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(13.10.2017 – Die Stimme)

Torsten Gädcke Model Bremer

Da ist sie wieder diese Stimme im Kopf, die sagt, man ist dumm, hässlich und zu nichts zu gebrauchen.
Alles, was man geschafft hat, erscheint klein, nichtssagend.
Man geht raus und lächelt, überspielt den eigenen Schmerz.
Und die Stimme wird immer lauter, schreit einen fast entgegen, feixt mit einem hässlichen Lachen und weidet sich an der Scham, die man empfindet.
Wieder was nicht geschafft, wieder einen Termin vergeigt, wieder nicht gut genug gewesen …
Es ist vollkommen egal, ob man selbst wirklich daran schuld ist, die Stimme dringt so tief ein, dass es gar keine andere Möglichkeit gibt …
Die Tränen kommen, man verkriecht sich, will nicht gesehen werden.
Das Innerste besteht aus Schmerz und Scham.
Jedes noch so kleine Versagen kommt an die Oberfläche und nährt das schwarze Loch, das nun da ist.
Man steht auf und versucht weiter zu gehen. Bei der nächsten Hürde bleibt man stehen und überdenkt, soll man das Risiko eingehen?
Das schwarze Loch ist hässlich und zeigt einem die Bilder, dass man bei ähnlichen Situationen schon mal versagt hat.
Man kehrt um, denn die Gewissheit, dass man es nicht schafft, bewertet man bei 1000%. Das geht so lange, bis nur noch Hürden um einen sind. Das schwarze Loch ist riesig, die Verzweiflung groß, die Wände glatt. Kein Halt, kein Licht, keine Hoffnung. Man kämpft und kämpft, doch die Kraft schwindet, bis nur noch ein Wunsch besteht, Erlösung.
Erlösung von dem Schmerz, der Scham, der Erniedrigung, den Blicken, der Stimme.

Fotograf und Bildbearbeitung: Torsten Gädcke
https://www.facebook.com/tgaedcke
Text: Kat Rin
Model: Bremer
https://www.facebook.com/BibisMomente/


(11.10.2017 – In der Dunkelheit der Einsamkeit)

RT Lichtbild Fotogfrafie

In der Dunkelheit der Einsamkeit ist es manchmal sehr schwer, den Weg ins Licht zu finden. Die Erfahrungen, die man im Leben gemacht hat, meist die schlechten, schließen die Seele ein in einen Käfig.
Es ist schwierig seine Gedanken und seine Gefühle in ein ,,gemeinsam“ zu bekommen und nicht in ein ,,jedes für sich.“ Die Traurigkeit, die Müdigkeit, die Einsamkeit, die Leere, das Verlassen sein, das gebrochene Herz scheinen manchmal viel mächtiger und kräftiger zu sein als die schönen Dinge.
Aber wenn man anfängt, die kleinen Dinge im Leben zu genießen und sie zu einem schönen, großen, wunderbaren ganzen zu sammeln.
Dann können auch die unbeachteten Kleinigkeiten auf einmal als etwas unglaublich Großartiges erscheinen.

Nicht das Schlechte macht mich aus, sondern das, was ich versuche, aus dem Guten zu machen.

Fotograf und Bildbearbeitung: RT Lichtbild Fotografie
https://www.facebook.com/rtlichtbild/
Text: Jette von Stürmer


(10.10.2017 – Zwischen dem Nichts die Hoffnung)

MZ-Art Model Beta Carotin

Das unerträgliche Sein hat die Zweifel der eigenen Existenz gesät. Der Wind hat Kummer und Leere herangetragen, Nährboden für die verlorenen Gedanken. Unkraut wuchert überall. Rankt sich unaufhaltsam tastend durch alles, was einst wichtig war. So nichtig. So unbedeutend. So allein. Das Dickicht nimmt mehr und mehr Raum, sprengt die Grenzen und kapselt ein. Alles zugleich, mit der Machtlosigkeit im eigenen Angesicht.Schweigend verharren, bis das Gestrüpp die Kehle besetzt, mit Wurzeln umsetzt. Fester Würgegriff.
Alles so kalt, so leer, wo ist das Leben nur geblieben? Wo ist es? Ist es noch? Da, zwischen den giftigen Ranken, den Dornen ums Herz, den stinkenden Blüten im Kopf? Ist es noch? Kaum etwas ist geblieben. Alles fort, gegangen, tot. Fortgeschickt mit bösem Wort. Gegangen, überfordert und blind. Tot, geliebt und gelebt. Worte, Sätze, nur noch leere Hülsen. Versuchen zu erklären, was nicht erklärbar ist. Zu bekunden, was nicht sein darf. Schreie sind stumm, der Mund verklebt und trocken.
Die Augen so müde über die stumpfen Lichter der Welt. Innen – außen, alles ist eins. Kalt und trostlos und öde. Bis in der Nacht, dieses leise Stimmchen flüstert. Zaghaft, zwischen den Wurzeln der wuchernden Pest. Weinen. Tränen längst verlorener Träume sickern heiß aus Augen, die vergessen haben, wie funkeln geht. Verlernt haben, was Farben sind. Feuchte Zeugen dessen, worüber so lange Schweigen war. Man sieht es. Außen sieht es, hört es, bemerkt. Irgendeiner. Irgendwer. Hilfe.
Das eine Wort, das den Spaten tief ins verholzte Wurzelwerk treibt. Kleine Quelle frischen Wassers, trage den Schmutz hinfort. Reden. So viel Reden, mühsam. Anstrengend. Gift in den Mund, gegen das Gift im Kopf. Langsam geht die Sonne auf. Tautropfen auf nasser Wiese. Welch silberner Glanz. Der Augenblick, in dem sich ein Mundwinkel hebt. Zaghaft, der Bewegung so unvertraut. Lächeln. Es ist nicht tot. Die Seele ist. Man ist. Grüß mir die Sonne, möge sie im Inneren, wärmen, was noch da wohnt.


(04.10.2017 – Als ich schwieg)

Luigi Bilancio Photography

Zu Zeiten, wo ich noch geschwiegen habe, hatte ich diesen unbeschreiblichen Druck. Es hat mich innerlich so schwer gemacht, das ich es kaum ausgehalten habe. Zu der Zeit, konnte ich auch nicht weinen, das heißt, der Knoten konnte nicht platzen. Irgendwann wurde der Druck so stark, das ich für mich richtige Schmerzen verspürte.

Dann kam der Tag, an dem sich alles änderte..alle Bescheid wussten, und hinter meine Fassaden schauen konnten. Ich schämte mich, und hatte oft den Gedanken. „Warum bin ich noch hier, dann hätten sie nicht alle diesen Kummer wegen mir!“

Doch ich merkte schnell, das sie alle für mich da waren, ohne wenn und aber! Sie zeigten mir, das wir jeden Weg gemeinsam meistern können, auch wenn es nicht leicht wird. Ich wurde leichter, und der Druck/Schmerz wurde was kleiner. Von da an war mir klar, das ich offen über alles sprechen werde.

Jahrelang habe ich alles allein ausgehalten, irgendwie versucht weiter zu leben. Und dabei habe ich alles liebe Menschen in meinem Leben, die für mich da gewesen wären. Auch wenn sie vieles nicht verstehen.. aber sie hätten mich gehalten!

Fotograf und Bildbearbeitung: Luigi Bilancio Photography
https://www.facebook.com/profile.php…
Text: Dini
Model: Roberta Capasso
https://www.facebook.com/roberta.capasso.35?fref=mentions


(01.10.2017 – Seelentod)
(TRIGGERWARNUNG Suizidversuch)

Horst von Bär

Weißt Du, wie es sich anfühlt, wenn die Welt sich abkühlt? Kannst Du Dir denken, wohin sich Gedanken lenken, wenn Du willst, nicht mehr sein? Weißt Du, wie es wie es ist, wenn Dich niemand mehr vermisst. Weißt Du, wie es ist, wenn Du Dich aus dieser Welt verpisst? Ich werde es Dir sagen, nein Du brauchst nicht fragen. Ein tiefes Loch in manchen Herzen, nur Du denkst, die Welt kann das verschmerzen. Was für Dich so einfach war, wird den anderen nicht so klar. Trauer tragen schwarze Kleider und an Deinem Grab stehen keine Neider. Da stehen Menschen so wie ich, wirst dann ganz schön vermisst. Vorwürfe und nicht verstehen, dass wir haben nicht gesehen, dass Du wolltest, einfach gehen.
Waren doch stets für Dich da, denkst Du grad an Herrn Papa? Wenn Du gehst, vergiss das nicht, Trauer steht in seinem Gesicht. Was er nie wird dann verstehn, warum wolltest Du vor ihm gehen. Und vor Gram sein Herz wird kalt, glaube mir, er wird nicht alt. Deine Mutter, egal wie sie ist, Dich dann spätestens vermisst. Wink nicht ab, lass es Dir sagen, dafür brauch ich sie nicht fragen. Deine Schwester aufgepasst, es gibt niemanden, der Dich hasst. Alle stehen an Deinem Grab und es wird nicht helfen flehen, auf den Wangen siehst Du Tränen. Diese Tränen glaube mir, verlässt Du uns, sie gelten Dir. Heute, hier und jetzt, ich sage Dir, wir stehen alle gern zu Dir. Doch Du denkst, Du bist allein, lässt kaum jemanden in Dein Leben rein.

Eines solltest Du noch wissen, Du darfst Dich nicht so verpissen. Ist die Welt auch gerade grau, schau mal auf den Morgentau. Riech doch mal, wie Rosen duften, schau doch mal, wie Sterne leuchten, sieh, wie sich die Wangen befeuchten. Diese Tränen sagen Dir, lebe endlich im Jetzt und hier.

Fotograf und Bildbearbeitung: Daniel Wagner
https://www.facebook.com/tagebuchdervergangenheitwenndasge…/
Text: Daniel Wagner

 

2 thoughts on “Artikel

  1. Was für ein toller Blog! Danke für deine Offenheit. Oft sehe ich in deinen Texten wie in einen Spiegel. Das ist genau das, was wir brauchen. Raus aus dem Stigma, denn wir machen uns doch selbst schon genug Vorwürfe. Darum zu kämpfen, das ist etwas, wozu es sich zu leben lohnt. Mach weiter, bitte.

    1. Hallo Frances.
      Danke für Dein Kompliment. Hinter Dirk Ludwigs Projekt „Gib Depressionen ein Gesicht“ steht natürlich ein ganzes Team und sehr viele großartige Menschen stellen uns ihre Texte und Bilder dafür zur Verfügung. Ihnen allen ist es mit zu verdanken, das Gib Depressionen ein Gesicht so besteht, wie es ist. Wir werden uns weiterhin große Mühe geben und viel Herzblut investieren, um unsere Unterstützung zu geben und bei der Entstigmatisierung zu helfen. LG

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