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(11.07.2017 – “Ich”)

Benjamin Brocks Model Maria Graufrauchen

Ich bin eine Perfektionistin, zumindest versuche ich alles perfekt zu machen, schaffe es im Regelfall allerdings nie. Jeden Tag versuche ich, meinem Umfeld zu imponieren. Jeden einzelnen, noch so unscheinbaren Menschen, möchte ich in irgendeiner Form glücklich machen, um wenigstens für einen Moment, ernsthaft und wahrhaftig, geliebt und akzeptiert zu werden. Einen Charakter durfte ich nie entwickeln. Jeden Tag eine andere Person, abhängig vom Menschen, der mich umgibt. Wie ein Chamäleon passe ich mich dem Menschen an, denn wäre ich „ich“, würde ich weiterhin verachtet, ausgetauscht, oder verlassen werden.

Ich bin ein Funktionsgegenstand, der nicht fehlerfrei funktioniert. Die Reparatur wäre entschieden zu teuer, der Umtausch folgt schnell. Verstecke mich hinter Fassaden, bin nicht echt?! Ich lebe nicht, ich existiere nur. Meine Seele ist bereits Tod, doch leider verursacht sie, noch immer, Schmerzen in mir. Mich zu ersetzen ist leicht, mich zu behalten nie möglich. Ich überbrücke die Zeit, bis das „Bessere“ greifbar ist. Dann mache ich Platz. Doch erhoffe ich täglich nur ein einziges Mal, besser zu sein, wie das „Bessere“. Ich werde fehlerfrei funktionieren, werde hart daran arbeiten, nur so werde ich jemals Liebe erfahren.

Ein einzelner Fehler lässt mich den Kampf verlieren, die Schlacht von mir, gegen mich selbst. Ich brauche den Einen, der mich zu lehren versucht, der mir Anweisungen gibt, um richtig zu handeln. Der Eine, der mir Charakter verleiht, der mich, für ihn, unersetzbar macht. Verlässt ein Wort zu viel meine Lippen, hasse ich mich und schlag mir in die Rippen. Denn niemand versteht was in mir geboren kleine, fiese, hässliche Dämonen. Täglich versuche ich Außergewöhnliches zu erreichen, um nicht mehr ersetzt werden zu müssen. Aus der Menge möchte ich herausstechen, nicht weil ich anders bin, für meine Taten!

Menschenmengen meide ich weiträumig. Mehr wie einen Menschen ertrage ich nicht. Denn bei so vielen Menschen auf einem Haufen gehe ich absolut unter. Will ich gesehen werden, übersehen mich alle. Wäre ich gern unsichtbar oder im Erdboden versunken, sehen sie mich. Bin ich nervös, beginn ich zu stottern. Naja, wohl eher, breche ich hier und da mal einen Buchstaben aus, bevor ich beginne zu schweigen. Es ist der eine Mensch, der mein Leben bestimmt, mich führen und befehligen wird. Es ist der Eine, der mir gegenübersteht, denn er ist, wenn auch nur für den Moment, mein Besitzer. Ich habe gelernt, mich unterzuordnen. Das ist okay. Mich hört sowieso keiner. Dumm kommt man eben wesentlich weiter.

Mein Wille ist schon lange Zeit gebrochen, meine Augen sind leer, meine Seele zersplittert, ein leerer Körper trägt mich durch den Tag. Ich habe längst aufgegeben, meinen Körper zu schützen. Fühl mich gefesselt, eingeengt und unrealistisch. Fast glaube ich, ich bin in einer schlechten Realityshow. Dass gute im Menschen ist nicht existent. Nichts anderes als ein Hirngespinst, eine weitere Lüge oder ein Glaube. Denn wenn es darauf ankommt, rettet sowieso jeder nur seinen Arsch. Vielleicht werde ich bestraft, weil ich keinen Glauben besitze, immer misstraue und Intrigen vermute.

Doch ist mein Leben nicht schon Strafe genug?
Habe ich denn nicht schon genug leiden müssen?
Bin ich denn wirklich ein solch schlechter Mensch?

Ist auch egal. Vielleicht bin ich einfach zu engstirnig oder zu streng mit dem Leben.Vielleicht ist es auch alles normal. Du willst meinen Körper? Nimm ihn dir. Doch bitte, ich flehe dich an, gib mir einen kleinen Teil deiner Liebe, einen winzigen Halt, ein kleines Fünkchen Hoffnung und Sicherheit, ein Steinchen in meiner Flut von Emotionen, dass wünsche ich mir von dir. Nimm mir nur ein wenig Schmerz von der Seele und du darfst mit mir machen, wonach es dir auch immer gelüstet.

Ich bin die Fehlproduktion in diesem Leben. Halb Tod, halb lebendig, halb Maschine, halb Lebewesen, mein Körper ist nicht mehr mit meiner Seele verbunden. Ich versinke in einem Meer voller Blut, um diesem miesen Verräter, der Realität, den Rücken zu kehren. Freude oder Momente des Glückes waren mir nie gegönnt. Emotionen zeigen, durfte ich nicht. Wie sehr ich mir wünsche, jemand würde auch mich einmal, aus freiem Willen, überraschen oder eine Freude bereiten wollen. Es ist selbstsüchtig und unverschämt mir, so etwas zu erhoffen.

Ich lächle, dabei zerreiße ich innerlich.
Ich möchte schreien, doch schweige ich.
Ich möchte weinen, doch ich darf keine Schwäche zeigen.
Ich möchte erklären, doch niemand versteht mich.
Ich rede, doch zugehört wird mir nicht.
Mag ich allein sein, bin ich es nicht.
Muss ich allein sein, mag ich es nicht.
Ich möchte Nähe, doch stoße sie ab.
Möchte nach Hause, doch möchte ich weg.
Ich wirke so dumm, doch bin ich es nicht.

Kein Problem, ich schaffe das schon. Es tut nicht mehr allzu sehr weh. Den Schmerz kenne ich bereits. Ich kann damit umgehen. Ich entschuldige mich für meine Vergangenheit und die darin entstandene Erkrankung. Ich entschuldige mich für die Eigenschaft weiter zu denken, wie andere. Ich entschuldige mich für meine sensible Wahrnehmung. Auch entschuldige ich mich für meine Emotionen. Es tut mir leid. Ich habe es mir nicht aussuchen dürfen. Ich entschuldige mich für den Drang den Menschen die Augen zu öffnen und auch das mein Interesse an ihnen nicht gespielt ist. Es tut mir von Herzen leid.

Ich wünschte so sehr, nicht mehr zu fühlen, einfach zu denken, nicht nach- oder umzudenken. Ich wäre gern so gefühlskalt und blind, so einfach gestrickt wie der Rest der Gesellschaft, eben “normal”. Wer kam nur auf solch eine absurde Idee, ein solch diskriminierendes Wort zu erschaffen? Und vor allem … Wer gab diesem Menschen das Recht, einen Maßstab für Normalität und UN-Normalität zu erstellen? Was ist denn schon normal in dieser kranken, kaputten Welt? Was wäre, wenn wir Borderliner als normal gelten würden, weil wir die Augen nicht verschließen, vor den totgeschwiegenen Themen dieser Gesellschaft? Weil wir erkennen, wie krank diese Welt wirklich ist.

Doch der Staat möchte keine Rebellion, somit werden wir eben als dumm und unnormal betitelt. Klar, das ist das Denken der Normalen, geradeaus ohne nach- oder umzudenken. Hauptsache leicht und bequem irgendwie ins Ziel schlendern. Die Menschen sind besessen von Hass, Neid, Gier, Heuchlerei, Gelüsten, Gewalt, Betrug und Lügen. Falsches Interesse aufgrund von Neugierde. Kommt es darauf an, retten sie nur ihren eigenen Arsch, weil es – verdammt noch mal – alles Egoisten sind. Jeder lebt nur für sich, Probleme werden bewusst ignoriert, Hintergrundgeschichten werden nie in Erfahrung gebracht. Es interessiert nicht einmal jemanden!

Ach ja, hab ich völlig vergessen, wir sind es ja: die kranken, unnormalen, gestörten Psychos. Wir handeln eben genau andersherum, denken nach, über alle Ecken, wägen ab und handeln dann. Gestraft werden wir mit Intoleranz, Ignoranz, Gelächter und Verständnislosigkeit. Für sämtliche Schändungen unseres Körpers und die dreckigen Fantasien, der ja so normalen, gesunden Menschen sind wir, gerade noch, gut genug. Das ist sehr großzügig, dass wir wenigstens diesen einen Nutzen bekamen.

Schweige ich, bin ich dir zu ruhig,
Rede ich, bin ich dir zu laut,
gehe ich, “vermisst” du mich,
bleibe ich, übersiehst du mich …
Liebe ich dich, bin ich dir zu anhänglich,
hasse ich dich, bin ich zu anstrengend,
Schlafe ich bin ich nutzlos und faul,
bin ich wach mache ich zu viel …

Jeder Mensch ist ein Individuum! Doch alle, außer uns Borderlinern , haben einen ganz persönlichen Maßstab, an dem sie die Menschen zum Tode verurteilen! Nie ist auch nur ein Mensch, zufrieden mit mir. Wenn ich bemerke, im Weg zu stehen, werde ich Platz machen. Mache ich etwas von Herzen, wird es zu meiner Pflicht. Alles wird, irgendwann einmal, zur Selbstverständlichkeit. Es wird einfach, so wie es ist, hingenommen. Kein danke, kein bitte, kein Lob, keine Emotionen, doch ich soll hier die Erkrankte sein.

Fotograf und Bildbearbeitung: Benjamin Brocks
https://www.facebook.com/benjaminbrocks.mv
Text: Maria Graufrauchen
Model: Maria Graufrauchen
https://www.facebook.com/maria.graumann.7


(12.07.2017 – Hallo du!)

HeartMirror Photography 23

Du glaubst, Depressionen sind Einbildung? Vertrittst die Meinung, dass man sich halt zusammenreißen muss? Dass ein Mensch, der Wohnung, Job und vielleicht sogar Beziehung oder Familie hat, sich mal nicht so anstellen soll? Dass das Leben nun mal kein Ponyhof ist? Und Glück einem halt nicht in den Schoß fällt?
Kennst du diese Tage, (meist sind es Sonntage), an denen du nichts auf die Reihe bekommst?
Du warst vielleicht den Abend vorher raus, hast auch was getrunken. Nehmen wir mal an, du hast einen dicken Kater. Du stehst also irgendwann auf, und es fällt dir entsetzlich schwer. Beim bloßen Gedanken an Frühstück wird dir schlecht. Das Einzige, wozu du dich an diesem Sonntag imstande fühlst, ist auf der Couch zu liegen und dich von Netflix und Co. berieseln zu lassen. Stundenlang, mit kleinen Nickerchen zwischendurch. Verabredungen verschiebst du besser auf einen anderen Tag. Mit ein bisschen Glück schaffst du es bis zum Abend, deinem Magen wenigstens ein bisschen feste Nahrung zuzuführen.
Und jetzt stell dir vor, Montagmorgen klingelt der Wecker und du fühlst dich nicht besser. Du musst eigentlich zur Arbeit, aber es geht einfach nicht und du meldest dich den Tag krank. Hängst noch einen Netflix Tag dran. Und nun stell dir vor, es wird nicht besser. Tagelang, wochenlang, monatelang. Und je länger es dauert, desto schlimmer fühlst du dich. Abstoßend und wertlos. Wie man sich halt fühlt, wenn man gern am normalen Leben teilhaben möchte, es aber einfach nicht kann.

Hast du das Gefühl? So ungefähr?
Gut. Ungefähr das sind Depressionen.
Also denke an dieses Beispiel, bevor du das nächste Mal eine blöde Bemerkung über einen Menschen machst, der unter Depressionen leidet.
Wer weiß, ob du nicht der Nächste bist.

Fotograf und Bildbearbeitung: HeartMirror Photography
https://www.facebook.com/heartmirror.photography/
Text: Britta Hohmann
Model: Chrissy Gaß


(13.07.2017 – Die Dunkelheit)

Frozen Moment Photographie Modelpage- Tatjana B.

Die Sonne scheint, doch ich verkrieche mich vor ihr. Ich habe Menschen um mich, die mir sagen, dass ich ihnen wichtig bin, doch wehrt sich mein Körper dagegen, dies zu glauben. Ich verkrieche mich. Ich werde geliebt, doch stelle dies infrage. Ich gebe Menschen den Halt, den sie benötigen, und bringe sie zum Lachen, doch bei mir regt sich keinerlei Gefühl. Ich fühle mich leer und lebe im Dunkeln. Kraft für andere kann ich schenken, doch bei mir bin ich überfordert. Ich fühle mich allein, auch wenn Menschen um mich sind.
Ich fühle mich im Dunklem gefangen. Gelähmt von meiner Depression. Durchlebe jede Nacht die Vergangenheit aufs Neue. Habe Angst einzuschlafen, denn es fühlt sich so real an. Ich schaffe es nicht, notwendige Termine für mich wahrzunehmen. Fühle mich eingesperrt in mir selbst, wo es so dunkel ist. Es kostet so viel Kraft aufzustehen, und den Tag irgendwie zu bewältigen. Nichts macht mir mehr Freude. Mein Kopf und die Schultern sind gesenkt, denn es liegen die Steine des Lebens darauf.

Fotograf und Bildbearbeitung: Frozen Moment Photographie
https://www.facebook.com/FroMom/?fref=mentions
Model: Modelpage- Tatjana B.
https://www.facebook.com/tatjanabaunmodelpage/
Text: Modelpage- Tatjana B.


(18.07.2017 – Fliegen)

Mary Lou

Früher sind wir zusammen geflogen, ich trug Dich, weil meine Flügel stark waren. Lange habe ich Dich getragen, weil ich es wollte und konnte. Immer wieder zog ich Dich in die Lüfte und zeigte Dir die Welt. Ich tat es gern, immer wieder startete ich in Richtung Himmel und nahm Dich mit. Eines Tages verließ mich die Kraft, ich konnte kaum alleine starten. Ich hab Dich nicht vergessen, sondern gehofft, dass Du gelernt hast alleine zu fliegen. Doch ich flog alleine, Du schautest sehnsüchtig hinter mir her, unternahmst keinen Versuch mir zu folgen. Wie sehr habe ich gehofft, wie sehr habe ich mich angestrengt, bis die letzte Kraft mich verlassen hatte und ich am Boden blieb, selbst keinen Aufwind verspürte, um zu starten. Als ich nicht die Flügel heben konnte, um selbst wieder zu fliegen.

Heute unternehme ich immer wieder Startversuche, meist geht es ein paar Meter hoch, um dann erschöpft zu landen. Ich kann mich kaum selbst tragen, zu viel Kraft hat es gekostet, Dich zu tragen. So gern ich es wollte und Dich mitnehmen möchte, Du musst alleine mit Deinen Flügeln schlagen und lernen, wie man fliegt. Beweg die Flügel und fange an zu fliegen, Du wirst unsanft landen, wenn Du es deshalb nicht versuchst, wirst Du nie alleine fliegen. Du wirst es nicht beim ersten Mal schaffen, Du wirst üben müssen. Wenn Du öfter fliegst, vielleicht werden deine Flügel so stark, dass Du jemanden tragen kannst. Versuch es, denn ich glaube Du kannst fliegen.

Fotograf: Mary Lou
Bildbearbeitung: Mary Lou
Text: Daniel Wagner
https://www.facebook.com/tagebuchdervergangenheitwenndasge…/


(23.07.2017 – Wenn der Nebel sich lichtet …)

SilentHarmony Photography 4

… dann kommen die Farben des Lebens zum Vorschein

Was einst tiefschwarz, verblasst zu einem grau und eines Tages, wenn Du es zulässt, wirst Du die Welt mit all ihren Farben, neu entdecken. Es ist mühselig, nicht ständig zurückzublicken, auf all die Dinge welche geschehen sind. Es ist schmerzhaft und den größten Kampf führst Du mit Dir ganz alleine. Du bist der Mensch, der etwas daran zu verändern vermag, einige andere können Dich lediglich auf diesem Weg begleiten. Auch wenn es aussichtslos erscheint und dieser Weg voller Widrigkeiten ist, wenn Du nicht anfängst, wird es bleiben wie es ist. Das Leben ist Veränderung und nicht Stillstand. Wenn Du mich fragst, ob er sich lohnt? Ja, ganz schlicht und einfach.

Auch wenn es Dich zwischendurch zurückwirft, blicke auf jenes zurück, was Du bisher schon erreicht hast. Versuche nicht ständig, nach Perfektion zu streben oder es allen anderen recht machen zu wollen. Versuche lieber Dich selber zu akzeptieren, mit allem was Du bist …

… dann wirst Du irgendwann, diese Schönheit der Farben sehen.

Fotograf und Bildbearbeitung: SilentHarmony Photography
https://www.facebook.com/SilentHarmonyPhotography/
Text: Feli Dae


(25.07.2017 – Entscheidungen)

RAWfeelings Photography by Alex Apprich Model Anna

Oft treffen wir Entscheidungen, die andere nicht verstehen, die keiner nachvollziehen kann und die jeglicher Logik widersprechen.
Und wenn wir ehrlich sind, dann können wir unsere Gründe gar nicht richtig erklären. “Weil es sich richtig anfühlt”, ist wohl die häufigste Erklärung in so Situationen. Manchmal ist das der Punkt, an dem selbst die Menschen, die uns sehr nahe stehen, endgültig an unserem Verstand zweifeln. Und ja, oft stellen wir dann auch fest, dass es vielleicht nicht unsere beste Entscheidung war.

Aber ist das schlimm? Ist es nicht eigentlich gut, auf seine Gefühle zu hören? Ist es nicht gerade das Problem, dass so viele das nicht mehr können, dass etliche ihre Gefühle gar nicht mehr fühlen?
Unsere Gefühle lassen uns Wege gehen, deren Pfade noch nicht ausgetreten sind. Vielleicht sogar Wege, die noch nie ein Mensch gegangen ist.

Und was passiert dann? WIR LERNEN UND WIR LEBEN! Und drehen zur Not halt um und suchen uns einen anderen Weg, treffen eine andere Entscheidung. Manchmal dauert das halt seine Zeit.
Wie entwickelt sich die Menschheit weiter, wie kommen neue Fortschritte zustande? Indem Menschen auf ihr Gefühl hören, und nicht tun, was alle machen.
Wer trifft also die “schlauere” Entscheidung? Kopf oder Gefühl?

Fotograf und Bildbearbeitung: RAWfeelings Photography by Alex Apprich
https://www.facebook.com/RawFeelingsPhotography/
Text: Britta Hohmann
Model: Anna


(26.07.2017 – Liebe Depression)

Andrea Kisslinger Photography Model Anouck Arrigon

Du bist schon fast mein ganzes Leben lang bei mir, machst täglich einen grauen Novembertag aus meiner Welt, der ich am liebsten entfliehen möchte. Aber Du wurdest noch schlimmer, dabei ist auch was Gutes dran, denn für mich war arbeiten das Wichtigste in meinem Leben und das ist nicht mehr so, nein jetzt bin ICH das Wichtigste für mich und gleich danach kommen mein Mann, meine Tochter und mein Enkel!
Du hast mir nicht alles genommen, sondern alles gegeben!!!!!
OK, diese Zeit der sehr schweren Depressionen war alles andere als leicht, aber wer sagt, dass das Leben und Lernen leicht ist?
Nach einem ziemlich schweren Weg wurde ich am Gehirn operiert und mir geht es wieder etwas besser. So wie es jetzt ist, ist es zwar nicht gut, aber im Verhältnis zu den fünf Jahren, die ich so leiden musste, ist es wie auf einer Sommerwiese mit Schmetterlingen und Hummeln!
Ich weiß Du wirst mich niemals verlassen, aber ich bin auch sehr treu und irgendwann werde ich Dich vielleicht mögen?

Deine Mary Lou

Fotograf und Bildbearbeitung: Andrea Kisslinger Photography
https://www.facebook.com/andreakisslingerphotography/
Text: Mary Lou
Model: Anouck Arrignon


(27.07.2017 – Es ist so leer in mir)

Lichterspiegel-Foto Model Son la Belle

Ich suche mich, doch wer bin ich? Ich spüre nichts und bin so müde. Die Freude fehlt, es ist so grau. Das Leben zieht an mir vorbei. Was kann ich tun? Das Leben lähmt mich. Im Geiste träume ich davon, dem Leben bunt zu begegnen. Doch alles, was ich sehe ist schwarz. Ich fühle mich unter Menschen unwohl, doch raffe mich mit letzter Kraft auf. Kümmer mich um Menschen, die mich brauchen. Lächel und sage jedes Mal, dass es mir gut geht.
Kaum jemand darf in mein Inneres schauen, denn mein Vertrauen wurde zu oft verletzt. Wer bin ich? Ich falle und falle jede Nacht tiefer ins schwarze Loch, doch den Boden erreiche ich nie. Wohin will mich das Leben führen? Welche Prüfungen muss ich bestehen? Ich möchte trauern, irgendetwas spüren, doch hat mein Körper verlernt zu weinen. Ich spüre mich nicht und stehe neben mir. Aus Schutz oder kommt dies irgendwoher? Ich flüchte vor mir, doch ich weiß nicht wohin.

Fotograf und Bildbearbeitung: Lichterspiegel-Foto
https://www.facebook.com/LichterspiegelFoto/
Text: Marie Seele
Model: Son Ia Belle
https://www.facebook.com/SoniaBelle.by.Sonia/?pnref=lhc


(28.07.2017 – Phoenix)

Headlight Pictures Model Lady of Sunshine 2

Das Feuer ist der Asche gewichen und in der vergangenen Hitze ist nur noch leichte Wärme zu spüren. Dunkelheit umgibt das einstige Lagerfeuer, als sich im Kern der Brandstelle ein feuerrotes Leuchten zeigt. Schnell wird das Leuchten größer und ein rotes Schimmern durchdringt die Dunkelheit. Aus der Asche erheben sich Flügel und mit leichten langsamen Bewegungen wird die Asche durch die Luft geweht. Der Flügelschlag wird stärker und das Leuchten wird zu einem Feuer. Wie Phoenix aus der Asche möchte ich sein, aufsteigen, kraftvoll und majestätisch. Beängstigend und wunderschön, Tod geglaubt und doch nur Kraft getankt. Gefallen und liegen geblieben um auszuruhen und nicht um liegen zu bleiben. Eindrucksvoll zurückgemeldet und wider erwarten aufsteigen in den blutrot gefärbten Himmel. Ich bin ein Phoenix auferstanden aus der Asche …

Fotograf und Bildbearbeitung: Headlight Pictures
https://www.facebook.com/headlightpictures/
Text: Daniel Wagner
https://www.facebook.com/tagebuchdervergangenheitwenndasgestern/
Model: Lady of Sunshine


(29.07.2017 – Schleichend fallend)

Beate´s Photographie Model Anna Lena Engel

Funktionieren, tagein, tagaus. Immer schneller, höher weiter. Die Tage scheinen kein Ende zu haben. Es ist nie genug. Niemals ist es genug. Du erklimmst in deinen Gedanken ganze Felsmassive, schürfst dir die Haut auf, blutest deine Menschlichkeit aus. Tropfen für Tropfen, auf der Jagd, die Spitze von allem zu erreichen. Dabei ist ungewiss, was alles überhaupt ist. Einsamkeit wird dein Freund. Die aus Fleisch und Blut und Gefühl verstehen dich längst nicht mehr. Dein Fokus so verschoben, Verständnislosigkeit auf all deinen Wegen. Und doch hält dich keiner auf. Immer weiter voranpreschend, wilde Maschine, von Hast und Muss getrieben. Die Veränderung ist längst da und doch so unbemerkt. Siehst sie nicht. Schmeckst sie nicht. Keine Schmerzen. Nur diese Ahnung im Inneren, dass die Maschine Mensch langsam aus dem Takt gerät. Schweigen.
Niemand darf wissen, während du verbissen nach oben strebst, wie die Zweifel nagen. Wer ist man? Warum? Wo geht es hin, welchen Sinn hat es denn? Und es lärmt die alte Litanei des Althergebrachten: Du musst. Du sollst. Gib Acht, dass die Funktionen erfüllt sind. Befriedige alle, nimm dich dabei aus. Renne im Strom, halt dich an die Richtung. Falle nicht auf. Tagein. Tagaus. Dem Gipfel entgegen. Die Kräfte schwinden. Der Kopf so voll, so leer, betrübter Sinn. Grau im Blick, alle Farbe ausgewaschen. Und dann kommt der Gipfel. Das Ziel. Welches Ziel? Plötzlich ist die Leere da. Die Sonne küsst den Horizont, nimmt Verstand und Sinn und Freude mit sich. Versinkt im blutigen Abendrot. Was soll es nun? Was soll nun werden? Und mit einsetzen der Dämmerung, beginnt der Fall. Stetig bergab, rasend schnell. Die Maschine außer Betrieb, rollend, unaufhaltsam. Ein rollender Stein.

Fotograf und Bildbearbeitung: Beate´s Photographie
Text: Peggy Axmann
Model: Anna Lena Engel
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