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(12.12.2017 – Es gibt Tage)

KO Fotografie

Es gibt gute Tage, Tage, an denen alles schön ist und sauber. Wie die Seiten in einem neuen Buch. In meiner Welt überwiegen jedoch die anderen, die bösen, die zerstörenden, die traurigen, die tränenreichen Tage. Das sind Tage an denen ich das Gefühl habe mich selbst aufzulösen. So wie die Seiten in diesem Buch. Langsam aber sicher zerfallen sie zu Staub … Auch meine Seele zerfällt zu Staub, ich bin nicht fähig etwas zu tun, mich zu freuen. Ich liege im Staub, alles zieht an mir vorbei und wenn mich der Wind erwischt trägt er mich fort. Weit fort von mir und zerstreut mich in allen Richtungen des Himmels.

Fotograf und Bildbearbeitung: KO Fotografie
https://www.facebook.com/KOFotografie8/
Text: KO Fotografie


(12.12.2017 – Zu sagen “Nur die Depression ist schuld” ist zu einfach)

Carolyn Heat 2

Zu sagen “Nur die Depression ist schuld” ist zu einfach, aber sie ist auch nicht unschuldig. Manchmal hasse ich sie.
Wäre es anders gelaufen, wenn wir anders wären? Wahrscheinlich liegt ja in der Natur der Sache. Ich bin als Borderlinerin schneller emotional als die meisten, schneller verletzt, gleichzeitig mit unendlich viel Angst in mir, alleine zu sein. Bei ihm vermutet der Therapeut, bei dem er einmal probeweise war, eine depressive Episode, ich selber finde seinen Erzählungen nach Dysthymie (schwächere aber oft jahrelange Depressionsart) auch nicht unwahrscheinlich. Letztendlich ist das aber auch egal, wir sind halt, wie wir sind. Vielleicht nicht gut genug, zumindest nicht ausreichend füreinander derzeit. Wenn es uns beiden besser geht und wir beide dann noch mögen, wollen wir es noch mal neu versuchen. Ein Freund von mir findet das nicht gut, er sorgt sich um mich und dass mich das Warten zerfrisst. Ein anderer findet es toll, dass wir unsere Beziehung nicht einfach aufgeben.
Ich kann beides verstehen, empfinde ja selber beides. Vielleicht halte ich auch nur an dem “vielleicht” fest, weil ein klares “Nein” zu sehr wehtun würde. Vielleicht wäre es besser, klarer Schnitt und so, ich denke, jeder hat das alles schon einmal gehört … aber es war halt auch eine wundervolle Beziehung, meine beste und stabilste und meiner Meinung nach zukunftsfähige bisher und ich glaube, viel besser geht nicht. Daher will ich nicht einfach aufgeben. Ich weiß nicht, ob das Selbsttäuschung ist oder Stärke. Tags fühle ich mich ein wenig taub, aber okay, nachts sitze ich da, weine und fühle mich wie ein Stein, den man über die Wasseroberfläche hüpfen lässt. Nur dass unter der Wasseroberfläche all die Verzweiflung, die Angst und der Schmerz sind, die ich mit dem “vielleicht” versuche zu meiden. Hinauszuschieben? Jedenfalls hüpfe und hüpfe ich, bei jedem Aufprall kommen Tränen, während der Sprünge sitze ich vor allem da und versuche mich abzulenken und die Berührungen mit dem Meer machen mir blanke Panik vor dem Eintauchen, das wahrscheinlich irgendwann kommt. Irgendwann werde ich realisieren, nun alleine zu sein.
Ich werde nicht daran zerbrechen, das weiß ich, so stark ist die menschliche Psyche (und ein Teil von mir sagt “Leider”), aber es wird wehtun, als würde ich in Säure ertrinken, brennen von außen und innen.Und all das vielleicht nur, weil diese verfickte Krankheit ihm, mir, uns beiden, Kraft nahm, die wir füreinander gebraucht hätten. Wäre die Depression bei ihm, mir oder auch uns schwächer, hätte es vielleicht gereicht. So … waren wir nicht genug. So warten wir, jeder auf seinem Meer oder darin, hoffen aufzutauchen, an den Strand zu kommen und wieder richtig atmen zu können und die Kraft zu finden, es erneut zu versuchen und dass der andere sie auch findet und wenn er sie hat, sich nicht weggedreht hat weil ihm auffällt, dass es ja andere, einfachere Menschen gibt.

Idee und Bildbearbeitung: Carolyn Heat
Text: Anna-Lena Perner


(10.12.2017 – Die Tür zu deinen Träumen)

SilentHarmony Photography 7

Du bleibst so lange auf, bis dein Körper sagt, geh ins Bett, es reicht. Du hast den ganzen Abend versucht dich mit allem Möglichen abzulenken nur, um nicht wieder im Bett zu liegen und nicht schlafen zu können, denn du weißt ganz genau, wenn du die Augen zu machst, kommen wieder die Monster. Die Monster in deinem Kopf, man nennt sie Gedanken. Sie sorgen dafür, dass du dich von einer Seite auf die andere drehst und wenn du dann endlich eingeschlafen bist, nennt man sie Träume. Das sind die Monster die dich fallen lassen, fallen lassen ins bodenlose.
Das sind die Monster die dich rennen lassen vor Verfolgern, die du oft nicht siehst. Das sind die Monster, die dich Menschen begraben lassen, die du von Herzen liebst. Und dann wirst du wieder wach, alles klebt an dir und dein Herz klopft dir bis zum Hals. Sie haben es wieder geschafft,du bist wieder wach, total fertig, fühlst dich wie durch den Wolf gedreht, und nachdem du dann ein paar Mal durchgeatmet hast, merkst du, wie du wieder langsam einschläfst und du siehst auch wieder die Monster wie sie aus allen Ecken kommen und dann tauchst du ein, in ein Land voller Schatten.

Fotograf und Bildbearbeitung: SilentHarmony Photography
https://www.facebook.com/SilentHarmonyPhotography/
Text: Toxische Liebe
https://www.facebook.com/Toxische-Liebe-345071589246634/


(07.12.2017 – Hallo, Hallo Du … Ihr … Sie … Er … Alle da draußen!?)

Jette von Stürmer

Wie oft ging es dir so … wie mir … oder ihr … oder den anderen?
Dass man tagsüber aus dem Fenster schaut, die Sonne scheinen sieht, die Vögel ihre Kreise ziehen sieht, Menschen laufen fröhlich lachend die Straße entlang und man selbst fühlt sich, trotz Familie und guten Freunden so einsam.
So verlassen, so nichtssagend, uninteressant … Ja sogar einfach fehl am Platz in der Welt?
So sinnlos, irgendwie so unwichtig für dich Menschheit?

In solchen Momenten ist es schwer, die negativen und traurigen Gedanken und Gefühle zu kontrollieren.
Sich nicht in ihnen zu verlieren und sich ihnen nicht hinzugeben.

Aber seid euch gewiss, man kann lernen sie zu verändern.
Ich habe es gelernt, in dem ich angefangen habe mir und meinem Leben positive Gedanken zu erzählen.
Ich habe angefangen mit positiven Affirmationen.
Über Meditationen von YouTube und in meinen Gedanken.

Und jeder Tag führt sich schöner an, genussvoller, interessanter und das Leben beginnt schön zu sein.

Du … Ihr … Sie … Er … WIR alle sind wichtig, sind schön, sind einzigartig und vor allem sind wir wichtig.
Nicht für die gesamte Welt, aber für jeden einzelnen Menschen in unserem Leben, für den wir seine kleine Welt sind.

Maler und Bildbearbeitung: Jette von Stürmer
Text: Jette von Stürmer


(03.12.2017 – Kleine Schäfchenwolken)

Stefan Temme 1

Ausgerechnet heute schleichst du dich wieder an. Ganz leise und von hinten, ich habe dich nicht kommen hören. Erst als ich es gespürt habe, dieses grausame Gefühl im Bauch, da wusste ich, du bist wieder bei mir.

Du kommst sehr gerne unverhofft, sicherlich liebst du die Überraschung. Einen besonderen Anlass für deinen Besuch den brauchst du anscheinend nicht.

Du machst aus kleinen weißen Schäfchenwolken dunkelgraue Ungeheuer, und aus Sonnenschein machst du kalten Dauerregen. Aus Windstille machst du einen Sturm, und aus schönen geraden Wegen machst du fiese, steile Berge. Aus Lachen machst du Trauer und aus Freude machst du Angst.

Warum ausgerechnet heute? Gestern war doch noch alles gut.

Fotograf und Bildbearbeitung: Stefan Temme
Text: Stefan Temme

 

2 thoughts on “Artikel

  1. Was für ein toller Blog! Danke für deine Offenheit. Oft sehe ich in deinen Texten wie in einen Spiegel. Das ist genau das, was wir brauchen. Raus aus dem Stigma, denn wir machen uns doch selbst schon genug Vorwürfe. Darum zu kämpfen, das ist etwas, wozu es sich zu leben lohnt. Mach weiter, bitte.

    1. Hallo Frances.
      Danke für Dein Kompliment. Hinter Dirk Ludwigs Projekt “Gib Depressionen ein Gesicht” steht natürlich ein ganzes Team und sehr viele großartige Menschen stellen uns ihre Texte und Bilder dafür zur Verfügung. Ihnen allen ist es mit zu verdanken, das Gib Depressionen ein Gesicht so besteht, wie es ist. Wir werden uns weiterhin große Mühe geben und viel Herzblut investieren, um unsere Unterstützung zu geben und bei der Entstigmatisierung zu helfen. LG

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