Interview eines Betroffenen

„Interview eines Betroffenen“ von Keiji~Chan.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

schwere rezidivierende Depression inkl. Angststörung

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Niedergeschlagenheit, mangelnde Lebensfreude & Motivation, wiederkehrende starke Suizidgedanken, Sozialphobie, usw.

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

Insgesamt seit ca. 8 Jahren.

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Mit den Jahren gab es verschiedene Auslöser, u.a. erfolglose „erste große Liebe“, (Vertrauens-) Brüche mit Familie und Freunden,…

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

Erst nach ca. 2 Jahren habe ich angefangen, nach Therapien zu suchen.

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Nach einem Besuch bei meinem Hausarzt wurde ich an einen Psychiater überwiesen.

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Zur Zeit bin ich nicht in Therapie.

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Nein

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Ich war 6 Wochen lang in einer stationären psychosomatischen Klinik und anschließend weitere 2-3 Monate in einer teilstationären Tagesklinik.

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Haupt-Therapiepunkte waren Soziale Kompetenz und verschiedene Arten der Hilfe zur Selbsthilfe. Einiges versuche ich immer noch zu befolgen, z. B. Ich- & Du-Botschaften, Maßnahmen gegen die Gedanken-/Grübelspirale, keine so hohen Ansprüche an mich selbst stellen, …

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Wenn die Kraft dazu ausreicht, versuche ich gegen schlimme Phasen anzukämpfen. Ich habe allerdings für mich akzeptiert, dass die Depression (in meinen Augen) nicht heilbar ist. Sie ist fester Teil meines restlichen Lebens – auch wenn sie zeitweise in den Hintergrund rückt.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Ich schreibe Gedichte und Kurzgeschichten, gehe regelmäßig Bogenschießen und unternehme viel mit (echten) Freunden.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Aktuell nutze ich keine weiteren Möglichkeiten in Anspruch.

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Richtige Skills habe ich nicht. Je nach Situation suche ich das Gespräch mit Freunden oder Zeit für mich allein.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Psychiatrische Psychotherapie, ambulante Reha-Klinik und teilstationäre Tagesklinik.

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Zuerst habe ich die Bewilligung der Reha-Klinik bei der Krankenkasse beantragt. Nachdem nur eine teilstationäre Klinik bewilligt wurde, habe ich nach Absprache mit meinem Psychiater Widerspruch eingelegt und erneut eine vollstationäre Klinik beantragt.

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Ich bin zwar nicht aus der Depression herausgekommen, habe jedoch gelernt, dass man in Situationen wie einer Depression wahre Freunde und echte Familie erkennt.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Auch wenn es schwierig ist, sollte man sich selbst die Depression eingestehen und Hilfe suchen. Man sollte sich auch an eine Vertrauensperson (Familie, Freunde) wenden, es ist wichtig, Jemanden zu haben, mit dem offen und ehrlich geredet werden kann.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Keiji~Chan für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Nadja.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Rezidivierende depressive Störung

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Müdigkeit, Erschöpftheit, Antriebslosigkeit, köperliche Beschwerden, Kopfschmerzen, Magenschmerzen

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

Schätzungsweise 10 Jahre

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Ich bin trockene Alkolikerin, auf dem Weg in die Trockenheit wurde die Depression erst richtig erkannt. Verdrängte Dinge aus der Vergangenheit, die hochkamen und die ich weiter verdrängen wollte. Durch die Depression wurde ich regelrecht gezwungen, mich damit auseinanderzusetzen.

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

Ca.6 Jahre

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Mein Hausarzt war die erste Anlaufstelle, danach habe ich es mit ambulanter Therapie versucht.

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Nicht mehr – ich habe Anfang des Jahres eine ambulante Verhaltenstherapie beendet, die etwas über 2 Jahre ging.

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Ich merke relativ früh, wenn etwas mit mir ist und bin achtsam mir gegenüber.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

2 abgebrochene Gesprächstherapien, es bringt nix, wenn der Patient dem Therapeuten was vormachen kann. Dann Tagesklinik, wo sich rausstellte, dass ich um einen Klinikaufenthalt nicht herumkomme. Doch stationär musste ich dann nach 6 Wochen wegen eines Bandscheibenvorfalls abbrechen und wollte dann nicht mehr stationär gehen.

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

In der Tagesklinik habe ich mein Hobby gefunden- das Kunsthandwerk. Die Schmetterlingsbilder waren für mich ein Symbol der Hoffnung, danach folgten viele andere Dinge und ich merkte, dass ich ziemlich kreativ sein kann . Ich hab dort Achtsamkeitsübungen gelernt, die ich allerdings gar nicht mehr anwende, für mich nicht wirklich passend.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Sie ist ein Teil von mir, sie ist da, aber sie ist nicht ich. Sie begleitet mich , aber sie beherrscht mich nicht mehr.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Mit der Arya App erstelle ich mir täglich ein Stimmungsprotokoll, dass hilft mir ganz gut. Ich bin kreativ tätig, organisiere hier Kunsthandwerkermärkte. Habe mit Sport angefangen (Fitnesstraining) und merke, wie gut es mir tut.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Derzeit keine aber ich weiss, dass es in der Nähe eine SHG gibt.

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Direkte Skills hab ich nicht.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Ganz am Anfang eine Mutter Kind Kur, zu mehr war ich nicht bereit.

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Mit Hilfe der Therapeuten habe ich die Anträge für die Therapien bei der Krankenversicherung gestellt.

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Die Verhaltenstherapie half mir sehr, so wie die Gruppentherapie, das Gespräch mit anderen Betroffenen. Ein Zeitlang auch Medikamente, als es ganz schlimm war. Heute weiss ich, ich bin nicht allein, ich weiss, wo ich Hilfe bekomme und ich weiss, dass meine Familie und Freunde zu mir halten.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Hilfe holen ist nicht einfach- aber es hilft. Denn dann weisst Du, Du bist nicht allein. Ich dachte lange, es wird nicht besser und ich finde keinen Weg raus aus diesem Dunkel, doch heute weiß ich, es gibt ihn, den Weg da raus.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Nadja für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Corinna Kalloti.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Rezidivierende Depression mit mittelschweren, bis schweren Episoden

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Schlafstörungen, Lebensmüdigkeit, Antriebsminderung, sozialer Rückzug bis Isolation, Angst, Psychosomatik, Gedankenkreisen, Konzentrationsschwäche, Wortfindungsstörungen, in bestimmten Lebensbereichen ein stark vermindertes, temporär nicht vorhandenes Selbstwertgefühl, stark ausgeprägte Schuldgefühle

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

Seit ca. 20 Jahren, Diagnose erst 2012

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Ursächlich vermutlich die Herkunftsfamilie (Alkoholismus des Vaters, Co-Abhängigkeit der Mutter) und die daraus hervorgehenden Entwicklungen intern und extern.

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

Es gab erste Gespräche durch eine therapeutische Beratungsstelle, schon in der Jugend und initiiert durch die Mutter. Aktiv selber Hilfe gesucht erst wieder nach 10 Jahren.

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Therapeutische Beratungsstelle, dann Psychotherapeut

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Aktuell: Tiefenpsychologisch fundiertes Verfahren
Phasenweise: Gesprächstherapie und/oder Verhaltenstherapie

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Ich lerne wieder mehr Zugang zu meiner Seele zu bekommen, lerne mich fühlen zu können – nicht alles zu zerdenken, analysieren und zu verkopfen – mehr in mich hineinfühlen und wahrnehmen was ich fühle und nicht denke. Den Fokus darauf lenken. Ich begreife mich dadurch besser.
Im Alltag hilft es, weil ich dazu neige, das Gefühl (Bauchgefühl und Gefühlswelt im Allgemeinen) nicht zu beachten, sondern alles durch das rationale Denken zu bewerten und anzugehen.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Nein

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Keine

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Ich lebe damit, habe mich lange mit dem Thema beschäftigt und auseinandergesetzt. Habe mich informiert, eingelesen und irgendwann für mich erkannt, dass die Depression ein Teil von mir ist und sie vermutlich bleiben wird, mal stärker, mal schwächer ausgeprägt. Inzwischen bin ich besser in der Lage zu erkennen, wann die Depression Gefühle und Handeln bestimmt und übernimmt, was dazu führt, dass ich mich dann selber besser regulieren kann. Es ist eine gewisse Akzeptanz eingetreten.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Ich habe mir einen Hund angeschafft. Spreche darüber, arbeite immer wieder daran, mich aus den Tiefs zu holen, indem ich bewusst soziale Kontakte suche, selbst wenn es sehr schwer fällt. Ich schreibe oder male.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Keine

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Nein

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Psychosomatische Reha, Aufenthalt Psychiatrie, Psychotherapie

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

In Kombination mit somatischer Schmerzerkrankung Schwerbehindertenausweis und EU-Rente auch in Kombination mit somatischer Schmerzerkrankung

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Nein

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Dass er sich thematisch gut damit auseinandersetzen sollte (was ist eine Depression, was für Auswirkungen, wie damit umgehen). Offen damit umgehen (Familie und Freundeskreis aufklären). Sich mit Betroffenen auszutauschen und die Depression nicht zu verstecken. Rausfinden, was der Person persönlich am besten hilft, sich bewusst machen, was einem gut oder nicht gut tut, kann bei jedem anders sein. Langfristig einen Weg finden, die Depression und sich – MIT der Depression – zu akzeptieren (aber das funktioniert meist nicht sofort).

Wir bedanken uns recht herzlich bei Corinna Kalloti für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Jesslou Alb.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Emotionale instabile Persönlichkeitsstörung, die einer Psychose gleich kommt

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Selbstverletzendes Verhalten, Depressionen, Suizidgedanken, Isolierung

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

Seit meinem 14. Lebensjahr

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Mein Erzeuger spielt eine große Rolle und meine Kindheit prägte mich mit Schlägen und so gut, wie mit keiner Liebe. Niemanden hat es interessiert, wie es mir geht und was ich für Probleme habe, ich war einfach auf mich alleine gestellt.

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

Hilfe habe ich mir nach ca. 5 Jahren geholt.

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Ich war zuerst 4 Monate im Krankenhaus, wo alles diagnostiziert wurde.

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Erneute Verhaltenstherapie steht wieder eine an.

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Ich habe gelernt, dass es wichtig ist über alles zu reden, dass man lernen muss sich selber zu akzeptieren. Mehr zu vertrauen und das ich mit mir einfach liebevoller umgehen muss.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Eine Verhaltenstherapie. Habe in einer Therapeutischen WG gewohnt. Anschließend, bin ich in eine Sucht WG gezogen und habe dort ebenfalls eine Therapie gemacht.

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

In der Therapeutischen WG haben regelmäßig Einzel- und Gruppentheraoien stattgefunden. Dort habe ich gewohnt, weil ich nicht dazu in der Lage war alleine zu wohnen und damit ich lerne, mit der Krankheit besser umzugehen, ohne dabei alleine zu sein. Im Alltag hilft es mir dabei, weil ich weiß, dass kein Mensch perfekt sein muss, da jeder Fehler hat und auch machen darf. Ich habe wirklich gelernt mich selber zu reflektieren. Und habe mich anderen gegenüber sehr geöffnet. In der Sucht WG habe ich wegen einer starken Tabletten Abhängigkeit gewohnt und habe dort auch eine Therapie gemacht. Im Alltag hilft es mir, da ich mich dadurch besser kontrollieren kann.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Ich versuche mit der Depression heute lockerer umzugehen, da ich weiß, was ich in den Situationen machen muss und auch weiß, dass sie wieder vorbei gehen.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Wenn es mir richtig schlecht geht, denke ich immer an meinen Sohn. Höre sehr gerne laut meine Lieblingsmusik. Ich habe angefangen ein Buch zu schreiben – halb Biographie -, wo ich einfach mal das Geschehene loswerden kann. Es ist gleichzeitig aber auch mit Spaß verbunden, da ich auch gerne schreibe. Versuche mich oft selber zum lachen zu bringen oder kaufe mir was schönes, um mir einfach mal etwas zu gönnen.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Keine

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Laut Musik hören, eine bestimmte Salbe auf meine Haut auftragen

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Keine

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Ich musste vor ein paar Jahren einen Antrag auf Erwerbsunfähigkeit bei der deutschen Rentenversicherung stellen, heute bekomme ich Frührente. Eine Familientherapeutin, da ich einen Sohn habe.

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Ich kann viel besser damit umgehen, und weiß das ich mir einfach was Gutes tun muss.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Reden ist ganz wichtig ist und das man nicht alles verdrängen soll. Man darf sich von den negativen Gedanken nicht runterziehen lassen und es ist wichtig positiv zu denken, auch wenn es nicht leicht ist. Das machen, was einem sonst Spaß macht oder das Zimmer z.B. anders gestalten (gibt auch gleich ein besseres Gefühl). Und das es wichtig ist, sich so früh wie möglich Hilfe zu holen.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Jesslou Alb für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Beate Schrader.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Anankastische Persönlichkeitsstörung, rezidivierende depressive Störung (mittelgradig bis schwer), anhaltende somatoforme Schmerzstörung (chronische Lumbalgien), generalisierte Angststörung

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Ständige Rückenschmerzen, Panikattacken, Konzentrationsschwäche, Melancholie, Übelkeit, Herzrasen, Luftnot, Schwindel, Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit, Weinkrämpfe, Agression, Überforderung bei Kleinigkeiten

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

Seit Ende 2008

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Schwerer Reitunfall mit Verdacht auf Querschnittslähmung 1993, Berufsunfähigkeit, Jobverlust, Todesfälle innerhalb der Familie, Operationen, Feststellung von Defiziten im neuen Job, Beginn der Abwärtsspirale nicht erkannt, Ehekrise, Überforderung im Job, Aussteuerung bei der Krankenkasse

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

2 Jahre

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Hausarzt, Fachklinik

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Gesprächs- und Verhaltenstherapie

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Medikamentöse Behandlung und das aufzeigen anderer Sichtweisen, erarbeiten von Lösungsansätzen

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Hab ich noch nicht für mich gefunden.

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Keine

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Es ist immer noch ein ständiges auf und ab. Akzeptiert habe ich die Depression nur, das sie da ist … dass ich für meinen Maßstab nicht mehr funktioniere, habe ich noch nicht akzeptiert.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Reiki, Meditation, autogenes Training, Yoga, Gassi gehen mit meinem Pflegehund, malen, lesen, Musik laut mit Kopfhörern hören, PC Spiele, mit meiner Freundin treffen

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Nach dem Aufenthalt in der Tagesklinik, haben wir eine Selbsthilfegruppe gegründet. Physiotherapie, Quantenheilung, Osteopathie, Energiesitzungen

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Gummiband am Handgelenk, Chilli Bonbons, getrocknete Nelkenknospen kauen, Brennesseln an der Unterseite der Arme entlang streichen, 3 Tiere für jeden Buchstaben im Alphabet aufsagen, Ammoniak, Japanisches Heilpflanzenöl an die Schläfen streichen, Bewegung, kalte Dusche

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik, Aufenthalt in einer Tagesklinik, ambulante Psychotherapie

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente bei der DRV, Antrag auf Schwerbehinderung beim Amt für Soziale Dienste

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Bisher bin ich die Depression noch nicht los geworden.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Liebe/r Betroffene/r, du kannst es nicht allein schaffen. Bitte hole dir Hilfe, dann ist es möglich wieder einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Institutsambulanzen können die Wartezeit auf Psychotherapie überbrücken und in eine Fachklinik kann man sich auch selbst einweisen, wenn nichts mehr geht. Ein Klinikaufenthalt macht den Austausch mit anderen Betroffenen leichter. Es wird wieder besser, ich spreche aus Erfahrung.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Beate Schrader für die Teilnahme.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *