Interview eines Betroffenen

„Interview eines Betroffenen“ von Susi Awe.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Mittelgradige bis schwere Depression mit selbstverletzendem Verhalten

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Antriebslosigkeit,Trauer, keine Freude mehr an irgendetwas, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, ständige Müdigkeit, Selbstzweifel

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

Seit 2010

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Die Kindheit, das zerrüttete Verhältnis zur Familie und meine damalige Beziehung.

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

1 ½ Jahre

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Hausarzt

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Ich gehe regelmäßig zum Psychiater

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Ich habe einige Tipps für zu hause bekommen, die für mich schwer sind durchzuführen.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Klinik

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Klinikaufenthalt: Mir hat die Gesprächstherapie viel gebracht, da es da um soziales Verhalten ging. Leider fällt mir der Name der Therapie gerade nicht ein. Es wurde viel an meinem Selbstbild gekratzt. Die enthaltene Ergotherapie, hat mir geholfen viele Möglichkeiten zu finden mich abzulenken und die Skills mich nicht selbst zu verletzen. Ich habe gelernt “nein” zu sagen und zu sehen das ich so nicht mit mir umgehen lassen muss, wie es einige getan haben.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Ich habe immer noch viel zu kämpfen, um es so zu akzeptieren wie es ist. Mein Umfeld tut bzw kann es ebenso wenig. Ich rede wenig darüber und wenn nur mit Gleichgesinnten.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Zeichnen, Zeit intensiv und bewusst mit meinen Kindern nutzen, Musik hören, lange Spaziergänge

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Leider nichts weiter, denn dafür fehlt mir noch der Mut.

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Ammoniakstäbchen, Gummi am Handgelenk bei Panik und Angstattacken. Bei extremen Selbstzweifel, schminken, anschließend Fotos machen und diese dann geliebten Menschen schicken (klappt aber auch nicht immer).

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Tagesklinik und stationärer Klinikaufenthalt

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Sozialamt – betreutes Wohnen, damit ich wieder lerne ein normalen Haushalt zu führen, Termine einzuhalten und Briefe zu beachten, Rentenversicherung – Reha

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Leider noch nicht in Aussicht

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Reden ist das A und O. Jeder kann es schaffen aus dieser Spirale zu fliehen, man muss es nur zulassen. Glaubt an euch und eure Stärken. Jeder Mensch ist toll und etwas Besonderes. Alles Liebe.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Susi Awe für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Constanze Riedel.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Mittelschwere chronische Depression mit Borderlinezügen und derzeit noch Erschöpfungsdepression

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Stimmungsschwankungen, innere Leere, Schlafstörungen, Essstörung, gestörtes Körpergefühl, geringes Selbstwertgefühl und keine Selbstliebe, schlechtes Gedächtnis, dauerhaft erhöhtes Stresslevel (Alarmbereitschaft)

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

mindestens 20 Jahre

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Vater Alkoholiker und gewalttätig gegen mich und meine Mutter, körperliche- und seelische Gewalt von mindestens 10 Jahren

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

Nach 6 Jahren bei der Geburt meines zweiten Kindes

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Psychotherapeut für tiefenpsycholigische Therapie

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Habe gerade vor 4 Wochen eine tiefenpsychologische Therapie begonnen (zwischen beiden Therapien lagen jetzt 15 Jahre).

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Für genaue positive Aussagen ist der Zeitraum bisher zu kurz, aber ich hoffe auf „Werkzeuge“ für einen leichteren Alltag.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Psychotherapeut für tiefenpsycholigische Therapie

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Nein

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Vor fünf Jahren, durch eine große Änderung in meinem Leben, habe ich meine Depression angenommen und mit viel Ehrlichkeit und Selbstreflektion lebe ich damit immer öffentlicher.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Ich versuche die Härte gegenüber meiner Person zu mildern. Sport (Laufen) hilft mir einen freien Kopf zu bekommen und Zeit für mich zu haben. Ich ernähre mich vegetarisch (100%) und vegan (80%), was gegen meine Essstörung meist hilft.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Ich habe den ersten Reikigrad und reagiere gut auf energetische Arbeit.

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Atmen, Zigarette rauchen, laute Musik, raus in die Natur und /oder Laufen, Homöopathie hilft mir als Medikation.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Psychotherapie

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Nein

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Ich bin chronisch depressiv.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Nimm deine Dämonen an, denn der Kampf gegen sie ist schlimmer als mit ihnen. Nach jedem Tal kommt auch ein Berg, welches mir z.B. zu ungeahnter Kraft und Weitsicht verhilft.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Constanze Riedel für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Josefine B..

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Habe nie eine konkrete Diagnose erhalten (Depressionen)

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Antriebslosigkeit, Emotionslosigkeit, soziale Ängste, Rückzug, Vernachlässigung von Pflichten, Schuldgefühle, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Psychosomatische Beschwerden (Übelkeit, Durchfall, Kreislaufbeschwerden, allgemeine körperliche Schwäche)

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

Diagnostiziert seit fast zehn Jahren, aber eigentlich deutlich länger

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Unklar, vermutlich Veranlagung und immer da gewesen irgendwann dann durch Stresssituationen enorm verstärkt. Erste klare Symptome erkannte ich in meiner frühen Jugend, Stress durch Abi, in der Beziehung und dem Elternhaus, brachten das Fass zum überlaufen.

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

ca. 4 Jahre

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Hausarzt, Psychotherapie, Gespräche mit (z.T. ebenfalls betroffenen) Freunden

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Ja, ein Mal monatlich Gesprächstherapie

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Die Möglichkeit mit einer neutralen außenstehenden Person sprechen zu können entlastet sehr. Auch dass man sich ohne schlechtes Gewissen „ausheulen“ kann. Außerdem liefert meine Therapeutin konkrete realistische Handlungsansätze und motiviert mich glaubwürdig und nachhaltig.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Nein

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Nein

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Da ich mit der Depression aufgewachsen bin, habe ich akzeptiert, dass sie immer ein Teil von mir sein wird und mich auch im positiven Sinn zu dem Menschen gemacht hat, der ich jetzt bin. Ich lerne, so gut es geht mit ihr zu leben, anstatt sie loswerden zu wollen.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

So oft es geht wenigstens 30 Minuten Ruhepausen einplanen oder mal einen Tag krankschreiben lassen, um wieder Energie zu sammeln. Wenn es mir gut geht, möglichst viel Positives schaffen, worauf ich in schlechten Phasen stolz sein kann. Kampfsport und Training mit dem eigenen Körpergewicht.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

ABW (ambulant betreutes Wohnen), um nicht in organisatorischen und finanziellen Problemen zu versinken, wenn ich mich durch die Depression diesen Aufgaben allein nicht mehr gewachsen fühle.

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Rückversicherung bei meinem bewundernswert geduldigen Freund, dass ich kein Versager bin. Tief durchatmen und mich bewusst auf banale Kleinigkeiten konzentrieren, die nichts mit meinen Ängsten zu tun haben. Aufräumen, um mich nicht so nutzlos zu fühlen, wenn ich die wirklich großen Aufgaben nicht schaffe. Mir bewusst machen (lassen) was ich schon alles geschafft und erreicht hab trotz oder zum Teil durch meine Depression.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Nein

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Antrag auf ABW (ambulant betreutes Wohnen) beim KSV (Kommunaler Sozialverband), Psychotherapie, Mutter-Kind-Kur bei der Krankenkasse

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Im Grunde musste ich erst beinahe komplett an einer ziemlich üblen Beziehung zerbrechen, um mich selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Ich habe sehr viel hingenommen, bis der Leidensdruck endlich so groß wurde, dass ich nur noch die Wahl zwischen Aufgeben und Kämpfen hatte. Zum Teil hat mir auch geholfen, dass ich meine Kinder nicht im Stich lassen wollte. Geheilt bin ich zwar nicht, aber ich kann jetzt ganz gut mit der Depression leben, weil ich weiß, dass nicht sie mich im Griff hat, sondern ich sie (weitestgehend).

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Die Depression hat nur so viel Macht über dich, wie du ihr gibst. Und wenn du allein nicht mehr weiter kannst, dann wende dich an andere Betroffene. Jeder, der schon ein Mal in dieser Situation war, wird dir gern helfen, nicht völlig unterzugehen. Raus kommen muss leider jeder für sich. Aber Andere können helfen, den schweren Weg ein bisschen leichter zu machen. Und: Selbst wenn man nur Zentimeter für Zentimeter kriechend vorwärtskommt, Hauptsache man bewegt sich immer weiter vorwärts!

Wir bedanken uns recht herzlich bei Josefine B. für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Hua Yan.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode (ohne Psychosen)

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Durchschlafschwierigkeiten, Suizidgedanken, Selbstverletzung, Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhte Reizbarkeit, mangelnder Appetit

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

Seit mindestens 13 Jahren, vermutlich etwas länger.

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Traumatische Erlebnisse (emotionaler, körperlicher und sex. Missbrauch).

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

Ich habe etwa 9 Jahre gebraucht, bis ich mir professionelle Hilfe holen konnte.

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Ich habe mich als erstes an meinen Partner gewandt. Er hat dann weitere Schritte in die Wege geleitet (Hausarzt, Psychotherapie).

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Ja, eine Verhaltenstherapie mit Schwerpunkt auf Traumatherapie (u.a. Screentechnik)

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Skills helfen mir im Alltag sehr (siehe Punkt 14), ansonsten Sachen wie Autosuggestion und Glaubenssätze verändern, Alltag auf meine Bedürfnisse anpassen

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Ja, im stationären Rahmen gab es Therapien wie Kunst-, Bewegungs- und Ergotherapie, zudem auch PMR, Autogenes Training, Imaginationsübungen und Soziales Kompetenztraining

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Therapieformen wie Ergotherapie, PMR, Autogenes Training und Imaginationsübungen waren zur Entspannung und auch um Gedanken besser sortieren zu können, was mir auch jetzt noch sehr hilft. Ergotherapie sollte zudem auch bei meinen Konzentrationsproblemen helfen, was es zum Glück auch tut. Bewegungs- und Kunsttherapie galten vor allem der Traumabewältigung. Das soziale Kompetenztraining sollte auf Probleme im Alltag vorbereiten und das Selbstbewusstsein stärken, hat mir aber leider wenig gebracht.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Ich leugne sie nicht mehr oder stelle mich deswegen als schwach dar. Sie ist, zumindest aktuell, ein Teil meines Lebens, mit dem ich klarkommen muss. Ich kann nicht immer gegen sie kämpfen, an manchen Tagen ist die Devise eher, mich damit zu arrangieren. Das nimmt mir viel Druck, was vermutlich für die Heilung unabdingbar ist.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Einige der bei Punkt 9 genannten Therapien kann ich auch im Alltag anwenden, wie z.B. Autogenes Training und Übungen wie den sicheren Ort. Ansonsten habe ich einen Hund, der mir viel hilft (ich habe dadurch zwangsweise mehr Routine im Alltag) und versuche an guten Tagen etwas zu erreichen (nähen, zeichnen, Geschichten schreiben, Ehrenamt).

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Nein

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Ja, die habe ich. Meine meist verwendeten Skills wären Folgende: Eiskalt duschen, Ammoniak Ampullen, Akupressurringe, Wärmecreme, Vitaminbrausetabletten in den Mund nehmen, saure Bonbons (wie Center Shocks oder Toxic Waste), Übungen wie 5-4-3-2-1 Sinne, sicherer Ort oder die Tresorübung.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Nein

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Anträge für stationäre Behandlungen (Reha und Privatklinik), sowie zwei ambulante Therapien bei meiner Krankenkasse und Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis beim Versorgungsamt.

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Nein

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Es ist okay, sich Hilfe zu suchen. Man ist nicht schwach, wenn man das tut, man muss da nicht alleine durch. Man kann Depressionen heilen, oder zumindest deutlich verbessern. Ein guter Therapeut, bei dem man sich wohlfühlt, kann zusammen mit einem viel bewirken. Wenn einem der Gang zum Psychotherapeuten fürs Erste zu viel ist, können auch Beratungsstellen hilfreich sein.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Hua Yan für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Nya.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Depression mit rezidivierenden Episoden von leicht bis schwer (F32.-), inkl. zeitweiser Angst/Panik (keine eigenständige Diagnose), Somatoforme Störung (F 45.9)

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Antriebslosigkeit, Gefühllosigkeit, Teilnahmslosigkeit, gedrückte Stimmung, tiefe Traurigkeit, Einsamkeitsgefühl, Einigeln/Rückzug, Schlaflosigkeit und/oder Ein- und Durchschlafstörungen, Früherwachen, Angst, Panikattacken, Appetitlosigkeit oder ständiger Appetit, zeitweise immer wieder Verlust der Libido, teils latente Suizidalität, zeitweise Gehemmtheit in allen Dingen des tgl. Lebens, Schmerzen, die nicht den Ursprung in meinen zusätztl. physischen Erkrankungen haben bzw., die diese Schmerzen noch verstärken, Reizmagen- und Darm (teils auch physische Erkrankungen, wird aber ebenso verstärkt)

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

Vermutlich seit der Kindheit, also insgesamt gesehen seit ca. 43 Jahren

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

In der Kindheit/Jugend Alkoholismus des Vaters und in der Familie und die damit verbundenen Umstände, später kamen hinzu: Mobbing auf der Arbeit und auch teils unschöne und nervenzehrende Beziehungen, sehr viel später einige schwerwiegende physische (körperliche) Erkrankungen, die fortbestehen und gemeinsam mit der psychischen Erkrankung zu langer, derzeit nun dauerhafter Arbeitsunfähigkeit (EM-Rente auf Zeit) führten.

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

4 Jahre

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Offenes Ohr der Schwester und anderer mir Nahestehender, später: Facharzt für Psychiatrie und Neurologie

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Ja, alle 2 Wochen eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (derzeit als Kurzzeittherapie beantragt, Verlängerung möglich)

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Es hilft mir bei der Selbstreflexion, mich und mein Handeln zu sehen und ich komme schließlich zur Selbsterkenntnis, ich erkenne besser, was „schief“ läuft, wie ich umdenken kann und mich anders verhalten kann. Es gibt Lösungsansätze und auch Denkanstöße.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Tagesklinik, Reha´s

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Tagesklinik: psychiatrischer Schwerpunkt mit Ergotherapie, DBT-Gruppe, Einzelpsychotherapie, Gesprächsgruppe, Med. Trainingstherapie (Sport), PMR – guter Erfolg, man lernt sich wieder in einen geregelten Alltag einzugliedern und profitiert von den vielen Therapieangeboten, zeitweise ist es eine Gratwanderung, denn man muss auch Zuhause abends noch alles geregelt bekommen.
Reha´s: psychosomatischer Schwerpunkt, Mischung aus allen Therapieformen (phys./psych.) Einzelpsychotherapie, Gesprächsgruppe, Schmerz-Gruppe. Mit dem Vorteil, dass man sich die Zeit nehmen kann, sich nur auf sich zu konzentrieren ohne den üblichen Alltag – guter Erfolg, anstrengend, gleichzeitig sehr lohnenswert, führte für mich zu mehr Selbsterkenntnis und ich konnte Dinge anders angehen, dennoch „nach der Reha ist vor der Reha“, der normale Alltag stürzt auf einen herein und ist nur schwer zu bewältigen direkt danach. Ergotherapie – z. B. Basteln, handwerkl. Arbeiten, Zeichnen, etc. – ganz guter Erfolg, denn auch dies entspannt und gibt einem ein gutes Gefühl, im Alltag kommt es aber meist zu kurz. PMR – Entspannungsübungen durch abwechselnde Muskelan- und entspannung – mäßiger Erfolg. Sport – med. Trainingstherapie, Schwimmen powert aus. Im Alltag für mich schwer einhaltbar auf Grund der häufigen Antriebslosigkeit und der Bewältigung des üblichen Alltags. Ohrakupunktur – Soll helfen zu entspannen und besser schlafen zu können – kein Erfolg. Sport – med. Trainingstherapie, Schwimmen powert aus, im Alltag für mich schwer einhaltbar auf Grund der häufigen Antriebslosigkeit und der Bewältigung des üblichen Alltags. Ohrakupunktur: Soll helfen zu entspannen und besser schlafen zu können – kein Erfolg.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Sie ist ein Teil von mir, gehört dazu, eine Seite von vielen von meinem „Buch“, sie wird nicht verschwinden, es wird immer wieder Zeiten geben, in denen es keine Episode gibt und auch immer wieder leichte, mittlere oder schwere Episoden, sie bleiben nicht, sie gehen auch wieder! Gleichzeitig macht sie feinfühliger, empathischer, ja auch verletzlicher vielleicht, und doch bin das eben auch ich, ich reduziere mich nicht mehr auf die Erkrankung oder schäme mich ihrer. Im Freundeskreis gehe ich damit offen um, wer mich nicht akzeptieren/respektieren kann, wie ich bin, so wie ich es bei ihm tue, der ist es schlicht nicht wert. Ich lebe damit und mittlerweile meistens ganz gut, über die Jahre habe ich mehr und mehr gelernt mit mir selbst anders umzugehen, wenn es mal wieder „schlimm“ wird. Sicher gibt es Tage, an denen ich nicht aus meiner Haut kann, gleichzeitig berappele ich mich heutzutage schneller, helfe mir selbst schneller wieder hoch. Ich vermeide unangenehme Situationen nur noch selten im Gegensatz zu früher, sondern versuche sie zu bewältigen.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Meine Wohnung als eine Art „Wohlfühloase“ für mich gestalten, die Atmosphäre mit Kerzen, guter Musik, Duftlampe und Kuscheldecke angenehm machen, Gespräche mit Menschen, die mir nahe stehen, mein Therapeut, Texte schreiben, Zeichnen, ab und an Basteln, mir Wind um die Nase wehen lassen an meinen Lieblingsorten, mir selbst immer wieder was Gutes tun (heißes Bad, ausgedehnte Körperpflege) – klappt nicht täglich, aber besser als früher, mit dem Freund kuscheln, meine Katzen in der Nähe haben, „zocken“, obwohl man aufpassen muss, dass es nicht ausufert und man sich im Spiel verliert, Engagement im Tierschutz. Mir bewusst machen, was alles positiv war, denn an jeder negativen Situation findet man oft auch etwas Positives, man blendet es nur allzu gern aus.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Nein

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Atemübungen, sich auf Geräusche oder Gerüche oder Ertasten konzentrieren (bewusste Wahrnehmung und anderes ausblenden), Notfalltelefonnummern (Freund, Schwester, Therapeut, Arzt) parat haben, um zu reden

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Facharzt, Psychotherapie

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Krankenkasse – Zuzahlungsbefreiung chron. Erkrankung anerkannt, Reha-Anträge – Rentenversicherungsträger, Anamnesefragebögen – Reha-Klinik, Aufnahmeformulare – Tageskliniken, Antrag IRENA – Nachsorgegruppe, (nach Reha) – Rentenversicherungsträger, ALG II-Anträge – Jobcenter, ALG I-Anträge – Bundesagentur f. Arbeit, EM-Rentenantrag – Rentenversicherungsträger (auch bedingt durch phys. Erkrankungen), Zusatzrentenantrag – priv. Vorsorge, Antrag auf Anerkennung eines Grades der Behinderung und Erhöhungsanträge – Landesamt für Jugend, Soziales und Familie, Antrag auf APP (ambulante psych. Pflege) – Krankenkasse, Antrag auf amb. Pflege für schwerb. Menschen (nach APP) – Sozialamt des Landkreises

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Es gibt beschwerdefreie Zeiten, eine komplette Ausheilung ist bei mir persönlich kaum möglich.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Es geht immer weiter, eine erneute Episode ist nicht gleich der Weltuntergang, du bist nicht allein! Für mich persönlich geht es immer wieder aufwärts, es gibt Menschen und Institutionen, die mir bei einem erneuten Krankheitsfall helfend zur Seite stehen, gehen lernen musste ich allerdings allein, das kann und sollte einem keiner abnehmen. Kurzum, das Leben ist nach wie vor lebenswert und es gibt immer noch genug schöne Dinge/Situationen, Menschen und Tiere im Leben, die es dazu machen, inkl. meiner eigenen Person, denn ich bin mal so gesagt „meines Glückes Schmied“ und nicht andere. Ich muss mir wichtig sein und willens sein, etwas zu ändern. Es kommt nicht darauf an, andere zu beeindrucken, zu tun, was andere für richtig halten, ich bin nicht auf dieser Welt nur um anderen zu gefallen, ich muss vor allem mir „gefallen“.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Nya für die Teilnahme.

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