Interview eines Betroffenen

Das Fragebogen Projekt „Interview eines Betroffenen“.
Von Betroffenen, für Betroffene und alle Nicht-Betroffenen.

Die Interviews – die ab Seite 2 zu finden sind – sollen dazu dienen, dass sich die Betroffenen durch die von ihnen gegebenen Antworten selbst reflektieren können. Unterstützend sollen sie nützliche Tipps und Ansätze für Betroffene bieten, die eventuell gerade erst an Depressionen erkrankt sind oder in einer negativen Gedankenspirale festhängen. Desweiteren möchten wir Nicht-Betroffenen als auch Angehörigen und Freunden nahe bringen, was eine Depression individuell auslösen kann und wie sie symptomatisch bedingt verlaufen können.

TRIGGERWARNUNG
Bedenkt bitte, dass es aufgrund von Stichpunkten und eventuell kurzer Erläuterungen bei den Antworten, oft um Themen, wie SSV, Suizidgedanken, Missbrauch etc. geht und das dies vielleicht den ein oder anderen unter euch triggern könnte.


Im Rahmen des Projektes „Interview eines Betroffenen“, haben wir ebenfalls gemeinsam mit unseren betroffenen Mitgliedern eine Liste von vereinzelten Formen und deren dazugehörigen Symptomatiken – die recht häufig vorkommen – erstellt. Diese Symptome sind jedoch nicht typisch nach ICD-10, sondern ausschließlich danach aufgeschlüsselt, wie unsere Mitglieder persönlich, je nach Form der Erkrankung an diesen Symptomen leiden.


Bipolare Störung 1 und 2

Bipolare Störung 1: Manisch-depressiv, Manien stark ausgeprägt, plötzlich auftretende Aggression (nicht lenkbar durch eigenen Willen), schwankende Gefühle (die man nicht im Griff hat)

Bipolare Störung 2: Hypomanie

Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)

Dauerhaft, überstark erlebte Gefühle, heftige Verlustängste, Leeregefühl, selbstschädigendes und/oder – verletzendes Verhalten (SVV), Zukunftsängste, starke Stimmungsschwankungen (können innerhalb weniger Minuten umschlagen), Eifersucht, Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen, Kommunikation (falschdeuten von Gefühlen und Emotionen), impulsives Verhalten (schnelles überreagieren, nicht darüber nachdenken), ab und zu Dissoziationen, Selbsthass

Burnout

Nervenzusammenbruch, Weinkrämpfe, Bluthochdruck, Schwindel, Magen/Darmprobleme, Schlafstörungen, nervöses Muskelzucken, Tinnitus, Kopfschmerz, einzeln eventuell nicht so tragisch (mehr als fünf sind eine „gelb-rote-Karte“), nachlassende Leistungsfähigkeit, Antriebslosigkeit, Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen

Dissoziative Identitätsstörung (DIS) / Multiple Persönlichkeitsstörung (MPS)

Durchleben mehrerer Persönlichkeiten, körperliche Starre, Bewusstlosigkeit, Erinnerungslücken, Realitätsverlust, Krampfanfälle, Stimmen entfernen sich, in die Luft starren

Leichte, mittelgradige oder schwere depressive Episode

Leichte depressive Episode: Ohrengeräusche, Antriebslos, Lustlosigkeit, matt und abgeschlagen, alles wirkt grau in grau
Mittelgradige depressive Episode: Antriebsprobleme, Traurigkeit, sozialer Rückzug, eventuell Schlafprobleme oder erhöhtes Schlafbedürfnis, mangelnder oder erhöhter Appetit, oft Leereempfinden, Selbstzweifel, nächtliches Schwitzen, Tagesmüdigkeit, Vernachlässigung sozialer Kontakte (Termine kurzfristig absagen), häufiges Weinen, Rückzug von Hobbies, von Menschen usw., Vernachlässigung von alltäglichen Sachen wie Haushalt, Unruhe, Angstzustände, Aggressionen
Schwere depressive Episode: Antriebslosigkeit, Gefühlskälte, Zusammenbruch der Tagesstruktur, Rückzug von Freunden/Familie/Leben, Lustlos, unendliche Traurigkeit, an nichts mehr Freude haben, Dunkelheit, Kälte, Schlafstörungen, Morgentief, Grübeln, negative Gedankenkreise (das Gehirn kennt keine Pause) Konzentrationsstörungen, Merkfähigkeitsstörungen, Rastlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Weinen bis zum umfallen, keine Tagesstruktur, Einschlafstörungen, Abneigung gegen Menschen, sich nur noch als Last seiner Familie fühlen, starke Übelkeit bis zum ständigen Erbrechen, Durchfall, nichts mehr essen können, extremes Selbstmitleid, keinen Sinn im Leben sehen, Suizidgedanken, Suchtverhalten, jedes Wort auf die Goldwaage legen und alles falsch verstehen

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Dissoziatives Verhalten, Todesangst, Gedächnislücken, Panikattacken, Angststörungen, Bluthochdruck, hypertensive Krise (rapider, gefährlicher Anstieg des Blutdrucks), Tremor (zittern, kann am ganzen Körper auftreten), Gastritis (Magenschleimhautentzündung, kann chronisch werden), starker Suiziddruck und Nervosität bei aufkommen einer damaligen Situation, unwillkürliches erinnern und wiedererleben eines Traumas (Flashbacks), Konzentrationsstörung, psychosomatische Lähmung, Komplexe, menschenscheu, selbstverletzendes Verhalten, Schlafstörungen, Derealisation

Rezidive Depression

Immer wieder wiederkehrende depressive Episoden, oft Pausen dazwischen, Episoden können verschiedene Stärken annehmen, immer wieder auftretende Überforderung, Mut- und Hoffnungslosigkeit, Mangel an Selbstwertgefühl, Antriebslosigkeit, Rückzug in Isolation, manchmal gepaart mit Anpassungs- und Abgrenzungsschwierigkeiten, Heißhunger oder Nahrungsverweigerung, Suizidgedanken, als Nebenerscheinung teilweise Angstzustände bzw. Panikattacken, Schlafstörungen (sowohl extrem hohes Schlafbedürfnis als auch schlechtes und wenig schlafen), Konzentrationsstörungen, Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen, psychosomatische Schmerzen (wie Rücken-, Kopf-, Bauchschmerzen.), Ausfallerscheinungen des Sprachzentrums, sehr hohe Vergesslichkeit (sowohl bei Informationen, als auch bei Dingen)

Somatoforme Störung

Ganzkörperschmerz, Zittern, Ohrensausen, vermehrte Schulter-, Rücken-, Bauch- oder Kopfschmerzen (Migräne), Orientierungsschwierigkeiten, Atemnot, Herzrasen, Schwindelgefühl, Engegefühl im Hals und/oder Brustkorb, Blutdruckentgleisung, Tremor, Sprach bzw. Artikulationsstörung, Todesangst, Panik, Muskelkrämpfe, Magen-Darm Beschwerden, statt typische Appetitlosigkeit Heißhunger den ganzen Tag

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