Interview eines Betroffenen

„Interview eines Betroffenen“ von Susanne Simon.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Burnout, mittelschwere Depression

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Durchfall, Schwindel, Herzrasen, Übelkeit, Konzentrationsschwierigkeit, Desorientierung, Kreislaufzusammenbruch, Nervenzusammenbruch, Weinkrämpfe, Muskelzucken, Gelenkschmerzen, suizidale Gedanken (da war sicher noch mehr aber ist wohl das gravierendste)

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

Diagnostiziert 10.2011 aber bereits seit ich 6 Jahre alt war, weiß ich, dass da was nicht passte.

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Nicht liebevolles aufwachsen, sexueller Missbrauch mit 13, Überforderung, Partnerschaft mit einem Borderliner & Narzisten, 60 Std. Woche (Arbeit)

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

Erst 12.2011 durch unsere Betriebsärztin

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Krankschreibung durch den Hausarzt, dann weiterführend durch die Betriebsärztin zur Reha

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Tiefentherapie

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Inzwischen habe ich in vielen Belangen meines Lebens total umgedacht. Ich habe diverse Strategien um triggernde Situationen selbst wieder in den Griff zu bekommen.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Burnout Prevention bei einer Ergotherapeutin

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Verschiedene Strategien, um mich aus dem Stresskarussell herauszunehmen. Zeichnen, autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Imanigationsreisen, Konzentrationsübungen, selbstreflektierende Technik

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Ich sehe sie wie Rheuma – sie kommt in Schüben, aber diese Schübe kommen mit erfolgreichem Therapieverlauf in immer größeren Abständen und werden „ertragbar“, also wie ein einfaches „Ich hab einen schlechten Tag“ Gefühl. Ich steigere mich nicht mehr in die negative Phase hinein.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Tai Chi hat mir sehr geholfen und Meditation ist klasse. Ich koche auch für mich allein möglichst täglich und nur mit frischen Lebensmitteln. Ich male inzwischen gern (freihand und auch Ausmalbücher). Leichte Lektüre wie z.B. Jugendbücher oder Hörbücher (beides hilft beim einschlafen).

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Seit etwa einem Jahr alles ohne weitere Hilfe – abgesehen von der TT

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Mein Skill war WEINEN, wenn es zu schlimm wurde hab ich einfach angefangen zu weinen. Sogar vor dem Chef mit der Ansage „Ich will damit nichts erreichen! Es ist ein Ventil, wenn mir etwas zu viel ist“.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Verschiedene Therapien und die Reha. Demnächst eine normale Kur zum vorbeugen.

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Sonderstatus „Beamtentum“, bei der Krankenkasse wurde nur die Reha beantragt (bin da nicht representativ)

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Je 33% Ergotherapeutin, Tiefentherapeutin und ich selbst. Ich WOLLTE aus der Depression und meine Therapeutinnen haben mir die passenden Mittel an die Hand gegeben.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Auch wenn Du es nicht glaubst und der Weg dahin echt schwer und weit ist, lass Dich nicht entmutigen! Wenn Du hartnäckig dran bleibst, wirst Du wenigstens ein Leben mit der Depression führen können, welches erträglich ist. Depression ist mit den richtigen Helfern heilbar. Lass dir von den Krankenkassen nichts einreden! Und ruf für einen Termin bei Therapeuten so oft es nur geht an, denn nur so sehen sie, dass du Hilfe WILLST.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Susanne Simon für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Paschaline.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Rezidivierende depressive Störung

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Mutlosigkeit, Verlust des Selbstwertgefühls, Gefühl der Sinnlosigkeit, Konzentrationsprobleme, Rückzug in Isolation, Überforderung, Wechsel zwischen Heißhunger und Nahrungsverweigerung, Panikattacken, Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen, Somatische Störungen wie Muskelzucken und Sprachprobleme

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

insgesamt ca. 15 – 20 Jahre, seit der frühen Pubertät

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Wohl vor allem der Verlust meiner Kindheit, bedingt durch kranke Eltern, die ich seit meinem 7. Lebensjahr pflege. Seitdem lebe ich unter ständigem Druck und trage eine hohe Verantwortung.

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

Dauerte mehrere Jahre

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Ich habe mich meiner Hausärztin anvertraut.

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Momentan leider nicht, weil ich nach einen Umzug keinen tiefenpsychologischen Therapieplatz finde.

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Keine

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Verhaltenstherapie

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Aus meinen bisherigen Therapien habe ich vor allem gelernt, dass ich ganz ok bin, wie ich bin und das mein Kopf nicht verrückt ist. Das es Gründe dafür gibt, dass ich so bin und das viele Menschen so sind, wie ich.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Ich habe für mich akzeptiert, dass mich die Depressionen ein Leben lang begleiten werden und das ich nie wieder so belastbar sein werde, wie ich es vor einigen Jahren noch war. Eben, weil ich viel zu lange gewartet habe, bis ich mir nach mehreren depressionsfreien Jahren wieder Hilfe gesucht habe. Im Privaten gehe ich sehr offen damit um. Die meisten Menschen sind eher interessiert und neugierig, wenn jemand zugibt Depressionen zu haben. Beruflich habe ich bisher noch niemals was über meine Depressionen gesagt.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Ich plane mehr Pausen ein, als es ein „normaler“ Mensch es tun würde und ich tue mir keinen Freizeitstress mehr an. Verabredungen treffe ich in der Regel nur spontan oder sage auch mal ab, wenn ich lieber Ruhe will. Ich lese viel über Psychologie und Psychotherapie. Außerdem halte ich engen Kontakt mit den Mitgliedern meiner Therapiegruppe aus der Tagesklinik vor fast 3 Jahren. Ich versuche mich, zumindest privat, nur noch mit Menschen zu umgeben, bei denen ich nicht schauspielern muss.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Keine

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Keine

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Tagesklinik und Klinik. Meine Psychotherapien und mein Klinikaufenthalt wurden immer ohne Probleme genehmigt.

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Ich verlor durch länger andauernde AU aufgrund der Depressionen meinen Job im Einzelhandel. Das Arbeitsamt hat mir nach langem Kampf eine Umschulung zur Kauffrau für Büromanagement genehmigt, weil ich dem Druck im Einzelhandel psychisch nicht mehr gewachsen bin.

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Das Beste, was mir passieren konnte, war mein totaler Zusammenbruch 2014 inklusive Jobverlust und Klinik. Im selben Jahr eine schlimme Scheidung und der Verlust fast meines kompletten „Freundeskreises“. Ich hatte nichts mehr zu verlieren und habe gedacht es wäre das Ende. Ich war gezwungen mein Leben komplett umzukrempeln und nochmal neu anzufangen. Seitdem weiß ich erst, welche übermenschlichen Kräfte ich habe. Ich habe gelernt, dass die Depressionen auf mich aufpassen. Wenn ich einen Weg einschlage, der nicht gut für mich ist, dann werfen sie mich auf den Boden und zwingen mich innezuhalten. Deswegen dürfen die Depressionen da sein. Wir haben einen Kompromiss geschlossen.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Gib nicht auf, such dir Hilfe und kämpfe. Es wird wahrscheinlich die schwerste Zeit Deine Lebens sein, aber Du wirst irgendwann stolz auf Dich und Deine Kraft sein. Du wirst Dich besser kennenlernen und auch Dein Umfeld. Du wirst lernen Deine Prioritäten anders zu setzen. Man kann mit Depressionen leben, und den Großteil der Zeit ziemlich gut!

Wir bedanken uns recht herzlich bei Paschaline für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Markus Bock.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

schwere rezidivierende Depression, Dysthymie

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Antriebslosigkeit, Desinteresse, übermäßiges und negatives Grübeln, Selbstabwertung, Schwierigkeit der Alltagsgestaltung, Kopfschmerzen, Essstörung, Suizidgedanken

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

20 Jahre

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

In der Kindheit falsch erlernte Muster, die bis heute teilweise andauern. Erziehung, Erleben in der Kindheit, Alkoholismus der Eltern, zu frühe Verantwortung, keine Wertschätzung

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

12 Jahre

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Hausarzt

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Nicht mehr, davor 3 ambulante Verhaltenstherapien, Tagesklinik

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Durch die verschiedenen Therapien habe ich viele Möglichkeiten kennengelernt, die ich alle einbauen kann. Bewegung, Achtsamkeit, richtig fokussieren, Gedanken überprüfen, Auslöser für Gefühle finden und hinterfragen, mich reflektieren, Kunst als Auszeit im Alltag. Affirmationen durch die Kunst und Bewegung. Strukturen erlernen und einhalten.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

systemische Therapie

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Die systemische Therapie sieht nicht das Verhalten als falsch, sondern versucht über die Auslöser von außen mit dem entstehenden Problem umzugehen. Es ist also nicht zwingend mein Verhalten destruktiv. Die Kombination aus Verhaltenstherapie und systemischer Therapie bietet mir viel mehr Möglichkeiten, mich zu reflektieren.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Ich lebe mit ihr, als wäre es ein Freund, der immer dann an die Tür klopft, wenn es anstrengend wird. Sie ermahnt mich, auf mich zu achten. Ich habe sie soweit akzeptiert, dass ich offen darüber schreibe und Lesungen / Vorträge mache. Sie hat mich zu mir finden lassen und lässt mich das machen, was ich kann und was mir wirklich Spaß macht. Ich bin dadurch ein gefühlvoller, empathischer Mensch geworden.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Sport und Bewegung, Achtsamkeitsübungen, Meditationen, Imaginationen, Entspannungsübungen, mit der Thematik arbeiten, Familienleben genießen

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Selbsthilfegruppe, Heilpraktiker, sozialpsychiatrischer Dienst

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Ich nutze nur den Sport, meist mit dem Fahrrad.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Psychotherapie und Tagesklinik

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Keine

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Ich bin „trockener“ Depressiver. Ich bin immer drin, muss aber darauf achten. Die grundlegende Erkenntnis: Mich selbst zu finden, mich wahrzunehmen, für mich zu sorgen und mich zu mögen.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Depressionen sind eine anstrengende und unter Umständen eine langwierige und zermürbende Krankheit, aber jeder – wirklich jeder – hat die Chance, einen Weg für sich zu finden. Den Weg zu sich und mit der Krankheit umzugehen – egal welche Diagnose am Ende dabei rauskommt. Angst und Tränen gehören zum Verstehen dazu. Und wer es zulässt, auf sich selbst zu schauen, hat die besten Karten in der Hand. Depressionen sind eine Chance.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Markus Bock für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Anonym.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

Schwere Depression

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

Antriebslosigkeit, Essstörung, Sozial Phobie

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

6 Jahre

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

Familiäre Probleme mit daraus resultierendem Helfersyndrom, Beziehungsprobleme durch das Helfersyndrom bzw die Partnerwahl und der ausschlaggebende Punkt war ein kompletter Nervenzusammenbruch.

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

2 Tage

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Mein Hausärztin war zum Glück ein sehr empathischer Mensch und hat mir am Anfang sehr helfen können.

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Verhaltenstherapie, jedoch seit wenigen Wochen nicht mehr. Am Anfang eine Traumatherapie

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Ich hab gelernt mich abzugrenzen und meine Kraft mir zu Gute kommen zu lassen.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Ich hatte eine 6 wöchige Kur, welche mir unglaublich geholfen hat.

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Wie oben geschrieben. Abgrenzung und das erlernen eigener Stärken. Vorallem Therapieformen aus der Kunstrichtung haben mir viel geholfen. Egal ob bildliche oder musische Kunst.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Ich habe gelernt das sie ein stiller Begleiter meines Lebens sein wird. Das es gute und weniger gute Tage geben wird und das ich beides so akzeptiere. Das ich an schlechten Tagen nicht resigniere, sondern mich an den kleinen Dingen, die ich vollbringe, aufrichten kann.

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Ich spiele Volleyball, wo ich im Team Unterstützung habe und verwirkliche Ideen und Gedanken vor der Kamera.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Im Moment keine. Sollte ich allerdings wieder an den Punkt kommen, dass ich sie benötige habe ich eine Einladung für ein Qi Gong Gruppe, um meine innere Mitte wieder zu finden.

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Qi Gong und Meditation helfen mir um Stresssituationen zu entfliehen.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Ich war zur Reha und habe eine lange Psychotherapie gemacht.

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Der Antrag für die Reha war der einzige. Hier hat mir sowohl meine Hausärztin, als auch meine Therapeutin sehr geholfen.

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Ich habe verstanden, dass das Leben immer ein auf und ab sein wird und ich nicht verzweifeln muss, weil die Welt um mich herum grau erscheint. Die Reha, sowohl von therapeutischer Seite, als auch von den Bekanntschaften, die ich machen durfte hat mir unendlich viel geholfen.

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Das er nicht verzweifeln soll im Angesicht der Depression. Er soll sich auf alles positive konzentrieren, was er schafft, egal wie klein es ist, denn so sieht er, wie er aus eigener Kraft voran kommt. Und dieses Gefühl der Stärke ist einmalig.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Anonym für die Teilnahme.


„Interview eines Betroffenen“ von Anonym.

01. Welche Form/en der Depression wurde/n bei Dir diagnostiziert?

schwere depressive Episode, Erschöpfungsdepression

02. Mit was für Symptomatiken geht/en sie persönlich bei Dir einher?

fehlender Antrieb, ständige Müdigkeit, Grübeln, Hoffnungslosigkeit, Skin Picking, Stressinkontinenz, Kopfschmerzen, Vergesslichkeit, Magendarm-Probleme, Fressattacken, Kraftlosigkeit, Gefühlsverlust, Suizidgedanken, Selbsthass, Schuldgefühle, Freudlosigkeit.

03. Wie lange leidest Du bereits an der Erkrankung Depression?

ca. 3 Jahre

04. Was war/en der/die Auslöser für Deine Erkrankung?

genetisch vorbelastet, unverarbeitete Vergangenheit, Arbeitsüberlastung durch Drillinge und psychisch kranken Sohn, Mutter, Bruder.

05. Wie lange dauerte es, bis Du für Dich soweit warst, Hilfe aufzusuchen?

ca. 2 Jahre

06. Welchen Weg der ersten Hilfe bist Du für Dich gegangen?

Hausarzt

07. Besuchst Du in regelmäßigen Abständen eine Psychotherapie, wenn ja welche?

Ja, derzeit die Tagesklinik

08. Was kannst Du positiv für Dich aus dieser Therapie herausziehen und inwiefern hilft sie Dir in Deinem Alltag?

Das ich endlich eine Diagnose habe. Meine Familie unterstützt mich und mein Mann versteht mich endlich. Ich kenne nun meine Grenzen und ziehe mich rechtzeitig zurück.

09. Hast Du auch schon anderweitige Formen der Therapie, ausser die bei Frage 7 genannten für Dich genutzt?

Beschäftigungstherapie, Progressive Muskelentspannung (PMR).

10. Wenn ja, für was war/en diese Therapie/n speziell und inwiefern hilft es Dir seitdem im Alltag?

Beschäftigungstherapie lenkt mich vom grübeln ab. PMR hilft mir mich zu entspannen.

11. Wie gehst Du mit Deiner Depression heute um und inwiefern hast du sie für Dich persönlich akzeptiert?

Seit ich die Diagnose habe, weiß ich dass ich nicht faul bin. Ich lasse mir genug Zeit sie zu verstehen und weiß, dass ich nichts dafür kann. Auch Rückschläge gehören dazu. Eine tiefe Phase geht wieder vorüber (bin gerade in einer).

12. Was tust Du für Dich selber privat im Alltag, damit es Dir besser geht oder was hilft Dir positiv in deiner Depression?

Sport tut mir gut (gibt mir Kraft und Selbstbewusstsein), gesunde Ernährung, mehr an mich denken, Familie ist wichtiger als Arbeit, daher werde ich meine Arbeitszeit reduzieren und mir mehr Freiräume schaffen. Außerdem werde ich Familienhilfe beantragen. Ich habe meinen Mann und meine Eltern als Anker.

13. Was für Möglichkeiten nutzt Du eventuell sonst noch für Dich?

Familienhilfe, Selbsthilfegruppe

14. Hast Du Skills, welche Dir im Notfall bei zu hohem Druck, sehr großer Angst, Panikattacken etc. helfen und wenn ja, was sind Deine persönlichen Skills, damit es Dir wieder etwas besser geht?

Ich rede mit meinem Mann oder rufe meine Mutter an.

15. Welche Hilfen stellte Dir das Gesundheitssystem zur Verfügung?

Familienkur, Psychotherapie ambulant, stationär und teilstationär.

16. Welche Anträge hast Du, bedingt durch Deine Depression stellen müssen, für was sind sie und wo hast Du diese jeweils beantragt?

Antrag auf ambulante Psychotherapie, Antrag für eine Mutter-Kind-Kur, Haushaltshilfe bei der Krankenkasse. Sowie Antrag auf Familienhilfe, Eingliederungshilfe für den Sohn beim Jugendamt.

17. Falls Du aus der Depression herausgekommen bist, welche Umstände haben dazu beigetragen und welche positiven Erkenntnisse hast Du für Dich daraus mitnehmen können?

Ich bin noch mittendrin

18. Was würdest Du gerne als Betroffener einem Menschen positiv mit an die Hand geben, der gerade erst an Depressionen erkrankt ist oder in einer negativen Gedankenspirale steckt?

Der Zustand bleibt nicht für immer. Die Depression lässt einen so negativ denken, doch es gibt Hilfe und auch andere Betroffene. Man ist nicht sonderbar oder allein.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Anonym für die Teilnahme.

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