Gedichte Neu

(30.04.2017 – Die Flucht)

Andreas Wohlers Fotografie Moira 1

Ich flüchte mich in die Erinnerung
und sie brennt.
Ich bemerke, wie eine Träne
in meinem Gesicht runter rennt.
Ich will dich nicht verstehen
und ich kann dich nicht mehr sehen.
Der Hass macht mich blind,
du hast mich damals geschwächt
wie ein kleines Kind.
Ich bin verloren,
wache nicht mehr auf.
Ich bete jedes Mal,
gleich ist es aus.
Aber es zieht mich wieder runter,
die Hoffnung geht unter.
Ich ersticke und ringe nach Luft,
ich zittere vor Hass.
Ich spüre mich nicht mehr,
die Freude fehlt mir so sehr.
Wo mein Lächeln war,
sieht man nichts mehr.
Wo meine leuchtenden Augen waren,
ist es jetzt dunkel und schwarz.
Ich hasse diese Person,
ich erinnere mich an das Gesicht.
Und selbst an den Geruch,
es scheint,
als wäre diese Person ein Fluch …

Fotograf und Bildbearbeitung: Andreas Wohlers Fotografie
https://www.facebook.com/andreas.wohlers.fotografie/
Text: Anja Philipps
Model: Moira
https://www.facebook.com/xxmoira/?fref=ts


(01.05.2017 – Irrlicht)

See through my eyes - Pictures by André Ralf Raueiser

Sie sehen mir tief in die Augen,
finden dort noch immer Licht.
Jedoch den Ursprung dieses Glanzes,
kennen sie trotz Allem nicht.

Sie halten es für Lebensfreude,
die in meinen Augen scheint.
Doch sie wollen nicht erkennen,
meine schwarze Seele weint.

Ich bin eine leere Hülle,
die keine Freude mehr verspürt.
In den Augen bloß ein Irrlicht,
das mich in den Abgrund führt.


(03.05.2017 – Gefühle!)

Saskia Sophia Prodromidis‎ 1

Was sind Gefühle?
Warum kann ich sie nicht spüren?
Wo ist die Liebe in mir?
Wo ist die Freude?
Was ist mit meiner Wut und Hass?

Leere nichts als Leere …

Ich möchte lieben können.
Ich möchte Freude spüren.
Ich möchte mich lieben!

Diese verdammte Leere in mir macht mich so stumpf.
Sie lässt mich nicht in Ruhe.
Ein Hauch Freude kommt über mich
und versinkt in die Tiefe der Leere.

Sehnsucht macht sich in mir breit.
Sehnsucht nach Nähe, Geborgenheit, Vertrauen und Liebe.
Aber sie sind auch gemischt mit Ängsten, Selbstzweifel
und Hoffnungslosigkeit.

Gefühle da sind sie, ich spüre sie
und schon werden sie wieder ins Leere verdrängt.

Sei stark und kämpfe jeden Tag aufs Neue.
Lass die Leere nicht gewinnen!
Gefühle, bitte zieht wieder in mir ein.
Lass mich Leben!
Lass mich einfach glücklich werden!

Ich sag JA zu mir!
Ich sage Ja zum Leben!

Fotograf und Bildbearbeitung: Saskia Sophia Prodromidis‎
Text: Nadine Haase


(04.05.2017 – Die perfekte Maske, ein Gefängnis ohne Schlüssel)

IM-Fotografie.de Charakterbilder.com Liane Ha

Niemand sieht, was er nicht sehen soll oder will.
Niemand hört, was du versuchst zu sagen,
was du aussprichst.
Deine Tränen bleiben unerkannt,
dein Schmerz brennt sich immer tiefer in deine Seele.
Und du der ewig fröhliche Mensch für alle,
den nichts umwirft, der alles schafft,
der immer wieder aufsteht und kämpft.
Der deine Monster für dich einfängt
und deine Hand hält,
wenn du nicht mehr allein gehen kannst.


(05.05.2017 – wenn das gestern aufstöhnt)

Anita Paukner

der weiteste fluss
hält die luft nicht an
stoppt den donner nicht
trinkt den regen

sein wellenspiel lächelt
prostet dir zu
unter der spannung
wartet ein nix

wie ein schwarzes loch
packt es dich
dörren worte roh
auf der leine
hängen sie
im auge
darum stürmt es

mein blick aber
ist fest
und immer da
gelegentlich
liegt er woanders
aber er ist –
manchmal auch in deiner haut
und versteht sich
als brücke

sieh nicht nach unten
dreh dich nicht um

Fotograf und Bildbearbeitung: Anita Paukner
Text: Birute Luise Rosemann


(06.05.2017 – Leere)

Andreas Wohlers Fotografie Chilly Kitty 1

Ein kleiner Text, den ich auf Antwort eines Gesprächs mit einem guten Freund geschrieben habe…

Du hast mich gefragt, was ich heute gemacht habe.
Und dann hast du mir widersprochen.
Weil man nicht “nichts” machen kann.
Das stimmt und dennoch.
Ich war heute draußen,
ich habe heute aufgeräumt,
ich habe heute gelesen,
ich habe heute viel gemacht und dennoch nichts.

Denn Leere beschreibt meinen Tag.

Für mich sind sie bedeutungslos,
meine Taten,
meine Erlebnisse.

Für mich fühlt sich ein solcher Tag genauso an, wie ein Tag, an dem ich stundenlang liegen bleibe.
Ich bin nicht traurig,
ich bin nicht froh.

Wenn ich dir sage, dass ich heute nichts gemacht habe, stimmt dies für mich.

Denn Leere ist ein Freund , der mich mit warmen Umarmungen betäubt.
Leere ist ein vergifteter Geliebter, der mich im kalten Bett festhält.

Du kennst den ewigen Begleiter nicht, den Partner, der dir alles nimmt und nichts zurücklässt.

Möchtest du seinen Namen wissen?

Er heißt Depression.

Fotograf und Bildbearbeitung: Andreas Wohlers Fotografie
https://www.facebook.com/andreas.wohlers.fotografie/?fref=ts
Text: Anna Meike Gängler
Model: Chilli Kitty
https://www.facebook.com/Chillikittymeow/?fref=ts


(07.05.2017 – Mit allerletzter Kraft)

See through my eyes - Pictures by André Mirja Jasmin

Von jetzt auf gleich
liegt alles in Trümmern.
Das ganze Leben.
Nur noch Scherben.
Und bittersüße Erinnerungen.
Die Zukunft?
Ungewiss, ungeplant und nicht gewollt.
Sinnlos.
Wertlos.

Aber da ist noch etwas:
Trotz.
Jetzt erst recht.
Kampf.
Jeden Tag, jahrelang.
Gegen mich selbst.
Gegen Bürokratie.
Und zum Teil gegen Feinde, die mal Freunde waren.

Und irgendwann Hoffnung.
Und Verwunderung.
Ich lebe noch.
Immer noch.
Weitermachen.
Zähne zusammenbeißen.
Zweifeln.
Immer wieder zusammenbrechen.
Aufstehen.
Und einen Schritt nach dem anderen machen.

Und dann, mit der allerletzten Kraft:
SIEG!
Neues Leben.
Neue Freunde.
Neue Zukunft.
Gewonnen gegen Abwertung.
Gewonnen gegen Lügen.
Und vor allem: gegen mich selbst.

Mein Leben gehört nur mir.
Und jetzt ist es jeden einzelnen Zusammenbruch wert.

Fotograf und Bildbearbeitung: See through my eyes – Pictures by André
https://www.facebook.com/AndreKoPhotographie/?fref=ts
Text: Britta Hohmann
Model: Mirja Jasmin
https://www.facebook.com/ModelMirjaJasmin/?fref=ts


(09.05.2017 – Isoliert)

Wolfgang Weber-Strehle

Nur selten gehe ich nach draußen,
bleibe lieber stumm, verborgen.
Ich zeig’ ein falsch’ Gesicht nach außen,
Niemand soll sich um mich sorgen.

Ich lebe sehr zurückgezogen,
um den Menschen fernzubleiben.
Denn viel zu oft wurd’ ich betrogen,
wenn sie ihre Spielchen treiben.

Auch Vorwürfe muss ich ertragen,
ein Kerl, der nach Beachtung giert.
Weil solche Sprüche an mir nagen,
bleib ich viel lieber isoliert.

So bleibe ich zu Haus, alleine,
und mein Geist, er liegt in Scherben.
Ich werde weiter heimlich weinen,
jeden Tag ein bisschen sterben.

Fotograf und Bildbearbeitung: Wolfgang Weber-Strehle
Text: Keiji-Chan – 31.03.2017
https://www.facebook.com/KeijiChanETS/?fref=ts


(11.05.2017 – Das Alien in mir)

Stefan Gesell Photography 7

Ich sehe aus wie ein Mensch, und körperlich spricht auch alles dafür,
dass ich einer bin. Allerdings fühle ich (mich) nicht so.
Und da ich auch kein Tier bin, muss ich sicherlich ein Außerirdischer sein.

Wenn ich die Menschen sehe, die auf der Straße eilig vorbeihuschen –
kleine und große, dicke und dünne, arme und reiche,
so bin ich zwar Beobachter, aber kein Teil von ihnen.
Jede dieser “Ameisen im großen Haufen” hat eine Aufgabe,
eine Bestimmung.

Jeder dieser Menschen ist ein kleines Zahnrad in der großen
Maschinerie. Jedes dieser Individuen hat irgendwie eine Zukunft
– sei sie positiv oder negativ.

All´ diese Eigenschaften scheinen nicht auf mich zuzutreffen.
Ich habe zwar ein Morgen, aber keine Zukunft.

Es gab eine Zeit, da lebten noch andere meiner Art auf der Erde.
Doch sie sind alle tot.
Und obwohl ich nicht immer in Frieden mit ihnen gelebt habe, so
vermisse ich sie doch sehr.

Von welchem Stern mag ich wohl kommen?
Manchmal frage ich mich, ob es dort noch andere Aliens gibt …

Fotograf und Bildbearbeitung: Stefan Gesell Photography
https://www.facebook.com/fotosym/

Text: Frank Thomas Flachmeier


(12.05.2017 – Der Innere Feind)

Wolfgang Honzejk ArtFotografie 10

Seit Jahren bin ich auf der Flucht,
hab den schweren Pfad genommen.
Ich steh’ am Rande einer Schlucht,
weiß, ich kann nicht mehr entkommen.

Ich sammle meine ganze Kraft,
seh’ den Feind zum Angriff schnellen.
So zieh ich meines Schwertes Schaft
werde mich dem Kampf nun stellen.

Ich stell mich dem inneren Feind,
der Verzweiflung, die mich jagt.
Bis, als der Kampf gewonnen scheint,
ihr Gift an meinem Leben nagt.

Fotograf und Bildbearbeitung: Wolfgang Honzejk ArtFotografie
https://www.facebook.com/WHArtFotografie/?fref=ts
Text: Keiji-Chan – 19.07.2015
https://www.facebook.com/KeijiChanETS/?fref=ts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.