblick, als meinen Bruder so leiden zu sehen.Selbst in diesem Zustand kämpft er vor anderen und vor allem vor Gästen oder seinen Kindern, seinen innerlichen Stress und seine Qualen zu verbergen. Jedoch seine Finger zeigen die nackte Wahrheit, wenn er sich beim Servieren eines Wasserglases, voll und ganz konzentrieren muss, um seine Finger ruhig zu.

Wie geht es Dominik jetzt?
Wie die Idee geboren wurde, blühte Dominik wieder vollkommen auf. Es war unglaublich schön zu beobachten, wie der Mensch, der zuerst nur aus einer Hülle bestand und der Alltag einfach bei ihm vorbeizog, aufgrund einer neuen Zielsetzung wieder Lust am Leben bekam. Lust am Leben ist vielleicht im derzeitigen Zeitpunkt noch ein starker Begriff, aber in seinem Gesicht flackerten zumindest kurze emotionale Ausdrücke auf – wie ein kurzes Schmunzeln oder ein kurzes aber intensives Strahlen in seinen Augen.
Es war unglaublich, was Dominik und auch Maria, alles in kürzester Zeit, bezüglich des Projektes – einen amerikanischen Schulbus, nach Österreich bringen und zum Wohnmobil umzubauen, in Erfahrung brachten. Bis ins kleinste Detail, von Unterstellplatz, Routen für den „Her-Transport“ wurde alles überlegt, da man mit der Überlänge des Busses nicht um jede Kurve kommen würde, etc. Bis ein Verein angemeldet ist, muss eine Vielzahl von bürokratischen Hürden aus der Welt geschafft werden.
Zurzeit hat Dominik wieder einen kleinen Rückschritt, denn seiner Meinung steht das Projekt gerade völlig still. Es scheint für ihn, als würde es keinen Schritt vorangehen. Wobei sich in Hinblick auf die letzten zwei Monate einiges, wenn nicht sogar enorm viel, bewegt oder getan hat. Angefangen von der Vereinsgründung, Homepage, Video, Blogs, Charity Veranstaltung, Reichweite bis nach Deutschland zu bekannten Gesichtern.

Aber ich denke, da jetzt im Grunde alle Erledigungen bezüglich des Vereins erledigt sind, sollte bald die Überstellung des Busses in die Startposition gehen und vielleicht ist es für ihn, für den Fortschritt anschaulicher, wenn sich 13 Tonnen auf 12 Meter verteilt auf die Reise von Amerika nach Österreich begeben.
Aber er gibt trotzdem nicht auf und das zeigt mir wieder, wie stark dieser Mensch ist – und das ist auch der Grund, warum ich so stolz auf ihn bin.

Fotograf und Bildbearbeitung: Project blowball
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Text: Project blowball


(19.05.2017 – Was für eine Welt)

Manfred Markiewicz – Photograph

Nach Jahren der schweren Depressionen wache ich langsam auf. Was ich sehe, gefällt mir nicht. Was ich höre, stimmt mich traurig, was ich erleben muss, schürt meine Wut. Eine Gesellschaft ertrinkt in Ignoranz und Intoleranz. Was ich nicht sehen oder greifen kann, gibt es nicht. Ein längst veraltetes Denken, welches mir heute jeden Tag verdirbt! Immer mehr Wut baut sich in mir auf. Man wird ausgelacht, nicht ernst genommen. Trotz Diagnose vom Arzt.

Warum soll ich ruhig bleiben? Warum soll ich Verständnis zeigen? Für jene, die mir und meines Gleichen keines gewähren? Schlimmer noch, man schlägt uns jeden verdammten Tag mit Worten und Taten. Was ist nur los mit euch? Wieso sucht ihr euch bereits am Boden liegende?

Jeder hier reicht in seinem Schmerz dem Anderen die Hand. Ein offenes Ohr in jeder Gruppe, Trost spendende Worte und eine Zuflucht, erschaffen jene, die schon leiden. Warum könnt ihr es nicht? Weil man diese Krankheiten nicht sehen oder anfassen kann? Dann ÖFFNET eure AUGEN!!! Seht die TRAUER in unseren AUGEN. SEHT die NARBEN auf unserer HAUT. Seid STILL!!

Hört unser KLAGEN, das verzweifelte WEINEN!! Zieh VERDAMMT NOCH MAL den Handschuh der IGNORANZ aus!!! FÜHLE die NARBEN!!! FÜHLE das ZITTERN, die SCHWÄCHE, die uns am Boden in KETTEN legt und ja BERÜHRE die TRÄNEN, die aus unseren AUGEN fließen. Sag mir, dass du unsere KRANKHEITEN NICHT SEHEN, NICHT HÖREN UND NICHT ANFASSEN KANNST!!! Sieh der Wahrheit ins Gesicht.

WIR sind auch MENSCHEN!!!

Fotograf und Bildbearbeitung: Manfred Markiewicz – Photograph
https://www.facebook.com/M.Markiewicz/
Text: Maik Hauenstein


(20.05.2017 – Papa´s Psyche hat Schnupfen – nein Grippe)

Project blowball 2

Warum ist Papa jetzt so komisch? Warum lacht Papa nicht mehr? Warum kann Papa nicht mehr mit uns weggehen?

Wenn ein Elternteil an einer psychischen Krankheit erkrankt, ist der gesunde Teil unglaublich gefordert, den Kindern alle offenen Fragen zu beantworten. Die größte Herausforderung ist für mich, etwas zu erklären, dass man eigentlich weder verstehen noch nachvollziehen kann.
Bei Dominik sind mittlerweile viele körperliche Symptome dazugekommen, die vor den Kindern nicht verborgen werden können. Aber auch seine Ängste und seine Isolation machen vor den Kindern nicht Halt.

Dominik war immer ein sehr Kind gebliebener Vater, dem nichts zu blöd war, der mit den Kindern jeden Blödsinn machte. Die Kinder haben anfangs vor allem die Veränderung, dass der Papa nicht mehr so lustig ist, bemerkt. „Papa geht´s nicht so gut, er braucht jetzt ein bisschen Ruhe!“ war meistens meine Antwort. Je mehr Veränderungen aber sichtbar wurden und je länger dies jetzt andauert, umso mehr Fragen tauchten auf. Seit Weihnachten tauchten dann auch noch körperliche Symptome auf, die anfangs nur bei arbeitsspezifischen Sachen kamen, oder bei enormer Belastung, mittlerweile aber den Alltag prägen. Dominiks Körper zuckt und sobald eine Kleinigkeit eintritt, die nicht vorhersehbar ist, werden diese Zuckungen zu Krämpfen. Die Hände verkrampfen sich unkontrolliert, der Kopf sieht aus, als wären die Schultern bei den Ohren angewachsen und durch die unkontrollierten Zuckungen, fällt es ihm oft schwer ein Wasserglas zu seinem Platz zu bringen. Lärm hält er kaum aus, dieser verstärkt auch diese Zuckungen – für die Kinder aber nicht einfach, denn Kinder brauchen Platz zum Spielen, toben und laut sein!

Auch der Wechsel zwischen guten und schlechten Tagen fiel den Kindern schwer. „Warum geht es Papa heute besser?“ „Warum geht es Papa heute so schlecht? Haben wir etwas getan? Waren wir zu laut?“ Diese Fragen kamen immer häufiger und ich denke, jede Mutter kann nachvollziehen, dass einem solche Fragen fast das Herz brechen, wenn man bemerkt, dass die Kinder das Gefühl haben, sie seien dafür verantwortlich, ob es Papa gut oder schlecht geht.
Von Anfang an versuchte ich, mittel positiver Energie, die Kinder resilient zu machen, um durch diese Krise zu wachsen und nicht zu zerbrechen. Ich habe mittels Kinderbücher wie zum Beispiel “Ein Rucksack voller Glück”. Ein Bilderbuch zum Thema: Glücklich sein – mit 5 Glückspostkarten in jedem Buch versucht sie zu stärken. Ihre Gefühle zu erkennen und ein Werkzeug zu entwickeln, wie man positiv denken kann. Dieses Buch beschreibt ganz gut, wie man seinen „Glücksrucksack“ wieder auffüllen und leichter machen kann, wenn er durch Sorgen zu schwer wird. Wir schreiben auch fast jeden Tag in ein Familien-Glückstagebuch ein. Dort werden nur „schöne“ Sachen eingeschrieben, die man den Tag über erlebte. Wir machen dies abends, damit die Kinder vor dem Schlafengehen, die schönen Erlebnisse und Gedanken im Kopf haben und nicht voller Sorgen und Ängste ins Bett gehen müssen.

Ich merkte aber durch die vielen Fragen, dass dies alleine nicht mehr ausreicht. Ich bin der Meinung, dass Menschen, nicht nur Kinder, vor dem Angst haben, dass sie nicht verstehen. Also suchte ich nach einer Möglichkeit, wie ich den Kindern Depression und Burnout erklären kann. Nachdem ich liebend gerne mit Kinderbüchern, schwierige Themen aufgreife, suchte ich also nach einem Buch, das psychische Krankheiten kindgerecht erklärt. Ich empfinde Kinderbücher immer als unkomplizierte Lösung, die das Erklären leichter machen. Den Kindern fällt es leichter eine Geschichte zu lesen, wie über die eigenen Sorgen und Ängste sprechen, zu müssen.
“Annikas andere Welt”, das Bilder-Erzählbuch für Kinder psychisch kranker Eltern: “Annikas andere Welt” in großen Bildern mit kurzen Erzähltexten und Mit-Mach-Seiten (SOWAS!) erzählt von einem Mädchen, deren Mutter depressiv ist. Es erklärt die guten und schlechten Tage mit „Hamstertagen“ und „Schildkrötentagen“.
An „Hamstertagen“ scheint ihre Mutter voller Energie zu sein, möchte alles gleichzeitig anpacken, aber bekommt meistens nichts geregelt – wie ein Hamster der im Laufrad läuft. Er läuft zwar den ganzen Tag, kommt aber nie ans Ziel. An „Schildkrötentagen“ verkriecht sich ihre Mutter in ihren Panzer und traut sich nicht herauszukommen. Unser Alltag ist von diesen „Schildkrötentagen“ geprägt.
Die Psyche wird auch wunderbar kindgerecht erklärt:
„Psychisch, was ist das?“, möchte Annika von Mario wissen. „Ach das ist ganz einfach“, lacht Mario und zwickt Annika dabei in den Arm. „Autsch!“ motzt Annika empört. „Siehst du?“, grinst Mario, „Dein Arm ist ein Teil von deinem Körper. Den kannst du sehen und spüren, und dein Arm wird sogar rot, wenn ich dich zwicke.“ Annika guckt auf ihren Arm. „Aber was du jetzt über mich denkst, das kann ich nicht wissen. Genau dieser unsichtbare Teil von dir ist deine Psyche.“ „Wenn deine Psyche krank ist, kommen viele Gedanken und Gefühle durcheinander und alles ist kreuz und quer.“

Als meine Kinder das hörten, zwickten sie sich als Erstes beide Mal in den Arm, und stellten fest, dass man das wirklich sehen kann. Wenn einem jemand in die Psyche „zwickt“, beleidigt, etwas sagt, dass einem wehtut, oder so, kann man das nicht sehen, aber es kommt ein „blödes“ Gefühl. Ich erklärte ihnen, dass jeder Mensch diese „blöden Gefühle“ aushalten kann, aber manchmal kommt ein so großes „blödes“ Gefühl, dass alles durcheinanderkommt. Ich hatte das Gefühl, sie verstehen, was ich meine. Wenn man aber dieses „blöde“ Gefühl nicht mehr alleine wegbekommt, braucht man Hilfe. Papa hat leider zu lange versucht, diese „blöden“ Gefühle wegzubekommen, und alleine nicht geschafft. Und jetzt ist es, wie bei einem Schnupfen der eine Grippe wird. Manchmal geht ein Schnupfen ganz von selber wieder weg, manchmal fängt es aber mit einem Schnupfen an, dann kommt Fieber dazu und dann braucht man einen Arzt und Medikamente um die entstände Grippe wieder zu heilen.

Ich hatte das Gefühl die Kinder verstanden plötzlich, dass es eine Krankheit ist. Ich erklärte ihnen auch, dass keiner etwas dafürkann, wenn aus einem Schnupfen eine Grippe wird und dass es bei einer psychischen Krankheit nicht anders ist. Ob sie „brav“ sind oder „laut“ sind, hängt nicht damit zusammen, ob Papa krank oder gesund ist. Wir können diese Krankheit von Papa nicht heilen, genauso wenig wie wir eine Grippe wegzaubern können. Jede Krankheit braucht Zeit, damit sie der eigene Körper bekämpfen kann und helfen kann einem dabei der Doktor. Wir als Familie können nur geduldig sein, verständnisvoll sein und abwarten, bis es Papa wieder besser geht.

„Also hat Papas Psyche Schnupfen!“, meinte Richard. „Nein Papas Psyche hat Grippe!“, erklärte ihm Beatrice.

Fotograf und Bildbearbeitung: Project blowball
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Text: Project blowball


(22.05.2017 – Lügennetz)

Sporer Arts Jessy Cheesecake

Eisige Augen, die mich mustern.
Ein Blick, der wie Frost in tiefster Winternacht in mein Innerstes dringt
und meine Seele zitternd und einsam schluchzend zurücklässt.

Was ist geschehen? Warum schaust du mich so an?

Vor kaum einem Tag hast du mir noch sanft über die Wange gestrichen,
mir gesagt, du würdest mich nie alleine lassen und immer für mich da sein.
Dann hast du mich umarmt, deine Nähe tat so gut… endlich fühlte ich mich zu Hause.
Als ich dir das sagte, lachtest du leise.

„Wenn ich für dich die Heimat sein kann… dann sollst du ab jetzt nie fern von ihr sein.“

„Warum?“

Ich dachte, ich sei stark… oder zumindest nicht schwach…
doch der Ausdruck deiner einst so warmen, braunen Augen reicht, dass ich auf die Knie sinke.

„Warum nur?“

Ein hämisches Lachen. Ich habe dich noch nie so lachen hören…
deine Stimme war manchmal wütend, empört…
aber nicht so bar jeder lebendigen Emotionen, voll Hass und kalter Freude über mein Entsetzten.

„Kannst du es dir etwa nicht denken?“

Ich glaube, es ist mein Herz, das diesen dumpfen Schmerz durch meinen Körper schickt,
das dafür sorgt, dass mein Blick verschwimmt und meine Kehle sich zuschnürt.
Ich kann nicht sprechen, nur denn Kopf schütteln.

„Du bist einfach erbärmlich… Eine Last und unnütz. Und du merkst es nicht einmal…“
Erneut lachst du.

„Warum, fragst du? Weil du mich behinderst. Aufhältst. Weil du mir NUR IM WEG BIST!“

Ich weiß nicht, ob es Schluchzen ist, das aus meinen Mund dringt, oder Wortfetzen.
Aber es ist egal, denn du redest sowieso weiter,
treibst das Messer deiner Verachtung weiter in mein schon blutendes Herz.

„Oh, sicher… anfangs warst du nützlich. Du hast andere Leute von meiner Glaubwürdigkeit überzeugt…
hast mir Wege eröffnet, die mir alleine nie offen gestanden hätten. Und all das hast du gerne gemacht…
Menschen täuschen ist viel einfacher, als sie zu etwas zwingen, weißt du?
Wer getäuscht wurde, fragt nicht… und wenn er schließlich erkennt, dass er nur benutzt wurde,
bricht er verzweifelt zusammen. Wehrt sich nicht…“

Ich weiß genau, was du meinst.
Was glaubst du denn, warum ich hier vor dir knie wie die Dienerin, die ich dir ja war?
Eine nützliche, billige Möglichkeit… gleich einer Hure, bezahlt mit deiner Aufmerksamkeit.
Warum ausgerechnet ich? Ach, ich weiß es schon. Ich bin schüchtern, durchschnittlich…
jemand, der sich über deine bewundernden Blicke freuen und nach ihnen verzehren würde.
Ha, wie leicht habe ich es dir gemacht…

Ein sanftes Lächeln formt deine Züge zu dem Antlitz,
für das ich bis vor wenigen Minuten noch bedenkenlos gestorben wäre.
Langsam kniest du dich zu mir, deine Hand ergreift mein Kinn und hebt es an,
bis ich dir in die Augen sehe, sehen muss. In ihnen steht ein Ausdruck von Zuneigung.

Was… aber warum… Als du wieder sprichst, verstehe ich.

„Weißt du… es tut mir fast Leid um dich. Du warst so praktisch…
ich glaube, eine bessere Wahl hätte ich kaum treffen können. Du hast deine Aufgabe wunderbar erfüllt…
und fast hätte ich dir deine Illusionen nicht nehmen wollen.“

Deine Hand wandert langsam zu meinem Nacken.

„Aber leider kann ich dich jetzt absolut nicht mehr gebrauchen… du hast keinerlei Nutzen mehr für mich…
und ich kann dir nicht erlauben, mit dem, was du weißt, fortzuleben.“

Das Letzte, was ich spüre, ist ein brennend heißer Stich an meinem Hals.
Und deine Lippen, die sacht über die meinen streichen.

Fotograf und Bildbearbeitung: Sporer Arts
https://www.facebook.com/SporerArts/
Text: Anna-Lena Perner
Model: Jessy Cheesecake
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(25.05.2017 – Ratschläge gut gemeint – aber einfach nur doof)

Project blowball 3

Immer wieder gibt es gut gemeinte Ratschläge oder Aufmunterungsversuche, doch es kommt leider bei Dominik als „Unverständnis“ an. „Es fühlt sich doof an, wenn jemand in 5 Minuten beurteilt, wie es mir geht!“, so Dominik. Es gibt aber auch Leute, die gar nicht wissen, ob und wie sie mit Dominik sprechen sollen, vielleicht kann ich das heute ein wenig erklären.

Ab und zu, an „guten“ Tagen, kann ich Dominik überzeugen, aus seinem Schneckenhaus – unserem Haus herauszukommen. Manchmal aber auch, das Telefon in die Hand zu nehmen und jemanden anzurufen. Derzeit ist das bei engsten Freunden oder der Familie möglich.
Wenn jemand dann zu Besuch kommt, oder Dominik mit mir zu jemandem fährt (das ist nach wie vor das Schwierigste für ihn), ist oft das Erste, was er zu hören bekommt: „Schaust eh schon gut aus!“ oder „Wie schön, dass es dir besser geht!“ Diese zwar gut gemeinten Aufmunterungsversuche kommen nicht so an, wie sie gemeint sind. Wenn sich Dominik aus dem Schneckenhaus hervortraut, bedeutet dies unglaublich innerlicher Stress, Anspannung um „normal“ zu wirken und Selbstkontrolle um seine Angststörungen zu unterdrücken – nichts daran fühlt sich gut an – nichts davon fühlt sich eh schon besser an.

Es ist einfach ein unglaublich demütigendes Gefühl, wenn es einem innerlich fast zerreißt und die Menschen, zu denen er so viel Vertrauen hat, sie einzuladen oder sogar zu besuchen, reagieren mit diesen „gut gemeinten Floskeln“. Also an alle, die mit depressiven Menschen zu tun haben, streicht diese Sätze aus eurem Small Talk Repertoire. Auch mit Sarkasmus kann Dominik nichts anfangen. Nachdem er in seinem Zustand nicht einschätzen kann, ob und wie weit etwas ernst gemeint ist, oder eben sarkastisch. Somit sind auch alle Aufmunterungsversuche, die sarkastisch gestaltet werden, immer mit nachhinein einer Aufklärung meinerseits verbunden, wie derjenige das gemeint haben könnte – auch einfach mühsam.

Jemanden, der gar nicht weiß, wie man mit Dominik sprechen soll, kann ich nur raten: Small Talk ja, Fragen über seinen Zustand nein, Ratschläge gar nicht!

Selbst mir als Ehefrau zieht es alles zusammen, wenn jemand in den ersten 3 Minuten „Schaust heute eh gut aus!“ zu Dominik sagt, denn ich habe ja die Anspannung vorher miterlebt, sowie die Zweifel, ob er das überhaupt schaffen wird, jemanden zu treffen. Aber mittlerweile gibt es auch für mich einen Satz, den ich nicht mehr hören kann. Der ist, auch liebt gemeint, löst aber schon fast Aggressionen bei mir aus. „Du musst auch auf dich schauen!“ Ich denke nur jemand, der mit einem psychisch kranken Menschen zusammenlebt, kann beurteilen, welche Herausforderung dies Tag für Tag ist und wie viel Energie dies raubt. Zusätzlich übernimmt man jegliche Aufgaben des Partners, versucht alles vor den Kindern abzuschirmen. Ich habe mittlerweile fast alles, was mir Spaß machte, aufgegeben, damit ich seine Angststörungen nicht noch mehr herausfordere und Tage, oder Sunden, die ich für mich verwende, sind immer mit schlechten Gewissen verbunden.

Somit kann ich nur sagen: „Schau auf dich – ja wie denn?“
Dominik hat auch schon viel mit Gerhard Huber darüber gesprochen. Der hatte schon viel Kontakt zu anderen Burnout- oder depressiven Menschen. Anscheinend geht es da jedem ähnlich. Man kann einfach nicht beurteilen, wie es den Menschen im inneren geht, und sollte es auch nicht tun.

Auch Gerhard Huber schrieb ein paar Zeilen zu diesem Thema:
Für Angehörige:

Wichtig für Angehörige ist einmal zu verstehen, dass der Lebenspartner, Mama oder Papa es in der Zeit wirklich nicht schaffen, die Kaffeetasse wegzuräumen, im Haushalt nur irgendetwas auf die Reihe zu bekommen, geschweige denn seinen anderen Aufgaben nur irgendwie nachkommen zu können. Es geht zu diesen Zeiten tatsächlich nichts, weil zu diesen Zeiten nichts mehr geht, nicht einmal mehr das Einfachste. Und es gibt auch keine Wunderpille, die dies von einer Sekunde auf die andere ändern könnte.

Gut gemeinte Ratschläge, wie z. B. „das wird schon wieder“, „reiß dich zusammen“, „bemüh dich“, „du hast ja sonst auch immer alles geschafft, du wirst auch das schaffen“, obwohl bestimmt nur gemeint, verfehlen vollkommen das Ziel und sind sogar kontraproduktiv. Noch schlimmer und unproduktiver ist es, Druck aufzubauen und dem Betroffenen mit solchen Aussagen direkt oder auch indirekt zu drohen wie z.B. „Du musst das machen und du musst das andere machen“, „du musst die Medikamente nehmen oder du musst die anderen Medikamente nehmen“, „du musst zu dem Arzt, du musst zu dem Therapeuten, du musst ins Krankenhaus, du musst in die Klinik“, „du musst für deine Familie sorgen“ usw. usf. Erstens einmal geht es in diesen Zeiten tatsächlich nicht und zweitens hat ja gerade dieses ständige „müssen“, vielleicht sogar dieses ein Leben lang zu müssen, uns dort hingebracht, wo wir jetzt sind, und jetzt muss man/frau schon wieder. Man kann es einfach nicht mehr hören und es macht Druck, ständigen Druck und Druck braucht man in dieser Zeit überhaupt keinen.

Sagen Sie ihr bitte nicht, sie muss an die frische Luft gehen, weil ihr die so guttun wird. Sie schafft es in der Zeit nicht! Sagen Sie ihr: „Ich gehe eine Runde spazieren, hast du Lust mitzukommen?“. Sie wird es vielleicht zehnmal nicht schaffen, vielleicht nicht zwanzigmal, vielleicht nicht dreißig Mal, aber beim einunddreißigsten Mal wird sie es schaffen. Und das nächste Mal wird es nicht beim einunddreißigsten Mal sein, sondern beim dreißigsten.

Wenn Sie jedoch im Glauben sind, weiter Druck auf den Betroffenen oder die Betroffene ausüben zu dürfen und nicht aufhören werden, Ihrer Lebenspartnerin, Ihrem Lebenspartner oder wer auch immer in Ihrem Umfeld davon betroffen ist, ständig zu sagen, was er oder sie tun muss, dann wird er oder sie irgendwann eine riesengroße Mauer um sich aufbauen und dann erreichen Sie ihn überhaupt nicht mehr.

Daher und abschließend: Weniger ist mehr! Sagen Sie ihr einfach, dass Sie sie lieben und dass Sie immer für Sie Dasein werden. Dass er kein Versager ist (man glaubt das in der Zeit nämlich). Dass er Sie jederzeit anrufen kann, wann er möchte, wann auch immer das sein mag. Und wenn er/sie sich zurückziehen will, dann akzeptieren Sie das bitte mit einer Selbstverständlichkeit. Das hat nichts mit Ihnen zu tun. Sie braucht in der Zeit oder der Situation einfach Ruhe und Abstand. Sie ist einfach total überfordert und fertiggefahren und ihr Körper sagt es ihr: „Ich brauche Ruhe! Ich brauche Abstand!“ Und hören Sie bitte unbedingt auf Ihren Körper, er sagt es Ihnen. Er sagt Ihnen alles, was Sie brauchen oder nicht brauchen!

Fotograf und Bildbearbeitung: Project blowball
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Text: Project blowball


(27.05.2017 – Die Insel)

SAW Bilderwerke 1

Ich schwimme zu einer Insel. Bereits als ich mich auf sie zu bewege, sehe ich viele fleißige Wesen. Sie haben Kisten aufgestellt, stapeln Holz und Stein. Es ist offensichtlich das sie etwas bauen wollen. Bald darauf erreiche ich diese Insel. Die kleinen Wesen, lassen sich von meiner Anwesenheit gar nicht stören, sie bauen fleißig weiter. Doch dann kann ich zusehen, wie die Insel die vorher so grün gewirkt hat, plötzlich verblasst. Es entstehen sandige Flächen, eine Erzählerstimme informiert mich darüber das ETWAS diesem lebendigen Ort das Wasser entzogen hat.

Die Wesen, die vorher mit bauen beschäftigt waren, sehen hilflos aus. Ihnen scheint die Energie zu fehlen.. Dann passiert es, die Insel bröckelt auseinander, völlig ausgetrocknet und jetzt sehe ich das schwarze Wesen was für den Niedergang der schönen Insel verantwortlich war. Es hat unterhalb der Insel gelebt, unbemerkt agiert und das Wasser der Insel entzogen. “Nun, wo das Wasser der Insel aufgebraucht ist, sucht es sich andere Quellen.” erklärt die Erzählerstimme völlig ruhig.

Es ist mir sofort klar, das damit sowohl die Wesen auf dieser Insel wie auch ich selbst gemeint bin. Da ich nah am Strand gestanden habe, kann ich wieder ins Meer flüchten. Das schwarze Wesen zerlegt die Insel in seine Einzelteile, egal was die Wesen dort gebaut hätten stürzt in sich zusammen und es bleibt nichts übrig. Das schwarze Wesen, mit den riesigen Tentakeln nimmt die Verfolgung auf. Ich schwimme, schwimme um mein Leben, ich spüre jeden Muskeln in meinem Körper, ich bemerke die Erschöpfung die mich durchzieht. Irgendwann werde ich KO sein.

Ob mich das Wesen nun bekommen hat, kann ich nicht wirklich berichten. Doch dies war ein Traum den ich vor zwei Tagen hatte. Gleich nachdem ich aufwachte wusste ich das alles was ich im Traum gesehen und erlebt hatte meiner Depression entsprach. Ich sehe das sich etwas aufbaut, das etwas erblüht und das es mir besser geht und dann überfällt mich meine Depression so plötzlich wie das schwarze Monster diese Insel. Es lässt mich müde und erschöpft zurück, im Traum hatte ich wenigstens einen Grund dafür, an schlechten Tagen bin ich nicht einmal hundert Meter unterwegs und fühle mich als würde ich zusammen brechen.

Ich weiß was in diesen Traum, der nun eine Geschichte ist, eingeflossen ist, ich weiß das Ctulhu das schwarze Tentakelmonster inspiriert hat und das diese “Aufbau” Computerspiele oder besser gesagt Smartphone Spiele die kleine Insel inspirierten. Dennoch kann ich auch klar sehen, wie dieser Traum das Gefühl zu meiner Depression in Bilder ausgedrückt hat.

Fotograf und Bildbearbeitung: SAW Bilderwerke
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Text: Christina VonderWerth


(30.05.2017 – Therapie, Kündigung, Krankheit, Projekt – wie geht es Dominik)

Project blowball 4

Immer wieder werde ich über Dominik gefragt: “Wie geht es Dominik?” Wie schon geschrieben, kann Dominik derzeit keinen Blogartikel schreiben, trotzdem war es uns wichtig, euch über seinen Zustand und seinem Krankheitsverlauf zu berichten. Wir haben lange überlegt, wie wir das bewerkstelligen sollen und hier eine Möglichkeit gefunden. Ich habe die Fragen, die ich immer wieder von Leuten höre, die ich treffe, Dominik gestellt. Dieser redete frei darauf los und ich habe mitgeschrieben und dies dann zu Sätzen formuliert. Jede Antwort habe ich Dominik wieder vorgelesen, damit ich auch alles richtig verstanden habe, um euch kein falsches Bild zu geben. Die Situation war ein wenig eigenartig, den eigenen Mann zu interviewen, aber ich denke, mit den Antworten, könnt ihr euch ein besseres Bild machen.

Wir haben vor, dies zu wiederholen. Wenn ihr also von Dominik etwas wissen wollt, schickt uns die Frage als Kommentar oder per Mail info@project-blowball.at. Bitte versteht, dass es Fragen gibt, die Dominik nicht oder noch nicht beantworten kann. Ich werde da sehr viel Rücksicht darauf nehmen und nichts wird beantwortet, was Dominik nicht möchte.

Therapie, Kündigung, Krankheit, Projekt – wie geht es Dominik

Jetzt bist du seit September zu Hause, wie geht es dir damit?
Dominik: Einerseits fehlt mir absolut das Zeitgefühl, es fühlt sich nicht so lange an, wie es ist, andererseits schockiert mich die Zeit. Mein größter Wunsch ist ein normales Leben, in allen Rollen, so gesehen kommt mir die Zeit ewig vor. Ein Leben ohne Einschränkungen, Ängste, Gedankenspiralen und Hilflosigkeit vermisse ich. Die einzige Emotion, die ich gerade, beziehungsweise, von Anfang an spüre, ist Angst. Ich würde gerne wieder Freude und Glück erleben, arbeiten können, die Freizeit genießen können, derzeit aber noch ein Wunschdenken. Was mir auch komplett fehlt, ist die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen. Spontanität überfordert mich total und Planänderungen können gefühlte Katastrophen auslösen. Momentan brauche ich Maria, um mir jegliches abzunehmen, ich sehne mich aber nach Selbständigkeit.

Wie geht es dir mit der Therapie, hast du das Gefühl es geht weiter?
Dominik: Nachdem in der Therapie einiges ans Tageslicht kam, mit dem ich nicht rechnete, ist diese oft ein Wechsel zwischen den Themen. Daran bin ich nicht ganz unschuldig, denn manchmal glaube ich, das eine Thema ist vorrangig, eine Woche später priorisiere ich das andere Thema. Es fällt mir jedoch nach wie vor schwer, zu akzeptieren, dass ich krank bin. Theoretisch habe ich verstanden was ich habe, praktisch kann ich es aber nicht spüren. Mit den Angststörungen habe ich am meisten zu kämpfen, denn mein Kopf sagt mir ja, dass mir nichts passieren kann, es löst aber trotzdem Panik aus, die ich nicht kontrollieren und nicht beschreiben kann.

Wie oft bist du in Therapie?
Dominik: Im Schnitt 1x wöchentlich für ca 3 Stunden Psychotherapie und 1x monatlich beim Arzt. Meine Therapeutin ist aber Gott sei Dank sehr unkompliziert und hilft mir auch oft per Telefon weiter, wenn mich etwas Unvorhersehbares aus der Bahn wirft.

Versuche zu beschreiben, wie du früher warst?
Dominik: Ich war ein lebensfroher Mensch, der für jeden Blödsinn zu haben war. Ich arbeitete gerne und war mir auch nie für eine Arbeit zu schade. Probleme sah ich kaum, denn es gab für alles eine Lösung. Ich war sehr gerne unter anderen Menschen und vor allem Freunden. Meine Familie und meine Beziehung hatten schon immer sehr hohen Stellenwert in meinen Leben. Kurz gesagt, ich hatte Spaß und genoss das Leben in vollen Zügen.

Was veränderte sich, bzw. wie kam es zum Zusammenbruch?
Dominik: Alles! Ich hatte das Gefühl, die Welt richtet sich gegen mich. Ich konnte das Positive nicht mehr erkennen. Alles schien aussichtslos und negativ. Ich habe jegliche sozialen Kontakte, auch die Freunde und Familie als Belastung war genommen. Ich hörte öfter die Hinweise von Maria, aber auch Freunden, dass ich mich verändert hätte, sah aber die Veränderung bei den Anderen und nicht bei mir. Egal was ich machte, ich empfand keinen Spaß mehr dabei. Meine Gedanken raubten mir den Schlaf, ich fürchtete in allem das Schlimmste und es fühlte sich komplett real an. Wenn ich versuchte etwas zu lesen, verstand ich plötzlich den Inhalt nicht mehr, ich war blockiert. Entscheidungen zu treffen, fiel mir unglaublich schwer.

Warum wolltest du diesen Blog?
Dominik: Um der Welt aufzuzeigen, wie man sich durch psychische Krankheiten verändert. Ich wollte dieses Tabuthema brechen und um damit auch später anderen Betroffenen zu helfen. Unser Erlebtes soll auch anderen Mut machen, mit der Krankheit offen umzugehen.

Jetzt im Nachhinein war der Blog eine gute oder blöde Idee?
Dominik: Jeder neue Beitrag hat für mich zwei Seiten. Einerseits möchte ich offen der Welt zeigen, was die Krankheit auslöst, andererseits ist es jedes Mal wieder eine Überwindung für mich. Die Reaktionen der Leser zeigt mir aber jedes Mal wieder, dass die Entscheidung richtig war. Durch den Blog kamen auch sehr viele selbst Betroffene auf uns zu, die uns ihre Lebensgeschichte erzählten, das schockiert mich eigentlich, wie viele Menschen betroffen sind, vorher war mir das nicht bewusst.

Warum Angst vor Menschen, bzw. wie fühlt, sich das an?
Dominik: Ehrlich – ich weiß es nicht. Es ist einfach so und kam schleichend. Anfangs waren es nur Großveranstaltungen, mittlerweile habe ich auch bei kleinen Familienfeiern schon Angststörungen.

Welche Angststörungen begleiten dich noch?
Dominik: Computer: jeglicher Zugang zur EDV, alles, was in meiner Arbeit Alltag war. Alles außerhalb des Hauses: mein Haus ist mein sicherer Platz, dieses zu verlassen kostet mich große Überwindung und noch viel größere, wenn ich das alleine tun muss. Einen zweiten sicheren Ort habe ich in meinem Auto gefunden.
Alleine sein: einerseits vermeide ich jeglichen sozialen Kontakt, halte es aber kaum aus, wenn ich meine Familie (Maria und die Kinder) nicht um mich habe.

Wie geht es dir jetzt mit der Kündigung?
Dominik: Alles, was meine Anstellung bei der Firma betrifft, fühlt sich gefährlich an. Es löst aber keine Gefühle in mir aus. Rein logisch betrachtet hätte ich dies aber nie von einem sozialen Unternehmen erwartet. Die Bedingungen, die gestellt wurden, um die Kündigung zu vermeiden, waren für mich unmöglich zu schaffen.

Was fällt dir beim Projekt am schwersten?
Dominik: Um den Bus nach Österreich zu bekommen, mussten einige rechtliche Dinge geklärt werden. Auch die Koordination der Speditionen stellt mich vor eine fast unlösbare Aufgabe. Welcher Schritt wann und wie gesetzt werden muss, aber auch Lösungen für Probleme finden, alleine nicht schaffbar. Maria und mein Schwiegervater unterstützten mich dabei tatkräftig. Wenn der Bus dann in Puchenau ankommt, freue ich mich einerseits, wieder ein wenig Tagesstrukturen zu erlernen, muss aber dadurch meine Schutzzone verlassen. Unzählige Leute haben mir Hilfe beim Umbau angeboten, ich habe aber Angst vor den sozialen Kontakten, weiß aber andererseits, dass ich dies wieder lernen muss. Mein Glaube, durch den Bus wieder zurück ins Leben zu finden, lässt mich aber weiterkämpfen. Ich möchte damit meine Angststörungen besiegen und der Krankheit entfliehen.

Hast du schon einen „Plan“ für dein Leben danach?
Dominik: Meine Frau baut zusammen mit dem Vorstand im Hintergrund den Verein “Rezeptfrei” auf. Ich möchte, nach dem Überstehen der Krankheit, durch mein Erlebtes und Durchlebtes, andere Menschen helfen. Ich möchte mein Leben wieder genießen können und für meine Familie da sein, aber werde auch das Leben etwas entschleunigen. In meinem Kopf schwirren viele Fragen, was wirklich wichtig ist im Leben und worauf es ankommt. Was braucht man, um wirklich glücklich zu sein?

Fotograf und Bildbearbeitung: Project blowball
https://www.facebook.com/projectblowball/?fref=ts
www.project-blowball.at
Text: Project blowball


(03.06.2017 – Was geht im Kopf vor, wenn man Depressionen hat?
Eine kurze Geschichte als Erklärungsversuch.)

Julia Schmitter Photo

Ich sitze im Büro. Vor lauter Akten auf meinem Schreibtisch kann ich meine Tastatur kaum noch sehen. Gerade eben hat der Chef noch einen Stapel Akten gebracht mit dem Hinweis, dass die heute noch bearbeitet werden müssen. “Das schaffst du eh nicht.”, meldet sich mein Über-Ich. “Nie schaffst du das, was man von dir erwartet. Du bist einfach zu langsam und zu faul. Und die Hellste bist du auch nicht.”
“Ich kann nicht mehr”, sagt mein Es.” Die letzten Wochen gab’s zu viele Überstunden. Und privat wollte auch ständig jemand was. Ich will nach Hause und mich ausruhen. Am besten sofort. Sonst breche ich bald zusammen. Ein paar Tage Pause, die Decke über den Kopf ziehen, dann geht’s wieder.”
“Das darfst du nicht”, meldet sich wieder das Über-Ich. “Deine Pflichten gehen vor. Nimm dich nicht so wichtig. Andere schaffen das schließlich auch. Woher nimmst du dir das Recht zu jammern?”

Und ich? Ich sitze an meinem Schreibtisch, umgeben von Akten, die bearbeitet werden müssen. Innerlich zerrissen zwischen Pflichtbewusstsein und Selbstfürsorge. Verunsichert und an mir selber zweifelnd. So sitze ich da und versuche eine Entscheidung zu treffen. “Soll ich eine Kollegin um Hilfe fragen? Soll ich heute Abend ein paar Stunden länger arbeiten? Was ist richtig?” Und während ich da sitze und unfähig bin eine Entscheidung zu treffen, geht der Mittag in den Nachmittag über.
“Was soll ich tun?” Es ist, als hätte ich ein Engelchen und ein Teufelchen auf den Schultern sitzen. Es wird still auf dem Flur. Die Kollegen haben längst Feierabend. Ich schalte den Rechner aus. Lösche das Licht und gehe nach Hause. Ich habe nichts geschafft. Ich konnte mich nicht entscheiden, womit ich beginnen soll.
Ich gehe nach Hause und direkt ins Bett. Am nächsten Morgen spreche ich in der Firma auf den Anrufbeantworter, dass ich krank bin. “Die sind eh froh, wenn ich nicht da bin. Ich schaff doch eh nichts. Keiner wird mich vermissen.” Ich gehe wochenlang nicht zur Arbeit. Ich schäme mich. Irgendwann kommt die Kündigung mit der Post. “Ich wusste es ja, die brauchen mich nicht.”

Fotograf: Julia’s ƛƦϮ
https://www.facebook.com/JuliaSchmitterPhoto/
https://juliaschmitter.wixsite.com/julia-schmitter
Bildbearbeitung: Julia’s ƛƦϮ
Text: Britta Hohmann


(04.06.2017 – Weihnachten – die Herausforderung)

Project blowball 5

Weihnachten, das Fest der Liebe und der Familie – normalerweise ist der übliche „Weihnachtswahnsinn“ zwar anstrengend, aber auch schön, die ganze Familie zu sehen, das Leuchten in den Augen der Kinder zu entdecken, und den Zauber vom Christkind zu spüren.

Heuer war Weihnachten eine Herausforderung durch und durch! Seit der letzten Therapie ist Dominik sehr aufgewühlt. Er ist unruhig, „sein Rad dreht sich permanent“, wie er so schön immer sagt. Die „schlechten Tage“ überwiegen. Menschen sind ein riesengroßes Problem und man hat das Gefühl, er kommt nie zur Ruhe. In diesem Rad der Gedanken, Ängste und der Selbstisolation, das besinnliche Weihnachten zu finden und den Kindern ein wunderschönes Weihnachtsfest zu schenken – es bleibt an mir. Dominik hatte große Mühe für die Kinder „normal“ zu wirken.

24.12.2016 – Schon seit Wochen übt unsere Jungschar für das Krippenspiel für die Kindermesse. Unsere Große hatte die tragende Rolle eines Schafes. Sie freute sich darauf, war stolz, Teil davon zu sein. Nachdem die Kindermette aber immer gut besucht wird, die Kirche ist voll, musste Dominik zu Hause bleiben. Zu groß war die Angst vor der Menschenmasse. Die Angst davor, dass er danach den Heiligen Abend mit der Familie nicht mehr klar verbringen könnte. Die Enttäuschung war unserer Großen anzusehen, dass Papa nicht ihr Krippenspiel ansehen konnte. Am Weg zur Mette versuchte ich alles in meiner Macht Stehende, ihr die Enttäuschung zu nehmen. Sie war verständnisvoll, aber trotzdem enttäuscht. Ich versprach ihr, Papa alles im Detail zu erzählen und dass ihr Bruder und ich dafür doppelt laut applaudieren werden. Das Krippenspiel war toll und die ganze Kindermette war wunderschön und sehr weihnachtlich gestaltet, ein Hauch von Weihnachtsstimmung, die wir drei aufnehmen konnten.

Nach der Mette wurden wir auf Punsch eingeladen, aber auch das mussten ich zur Enttäuschung der Kinder ablehnen. Dominik wartete ja zu Hause auf uns. Als wir heimkamen, leuchteten endlich die Kinderaugen. Dominik hatte in der Zwischenzeit eine Lichterkette auf der Terrasse aufgehängt und eingeschaltet. Für unseren Sohn der eindeutige Beweis, dass das Christkind schon da war. Nachdem wir heuer nur zu viert Weihnachten feierten, da mein Vater krank wurde, war alles ruhig, fast ein bisschen zu ruhig für meinen Geschmack.

25.12.2016 – Dominik war schon seit der dem Aufstehen durch den Wind, ein richtig mieser Tag. Gerade heute, wo seine Familie eingeladen war. Die Vorbereitungen für das Weihnachtsessen beanspruchte mich, die Kinder waren vor lauter Vorfreude kaum zu zähmen. Zwischen 16:00 und 17:00 Uhr sollten seine Mama und Oma, sowie sein Bruder und dessen Freundin kommen. Dominik wurde immer angespannter und es ging ihm immer schlechter. Seine Oma und seine Mutter kamen als Erstes. Dominik ging es immer schlechter und ich hatte das Gefühl, irgendetwas tun zu müssen, um ihn wieder etwas „runter zu holen“. Unsere Große packte das Cello aus, um Oma und Uroma etwas vorzuspielen. Die Musik machte Dominik ein wenig gelassener. Um die Wartezeit auf Philipp und Eva zu überbrücken, packte ich die Gitarre aus, und als Beatrice mit dem Vorspielen fertig war, spielte ich Gitarre und sang mit den Kindern um die beruhigende Wirkung der Musik weiter leben zu lassen. Das funktionierte eigentlich gut, bis Dominiks Mutter und Oma vor Rührung zu heulen begannen. Der beruhigende Flow der Musik war zerstört. Junior war völlig verwirrt und verstand die Welt nicht mehr. Es ging einfach nur chaotisch weiter. Zwischendurch schaute ich immer zum Essen, die Kinder aufgeregt und hungrig, endlich kamen Philipp und Eva.

Nach der kurzen Weihnachtsfeier, die Bescherung. Die Kinder waren enorm glücklich über die Geschenke. „Jetzt noch das Essen servieren!“, dachte ich. Die Verwandtschaft plauderte gemütlich, Dominik saß daneben, irgendwie überfordert mit der Situation. Immer wieder holten mich die Kinder aus der Küche, brauchten Hilfe, oder wollten spielen. Ich beeilte mich mit dem Weihnachtsmenü und servierte die Suppe und danach die Hauptspeise. Jetzt endlich konnte ich nach dem Tisch abräumen, den Kindern den Wunsch erfüllen, und mit ihnen eines der Gesellschaftsspiele, die das Christkind gebracht hatte, spielen. Die Verwandtschaft unterhielt sich gut, nur Dominik machte mir Sorgen, denn er schien immer abwesender. Aber ich konnte mich nicht zerteilen und in erster Linie, musste ich den Kindern ein schönes Fest bereiten. Dominik musste warten.

Nach dem ersten Gesellschaftsspiel servierte ich die Nachspeise und kurz darauf verabschiedeten sich die Gäste. Wenn ich darüber nachdenke, habe ich glaube ich, keine fünf Sätze mit unseren Gästen gesprochen. Ich fühlte mich ehrlich gesagt etwas überfordert mit der Situation, aber ich habe es geschafft, trotz alle dem, den Kindern ein schönes Weihnachtsfest zu machen.

Am Abend überlegten wir noch lange hin und her, wie der nächste Tag werden sollte. Am 26. ist immer unser Familientreffen und meine Verwandtschaft ist groß, daher beschloss Dominik, zu Hause zu bleiben. Es war sozusagen, das kleinere Übel, denn alleine zu Hause zu sein, fällt ihm auch schwer. Ich musste also wieder den Kindern erklären, warum Papa heuer nicht mitfährt. Sie sind wirklich unglaublich verständnisvoll, aber man merkt, dass es ihnen nicht egal ist.

Auch die ganze Familie fragte mich natürlich, wo Dominik sei. Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen, die ich schon lang nicht mehr sah, waren da und ich versuchte einfach, den Nachmittag zu genießen, obwohl ich sehr angespannt war, da ich nicht wusste, wie meine Familie auf “Project blowball” reagieren würde. Dann geschah aber mein kleines persönliches Weihnachtswunder.

Als Erstes sprach mich meine Patentante an, die ihre Hilfe anbot und auch schon Ideen hatte, wie sie uns vielleicht helfen könnte. Sie fragte auch mich, wie es mir in der derzeitigen Situation geht – eine ungewohnte Frage, aber es tat gut.
Auch meine Cousinen und Cousins wollten plötzlich alles wissen. Sie hinterfragten vieles und auch diese überlegten sofort, wie sie uns helfen könnten, und sprachen mir viel Mut zu, um weiterzumachen.

Die psychischen Erkrankungen sind nicht nur Teil von Dominik, sie veränderten das Leben unserer Familie. Gerade Weihnachten konnten wir alle vier spüren, wie weit es Teil von unserem Familienleben ist und wie viel Kraft es kostet, den Kindern ein Stückchen „Normalität“ zu schenken.

Fotograf und Bildbearbeitung: Project blowball
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Text: Project blowball


(06.06.2017 – Depressionen)

HeartMirror Photography 17

Depressionen sind scheiße. Depressionen nehmen dir jede Lebensfreude und jede Hoffnung. Sie machen mutige Menschen von jetzt auf gleich zu verängstigten. Sie rau-ben dir den Schlaf oder lassen dich nicht mehr richtig wach werden. Sie nehmen dir den Appetit oder zwingen dich, alles in dich reinzustopfen. Sie lassen dich nicht mehr kon-zentriert denken, sie lassen dich aber auch nicht mit dem Denken aufhören. Sie gau-keln dir vor, deine Arme und Beine wären über Nacht mit Blei gefüllt worden. Sie be-haupten, dass Freunde und Familie genervt von dir sind. Dass die Bindungen, die du zu deinem engsten Umfeld hast, zerbrechlich sind. Und dass das deine eigene Schuld ist. Überhaupt, bist du schuld am ganzen Elend der Welt und stehst gleichzeitig komplett machtlos davor. Sie bringen dich tatsächlich dazu zu glauben, dass die Welt ohne dich besser dran ist. Das ist wohl das Schlimmste.

Es ist niemals leicht. Es ist sogar schwer, jeden Morgen eine Maske aufzusetzen, ohne die ich mich nicht unter Menschen traue. Die Maske der “normalen” jungen Frau, die gerade dabei ist, ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Es ist schwer, in der Schule aufmerksam zu sein, wenn man nur schlafen oder sich wenigstens verkriechen will. Wenn der Kopf einem sagt, dass das alles eh sinnlos ist. Es ist schwer, im Büro mit Menschen zusammenzuarbeiten und ständig Angst zu haben, als depressiver Mensch enttarnt und verurteilt zu werden. Schwer sich zu konzentrieren, wenn der Kopf mit Blei gefüllt ist. Wenn andere nachmittags nach der Schule oder Arbeit erst in den Tag star-ten, dann ist, meiner zu Ende. Weil ich die ganzen Eindrücke, Menschen, Stimmungen und Informationen aus 8 Stunden Schule oder Büro scheinbar nicht so verarbeiten kann wie andere.

Oft fühle ich mich deswegen schlecht und wertlos. Aber im Großen und Ganzen haben die Depression und ich einen Deal:

Sie darf da sein. Sie darf mich mein Leben lang begleiten, denn ganz verschwinden wird sie eh nie. Sie darf mich auch umwerfen, wenn es sein muss. Denn die Depression passt auf mich auf. Sie passt auf, dass ich mich und meine Gefühle ernst nehme. Sie passt auf, dass ich meine Grenzen respektiere und sie nicht ständig anderen zuliebe übertrete. Sie passt auf, dass ich den Kontakt zu mir selbst behalte. Und sie passt auf, dass ich mein Leben führe, und zwar so, dass es zu mir passt. Auch wenn das nie-mals in die Schublade “normal” passen wird. Ich bin halt anders. Wenn ich diese Re-geln nicht beachte, dann wirft mich die Depression um und hält mich am Boden. Und zwar so lange, bis ich verstanden habe, dass ich was ändern muss. Dass ich einen fal-schen Weg gewählt habe, den ich korrigieren muss. Und bis es wieder in meinen Kopf ist, dass dies MEIN LEBEN ist und es auch nur mich etwas angeht, wie ich das gestal-te.

Von daher: ja, Depressionen sind scheiße. Aber meine hat wenigstens eine Funktion. Ich musste nur erst lernen, ihre Sprache zu verstehen.

Verstehst du deine?

Fotograf und Bildbearbeitung: HeartMirror Photography
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Text: Britta Hohmann
Model: Chrissy Gaß

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