Gedichte Neu

(15.03.2017 – Sieh mich)

Model NN 109

Leide und weine nur im selbst erschaffenen Schatten.
Einsamkeit?
Liebe und lache im Licht.
Hoffnung?
Vergrabe meinen Schmerz in meinem Schatten.
Sinnlosigkeit?
Breite meinen Schatten über mich, damit ich nicht verletzt werde.
Emotionslosigkeit?
Verweile im unwirklichen Licht der Welt und sehne mich nach Schatten.
Ruhelosigkeit?
Im Licht will ich sagen, wie sehr ich liebe, vermisse und sehne,
doch meine Lippen bleiben verschlossen.
Verzweiflung?
Kann nicht singen, nicht wirklich fühlen, furchtbare Leere im Schatten.
Wut?
Will das Licht wieder sehen, die Umarmung, Wärme und Nähe spüren,
denn sonst ist da irgendwann nur noch eisiger Schatten.
Liebe?
Will gehen und doch bleibe ich, gefangen zwischen Licht und Schatten.

(16.03.2017 – Seelenfrost)

Anja Corinna Wegst 1

Zart, unter Eis, liegt sie da.
Wartet auf die Wärme,
die sie streichelt und erweckt.
Verharrt in Stille,
Noch nicht erfroren.
Die Hoffnung noch nicht gänzlich
von der harschen Kälte des Alltags zerstört.
Doch jeder Tag im Eis wird schwieriger.
Schwieriger zu ertragen,
schwieriger, sich nicht dem eisigen Tod hinzugeben.
Aufzugeben, den letzte Funken erlöschen lassen.
Dazu ist sie jedoch nicht bereit,
denn auch die Blume ersehnt die Sonne,
um in ihrer Pracht zu erblühen.
Und solang verbirgt sie sich im Schutz des kalten Weiss.

Fotograf und Bildbearbeitung: Anja Corinna Wegst
Text: Anja Corinna Wegst


(19.03.2017 – Ich stehe vor dem Spiegel)

Model NN 110

Ich stehe vor dem Spiegel.
Öffne die Augen.
Sehe mein Spiegelbild an und alles ist wie immer.
Blicke stark und zuversichtlich.
Wirke geordnet und zielgerichtet, weiß, was ich will.

Ich stehe vor dem Spiegel.
Schließe meine Augen.
Sehe auf die Scherben meiner Seele.
Sehe Angst, Verzweiflung und Not.
Sehe Wut, Zorn und Scham.

Ich stehe vor dem Spiegel.
Schließe meine Augen.
Höre das Kind in mir mit all seiner Sehnsucht.
Höre die vielen Kränkungen, Entbehrung
und die Traurigkeit.
Höre aber auch die Freude am Leben.

Treffe eine Entscheidung,
der zu sein, der ich bin,
der zu sein, der ich will,
der zu sein, der ich kann.

Ich stehe vor dem Spiegel.
Öffne die Augen und nichts ist mehr, wie es war.
Nehme die Scherben meiner Seele
und mache sie zum Mosaik meines Lebens.
Sehe die Sensibilität, die Schwäche,
die Empathie und die Empfindsamkeit.
Sehe auch die Freude, Kraft und die Zuversicht.

Nehmt mich, wie ich bin,
mit all meinen Mosaiksteinen,
mit den guten und den weniger guten,
mit den geraden und den krummen,
mit den hellen und den dunklen.

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/?fref=ts
http://dirk-ludwig.de/
Text: Markus Ziegler


(21.03.2017 – An manchen Tagen)

Sugar Junky 7

An manchen Tagen kann man nicht schlafen,
weil der Geist einem Streiche spielt.
Gedanken kreisen, schicken einen auf Reisen.
Gedanklich fern, der Körper nah.
Jedoch beides voneinander getrennt ist es,
als ob man orientierungslos durch die Gegend rennt.
Gefangen in einem selbst, so nennt man es wohl.
Innerlich fühlt man sich hohl, es ist einem gar nicht wohl.
Wie gefesselt im Geist, ist man verreist,
auf Irrfahrt durch Gedanken, kommt man ins Wanken,
der Körper vereist, fest gefroren, fühlt man sich verloren.
Gefühlshoch folgt Gefühlstief.
Manisch-depressiv??

Fotograf: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/?fref=ts
http://dirk-ludwig.de/
Bildbearbeitung: Tom’s Photography
https://www.facebook.com/Toms-Photography-465107376914301/
Text: Die Regenbogenscherbenwelt (Rya)
https://www.facebook.com/Regenbogenscherbenwelt/
Model: Sugar Junky
https://www.facebook.com/sugarjunky86/?fref=ts


(23.03.2017 – Bitte)

Model NN 111

Sieh mich nicht an,
Ich ertrage deine Blicke nicht.
Sie scheinen zu wissen,
Doch sie sehen nicht das Wesentliche.

Sprich mich nicht an,
Ich ertrage deine Worte nicht.
Sie scheinen mitfühlend,
Doch du fühlst nicht, was ich fühle.

Fass mich nicht an,
Ich ertrage deine Nähe nicht.
Du gibst vor zu trösten,
Dabei stillst du nur dein Pflichtgefühl.

Ich möchte, dass du mit dem Herzen siehst und wahrnimmst.
Wünschte, du würdest dein Herz sprechen lassen und fühlen.
Ersehne mir Berührungen mit Herz und Liebe, die mir Wärme geben.

Du verstehst nicht, was ich meine?
Dann verstehst du mich nicht,
Mein Leben nicht,
Meine Bedürfnisse nicht,
Meine Krankheit nicht.
Hör auf zu denken und beginne zu fühlen.

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/?fref=ts
http://dirk-ludwig.de/
Text: Anja Corinna Wegst


(25.03.2017 – Ode an die Depression)

Wolfgang Honzejk ArtFotografie 4

Sie schleicht, sie kriecht,
sie kommt auf leisen Sohlen.
Du siehst sie nicht,
doch sie wird dich holen.

Ich fühle mich wie ausgebrannt,
einsam und leer.
Ich habe sie nicht erkannt,
und jetzt kann ich nicht mehr.

Sie frisst sich langsam in dein Hirn,
in deine Seele und dein Herz.
Sie frisst dort alles auf und
hinterlässt nichts als Schmerz.

Sie gräbt sich ein,
schläft tief in dir.
Du siehst sie nicht,
doch sie ist immer hier.

Du weißt nicht, ob sie bleibt.
Wird sie wieder gehen?
War sie nur eine Phase oder
bestimmt sie dein Leben?

Vielen Denkern und Dichtern war sie
der Muse liebster Kuss.
Sie war zugleich herrliches Wunder
und schmerzlicher Verdruss.

So sitze ich hier und schwelge,
Jahre sind es schon.
Ich sitze hier und schreibe
meine Ode an die Depression.

Fotograf und Bildbearbeitung: Wolfgang Honzejk ArtFotografie
https://www.facebook.com/WHArtFotografie/
Text: Corinna Liebergesell


(27.03.2017 – Das schwarze Weiß)

Stefan Gesell Photography 5

In Leuchtendem weiß, so steht sie vor mir
und doch sagt mir etwas „sei bitte vorsichtig“.
Geplagt von diesen vielen qualvollen Fragen,
was sie verheimlicht und wieso sie dies tut?
Warum umgarnt sie mich so mit ihrem Reiz
und weshalb zieht sie mich so in ihren Bann?

Leise flehend bitte ich sie um ihre Gnade,
doch lachend sieht sie mich voller Hohn an.
Vorsichtig und ehrfürchtig blicke ich sie an
und sehe, was sie zu verstecken versucht.
Unter ihrem weißen Gewand stets das böse,
und eine Dunkelheit, die mit Leere gefüllt ist.

Immer dazu bereit uns Menschen das Glück,
die Liebe und die schönen Momente zu nehmen.
Immer dazu bereit uns Menschen die Angst,
die Traurigkeit und die tiefe Einsamkeit zu geben.
Immer auf der Suche uns seelisch zu schaden
und uns mit ihrem grässlichen Hohn zu bestrafen.

Fotograf und Bildbearbeitung: Stefan Gesell Photography
https://www.facebook.com/fotosym/
Text: Nadine Wagner


(30.03.2017 – Gefangen)

Heart Mirror Photography

Hier sitze ich,
Sehe die Welt vor mir liegen,
Das bunte Leben vorüber ziehen.
Blicke wie durch Milchglas.
Höre wie durch Watte.
Das Leben ruft meinen Namen,
Doch meint es wirklich mich?
Schemenhaft nehme ich Menschen wahr,
Doch was wollen sie wirklich?
Ich blicke weiter auf das Glas,
Das mich von dem Leben trennt,
mir jedoch Blicke darauf erlaubt.
Das mich vor dem Leben schützt,
Das andere einfach leben.
Das mich vor mir selber schützt,
weil ich nicht zu leben weiss.
Das mich einsam sein lässt …


(31.03.2017 – In der Stille der Nacht)

Monography Unperfekt

Nachts, wenn alle schlafen,
dann, wenn mich keiner sehen kann,
bricht alle Traurigkeit aus mir heraus.

Tränen laufen schwer hinunter,
in ein Meer von reiner Ungewissheit,
was das morgen wohl bringen mag.

Die tiefe Angst in mir zu tragen,
nicht Herr über mich selbst zu sein,
mein Denken nicht selbst zu lenken.

Die Hoffnung fast zu verlieren,
die Tage einmal positiv zu gestalten,
welche ich genau so erleben möchte.

Stattdessen sitze ich in der Nacht,
die Stille nun mein treuester Begleiter,
in einer Welt, die nicht mehr meine ist.

Fotograf und Bildbearbeitung: Monography
https://www.facebook.com/monography.arts/
Text: Nadine Wagner
Model: Unperfekt
https://www.facebook.com/Unperfekt6/


(01.04.2017 – Was ist passiert?)

Lupus Luna Photography

Was ist passiert?
Ich finde mich selber nicht mehr wieder.
Ich erkenne mich selber nicht mehr.
Ich bin eine Bestie, ein Ungetier aus der Unterwelt.

Ich schau nach Links… Nichts
Ich schau nach rechts… Nichts
Ich schau nach unten… Nichts
Ich schau nach oben… Ein Strick.

Wofür bin ich hier?
Egal was ich mache
Niemand schaut nach mir.
Niemand Interessiert es.

Ein Schatten, ohne Licht
Ein Schatten, größer als Ich
Ein Schatten… eine Bestie.
Ein Schatten… Das bin Ich?

Wo bin Ich?
Gefangen im eigenen Dasein.
Gefangen in der eigenen Zelle.
Gefangen und immer allein.

Ich weiß nicht mehr weiter,
Ich weiß nicht, was passiert war,
Ich weiß nicht, ob wer da ist,
Ich weiß…. ich bin nicht allein.

Fotograf und Bildbearbeitung: Lupus Luna Photography
https://www.facebook.com/LupusLunaPhotography/
Text: Jana Bäcker

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