Gedichte Neu

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(19.04.2018 – Stille)

Corinna Kalloti

Wie kann es Dir zu leise sein?
Hörst du nicht die Stille?
Kannst du ihr nicht lauschen?
Versinkst du nicht in ihr?
In ihrer Vollkommenheit?
In ihrer Ruhe?

Ein Augenblick
Ohne
Den Lärm des Verkehrs
Das Geplänkel der Menschen
Den Krach der Welt

Du stellst den Fernseher an
Dein Computer surrt
In der Küche läuft jetzt das Radio
Damit du die Stille nicht mehr hörst
Nicht mit ihr allein bist

Der Augenblick der Stille ist vorbei
Du atmest auf, lehnst dich beruhigt zurück

…Und ich?
Ich habe sie wieder verpasst
Die Stille
Nach der ich mich so sehne
Weil der Lärm mich auffrisst

Ich verpasse sie immer

Obwohl
Mein Fernseher aus ist
Das Radio nicht läuft
Ich den Computer nicht anschalte
Der Lärm bleibt
Der immerwährende Lärm
In meinem Kopf
Die schreienden Gedanken
In meinem Ohr
Das große Rauschen
Er bleibt
mein Lärm

Ich schreie
Weil ich die Stille nicht mehr hören kann

Maler: Corinna Kalloti
Text: Corinna Kalloti


(17.04.2018 – Meer aus Tränen)

Dirk Ludwig Fotografie 9

So viel geweint um das Leben,
ich könnte Meere füllen und Dir Geschichten erzählen.
Unerfüllt und unerreicht,
diese selbstverständliche Liebe von Dir.

So viel geweint, um all jenes
und noch soviel mehr, was Du mir verwehrt hast.
Diese Verzweiflung, welche ich in mir trage,
bin immer allein mit ihr.

So viel geweint, um Dich, um mich, um uns.
Trotz allem immer noch die Hoffnung,
dass Du mich eines Tages siehst, mein Ich.

So viel geweint um verlorene Zeit.
Was bleibt, ist nur das Meer aus Tränen.

Fotograf und Bildbearbeitung: Dirk Ludwig Fotografie
https://www.facebook.com/dirk.ludwig.fotografie/
http://dirk-ludwig.de/
Text: Feli Dae


(15.04.2018 – Schenk mir etwas Freudenzeit)

ML - Photo 13

Schick mir etwas Freudenzeit
Heiterkeit, ein Hochgefühl.
Auch wenn meine inn’re Kargheit
nicht weit trägt zu diesem Ziel.

Bin kühl, verschlossen, abgeklärt,
kein menschliches Vergissmeinnicht.
Bin unfrei in mir, unbekehrt;
kein Liebreiz, der mit Charme besticht.

Ich such’ Reißaus vor der Tortur,
such’ den Berg für Freudensprünge
möcht lauschen allen hellen Gesängen,
die mir erklingen aus der Natur.

Möcht Abenteuerbücher leben,
Terminknappheiten ignorieren,
statt Protest vom Boden fegen
und in tristem Alltag frieren.

Wär gern der Bergeklettermeister,
der ehrwürdig die Höh’ erklimmt,
statt ein Abhangreisender,
der im Dreck nach Hilfe winkt.

Will liegen im Gras der schottischen Highlands,
die mir in jedem Traum erscheinen,
die man für ihre Rauheit kennt,
will dort lang liegen
und verweilen.

Und ich sehn’ mich nach Zeit der Ruh’ –
nach Abgabe von aller Pflicht.
Wenn ich mich auch noch schwer dran tu,
es wär mir ein Erfolgsverzicht.

Schenk mir diese Freudenzeit,
die Heiterkeit, ein Hochgefühl,
die Farben eines Sommerkleids
wünsch ich mir so, zu spür’n,
die Liebe, vor der es mir scheut,
das leidenschaftliche Gewühl
als reizendere Schwierigkeit,
statt meinem Marterungsgefühl.

Ich wär für den Moment befreit
für den Moment
wär ich am Ziel.

Fotograf und Bildbearbeitung: ML – Photo
https://www.facebook.com/ml.photo.nrp/
Text: Neda Cherrie


(14.04.2018 – Schreie der Seele)

Sarah Fossel 2

Hörst Du sie schreien, so laut und um Hilfe?
Erst leise und dann immer lauter werdend.

Hörst Du sie schreien, vor lauter Wut,
auf sich und die ganze Welt?
Weil sie sich nicht mehr anders zu helfen weiß.

Hörst Du sie schreien, so verzweifelt
und irgendwann verstummend?
Weil sie keiner beachtet.

Hörst Du sie schreien, hörst Du sie?
Warum beachtest Du sie nicht?

Nur weil Du sie ignorierst, sind sie trotzdem da
und schreien still vor sich hin.

Illustration: Sarah Fossel
Text: Feli Dae

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