Gedichte Neu

(09.11.2017 – Wie auf einem Maskenball trägt auch sie viele Gesichter!)

ML - Photo Model Raven

Ein süßes Lächeln …
Das breite Grinsen …
Das ausdruckslose Gesicht
Grimmig oder zornig
Traurig …
Feuchte Augen …

Auch vor Schönheit, Macht und Reichtum schreckt sie nicht zurück!

Sie ist das Kind des Todes und will dich mit in die Tiefe ziehen …

Hinter diesen so unscheinbaren Gesichtern versteckt sie sich
… Und wartet im Dunklen …

Gnadenlos verschlingt sie ihre Opfer und würgt sie nach Tagen,
Wochen, Monaten oder sogar Jahren wieder hoch!!!

Was von uns übrig bleibt nach der Säure
und Gift der Depression sind gebrochene, halb verbaute Reste …

Nach dieser Tortur beginnt ein steiniger Weg zurück ins Leben…
Der uns so viel Kraft kostet das wir glauben
wir stehen kurz vor der Schwelle zur anderen Seite.

Dann nach dem Kriechen lernen wir erneut das Laufen,
auch wenn wir stolpern.

Nach dieser so herzzerreißenden Leistung und dem Willen zu leben …
erstehen wir wie der Phönix aus der Asche auf …

… Doch genauso wie der Phönix haben auch wir
nur eine begrenzte Zeit des Glücks und der Hoffnung …
Danach verbrennen wir wieder im Feuer der Depression
und werden erneut zu Asche auf dem ausgebrannten Feld.

Wer diesen Kreislauf unterbricht, ist neu geboren,
doch der Rest wird immer wieder in Flammen aufgehen …

Fotograf und Bildbearbeitung: ML – Photo
https://www.facebook.com/ml.photo.nrp/
Text: Raven
Model: Raven
https://www.facebook.com/ravensleben/


(11.11.2017 – Heute zeig ich es Dir)

Wolfgang Honzejk ArtFotografie 15

Wieder geht es raus
Wieder fällt es schwer
Wieder bin ich nicht ich

Mein Motto verdeckt mein Leiden

Wieder muss ich mich dem da draußen stellen
Wieder in einem “Zwangs”rudel bellen

Doch ich will es genau so
Du wirst mich nicht halten
Du machst mich nicht klein

Bestätigung werd ich erringen
Geld werd ich heim bringen
Und wenn Du die Welt noch grauer machst

Du wirst mich nicht halten
Du machst mich nicht klein

Fotograf und Bildbearbeitung: Wolfgang Honzejk ArtFotografie
https://www.facebook.com/WHArtFotografie/
Text: Marit Diaz


(15.11.2017 – unsichtbares band)

Andrea Kisslinger Photography

unsichbares Band ihr habt mich geboren.
unsichbates Band ihr habt mich ernährt.
unsichbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass Liebe zum Kind Gewalt und Missbrauch heißt.
unsichbares Band ihr habt mir gesagt und gezeigt,
dass man sowas wie mich nicht lieben kann.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass ich nur geboren wurde um euch mit den Kindern
und dem Haushalt und der Arbeit zu entlasten.
unsichbares Band ihr habt mir beigebracht,
dass ich mich für mich selbst schämen muss.
unsichtbares Band ihr schenktet mir Kleidung,
die immer zu klein war, um deutlich zu machen,
dass ich nicht ok bin, wie ich bin unsichtbares Band,
ihr habt mir gezeigt, dass eine Flucht zwecklos ist.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass ich an allem schuld bin.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass egal was ich mache, alles falsch ist und ich dumm bin.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass ich ohne euch nicht lebensfähig bin.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass wenn mir etwas passiert ich selbst daran schuld bin.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass wenn ich mich selbst verletzte, es euch egal ist.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass wenn ich Suizid begehe,
dass der Boden voller Blut wichtiger ist als mein Leben.
unsichtbares Band ihr habt versucht,
mich nach meiner Flucht zu zwingen zurückzukommen.
unsichtbares Band ihr habt meinen Freunden erzählt,
dass ich ohne euch nicht lebensfähig bin.
unsichtbares Band ihr habt dazu geführt,
dass ich niemanden vertrauen konnte.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass ihr mich nur lieben könnt,
wenn es andere Menschen sehen können.
unsichtbares Band ihr versuchtet immer wieder,
Kontrolle über mich zu erlangen.
unsichtbares Band ich traf dich nach Jahren wieder
und musste lernen, dass du mich nie wirklich kanntest.
unsichtbares Band du dachtest mich kaufen zu können,
da dies deiner Meinung nach, das einzige sei,
was mir wichtig ist.
unsichtbares Band ihr stelltet mich vor Gericht als Lügnerin dar.
unsichtbares Band meine Seele bekam immer mehr Risse
und mir wurde klar, dass der Kontakt zu euch gebrochen werden muss.
unsichtbares Band es verblasst immer mehr.

Fotograf und Bildbearbeitung: Andrea Kisslinger Photography
https://www.facebook.com/andreakisslingerphotography/
Text: Marie Seele
Model: Anouck Arrignon


(17.11.2017 – Wo fing es an?)
(TRIGGERWARNUNG Mobbing, Schwere Erkrankung)

Fotograf Olli Haas

Im Gedanken reise ich zurück
Seh die Vergangenheit langsam an mir vorbeiziehen
Kann mich in jeden Moment reinknien

Ziemlich krass meinem früheren Ich zuzusehen
Verrückte Jugend
Ups, Bücher zu hohen Stapeln gebaut
Einzelgänger – irgendwie sehr vertraut
Gemeine Worte, die Schmerz ergaben
Dunkle Wolken, die mich vergraben
Zu dick, zu klein, Brillenschlange
Was darf’s noch sein?

Schnell reise ich weiter
Ich kann mich sehen
Ja
Verliebt und heiter
Heiße Nächte, Glückseligkeit
Eine angenehme Zeit

Weiter reise ich
War ich einst glücklich?
Wann bloß begann der so tiefe Fall?
Langsam? Mit einem Knall?

Ich seh mich auf meiner Hochzeit tanzen,
Lächelnde Gäste um mich herum
Naiv und glücklich seh ich aus
Warum hielt ich dieses nicht fest?
Wann hat das Leben mich erpresst?

Da, ich bin in einem Flieger
Hochschwanger, ängstlich gespannt
Ein Mann hält meine Hand
Ankunft und ganz plötzlich
Unerwartet
Panik
Chaos
Einsamkeit
Allein mit einem Baby im Arm
Ein fremdes Land, nur das Klima ist warm.

Für meinen Sohn war ich stark
Ich kämpfte mich durch
Ein Tumor wollte mein Leben
Ich ließ es mir nicht nehmen
Meinem Sohn gab ich ein Leben
Schickte ihn fort
Gab ihm Sicherheit bei meinen Eltern
Ein zu Hause mit Liebe und Geborgenheit
Der Preis
Meine Seele würde alt

Wieder kämpfte ich
Doch nun gab es auch Dämonen
Alkohol brachte sie hervor
Ich war noch immer naiv
Halb Frau, halb Kind

Nochmals siegte ich
Kehrte zurück
Der Schoß der Familie
Nur die Sachen die ich trug waren mein
Mein Sohn ließ mich nicht ein
Ich war die Fremde die er nicht wollte
Das war nicht das Leben das ich für mich wollte.
Mutter ohne Kind war der Preis

Begann hier der Weg in den Abgrund?

Fotograf und Bildbearbeitung: Fotograf Olli Haas
https://www.facebook.com/fotografollihaas/
Text: Marit Diaz


(18.11.2017 – Warum nennst du mich so?)

Maler NN

Ja, mein Leben ist durcheinander, chaotisch und verrückt.
Glaubst du, ich will das so?
Ich weine bei vielen Anlässen, bei denen du lachen kannst.
Ich denke über Dinge nach, die für dich keine Rolle spielen.
Ich wühle in meiner Vergangenheit, deine ist Nebensache.
Ich kämpfe mit dem Aufstehen, du schwingst voll Elan deine Beine aus dem Bett.
Ich hasse es allein zu sein, du genießt es.
Genauso hasse ich es mit vielen Menschen irgendwo zu sein, du machst gern Party.
Mir fehlt die Kraft fürs Leben, du dagegen feierst es.

Eigentlich unterscheiden wir uns nicht.
Du tust nur das Gegenteil von dem, was ich tue.

Ich hab wie du…
… Beine zum gehen
… Hände zum Greifen
… Augen zum sehen
… einen Mund zum Reden
… ein Herz zum fühlen

Warum nennst du mich “Psycho”?

Maler: NN
Text: Claudia Raasch


(19.11.2017 – Stille Tränen)

Martin Duerr Photography

Tränen laufen über ihr Gesicht
Zu sagen, was ist
Nein, das traut sie sich nicht

Heile Welt, ist das was zählt
Niemand darf sehen,
Niemand darf wissen
So weint sie in ihre Kissen

Sie greift zum Hörer,
Will telefonieren
Sofort setzt es ein, das kalte Frieren

Sie weiß, so geht es nicht
Sie weiß, so verliert sie das Licht,
Sie weiß, sie hat sich längst verloren …
Fragt sich, warum wurde ich geboren?

Fotograf und Bildbearbeitung: Martin Duerr Photography
https://www.facebook.com/martinduerrphotography/
Text: NN


(21.11.2017 – In tiefster Nacht versinkt das Meer)

Abe

Wo der Schmerz am tiefsten liegt.
Wo die Angst den Mut besiegt.
Dort, tief unterm Sonnenschein.
Wird kein Licht zu finden sein.
Und das Herz schlägt fahl und leer.
In tiefster Nacht versinkt das Meer.

Wo Winde sich ins Leben krallen.
Wo schwarze Wasser eisig fallen.
Dort, in dunkler, kalter Nacht.
Wo schaurig-schön Poseidon lacht.
Wiegen Stürme das Leben hin und her.
In tiefster Nacht versinkt das Meer.

Wo geschlagen wurden tiefste Wunden.
Wo Gifte nach Erlösung munden.
Dort, im schönsten Augenblick.
Wo der Schmerz den Tod verzückt.
Fallen Atemzüge nicht mehr schwer.
In tiefster Nacht versinkt das Meer.

Und wenn erloschen alle Lebensfunken.
Und wenn alles Leben ist versunken.
Dort, in diese tiefe Leere.
Ohne Himmel und ohne Meere.
Wird tiefste Nacht zur Ewigkeit.
Ist alles Sein von Leid befreit.

Fotograf und Bildbearbeitung: Abe
Text: Abe


(25.11.2017 – Depressionen)

Wildgrube Photography Model Raven

Du willst schreien, doch kein Ton kommt über deine Lippen.
Du willst weinen, doch keine Träne fließt über deine Wange.

Du fällst und nichts fängt dich auf.
Stumme Schreie, die niemand hört.

Die Stille ist manchmal schlimmer als jeder Lärm
und selbst für die Stille sind die Ohren der Menschen taub.

Ein Grinsen so breit wie dein Gesicht, doch alle glauben du bist glücklich.
Du lachst, doch deine Augen weinen.

Depression und Co.KG laden dich herzlich ein.

Fotograf und Bildbearbeitung: Wildgrube Photography
https://www.facebook.com/Wildgrube-Photography-1053425018…/…
Model: Raven
https://www.facebook.com/ravensleben/
Text: Raven


(26.11.2017 – Im Kreis der Zweifel)

Christina Schneider

Ich drehe mich um mich selbst.
Die Zweifel fressen mich auf.
Was kann ich? Wer bin ich?
Schaffe ich es die Hürden der Vergangenheit
hinter mich zu lassen.
Der Hass und die Zweifel wachsen.
Blockieren mich wirklich frei zu sein.
Was bin ich wert?
Ich habe mich an Arbeit gemessen,
doch ist dies nicht mehr möglich.
Ich schaffe es anderen zu helfen,
doch bei mir versage ich kläglich.
Ich bin frei von den Tätern,
doch in der Vergangenheit gefangen.
Mein Selbstwert ist zerstört und die Fassade bröckelt.
Wozu bin ich überhaupt in der Lage?
Soll ich mich wieder ins Leben stürzen
und mich selbst enttäuschen oder einfach in mir ruhen?
Wo finde ich das Glück und die Freude?
Ziele wirken so unerreichbar für mich.
Komplimente prallen an mir ab,
denn sie können die Mauer um mein Herz nicht überwinden.
Kann man mich lieben? Bin ich es wert aufzufallen?
Darf ich die Luft atmen, die mich umgibt.
Wo ist meine Lebensfreude hin?

Maler: Christina Schneider
Bildbearbeitung: Christina Schneider
Text: Marie See


(28.11.2017 – Alles ist gut)

Andrea Kisslinger Photography 1

Alles ist gut.
Im Job läuft’s.

Alles ist gut.
Ich habe einen wunderbaren Partner an meiner Seite.

Alles ist gut.
Ich habe nicht nur eine Wohnung, ich habe ein Zuhause.

Alles ist gut.
Ich kann mich auf meine Familie und Freunde verlassen.

Alles ist gut.
Bald werde ich in den langersehnten Urlaub aufbrechen.

Alles ist gut.
Warum reicht das nicht?
Warum stellt dieser fiese Teil in mir
immer wieder alles in Frage?
Warum lässt er mich fühlen,
als wäre ich komplett kraftlos?
Warum lässt mich dieser fiese Teil ans Aufgeben denken?
Warum fühlt sich alles wieder an wie ein Hamsterrad?
Warum denke ich wieder so oft in “müssen” statt in “wollen”?
Warum habe ausgerechnet ich Depressionen?
Warum?

Fotograf und Bildbearbeitung: Andrea Kisslinger Photography
https://www.facebook.com/andreakisslingerphotography/
Text: Britta Hohmann

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