Interview eines Betroffenen

„Interview eines Betroffenen“ von Anonym.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Mittelschwere Depression und posttraumatische Belastungsstörung

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Zu nichst Lust, Selbstzweifel, Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Traurigkeit, Fresssucht auf Süßes, Rückzug

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

ca. 30 Jahre

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Meine Kindheit, sex. und emotionaler Missbrauch, Hiebe waren für mich Liebe, meine alkoholkranke Mutter, Beziehung zu einem Narzissten und Trauerfall vor 4 Monaten, der mir erneut den Boden unter den Füßen wegzog

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

Direkt

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Zuerst zum Arzt, dann Therapie

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Nein, doch eine stationäre Therapie wird für nächstes Jahr angestrebt.

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Keine

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Festhaltetherapie (anerkannte Form der Psychotherapie), Gruppentherapie

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Die Festhaltetherapie brachte mir damals im Bezug mit meinem Kind etwas. Heute bringt sie mir nichts mehr.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Es gibt Phasen da komme ich gut damit klar und dann wieder nicht.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Schreiben, Videos erstellen, um Schmerz zu verarbeiten.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Selbsthilfegruppe, CODA

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Stressball, telefonieren, schreiben, ab und an spazieren gehen.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Keine

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Rentenversicherung: Antrag auf Frührente.

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Zurzeit bin ich noch drin und wenn ich mein Leben wieder auf die Reihe bekomme, hol ich mir wieder einen Hund und ich hoffe auch mal wieder tanzen zu können.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Frische Luft, Gespräche, sich ein Hobby suchen, all das machen was gut tut. Tiere sind gute Therapeuten.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Anonym für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Sterni.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Rezidivierende Depression, derzeit schwere Episode (ohne psychotische Symptome), einhergehend mit PTBS, Essstörungen, Borderline, dissoziativen Symptomen etc.

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Niedergeschlagenheit, Schwere und Leere, Erschöpfung, Traurigkeit, mangelnder Antrieb, Verlust an Interessen, sozialer Rückzug, Probleme im sozialen Umfeld, Selbstwertproblematik, hoher Anspruch an mich, Aussichts- und Hoffnungslosigkeit bzw Verzweiflung, suizidale Phasen

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

Seit etwa dem 10. Lebensjahr, diagnostiziert seit 9 Jahren

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Ursächlich sind vielfältige Erfahrungen im Kindes- und Jugendalter, darunter traumatisierende. Hinzu kommen weitere Traumata im Erwachsenenalter. Es bestand eine schwierige Familiensituation über viele Jahre durch Alkoholismus eines Elternteils. Auch eine physische Behinderung bringt Schwierigkeiten mit sich, die zur Erkrankung beigetragen haben, ebenso wie HSP und ein Helfersyndrom. Leidensdruck ergibt sich auch aus einem starken Kinderwunsch. Konkreter Auslöser war Überforderung im Studium, in der Arbeit sowie als Triggermoment eine große Familienhochzeit.

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

ca. 2 Wochen

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Zunächst ging ich zu meinem damaligen Hausarzt, der mich dann nach einigen Wochen zur Psychiaterin überwies und mir zu einer Therapie riet.

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Ja, eine ambulante Psychotherapie, bei der Elemente der Verhaltens- und Traumatherapie genutzt werden, sowie 2x die Woche eine Ergotherapie.

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Vor allem die Arbeit mit inneren Bildern und die rücksichtsvolle Art meiner jetzigen Therapeutin helfen mir dabei, mich etwas zu stabilisieren. Die Regelmäßigkeit der Sitzungen ist nützlich. Das Wissen darum, jederzeit Stopp sagen zu können und eine achtsame Helferperson vor mir zu haben, macht es ganz langsam möglich, mich Problemen, Baustellen, Traumata anzunähern und schwierigen Themen Raum zu geben. Positiv ist auch, dass ich jederzeit Fragen stellen kann, sowie bei Bedarf Themen auch per Mail ankündigen kann. Die Ergotherapie habe ich während aller Behandlungsjahre immer als positiv erlebt, sei es, um mich auszudrücken, um an einem Projekt zu arbeiten, neue Skills zu testen, Entspannungstraining zu machen etc. Hier kann ich tatsächlich das tun, was mir gerade hilft und empfinde sie als wichtige Stütze.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Eine reine Verhaltenstherapie, eine stationäre Verhaltenstherapie, sowie eine ambulante DBT in der Gruppe.

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Die reine Verhaltenstherapie hat für mich nur punktuell einen Fortschritt erbracht, weshalb die stationäre Therapie angestrebt wurde. Leider hat jedoch auch diese mich eher weiter belastet. Die Gruppentherapie mit DBT-Training fand ich hilfreich, vor allem die Austauschmöglichkeit mit anderen. Nur musste ich sie abbrechen, als es mir durch einen weiteren Aufenthalt in der Psychiatrie immer schlechter ging.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Ich habe bis heute große Schwierigkeiten damit, die Erkrankungen und die mit ihnen einhergehenden Schwierigkeiten zu akzeptieren und setze mich nach wie vor unter Druck. Nach außen hin kommuniziere ich relativ offen, wie meine Situation ist, auch wenn das oft bedeutet, abgelehnt zu werden oder Kontakte zu verlieren. Ich versuche, Hilfe anzunehmen, privat wie fachlich, und an meiner Stabilisierung zu arbeiten.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Ich mache ein wenig Yoga sowie PMR (Videos), kümmere mich um meine Haustiere, versuche nach draußen zu kommen und die noch bestehenden Kontakte zu pflegen. Außerdem hilft mir der Austausch in Gruppen über soziale Netzwerke. Zudem habe ich kürzlich ein kleines Ehrenamt übernommen. Ich nutze eine Tageslichtdusche und bemühe mich um Struktur im Alltag. Persönlicher Austausch im Freundeskreis mit anderen Betroffenen tut mir gut, aber auch Ablenkung durch PC-Spiele. Mitunter ist es auch wichtig, mir bewusst zu machen, dass die Symptome in Phasen stärker werden und daran zu denken, dass auch wieder leichtere Wochen kommen. Auch versuche ich, schwierige Situationen wie Jahrestage, aber auch Weihnachten etc. mithilfe meiner Helfer abzumildern.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Für eine Weile hat mir Online-Beratung geholfen, wieder zurück in die Hilfe (Ärzte, Therapie etc.) zu finden bzw mich zu trauen, es erneut zu versuchen.

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Ja, ich nutze vielfältige Skills, dazu zählt z.B. Suchworträtsel machen, Ausmalbücher für Erwachsene, kaltes Wasser auf Unterarme und/oder Gesicht geben, Kühlpack in den Nacken, Pfefferminzöl riechen/auf der Haut spüren, Back-Zitronensäure als Pulver auf die Zunge zu geben, PMR und Konzentrationsübungen, Telefon“joker“ anzurufen, Igelball und Fidget-Cube, ein Box-/Wandschlagkissen. Als sehr nützlich erlebe ich seit einiger Zeit vor allem ASMR-Videos.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Mir wurde einmal eine stationäre Reha angeboten, die ich allerdings nicht wahrnehmen konnte.

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Krankenkasse: Anträge zur Therapiebewilligung, Rentenversicherung: Antrag auf Erwerbsminderungsrente (mehrfach bei derzeit befristeter Berentung), Sozialamt: Antrag auf Sozialgeld, Wohngeldstelle: Antrag auf Wohngeld, ARGE: Antrag auf ALG1

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Bisher konnte ich der Depression nicht entkommen, ich bin jedoch immer darum bemüht, trotz ihres „Begleiterseins“ das Zepter in der Hand zu behalten und nicht aufzugeben, mir das Hilfeholen zu erlauben und auch die schwersten Phasen durchzustehen. Manchmal mag man nur noch ein einziges kleines Ziel vor sich sehen und gerade dann heißt es, an ihm festzuhalten, ganz gleich, wie düster gerade alles zu sein scheint.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Ich würde ihm sagen wollen: Du hast es verdient, Hilfe zu bekommen. Du darfst sie dir holen, auch wenn das viel Kraft und manchmal Wartezeit kostet. Du bist nicht deine Depression, auch wenn es sich so anfühlt. Ich weiß, wie du dich fühlst, daher kannst du mir glauben, wenn ich sage: Es wird besser. Es kommen wieder hellere Tage. Aber bis dahin nutze jede Hilfe, die du bekommen kannst. Trau dich. Dir selbst zuliebe.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Sterni für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Anonym.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Anpassungsstörung, Persönlichkeitsstörung, Depression in Episoden, Angststörung

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Überforderung, alles dauert lange, Konzentrationsprobleme, Gereiztheit, Unzufriedenheit mit mir selbst, Gedankenspirale, Schlafprobleme, Angst was wäre wenn

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

ca. 18 Jahre, möglicherweise noch länger

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Unbewusst: Kindheit und Erziehung, Perfektionissmus und bewusst Schreikind + Hausbau + folgende Arbeitslosigkeit = Existenzangst

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

Etwa 1 Jahr beim ersten Mal später glaubte ich alles im Griff zu haben. Danach dauerte es etwa 5 Jahre bis zum Komplettabsturz.

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Beratungsstelle der Diakonie, Hausärztin

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Gesprächstherapie bei einer Psychotherapeutin mit je nach Bedarf kürzeren und längeren Abständen.

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Ich habe gelernt mich zu reflektieren. Ich bekomme ehrliches Feedback. Das bestärkt mich an mich zu glauben und meine Schwächen zu akzeptieren und Stärken anzunehmen.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

In der Tagesklinik und Reha: Sporttherapie, Entspannungstechniken, Kunsttherapie
In der Reha: Lichttherapie und eine Stationäre Psychiatrie

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Sporttherapie: herausfinden, welche Sportarten bzw. Bewegungsarten für mich Stimmungsaufhellend sind. Entspannungstechniken: herausfinden, welche Entspannungstechniken mir gut tun, um meine innere Ruhe und mein Gleichgewicht zu finden. Kunsttherapie: mein ICH finden Lichttherapie: zur Stimmungsaufhellung

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Akzeptiert würde ich das noch nicht nennen, aber ich arbeite daran. Ich weiß heute, dass nach schlechten Zeiten auch wieder gute Zeiten kommen. Diese Gewissheit lässt mich die schlechten Zeiten besser aushalten. Dadurch ist der Absturz nicht ganz so tief. In der Familie spreche ich darüber, wenn es mir gerade nicht so gut geht.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Ein Mal in der Woche Aquafitness. Morgens auf dem Weg zur Arbeit an einer bestimmten Stelle die Aussicht genießen; Wolken beobachten und Himmelslicht genießen. Ich habe mein früheres Hobby, das Nähen neu entdeckt; dabei kann ich voll und ganz abschalten und damit der Gedankenspirale entgegenwirken. Manchmal einfach nur wollen und nicht müssen, damit meine ich Prioritäten setzen für mich und auch mal etwas nicht erledigen. Lichttherapie jeden Mittag eine mindestens kurze Runde raus gehen.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Keine

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Ich habe keine Skills. Manchmal brauche ich erst die Ansage meiner Familie, damit ich merke, dass es gerade bergab geht.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Mutter-Kind-Kur, Psychologie Stationär, psychologische Tagesklinik, psychosomatische Reha, Nachsorge IRENA, Psychotherapie ambulant

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Keine

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Keine

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Sich nicht für die Krankheit zu schämen. Hilfe einfordern und/oder annehmen.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Anonym für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Marie Seele .

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode, komplexe Posttraumatische Belastungsstörung, dissoziative Persönlichkeits- und Identitätsstörung, Essstörung, Borderline, Depersonalisierung, Anpassungsstörung

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Ein- und Durchschlafstörung, Antriebslosigkeit, Gedankenkarussel, Dauermüdigkeit, sozialer Rückzug, Albträume, Dauerkopfschmerz/Migräne, Freudlosigkeit, des Lebens müde, Arbeitsunfähigkeit, Konzentrationsstörung, in den Tag hinein Leben, Motivationslosigkeit, Gestörtes Essverhalten, Suizidgedanken- und Versuche, Selbstverletzendes Verhalten, Schuldgefühle, Scham, vermindertes Selbstwertgefühl, Sozialphobie

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

29 Jahre

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Körperliche und psychische Gewalt, Missbrauch, Mobbing, Stalking, sexuelle Übergriffe

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

13 Jahre

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Meiner Ausbildungsleitung ist mein Verhalten zuerst aufgefallen. Sie schickte mich zu ihrer Freundin, die Psychiaterin war.

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Keine

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Keine

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Tiefenpsychologische Traumatherapie, Ergotherapie, Reittherapie, Kunsttherapie, Körpertherapie

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Tiefenpsychologische Traumatherapie: konnte mit anderen reden und mich selbst wieder verstehen, Achtsamkeit, für mich selbst wieder sorgen. Reittherapie: Stärkung des Selbstwertgefühls, Wahrnehmung, Konzentration, Dissoziationen zu unterbrechen, sich selbst wahrnehmen können. Ergotherapie: für Tagesstruktur, Konzentration, Freude an Dingen wieder entdecken, Belastungserprobung. Kunst- und Körpertherapie: zur Traumabehandlung.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Ich habe sie als Teil meines Lebens akzeptiert, genauso wie die anderen Krankheitsbilder. Habe letztes Jahr eine Ausbildung als Genesungsbegleiterin begonnen und möchte meinen jahrelangen Erfahrungsschatz an Betroffene weitergeben. Ich gehe offen damit um. Habe es viele Jahre versteckt und dies hat mich viel mehr Kraft gekostet. Ich arbeite an mir und lerne vorbeugend und achtsamer an mir zu arbeiten.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Arbeite ehrenamtlich in der Nachbarschafts- und Straffälligenhilfe. Ich habe meiner Ernährung umgestellt, mache regelmäßig Sport, wenn es mir gut geht, (möchte auch was Gewicht verlieren). Einmal im Monat gönne ich mir eine Massage, schreibe gerne Gedichte, lebe meine Kreativität aus, genieße die Natur, kochen, backen, lesen, stricken, häkeln, 2-mal die Woche ein Wellnesstag, spiele, treffe mich mit Freunden, Yoga, meditieren, Aromatherapie

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Ambulante Betreuung, die mit mir Termine wahrnimmt, einkauft und Gespräche führt. Freiwillig eine gesetzliche Betreuung in Anspruch in Krisenzeiten (bekomme dann nichts geregelt). Lichttherapie

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Amoniakstäbchen, Musik, Sport, kalt/heiß Dusche, Chili, Gedächtnisspiele, Düfte, Igelball, Murmeln im Schuh, Realitätscheck, Freunde anrufen, mein Notfallkoffer

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Keine

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Antrag für Psychotherapie, Rentenantrag, medizinische Reha, berufliche Reha

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Ich akzeptiere meine Vergangenheit und das ich nicht anders handeln konnte. Gebe mir selbst Zeit zu gesunden. Ich lerne mich selbst kennen und bin sicherlich nicht perfekt und das ist auch so in Ordnung. Mich muss nicht jeder mögen. Ich bin in der Lage zu lieben, vertrauen und eine richtige Beziehung zu führen. Die Therapien, Bücher, der Austausch mit anderen Betroffenen und Klinikaufenthalte haben mir sehr geholfen.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Es ist sicherlich nicht einfach, aber der Kampf lohnt sich. Gebt euch Zeit zu heilen. Seit ehrlich zu euch selbst. Holt euch Hilfe. Tauscht euch mit anderen Betroffenen aus. Gebt euch selbst nicht auf, denn ihr seid es Wert weiter zu leben und dann seid ihr eben ein Mensch mit special Effects. Ihr seid so liebenswert und wertvoll, wie ihr seid. Ahmt niemand anderen nach, denn den gibt es schon.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Marie Seele für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Andreas Wilczek.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Rezidivierende depressive Störung, F33.1

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Antriebslos, keine Freude mehr empfinden, starke Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, innere Unruhe und doch keine Kraft etwas zu tun, kognitive Einschränkung,
Interessenlosigkeit, keine Kraft mit Problemen umzugehen, diese zu verdrängen oder aufzuschieben, Wertlosigkeit, kein sexuelles Interesse mehr, das Gefühl der Kopf rattert und rattert aber man bekommt davon nichts mit.

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

2010 – Burnout, seit 2013 Depression

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Zu viel Arbeit und damit verbundene Verantwortung, Perfektionismus, immer alles besser machen, wie gefordert.

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

Ca. 6 Monate

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Zuerst Hausarzt, dann Psychiater

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Zurzeit alle 3 Wochen, Gesprächs- und Verhaltenstherapie

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Es hilft mir einfach über die Dinge zu sprechen die anfallen, und wie ich mit ihnen umgehen kann, sollte, aber daran scheitert es meist, da ich fast alles immer mit mir selber ausmache und einen Weg suche, der nicht immer erfolgreich ist.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

4 Klinikaufenthalte, Tagesklinik, Reha

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Die Klinikaufenthalte halfen mich wieder in einen Menschen zu verwandeln, der klar denkt, Struktur bekommt und Dinge wieder wahrnehmen kann. Verhalten zu entwickeln, die mich schützen sollten, nicht zurückzufallen (nicht immer gelungen) Habe dort auch viele Dinge gelernt, wie malen, Speckstein, vor allem das Thema Meditation und Achtsamkeit. Diese Dinge helfen mir heute, dem Kopf ein wenig Ruhe zu verschaffen, mich auf ein Thema zu konzentrieren, wenn auch nicht lange, da meine Konzentration stark eingeschränkt ist. Die Tagesklinik war hilfreich, um wieder einen geregelten Rhythmus zu bekommen. Zusammen mit anderen Dingen, wie Einkaufen oder Kochen (alltägliche Dinge). Auch habe ich, bedingt durch die Nähe, „Gleichgesinnte“ kennengelernt, mit denen ich mich immer noch treffe und aus denen Freundschaften entstanden sind, die sich gegenseitig zuhören und bemerken, wenn es mal wieder nicht so gut geht. Ich kann nur jedem empfehlen, in eine Klinik oder Tagesklinik zu gehen, um sich dort professionelle Hilfe zu holen und diese auch, wenn es schwerfällt, versuchen umzusetzen.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Ich habe meine Depression nach langem Hadern mit mir selbst mittlerweile akzeptiert, auch wenn es mir schwerfällt und mich immer wieder frage, warum ich nicht mehr so leistungsfähig bin, wie früher. Ich merke auch, dass ich bei meinem Aushilfsjob nach 2,5 Stunden zu fast nichts mehr zu gebrauchen bin.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Ich habe einmal die Woche Qi Gong und offenes Atelier (beides bei der VHS). Nebenher male ich, arbeite mit Speckstein und Holz. Autogenes Training, Meditation

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Ich habe einen MBSR und MBCT Kurs besucht. Dort geht es um Achtsamkeit mit sich selbst und der Umwelt. Das gelingt meist währen der Zeit des Kurses, lässt aber danach wieder stark ab. Des Weiteren einen PMR Kurs.

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Ich mache Atemübungen nach der 10er-Regel: (2 Sek. Ein, 4 Sek. Halten und 4 Sek. Ausatmen). Das hilft bei mir immer.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Psychotherapie, Klinikaufenthalte, Tagesklinik, Reha.

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Über das Arbeitsamt einen Rehaantrag zur Teilhabe am Arbeitsleben, über diesen habe ich dann eine Reha bekommen und anschließen die Erwerbsminderungsrente, beantragt bei der DRV. Berufsunfähigkeit bei der privaten Versicherung.

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Leider stecke ich immer noch in der Depression und versuche mit ihr zu leben, soweit das möglich ist. Es gibt immer mal wieder Tage oder auch eine Woche, in der ich mich richtig gut fühle, eingeschränkt leistungsfähig aber gut. Da bekomme ich dann auch einiges geregelt. Leider sind die Zeiten nicht sehr oft und ich kann auch nichts sagen, warum dies so ist. Umso schwerer fällt es natürlich dann wieder in eine negative Phase zu kommen und ich frage mich dann, was ist jetzt anders als gestern, ich weiß es nicht … aber zumindest rutsche ich nicht mehr ganz nach unten wie von 2013 – 2015 und damit kann ich zurzeit ganz gut leben, auch wenn es nicht das ist, was man erhofft.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Das Wichtigste, was ich erfahren durfte, sind zum einen: die Suche nach Hilfe bei einem Arzt / Psychiater, zum anderen sich nicht zu scheuen in eine Klinik zu gehen und sich dort ebenfalls professionelle Hilfe zu suchen. Auch die Gespräche mit „Gleichgesinnten“ helfen ungemein, da man sich nicht verstecken muss und über seine Krankheit reden kann. Das hilft ungemein und man fühlt sich nicht mehr alleine und nicht verstanden.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Andreas Wilczek für die Teilnahme.

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