Gedichte Neu

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(21.11.2017 – In tiefster Nacht versinkt das Meer)

Abe

Wo der Schmerz am tiefsten liegt.
Wo die Angst den Mut besiegt.
Dort, tief unterm Sonnenschein.
Wird kein Licht zu finden sein.
Und das Herz schlägt fahl und leer.
In tiefster Nacht versinkt das Meer.

Wo Winde sich ins Leben krallen.
Wo schwarze Wasser eisig fallen.
Dort, in dunkler, kalter Nacht.
Wo schaurig-schön Poseidon lacht.
Wiegen Stürme das Leben hin und her.
In tiefster Nacht versinkt das Meer.

Wo geschlagen wurden tiefste Wunden.
Wo Gifte nach Erlösung munden.
Dort, im schönsten Augenblick.
Wo der Schmerz den Tod verzückt.
Fallen Atemzüge nicht mehr schwer.
In tiefster Nacht versinkt das Meer.

Und wenn erloschen alle Lebensfunken.
Und wenn alles Leben ist versunken.
Dort, in diese tiefe Leere.
Ohne Himmel und ohne Meere.
Wird tiefste Nacht zur Ewigkeit.
Ist alles Sein von Leid befreit.

Fotograf und Bildbearbeitung: Abe
Text: Abe


(19.11.2017 – Stille Tränen)

Martin Duerr Photography

Tränen laufen über ihr Gesicht
Zu sagen, was ist
Nein, das traut sie sich nicht

Heile Welt, ist das was zählt
Niemand darf sehen,
Niemand darf wissen
So weint sie in ihre Kissen

Sie greift zum Hörer,
Will telefonieren
Sofort setzt es ein, das kalte Frieren

Sie weiß, so geht es nicht
Sie weiß, so verliert sie das Licht,
Sie weiß, sie hat sich längst verloren …
Fragt sich, warum wurde ich geboren?

Fotograf und Bildbearbeitung: Martin Duerr Photography
https://www.facebook.com/martinduerrphotography/
Text: NN


(18.11.2017 – Warum nennst du mich so?)

Maler NN

Ja, mein Leben ist durcheinander, chaotisch und verrückt.
Glaubst du, ich will das so?
Ich weine bei vielen Anlässen, bei denen du lachen kannst.
Ich denke über Dinge nach, die für dich keine Rolle spielen.
Ich wühle in meiner Vergangenheit, deine ist Nebensache.
Ich kämpfe mit dem Aufstehen, du schwingst voll Elan deine Beine aus dem Bett.
Ich hasse es allein zu sein, du genießt es.
Genauso hasse ich es mit vielen Menschen irgendwo zu sein, du machst gern Party.
Mir fehlt die Kraft fürs Leben, du dagegen feierst es.

Eigentlich unterscheiden wir uns nicht.
Du tust nur das Gegenteil von dem, was ich tue.

Ich hab wie du…
… Beine zum gehen
… Hände zum Greifen
… Augen zum sehen
… einen Mund zum Reden
… ein Herz zum fühlen

Warum nennst du mich “Psycho”?

Maler: NN
Text: Claudia Raasch


(17.11.2017 – Wo fing es an?)
(TRIGGERWARNUNG Mobbing, Schwere Erkrankung)

Fotograf Olli Haas

Im Gedanken reise ich zurück
Seh die Vergangenheit langsam an mir vorbeiziehen
Kann mich in jeden Moment reinknien

Ziemlich krass meinem früheren Ich zuzusehen
Verrückte Jugend
Ups, Bücher zu hohen Stapeln gebaut
Einzelgänger – irgendwie sehr vertraut
Gemeine Worte, die Schmerz ergaben
Dunkle Wolken, die mich vergraben
Zu dick, zu klein, Brillenschlange
Was darf’s noch sein?

Schnell reise ich weiter
Ich kann mich sehen
Ja
Verliebt und heiter
Heiße Nächte, Glückseligkeit
Eine angenehme Zeit

Weiter reise ich
War ich einst glücklich?
Wann bloß begann der so tiefe Fall?
Langsam? Mit einem Knall?

Ich seh mich auf meiner Hochzeit tanzen,
Lächelnde Gäste um mich herum
Naiv und glücklich seh ich aus
Warum hielt ich dieses nicht fest?
Wann hat das Leben mich erpresst?

Da, ich bin in einem Flieger
Hochschwanger, ängstlich gespannt
Ein Mann hält meine Hand
Ankunft und ganz plötzlich
Unerwartet
Panik
Chaos
Einsamkeit
Allein mit einem Baby im Arm
Ein fremdes Land, nur das Klima ist warm.

Für meinen Sohn war ich stark
Ich kämpfte mich durch
Ein Tumor wollte mein Leben
Ich ließ es mir nicht nehmen
Meinem Sohn gab ich ein Leben
Schickte ihn fort
Gab ihm Sicherheit bei meinen Eltern
Ein zu Hause mit Liebe und Geborgenheit
Der Preis
Meine Seele würde alt

Wieder kämpfte ich
Doch nun gab es auch Dämonen
Alkohol brachte sie hervor
Ich war noch immer naiv
Halb Frau, halb Kind

Nochmals siegte ich
Kehrte zurück
Der Schoß der Familie
Nur die Sachen die ich trug waren mein
Mein Sohn ließ mich nicht ein
Ich war die Fremde die er nicht wollte
Das war nicht das Leben das ich für mich wollte.
Mutter ohne Kind war der Preis

Begann hier der Weg in den Abgrund?

Fotograf und Bildbearbeitung: Fotograf Olli Haas
https://www.facebook.com/fotografollihaas/
Text: Marit Diaz


(15.11.2017 – unsichtbares band)

Andrea Kisslinger Photography

unsichbares Band ihr habt mich geboren.
unsichbates Band ihr habt mich ernährt.
unsichbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass Liebe zum Kind Gewalt und Missbrauch heißt.
unsichbares Band ihr habt mir gesagt und gezeigt,
dass man sowas wie mich nicht lieben kann.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass ich nur geboren wurde um euch mit den Kindern
und dem Haushalt und der Arbeit zu entlasten.
unsichbares Band ihr habt mir beigebracht,
dass ich mich für mich selbst schämen muss.
unsichtbares Band ihr schenktet mir Kleidung,
die immer zu klein war, um deutlich zu machen,
dass ich nicht ok bin, wie ich bin unsichtbares Band,
ihr habt mir gezeigt, dass eine Flucht zwecklos ist.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass ich an allem schuld bin.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass egal was ich mache, alles falsch ist und ich dumm bin.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass ich ohne euch nicht lebensfähig bin.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass wenn mir etwas passiert ich selbst daran schuld bin.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass wenn ich mich selbst verletzte, es euch egal ist.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass wenn ich Suizid begehe,
dass der Boden voller Blut wichtiger ist als mein Leben.
unsichtbares Band ihr habt versucht,
mich nach meiner Flucht zu zwingen zurückzukommen.
unsichtbares Band ihr habt meinen Freunden erzählt,
dass ich ohne euch nicht lebensfähig bin.
unsichtbares Band ihr habt dazu geführt,
dass ich niemanden vertrauen konnte.
unsichtbares Band ihr habt mir gezeigt,
dass ihr mich nur lieben könnt,
wenn es andere Menschen sehen können.
unsichtbares Band ihr versuchtet immer wieder,
Kontrolle über mich zu erlangen.
unsichtbares Band ich traf dich nach Jahren wieder
und musste lernen, dass du mich nie wirklich kanntest.
unsichtbares Band du dachtest mich kaufen zu können,
da dies deiner Meinung nach, das einzige sei,
was mir wichtig ist.
unsichtbares Band ihr stelltet mich vor Gericht als Lügnerin dar.
unsichtbares Band meine Seele bekam immer mehr Risse
und mir wurde klar, dass der Kontakt zu euch gebrochen werden muss.
unsichtbares Band es verblasst immer mehr.

Fotograf und Bildbearbeitung: Andrea Kisslinger Photography
https://www.facebook.com/andreakisslingerphotography/
Text: Marie Seele
Model: Anouck Arrignon


(11.11.2017 – Heute zeig ich es Dir)

Wolfgang Honzejk ArtFotografie 15

Wieder geht es raus
Wieder fällt es schwer
Wieder bin ich nicht ich

Mein Motto verdeckt mein Leiden

Wieder muss ich mich dem da draußen stellen
Wieder in einem “Zwangs”rudel bellen

Doch ich will es genau so
Du wirst mich nicht halten
Du machst mich nicht klein

Bestätigung werd ich erringen
Geld werd ich heim bringen
Und wenn Du die Welt noch grauer machst

Du wirst mich nicht halten
Du machst mich nicht klein

Fotograf und Bildbearbeitung: Wolfgang Honzejk ArtFotografie
https://www.facebook.com/WHArtFotografie/
Text: Marit Diaz

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