Interview eines Betroffenen

„Interview eines Betroffenen“ von Honey moon.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

rezidivierende depressive Störung ohne psychotische Symptome, emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Typ Borderline, chronifizierte Posttraumatische Belastungsstörung, impulsive Autoaggression, akute Belastungsreaktion, dissoziative Störung, Vergiftung: Sonstige und nicht näher bezeichnete Arzneimittel, Generalisierte Angststörung, sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Ein- und Durchschlafstörungen, Konzentrationsschwäche, starke Abgeschlagenheit, zeitweise Antriebslosigkeit, zeitweise Appetitlosigkeit, innere Unruhe, starke Anspannung, Selbstverletzendesverhalten, Dissoziationen, sozialer Rückzug, Panikattacken,Suizidalität

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

Fast 12 Jahre

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

sexueller Missbrauch über Jahre in der Kindheit und durch Partner, Überfall auf offener Straße, längerer Täterkontakt 2011

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

2005 erst durch Zwangseinweisung in die Tagesklinik

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Durch einschreiten des Arztes

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Seit Anfang 2017 eine Traumatherapie

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Die Traumatherapie hilft mir gewisse Dinge mit mehr Abstand und aus anderen Perspektiven zu betrachten und es nicht so sehr an mich ranzulassen.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

2005 Verhaltenstherapie über 2 Jahre, 2011 Verhaltenstherapie über 2 Jahre, Dialektisch behaviorale Therapie (DBT)

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

In der Verhaltenstherapie habe ich viel über mich selber und mein Verhalte gelernt und auch über meine Gefühle und Probleme zu sprechen. Die DPT habe ich stationär gemacht und ist eine spezielle Therapieform für Borderlineerkrankte um sich selbst, die Erkrankung, sein Verhalten und die Spannungsregulierung besser kennenzulernen und anwenden zu können.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Gehe mittlerweile sehr offen mit der Erkrankung um, habe sie komplett akzeptiert und sehe Sie als einen Teil von mir an und arbeite sehr viel daran um mich zu informieren und auch um meinen Gesundheitszustand zu verbessern.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Inlinehockey spielen, Reiten, Malen, Gedichte schreiben, Holzarbeiten, mein Hund

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Skillsgruppe, ambulante Wohnbetreuung, Opferhilfe, Skillstraining

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Besonders gut helfen mir körperbezogene Skills, wo ich mich aktiv bewegen muss. Gedankliche Skills wie Malen, Schreiben oder Kreuzworträtsel sind auch gut und wenn mal gar nichts mehr helfen sollte habe ich Bedarfsmedikation.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Psychotherapie, Reha, Klinikaufenthalte

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Opferentschädigungsgeld (OEG) beim Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie (ist eine monatliche Rente für Opfer von Gewalttaten), Rehaantrag bei Krankenkasse BKK Pfalz für psychosomatische Reha, Ambulante Psychiatrische Hilfe (APP) bei Krankenkasse BKK Pfalz (es kommt ein psychiatrischer Pflegedienst zu einem nach Hause und man bespricht seine Probleme)

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Ein knapp überlebter Suizidversuch und sehr guter Spruch hat mich ganz schön ins grübeln gebracht und mich gewisse Dinge mit anderen Augen sehen lassen. Mein Hund, Familie und Freunde haben mir geholfen. Finden der großen Liebe und meine Schwangerschaft.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Nach einem Tief kommt auch immer wieder ein Hoch. Hilfe bringt nur was, wenn man sie selber auch wirklich will. Suizid ist keine Lösung, man gibt die Probleme nur an andere weiter.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Honey moon für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Alena.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Mittelschwere Depression, Borderline-Persönlichkeitsstörung

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Antriebslosigkeit, Interessenverlust, Leere, Angst, innere Unruhe, Kraftlosigkeit, Verlust jeglicher Tagesstruktur und Selbstständigkeit im Alltag, Weinattacken und anschließende Leere, Einschränkungen im Bereich Konzentration, sprachlicher Ausdrucksfähigkeit, Gedankenaussetzer z.B. „Faden verlieren“

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

Fast 13 Jahre

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Konkurrenzdruck, Leistungsdruck, hohe Arbeitsbelastung, Veranlagung, Vertrauensmissbrauch, Krankheit und Verlust eines mir nahe stehenden Menschen, komplizierte Beziehung, mangelnde Wertschätzung, Gedanke: Liebe von anderen nur durch Perfektion und Leistung zu erhalten

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

ca. 2 Monate

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Psychiatrische Ambulanz an Klinik angeschlossen

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Verhaltenstherapeutische Psychotherapie seit 2013 (mittlerweile alle paar Wochen noch)

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Ich bin deutlich reflektierter geworden. Versteh Zusammenhänge und weiß wo ich ansetzen muss. Die Umsetzung ist allerdings schwieriger für mich als die Theorie.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Stationäre psychiatrische Behandlung mit diversen Therapieformen, tagesklinische Behandlung, ambulante Therapien (z.B. Ergotherapie, Arbeitstherapie, Tanztherapie), berufliches Training für Menschen mit psychischen Erkrankungen

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Kreativität hilft mir und ist auch ein Stück weit mein Hobby und Ventil im Alltag, Zutrauen und Konzentration stärken, Kontakt mit anderen Betroffenen

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Ich denke, dass ich einen guten Weg gefunden habe damit zu leben. Ich akzeptiere die Erkrankung und ihre Spuren, die sie in meinem Leben hinterlassen hat. Ich gehe offen damit um, achte auf mich und es geht mir wirklich gut. Geduld und die Akzeptanz, dass ich nur Schritt für Schritt vorankommen kann, fällt mir häufig schwer. Beruflich bin ich noch ein wenig am kämpfen.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Ziele in Schritte einteilen, der Hund meiner Eltern (Joggen und spazieren gehen), regelmäßige Pausen, vertraute Menschen, die mich bestärken, Probleme offen ansprechen, Kreativität, viel Normalität (nicht den ganzen Tag um die Erkrankung kreisen)

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Ich lese gerne im Internet Artikel zum Thema, schreibe für dieses Projekt zeitweise Texte. Das ist ein Ventil und gibt mir das Gefühl, dass ich etwas bewirken und verändern kann.

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Damit konnte ich leider noch nie viel anfangen. Am meisten hat mir die Aussage meiner Therapeutin geholfen, dass starke Emotionen und unangenehme Zustände meist nach etwa 30min schwächer werden. Daran versuche ich zu denken und die Gefühle auszuhalten bzw. mich aus belastenden Situationen herauszuziehen.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Keine

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Psychotherapie, psychiatrische Behandlung (ambulant und stationär)

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Geduld und Zeit, darauf hören was mir gut tut und was ich möchte, Menschen in meinem Umfeld, auf die ich immer zählen kann. Ich versuche meine Erkrankung als Warnsignal zu verstehen, dass ich mehr auf mich schauen muss, mich akzeptieren und mich mit mir und meinem Platz in der Gesellschaft auseinandersetzen muss. Ich versuche die Erkrankung als Chance zu sehen mich weiter zu entwickeln und das zu ändern, was mich krankgemacht hat.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Haltet euch vor Augen, dass ihr nicht allein seid. Es gibt immer Wege und Menschen, die euch unterstützen. Es ist möglich, dass ihr keine Perspektive seht, da ihr diese durch die Erkrankung nicht sehen könnt. Das spielt euch die Erkrankung vor, aber es heißt nicht, dass es real keine gibt. Denn es gibt immer einen Weg, nur manchmal dauert es eben, bis ihr den für euch gefunden habt. Habt Geduld, achtet auf euch, setzt euch kleine Ziele. Es ist nicht nötig, alle „Baustellen“ auf einmal anzugehen und sofort eine Lösung parat zu haben. Vertraut auf euer innerstes Gefühl und auf die Menschen, auf die ihr euch verlassen könnt. Ihr alle seid wertvolle Menschen, lasst euch nicht abwerten. Sich Hilfe zu holen und durch tiefe Täler zu gehen ist keine Schwäche. Es zeugt von Mut und macht euch danach stärker. Es wird besser und rückblickend kann ich heute sagen, dass es sich lohnt und ich froh bin mich dadurch gekämpft zu haben.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Alena für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Cindy Cynthia Berger.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Rezidivierende Depression

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Freudlosigkeit, Verlust von Interessen, Antriebslosigkeit, Veränderung des Appetit, Libidoverlust, Innere Unruhe, Schlafstörung, Verlust des Zeitgefühls, Entscheidungsunfreudig, Tinnitus, Magen-Darm Beschwerden, Pessimismuss, Herzrasen, erhöhte Reizbarkeit

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

ca. 10 Jahre

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

eine ehemalige Beziehung. Psychichte Gewalt des Partners

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

ca. 6 Jahre

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Hausarzt – Überweisung zum Therapeuten

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Wöchentlicher Besuch bei einer Verhaltenstherapeutin.

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Die Therapie hilft mir mich selbst zu verstehen. Außerdem hat mir die Therapie endlich eine große Lücke in meinem Leben geschlossen indem ich die Diagnose ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) bekam. Ich bekomme viele tolle Tips wie ich aufkommende Schwierigkeiten im Alltag löse. Ich habe die Chance mir alles selbst zu erarbeiten.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

2013 eine Kurzzeittherapie – Gesprächstherapie, 2016 10 Wochen Tagesklinik mit ausgiebigen Therapieplan

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Die Kurzzeittherapie hat mir langfristig nicht geholfen – nur für den Moment. Seit der Tagesklinik habe ich viel mehr über mich selbst gelernt und alte Freuden neu entdeckt. Ich habe gelernt, dass ich Zeit brauche zur Genesung und ich mir keinen Druck mehr mache. Ich lasse mir Zeit mit allem.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Ich akzeptiere meine Depression als ein Teil von mir. Sie macht mich zu dem, was ich bin. Sie gibt mir eine unglaubliche Stärke. Durch sie weiß ich erst, wie stark ich wirklich sein kann. Und mit jeder Phase, durch die ich mich gekämpft habe, gewinne ich mehr und mehr Kraft und Stärke. Ich sehe sie nicht mehr als meinen Feind an.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Ich habe wieder mit Sport angefangen, manchmal meditiere ich. Aber in erster Linie ist es das Basteln. Ich nehme mir 1-2 Tage in der Woche komplett raus nur zum Basteln. Dabei schalte ich ab und meine Depression oder jeder meiner anderen Diagnosen, wie ADS, existieren dann nicht mehr.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Ich bin in mehreren Facebookgruppen die für mich wie Selbsthilfegruppen sind. Außerdem helfen mir Gespräche mit einer sehr sehr guten Freundin sehr weiter, besonders wenn ich mal meinen Weg verliere. Sie sieht meine Probleme aus einem anderen Blickwinkel.

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Wenn ich einmal wieder völlig überfordert bin und totales Chaos im Kopf habe, gehe ich in meine Bastelecke. Dort schließe ich erst einmal die Augen und atme durch. Dann bastel ich ein wenig oder räume einfach nur ein wenig rum. Das sortiert mir auch wieder die Gedanken. Ansonsten sind es auch Gespräche mit der Freundin aus Frage 13 oder mein Freund.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

In die Tagesklinik habe ich mich selbst eingewiesen, direkt im Anschluss habe ich auf anraten der Klinik eine Ergotherapie gesucht. Auch eine Psychotherapie habe ich mir selbst gesucht. Eine Private Therapeutin musste ich, bzw mit Hilfe meiner Therapeutin, dann beantragen.

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Bei der Krankenkasse habe ich mithilfe meiner Therapeutin beantragt, dass ich zu einer Privaten Therapeutin darf, da ich kein Termin bei Therapeuten für Gesetzlich Versicherte bekam. Momentan läuft ebenfalls der Antrag auf Verlängerung meiner Therapie.

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Dazu beigetragen hat meine Therapie aber auch die wunderbare Unterstützung meines Partners. Ich kann behaupten, dass ich stärker aus der Depression gekommen bin und bin stolz auf mich, es geschafft zu haben.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Ich habe schon mit dem ein oder anderen Menschen gesprochen, der gerade in einer Depression steckt und ich gebe ihnen immer den gleichen Rat an die Hand: Kämpft. Gebt nicht auf. Es lohnt sich. Auch wenn es hart und schwer ist aber es lohnt sich. Auch wenn man momentan nicht positiv in die Zukunft blicken kann, eins kann ich versprechen. Es wird ein Ende haben. Ich glaube an jeden von euch. Ihr habt die Kraft auch, wenn ihr sie nicht seht. Ihr werdet es schaffen. Ich habe es auch geschafft.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Cindy Cynthia Berger für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Anna.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung F33.2 Rezidivierende depressive Störung; schwere, langanhaltende Episode ohne psychotische Symptome F41.1 Generalisierte Angststörung

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Selbstverachtung, Selbsthass, Angst vor menschlicher Berührung (2-3 Ausnahmen, je nach Tagesform), damit einhergehende Vereinsamung, Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen phasenweise, stark mangelndes Selbstvertrauen.

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

Angefangen hat es wohl, als ich 13-15 war. Heute, 2017, bin ich 33 Jahre alt.

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Meine an Neurodermitis erkrankte Schwester, die damit einhergehenden Probleme und Spannungen und die dadurch veränderte Erziehung von mir waren Nährboden für die Depressionen. Die schlimmsten Auslöser waren wohl aber unter anderem der sex. Missbrauch mit 18 und die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz mit 29, die den sex. Missbrauch wieder hochgeholt hat.

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

ca 20 Jahre

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Psychotherapeutin

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Keine

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Keine

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Gesprächstherapie und therapeutische Tagesklinik.

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Die Gesprächstherapie bei meiner Psychotherapeutin diente der Aufarbeitung all jener Probleme, die mit meiner Depression einhergehen. Sie hat mir sehr geholfen und ich fühlte mich in dieser Zeit leichter und nicht mehr so allein. Ich habe vieles über mich gelernt in relativ kurzer Zeit und verstehe, warum ich in manchen/vielen Situationen so reagiere, wie ich eben reagiere. Ich kann mich besser verstehen und weiß, wie sich eine Situation auf mich auswirkt.

Die therapeutische Tagesklinik sollte mir mit der Strukturierung meines Alltags helfen. Sie enthielt Gruppen- und Einzelgesprächstherapie, soziales Kompetenztraining, Entspannungstherapie und Kunsttherapie. Der Aufenthalt in der Tagesklinik war an sich nicht schlecht. Zumindest hatte ich wieder mehr Energie durch das regelmäßige Aufstehen und die Tagesstruktur. Auch war ich auf einem guten Weg, meinen Alltag selbst in den Griff zu bekommen mit Hilfe eines Wochenplans. Ich war allerdings nur 6 von 10 Wochen dort. Nach einem unschönen Erlebnis während einer Einzeltherapie wurde ich schwer Krank und wurde dann einfach entlassen. Seitdem viel es mir von Woche zu Woche schwerer, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Nervenzusammenbrüche und Panikattacken in der Öffentlichkeit haben dazu geführt, dass ich mich sehr zurückgezogen habe und das Haus nicht mehr alleine verlassen kann.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Ich habe akzeptieren können, dass sie immer ein Teil meines Lebens bleiben wird, aber durch die Therapie habe ich auch gesehen, dass ich damit ganz gut leben kann. Ich bin neugieriger auf mich selbst als früher. Ich horche tiefer in mich herein und höre intensiver meiner inneren Stimme zu, als ich das früher getan habe. Das macht viele Situationen einfacher, vor allem, wenn es um mein größtes Problem geht: Menschliche Berührung.
Allerdings weiß ich auch, dass noch ein langer Weg vor mir liegt, bis ich soweit bin, mein Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Und das geht nur mit Hilfe von meiner Psychotherapeutin.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Ich rede viel mit Freunden, lese und schreibe viel, wenn ich mich konzentrieren kann. Ich arbeite auf einen Assistenzhund hin, damit ich wieder selbständiger werde und auch allein aus dem Haus kann. Ansonsten bleibt mir im Moment leider nichts weiter.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Keine

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Die Augen schließen, mich auf meine Atmung konzentrieren, tief durch die Nase einatmen und langsam durch den Mund wieder ausatmen. Ich versuche, mich dabei an einen anderen Ort zu versetzen. Das klappt ganz gut gegen meine Panikattacken.
Aber meist bin ich in Situationen, aus denen ich nicht alleine herauskomme. Da bin ich darauf angewiesen, dass mich mein Freund an einen Ort bringt, an dem ich Platz habe oder niemand an mich herankommt.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Keine

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Antrag auf Fahrtkostenübernahme für Taxifahrten seitens der Krankenkasse, damit ich die Therapie wieder aufnehmen kann.

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Da ich aktuell noch in einem ziemlichen Tief stecke, fällt mir das Leben mit der Depression unglaublich schwer.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Entwickelt einen Blick für die kleinen, wundervollen Dinge, die einem im Leben tagtäglich begegnen. Sei es die Blume am Straßenrand, die wunderschönen Herbstfarben, die Schneeflocken an Fensterscheiben. Eben all jenes, wofür wir den Blick so schnell verlieren. Selbst jene, die ein normales, gesundes Leben führen, hetzen durch den Alltag, dass ihnen die vielen kleinen Wunder entgehen. Dabei bereiten sie einem Freude und Glück. Geht mit offenen Augen und offenem Herz durch die Welt, verliert es nicht, wenn euch etwas schlimmes passiert, findet es wieder, wenn ihr es verloren glaubt.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Anna für die Teilnahme.

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