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(21.09.2018 – Der Blick)

Die Frau hadert mit dem Blick zurück und der Blick voraus macht Angst.
Verpasste Gelegenheiten, die Angst niemals anzukommen.
Wer ist sie nur? Hat sie sich verloren, oder nie gefunden?
Heimatlos traurig. Stets auf der Suche. Sehnsüchtig.
Voller Angst dass noch viele Jahre gelebt werden müssen, voller Sorge nicht mehr genug Zeit zu haben.
Neidisch, unglücklich eifersüchtig auf jene die schon so viel jünger sich erleben und zielstrebig ihr Leben meistern.
Wer bist du Frau? Namenlos, bedeutungslos.
Strebend nach dem Besonderen.
Das Gefühl da müsse soviel mehr sein…wer bist du, Frau?
Suchend, und doch nie gefunden.
All deine Sehnsucht, deine Unruhe… Es schmerzt dich zu fühlen.
Zuviele Jahre – zu wenig!
Wo willst du sein, wo bist du hin?
Frau!

Fotograf und Text: Wilhelmine Hopfeder – Juli 2018


(23.09.2018 – Mischzustand Carrera-Edition)

Verdammt was es alles gibt. Der Shit wird Mischzustand genannt und wie da gemischt wird – leider nur die Gefühle. Eigentlich wird dabei die Seele zerrissen weil man nämlich Glücklich und Traurig gleichzeitig ist (die Manie will Spaß haben, die Depression hat keine Kraft für irgendwas und sowieso keine Lust) – zu vereinfacht? Stimmt.
Stell dir vor du sitzt in einem nagelneuen und abgezahlten Porsche (war schon immer dein Traum so einen Wagen zu fahren), der steht in deiner Einfahrt und vor der Einfahrt gibts einen Stau (ungefähr einmal um die ganze Welt). Du möchtest eigentlich nur das Gas durch treten und richtig durch die Botanik heizen. Aber ist nicht. Du darfst den Motor starten und im Leerlauf Gas geben (Hammer, wie leise der läuft ne, die Vibration ist auch geil) und schon läuft ein Film in deinem Kopf ab, davon wie du auf der Landstraße fährst, und wie die Typen und Mädels auf der Straße gucken, sich mit irgendwem ein Rennen liefern, das wird alles so geil.
Aber Moment, du stehst ja immer noch im Leerlauf und mit dem Fuß auf dem Gaspedal, in der Einfahrt. Verdammt wann gehts endlich los? Du kannst nicht los fahren, nein auch nicht einmal um den kleinen Pudding. Verdammt, was nutzt mir ein Porsche wenn ich ihn nicht fahren kann? Du steigst aus, voller Wut, auf den Stau, auf den verdammten Porsche und holst deinen schweren Vorschlaghammer aus deiner Garage. Erst willst du dich einfach an irgendwas auslassen, aber dann siehst du den Porsche, den Stau und musst an die Möglichkeiten denken die dir verwehrt bleiben. Also schlägst du zu, auf den scheiß verfluchten Porsche. Immer wieder, aber egal wie oft du zuschlägst die Wut will einfach nicht weniger werden. Da kommt dir die Idee. Du holst einen Schlauch und pumpst das Benzin ab, damit überschüttest du den Porsche, holst dein Feuerzeug rau und fackelst die verdammte Karre ab, leider greift das Feuer schnell über, nun brennt auch das Haus. Und noch immer bist du wütend weil du nicht fahren kannst.
Jetzt ersetzt man den Porsche und den Stau mit sich selbst. NEIN, das Benzin und der Vorschlaghammer waren extra für dieses Gleichnis gedacht und kein Tipp oder Idee fürs nächste Mal. So fühlt sich ein Mischzustand an.

Fotograf: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/
www.dirk-ludwig.de
Text: Markus Nowak


(25.11.2018 – Die Angst)
Mary

Die Angst hält meinem Atem zu nein leben das brauchst du nimmer für was in schwarz in schwarz und schwarz der Tag der Tag und schwarz in schwarz kein Licht keine Sonne keine Kraft keine Zeit für was soll ich den Leben ?

Schwarz schwarz und schwarz das ist doch nicht lebenswert keine Kraft kein Glück was soll das alles hier belastet und belastet und schwarz und schwarz immer wenn ich denke es geht nicht schlimmer öffnet sich der schwarze gruselige Horizont schnürt noch enger den Atem die Panik rettet mich nicht doch das Glück wo war es wo ist es ? Soviel erlitten soviel ertragen soviel gekämpft und immer nur das schwarze Kleid ?

Wo sind all die Farben die ich mir gewünscht habe ein Lächeln in meinem eignen Gesicht ? Eine kleine Hoffnung ?

Mein Leid ist ein (weh -leid ? ) Als Krankheit nicht akzeptiert zerstört es immer mehr teile in mir warum versteht niemand mein Leid ? Mein schwarz in schwarz ? Gehör ich zu denen die es ja schon Jahrzehnte ertragen einige von uns gehen früh … der Schmerz den man nicht mehr möchte das verstanden werden was es niemals gibt !? Wann wir akzeptiert das so ein Leben fast unmöglich erscheint und die Kraft des Lebens in diesen dunklen Tagen nicht existiert ?

Doch weiter muss ich plagen mich mein schwarz in schwarz !

Text und Foto: Mary


(11.11.2018 – Ich atme ein)

Alexander_von_Wiedenbeck_Rosalinde

Ich atme ein, ich atme aus – immer wieder. Mal einfach nur so, mal sehr bewusst darauf achtend als Versuch, die Einengung der Depression ein wenig zu lindern. Seit Jahren hat dich diese Depression fest im Griff, oft so fest, dass ich kaum Luft bekomme. Wiederholte Krankenhausaufenthalte sorgen dafür, dass es mal etwas besser ist, aber gut ist es nie und es hält auch nie lange an, bis wieder alles beim Alten ist.
Die Depression ist einfach immer da, schlingt sich immer wieder fester um dich, bis sie dich wieder fest im Griff hast und du überlegst, was für einen Sinn das alles noch hat. Vielleicht käme man irgendwie damit klar, aber das Umfeld hat überhaupt kein Verständnis mehr. „Wie kommt das denn, dass es nicht besser wird?“, lautet eine ständige Frage. Als ob ich extra dafür sorgen würde, dass es mir schlecht geht. Ich habe die Depression nicht eingeladen und schon gar nicht als Dauergast. Wüsste ich, wie ich sie loswürde, dann wäre es das Erste, was ich tun würde. Ich weiß gar nicht mehr, was Freude ist, sich frei fühlen oder unbeschwert.
Aber noch viel weniger weiß ich, warum die Depression einfach immer da ist. Ich kann das nicht mehr ertragen. Ich will es nicht mehr ertragen. Und doch tue ich es noch immer. Warum? Weil andere es von mir erwarten und ich eben nicht unabhängig bin. Dabei ist alles klar, wie mein Weg aussehen wird, wenn ich doch weggehen werde, es zumindest versuche.Ich weiß es wirklich nicht, was die Depression so lange bei mir will. Warum bin ich ihr ein so guter Gastgeber?
Und wenn schon der Therapeut ratlos ist, wer soll dann überhaupt noch etwas wissen, wie ich die Depression loswerden oder wenigstens in Schach halten soll?
Aber das versteht dann schon erst recht niemand mehr.
Die anderen geben mir das Gefühl als sei ich selbst schuld, dass sich die Depression sich so wohl bei mir fühlt bzw. dass ich gar keine Depression habe, vielleicht eher alles nur spiele. So lange, so viele Jahre – das geht doch nicht. Man ist doch jetzt viel offener für solch ein Thema und da hat man ja gelesen, dass Menschen eine Depression haben können, dass diese aber wieder weggeht. Medikamente nehmen und / oder eben eine Therapie. Das muss doch auch mir helfen. Es kann also gar nicht sein, dass die Depression noch immer da ist.
Es geht den anderen doch auch mal schlecht, und sie können sich auch nicht immer konzentrieren oder können sich nicht aufraffen. Sie wissen doch jetzt alle bescheid, wie das ist, wenn jemand depressiv ist. Mein Einwand, dass dies nur jemand nachvollziehen kann, der es selber erlebt hat, wird als unverschämt aufgenommen. Aber ich habe es ja selber erlebt, ich habe früher auch anders gedacht und geglaubt, ich wüsste annähernd, wie ein depressiver Mensch sich fühlt. Aber selbst meine schlimmste Vorstellung dessen ist nicht annähernd das, was man als Depressive/r wirklich fühlt.
„Du hast es richtig gemacht, dich kaputt schreiben lassen – ist doch toll, zu Hause bleiben zu können, ich glaube, ich sollte auch mal zum Arzt gehen …“ Als wenn die wüssten. So schwierig es im Beruf auch manchmal sein mag, ich würde lieber arbeiten können, wäre aber die Depression los.
Aber das versteht ja keiner, denn … siehe oben – eine Depression geht doch auch wieder weg, ist doch klar …
Es nimmt mich niemand ernst. Ich fühle mich als Last und natürlich unverstanden. Was bleibt mir übrig? Ich atme ein und ich atme aus … Wie lange schaffe ich das noch?

Fotograf: Alexander von Wiedenbeck
https://www.facebook.com/alexandervonwiedenbeck/
Text: Kerstin Bachmann
Model: Rosalinde Desaster
https://www.facebook.com/RosalindeDesaster/

 

 

2 thoughts on “Artikel

  1. Was für ein toller Blog! Danke für deine Offenheit. Oft sehe ich in deinen Texten wie in einen Spiegel. Das ist genau das, was wir brauchen. Raus aus dem Stigma, denn wir machen uns doch selbst schon genug Vorwürfe. Darum zu kämpfen, das ist etwas, wozu es sich zu leben lohnt. Mach weiter, bitte.

    1. Hallo Frances.
      Danke für Dein Kompliment. Hinter Dirk Ludwigs Projekt “Gib Depressionen ein Gesicht” steht natürlich ein ganzes Team und sehr viele großartige Menschen stellen uns ihre Texte und Bilder dafür zur Verfügung. Ihnen allen ist es mit zu verdanken, das Gib Depressionen ein Gesicht so besteht, wie es ist. Wir werden uns weiterhin große Mühe geben und viel Herzblut investieren, um unsere Unterstützung zu geben und bei der Entstigmatisierung zu helfen. LG

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