Meine Lebensgeschichte

(09.06.2016 – Mein Weg in die Depression Teil 1)

In diesem Artikel geht es nicht um einen fiktiv depressiven Menschen, sondern um eine real betroffene Person, die namentlich nicht genannt werden möchte und deren sehr lange Lebensgeschichte auf wahren Tatsachen beruht. Als Ghostwriterin wird sie mir sehr tiefe Einblicke in ihr Seelenleben gewähren und mich an ihrer Vergangenheit teilhaben lassen. Beginnend mit diesem Artikel wird es zukünftig eine chronologische Artikelserie geben, in der sie mir ihre persönliche Entwicklung vom 3. Lebensjahr an, bis heute als 45-jährige erwachsene Frau erzählen wird. Sie wird mir von ihrem steinigen und langen Lebensweg berichten, wie sie für sich allmählich bemerkte und begriff, dass sie an Depressionen erkrankt ist, welch unzählige Rückschläge sie erleben musste und wie sie nun dort hingekommen ist, wo sie für sich heute steht.

Nun zu ihrer Lebensgeschichte:

In meinem Leben habe ich von Beginn an, soweit, wie ich in meine Kindheit zurückblicken kann, sehr viel Schlimmes erfahren, doch es gab auch wenige und schöne Momente. Durch meine ganze Vorgeschichte, die ich erleben musste, bin ich sehr früh an Depressionen erkrankt und von dieser möchte ich Euch nun erzählen.

Doch zu was hat mich meine Vorgeschichte und meine Depression heute gemacht?

Auf meinem langen steinigen Weg wurde ich Mutter eines heute erwachsenen Sohnes, zu dem ich ein sehr inniges Verhältnis habe. Humor und eine gewisse Lebensfreude gönne ich mir, da ich von den vielen kleinen, schönen Dingen im Leben zehre und mich an ihnen erfreue. In meinem Charakter bin ich eine offene, ehrliche Person, die zu ihrer Meinung steht und sie auch äußern kann, was mich daher auch zu jemandem macht, der Meinungen anderer akzeptiert. Ich diskutiere gern, bin aber auch kritikfähig und das, obwohl ich sensibel und emotional bin, was ja durch die Depression noch mal verstärkt wird.
Es war ein Weg für mich, mit harten Kämpfen und vielen Rückschlägen, bis ich die für mich richtige Richtung gefunden habe und durch den ich auch sehr empathisch wurde. Diesen Weg, den ich bisher gehen musste, wird es weiterhin geben, denn die Depressionen werden mich ein Leben lang begleiten, daher gehe ich mit meiner Depression offen um, denn dies ist mein Weg, um damit besser leben und umgehen zu können.

Meine Mutter war seit meinem 3. Lebensjahr Alkoholikerin und stets mehr mit sich beschäftigt, als sich um mich zu kümmern. Ich würde nicht direkt sagen, dass sie mich ignorierte, aber durch ihre eigenen Probleme konnte sie mir nie die Aufmerksamkeit, Liebe und Zuneigung geben, wie es ein Kind eigentlich entgegen gebracht bekommt, denn mein Tun, war ihr oft egal.
Sie betrank sich nie bis ins Delirium, sondern war immer nach ihrem Ermessen bei klarem Verstand. Es war ihr immer sehr wichtig, was die Menschen nach außen hin mitbekamen, über sie dachten und stets darauf bedacht, den Schein der heilen, glücklichen Familie zu wahren. Niemand sollte merken, dass sie trank und was in unseren vier Wänden los war. So hatte ich auch immer ein gepflegtes Äußeres und lief ordentlich gekleidet draußen herum.

Durch diese Zeit und dem schlechten Verhältnis zu meiner Mutter wurde ich immer rebellischer und versuchte alles Mögliche, um von ihr irgendwie Aufmerksamkeit zu bekommen. Es war mir völlig egal, ob ich es auf gute oder schlimme Art tat. Für mich war nur wichtig, dass sie mir überhaupt Beachtung gab und wenn ich diese durch Ärger erhalten hatte, war das auch o. k. für mich, denn so bekam ich sie wenigstens für einen Augenblick von ihr und das tat mehr gut, als das ich gar keine bekam.
Wir wohnten damals – so dachte ich zumindest all die Jahre – mit meinem Vater zusammen. Meine Mutter brachte mich morgens in den Kindergarten, von wo mich dann regelmäßig nachmittags meine Oma abgeholt hatte. Wir gingen dann zu ihr, wo wir auf meinen Opa warteten. Gerade meine Oma habe ich vergöttert, weil sie so viel Gutes für mich tat. Ich war sehr gerne bei meinen Großeltern und fühlte mich dort wohl, denn bei ihnen erfuhr ich, was es heißt, behütet und geliebt zu werden.

Ich aß mit meinen Großeltern zu Mittag und danach unternahmen wir immer etwas gemeinsam. Häufig schlief ich auch bei ihnen und so habe ich diese Zeit bei ihnen sehr genossen. War ich nicht bei meinen Großeltern über Nacht, kam mein Vater mich bei ihnen abholen. Wir fuhren dann nach Hause und dort bekam ich sehr früh mit, dass mein Vater meine Mutter schlug und gewalttätig war.
Ich aber habe nie von meiner Mutter oder meinem Vater Gewalt erfahren. Im Gegenteil zu mir war mein Vater eigentlich immer lieb und fair, und so wuchs ich, was ihn anging und im Gegensatz zu meiner Mutter doch verhältnismäßig normal auf. Für mich waren diese Verhältnisse zu Hause immer irgendwie normal. Klar wusste ich für mich, dass es so nicht sein dürfte, aber ich kannte es von klein auf ja nicht anders und so nahm ich es als gegeben hin, dass mein Vater meiner Mutter gegenüber diese Gewalt innehatte.

Doch es gab – wie erwähnt – auch die sehr wenigen schönen Momente und gerade die habe ich dann umso mehr in mich aufgesaugt. Weihnachten z. B. war immer einer dieser tollen Momente. Heiligabend traf sich immer die ganze Familie bei meinen Großeltern, alle waren schick angezogen und verstanden sich richtig gut. Der Baum wurde traditionell mit der ganzen Familie an diesem Abend geschmückt und anschließend in gemütlicher Runde gegessen.
Alle waren gut gelaunt und so wurde auch sehr viel gelacht. Vergessen werde ich nie die Bescherung, denn ich glaubte ja noch an das Christkind und damit es meine Geschenke in Ruhe unter den Weihnachtsbaum legen konnte, musste ich immer ins Badezimmer gehen, wo ich voller Vorfreude wartete. Für Weihnachten habe ich wirklich gelebt als Kind und das nicht Mal so sehr wegen der Geschenke, sondern eher, weil an diesem Tag alles in Ordnung war und ich meinen, sonst so schlimmen aber auch einsamen Alltag vergessen konnte.

Es war alles andere, als ein wohlbehütetes Elternhaus, was ich zwischen dem 3. – 8. Lebensjahr hatte und doch ist dies hier erst ein kleiner und noch nicht der schlimmste Einblick dessen, was ich ab meinem 8. Lebensjahr weiterhin erleben musste, jedoch werde ich Euch von dieser Zeit im folgenden 2. Artikel erzählen.“

Feedback der Ghostwriterin Nadine Wagner über das Gespräch zum entstandenen Artikel:

Durch meine Empathie fühlte ich sehr gut mit, wie nah es der Betroffenen ging, ich nenne sie hier fiktiv Marie (richtiger Name ist mir bekannt) und wie schwer es ihr oft fiel, über die Vergangenheit zu reden. Ich habe sie durchweg in ihrem Ermessen erzählen lassen, um sie nicht unter Druck zu setzen. So hatten wir immer mal einen bunten Themenwechsel, damit sie sich in ihren Gedanken und Gefühlen wieder fangen konnte. Für mich war bzw. ist es eine Ehre, an ihrer sehr privaten Vergangenheit teilhaben zu dürfen. Ist es doch immer etwas anderes, selber über sich und was einen bewegt zu schreiben, als es mir in einem persönlichen Gespräch detailliert erzählen zu lassen, damit ich für sie diesen Artikel schreiben kann und darf.

Betroffene: Marie (fiktiv)
Ghostwriterin: Nadine Wagner
Foto: Pixabay

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